John Carter Brown.
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3 er nr die ib in ane 1 haben
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L Dos Uebrige des Ange: Regiſters der Ebenezeriſcen Herren
Prediger vom Jahr 1742. |
u en kleines Reiſe⸗ Journal des 9 8 Vague 225 und von
5 Charles⸗Town
| * mi | 5 . enthalten.
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Samuel Urlſperger,
x: [ee Des Evangel Minifterit in Augſpurg Seniore und Paſtore
er . a 2 der TR u zu St. Annen. era ;
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G &3 yleihwie einige ohnvermuthete Hinderniß der
e Edirung der XI. Continuation, ſo in der
letzten Michaelis⸗Meſſe hätte geſchehen ſollen,
im Wege geſtanden; fo gehet es nun auch
| in Anſehung der Vorrede zu diefer Continua-
tion. Damit aber die Nachrichten ſelbſt auf die Neu⸗Jahrs⸗
Meſſe nicht zurück bleiben; ſo hat man für gut befunden, die
Vorrede dermalen wegzulaſſen, und was von Eben zer dar:
innen hätte gemeldet werden füllen, bis auf Oſtern zu verſpa⸗
ren.
Evangeliſchen Gemeinen, ſo ihm in America nach dem Fuͤr⸗
bilde der heilſamen Worte CHriſti und ſeiner Apoſtel ge⸗
ſammlet werden. Er bleibe auch, wie bishero, bey den ges
faͤhrlichen Krieges⸗Laͤuften ihr Schloß, dahin fie mit ihrem
Der Herr ſeye Eben zer gnaͤdig, wie auch den andern
glaͤubigen Gebet fuͤr ſich und andere laufen, und erhalten
werden; nach den herrlichen Worten Davids: Welche ihn
anſehen und anlaufen, derer Angeſicht wird nicht zu
Schanden. Da dieſer Elende rief, hoͤrete der Y Err, und
f ihm aus allen ſeinen Rothen. Der Engel des Errn
agert ſich um die her, ſo ihn fuͤrchten, und hilft ihnen
Schmecket und ſehet, wie freundlich der HErr
2 *
iſt; wohl dem, der auf ihn trauet. Pf. 34, 6. J. 8. 9.
Uebrigens gedencke der JEſus, der um unſert willen arm
worden, auf daß wir durch ſeine Armuth reich wuͤrden, aller
Augſpurg den 14. Dec. 1744.
1 70 4 2 |
im Beſten, die unſers Eben Szers nicht vergeſſen!
ort. SEE.
W
SPECIFICATION
Der für EbenEzer eingelauffenen Liebes
Gaben.
Im Jahr 1744.
*
On hieſiger werther Freund ſendet von ſeinem Kunſt⸗Verlag
RP, für Eben Ezer den Werth von 7 Fl. Eine gewiſſe Freundin
O ſteuret 2 Fl. Ein Chriſtlicher Medieus, der mehrmal mit ſei⸗
ner Liebe auf EbenEzer ausgefloffen, läßt wieder ein Baͤchlein
durch Sendung eines Ducaten dahin flieſſen. Den arſten kamen von
einem hieſigen Herrn und Goͤnner, auch verborgenem Freunde der Armen⸗
Anſtalt, fir Eben Ezer 3 Louis d'or unter dem Wunſch: Der Err
gebe feinen Segen dahin, und laſſe alle Seil⸗ bringende Anſtalten
immer peſſer empor kommen zur Ehre feines Namens. Faſt zu
Ende dieſes Monats ſandte ein auswaͤrtiger chriſtlicher Kaufmann ei⸗
ne doppelte Doppie für Eben Ezer, mit dieſem an die daſige Gemeine ger
richteten kurtzen Brieflein, alſo lautend: „Gnade ſey mit euch und Frie⸗
„de von GH dem Vater und unſerm HErrn JEſu CHriſto, in der
„Kraft des Heiligen Geiſtes, Amen! Alldieweilen mir, in dieſem
„Dreyeinigen GOTT hertzlich geliebte Seelen, ungeachtet meiner groſ⸗
„fen Unwuͤrdigkeit, von der Quelle alles Guten ein Segen und rn
55 at
E
5
—
—
| 5 Speciflcat. der für Eben Ezer eingelauffenen Liebes⸗Gaben.
. je nach dem andern zuflieſſet, fo erkenne mich nach dem Spruch
„EHriſti: Wohlzuthun und mitzutheilen vergeſſet nicht, hinwieder⸗
8 | Segen in dem Namen Gottes abermals
5 * *
euch von dieſem
a N . N, Pre 5 FE s
vetw as zuflieſſen zu laſſen, den hoͤchſten Wohlthaͤter demuͤthig bittende,
„daß er dis wenige multipliciren und reichlich vermehren wolle; gleich⸗
„wie es auch zur freyen Diſpoſition derer Wohl⸗Ehrw. Herren Bolzii
„und Gronau uͤberlaſſen wird, und fo lange der HErr aller Herren, und
der König aller Könige Leben und Segen giebt, werde ich nicht unter⸗
en, mit aller Freudigkeit ferner Handreichung zu thun, denn es
heiſſet dorten: Ich bin, mein GOtt, verbunden all Augenblick und
„Stunden dir uͤberhoch und ſehr, was Leib und Seel vermögen, fol
| nich ja willig legen allzeit an deinen Dienſt und Ehr. Schlieſſet mich
„in euer Gebet. Valete. den 24. Mart. 1744. , Und weilen der an den
Editorem gerichtete Brief ebenfalls erbaulich iſt; ſo will ich ihn zugleich
mittheilen. Er ſchreibet aber alſo: „Daß das Werck des HErrn in
Oſt⸗ und Weſten im Segen floriret und fortgehet, erſehe von Zeit zu
Zeit zu meinem innigſten Seelen⸗Vergnuͤgen aus denen edirten Tonti⸗
zmuationen: und da mich, gleichwie zu aller Zeit, beſonders aber in
„diefer Woche, der unausſprechlichen groſſen Liebe und des hochtheureſten
„Ver dienſtes meines HErrn JEſu CHriſti zu erinnern hohe Urſach ha⸗
„be, und ihm dafür in Zeit und Ewigkeit fo wol, als für vielem unver
„dienten zeitlichen Segen, taͤglich, ſtuͤndlich und augenblicklich nicht
„gnug dancken kan; als finde mich nach feiner Hertzens⸗lenckenden Kraft
leben wie die Eigenthums⸗Herren des Fuͤllens und der Eſelin im legte
„derwichenen Sonntags⸗Evangelio) ſchuldig und verbunden, feiner all⸗
‚mächtigen Diſpoſition zu Folge, in ſeinem allerheiligſten Namen aber⸗
„mals einen kleinen Beytrag den duͤrftigen Gliedern JEſu zu machen,
ywelches denn hierin liegend francö zu heben iſt, nicht zweifelnd, es wer⸗
de dieſes der barmhertzige Heiland à propos arriviren laſſen, daß Ew.⸗
„keine Hobelſpaͤne zu Ausfuͤllung eines Verſchlaͤgels von nöthen haben,
5 „oleichwie es der groffe GOtt vor ungefähe 2 Jahren gefuͤget hatte, daß
„ſolche zurück bleiben muſten, da eben beym Packen meine damalige
„Gabe ankam, vor welche Leinwand gekaufet, und mit ſolcher die Kiſte
vangefuͤllet werden konte. Ich habe dieſe kleine Gabe ſchon vor einigen
„Wochen gewidmet, als andere mit uͤbermachtem Schlittenfahren und
yſuͤndlichen Luſtbarkeiten weit mehr in wenig Stunden depenſirten,
„und achte es beſſer angewandt zu ſeyn, dann mir der HErr JEſus
„daß ich fo reden oder ſchreiben darf) ein richtiger Zinfer iſt. Nun
a N . a 3 5
Apr.
Specification der für Eben Ezer
„zu dieſem HErrn rufe ich Unwuͤrdiger: Ach! zünde deine Liebe in mei⸗
„ner Seelen an, daß ich aus innerm Triebe dich ewig lieben kan, und
„dir zum Wohlgefallen beftändig möge wallen auf rechter Liebes⸗Bahn.
„Ja, HErr JEſu, habe Danck, daß du geſtorben, daß ich ewig leben
„Am ‚und der Seelen Heil erworben, nimm mich ewig liebend an.
73 men «m j
Den 1 Apr. ſchreibet ein Evangeliſcher Prediger aus R. „Daß die
„Gemeine zu EbenEzer am Viehfall, und ſonderlich das Waͤyſenhaus,
„am meiſten Schaden gelitten, betaure. Es folgen aber zu einiger deſ⸗
„ſen Gutmachung 3 Ducaten nebſt einigen Schnupftuͤchern und Fellen
„zu Beinkleidern für die Waͤyſen⸗Kinder. Ich habe ſolches geſtern auf
„dem Waͤyſenhauſe colligiret, dafuͤr dem HErrn hertzlich dancke. Das
„beſſere Schnupftuch iſt dem dortigen Waͤyſen⸗Præceptori zugedacht.
Hier iſt zu mercken, daß, nachdem GOtt in dieſem Jahre den ſehr recht⸗
ſchaffenen Stadt⸗Pfarrer Weiler zu Bopfingen in feine Ruhe gefuͤhret,
der mehrere Zeit her eine jährige freywillige Eollecte für die Malabariſche
Miſſion und Eben Ezeriſche Gemeine bey feiner armen Gemeine angeſtel⸗
let, in deſſen Stelle obiger Evangeliſcher Herr Prediger in einer andern
Reichs⸗Stadt getreten. Jener wird einernten, was er auf den Geiſt
a „und dieſer wird noch ferner auf den Geiſt auszuſtreuen nicht
unterlaſſen.
An dem Char⸗Freytage dieſes Jahrs ſendet ein hieſiger Wohlthaͤ⸗
ter das jährliche für Malabaren mit 9 Fl. 30 Cr. Er nennet es ein klei⸗
nes Almoſen für Krancke und Arme. Der HErr ſegne es mit groſſem
Segen. Auch kommt bald das jaͤhrliche aus der RSt. N. mit 2 Fl.
für Eben Ezer an. Ein vornehmer Miniſter ſendet im Namen einer ans
dern wohlthaͤtigen Perſon aus H. die vor fünf Viertel Jahren dem lieben
Eben Ezer 300 Fl. geſandt, wieder dahin 150 Fl. Herr B. aus N. übers
macht für das Eben Ezerſche Waͤyſenhaus Das jährliche mit einem Louis.
blanc; und aus der Schweitz erhalte 2 fpec. Ducaten mit einem Brief
vom 21. Apr. folgenden Inhalts: „Nachdem vor ein paar Jahren einen
„Theil des von Shro = edirfen Diarii derer beyden treueifrigen Seel⸗
„forger zu EbenEzer in Georgien, zu leſen die Zeit und Glück hatte, und
„darinnen erſehen konte, wie dem Hoͤchſten gefallen, vornehmlich auch
„Ihro = zu diſponiren, ſich nicht allein Ihrer anvertrauten hoͤchſtan⸗
„ſehnlichen Chriſtlichen Gemeine, ſondern auch daneben ſonderlich der
„Saltzburgiſchen Coloniſten, wie aus ermeldetem Diario klaͤrlich erhel⸗
ylet,
a
__ eingelauffenen Liebes- Gaben.
let, anzunehmen, und mit Hülfe, Rath und That beyzuftehen, und
„folglich auch alle für ermeldte Eoloniften gewidmete, fo wol geringe als
chtige Schenckungen und Gaben unintereſſiret ihnen angedeyhen zu
w *
„laſſen: hat mich ſolches veranlaſſet, die Freyheit zu nehmen,, an Ihro⸗
„mich zu addreſſiren, und Sie demuͤthigſt zu bitten, das von inliegen⸗
„dem Scherflein (ſo eines erwuͤnſchten Ausſchlags einer gewiſſen Sache
„halber bey mir ſelbſt, zwar mit Vorwiſſen meiner lieben Ehegenoſſin,
‚für mehrerwehnte zu Eben zer etablirte Saltzburgiſche Emigranten ger
„widmet) auf Ihro⸗ hoher Diſpoſition uͤberlaſſende Weiſe und Form,
„wie Sie ietzigen mir unbewuſten Uimſtaͤnden nach für ſie an, nuͤtzlchſten
„und heilſamſten befinden, ihnen zukommen zu laſſen. ,,
Eine Hochgraͤfl. Standes⸗Perſon, die für Eben Ezer viele Gna⸗
de und Liebe hat, nachdem dieſelbe gehoͤret, daß das Waͤyſenhaus da⸗
EHER!
ſelbſt dur die Vieh⸗Seuche im vergangenen Jahre groſſen Schaden er⸗
litten, ſendet zu einiger Erſetzung des Schadens dieſem Hauſe 100 Fl.
Ein benachbarter Prediger ſendet nach feiner Verheurathung 2 Duca⸗
ten mit dieſen Worten: „Hiermit unterſtehen wir uns zur Erkenntlich⸗
„keit, daß uns GOtt zuſammen gefuͤget, ein paar Scherflein zu den
Gaben, die nach Eben&zer geſchickt werden, zu legen., Seine
werthe Gehuͤlfin aber wickelte die Gabe in folgende Worte ein: „Zwey
vin IJEſu verbundene und angehende Eheleute, fenden dieſe Gabe der lies
„ben Gemeine nach EbenEzer, zur Danckbarkeit gegen ihren lieben
„Vater im Himmel, daß er ſie zuſammen gefuͤhret, und ihnen ſonſt un⸗
vausſprechlich viel Gutes an Leib und Seel gethan, und noch täglich thut.
„JEſus, der ein Heiland iſt aller, die ihm vertrauen, fegne die werthe
„Gemeine und die theuren Prediger alda, mit geiſtlichem und himmli⸗
vſchen Segen, und durchdringe Sie gantz mit feinem füflen Evangelio,
„und thue noch täglich hinzu, die an JEſum gläubig werden. Hoch⸗
gelobet, hochgeehret fey des HErren theurer Nam, herrlich werd
„ein Reich vermehret, das aus Gnaden zu uns kam. Er iſt GOTT,
„der uns gegeben Seel und Leib, auch Ehr und Gut, der durch feiner
ar Hut ſchuͤtzet unſer Leib und Leben. Dancket ihm zu aller Stift,
vweil der HERR fo freundlich iſt. , 2 80157
Ein anderer theurer rechtſchaffener Lehrer uͤbergiebt 28 Fl. 12 Cr.
mit folgendem Briefe: „Hiebey ſende eine kleine Liebes⸗Steur, welche
»
—
„für das liebe Waͤyſenhaus in EbenEzer ift geſammlet worden, theils
„bon den Meinigen, welche zur Danckſagung gegen GOtt, daß er die
„Mutter ſamt den 4 Kindern und unſerm Koſtgaͤnger n
N 8 Y | zun
„in Gnaden, un
„Seligkeit davon tragen. „
j. Von einem Evangeliſchen Lehrer in Nieder⸗Schleſien kommen als
eine diebes⸗Steuer für die lieben Saltzburger in Eben Zzer 2 Species Du⸗
caten, mit der Beyſchrift: „Hilf auch dieſem deinem Volck, HErr JE:
„u CHriſt, und ſegne, was dein Erbtheil iſt, wart und pfleg ihr zu aller
„Zeit, und heb fie hoch in Ewigkeit. Durch die Hand eines Freundes
in F. der Eben zer hertzlich liebet, kommen erſtlich so Fl. die ein unbe⸗
nannter Wohlthaͤter auf des Freundes Veranlaſſung, vornehmlich aber
nach der Lenckung GOttes, fir die EbenEzeriſche Saltzburger giebet.
Und durch eben dieſe Hand ſendet eine andere unbenannte Perſon fuͤr das
Waͤyſenhaus in Eben Ezer 20 Fl. Dabey zugleich für die Saltzburger in
Preuſſen 100 Fl. geleget waren, die auch dahin uͤbermachet worden ſind.
In dieſem für Eben Eger: beſonders geſegneten Monat, kommen noch von
5 einem
eeingelauffenen Liebes⸗Gaben.
em Fi | | Herrn Hof⸗Marſchall aus C. 10 Nthlr. Von einem Herrn
tore aus Buͤckenburg 10. Rthlr. und aus OS. von einer Hochgraͤfl.
Witwe 1 Kthlr. A 3 5
Im Junio macht den Anfang mit den giebes⸗Gaben für Eben Ezer ein Jun;
aufmanaus Copenhagen mit Spec. Ducaten, die man zur Erkaufung
Leinwand vor Hemder, oder wie ich es ſonſt noͤthig finden werde, gebrau⸗
chen ſolle; wobey er folgendes ſchreibet: „Weil mir vor kurtzem iſt zu
„Hand gekommen die 7te gte und ote Continuation von den Saltzburgi⸗
„chen Emigranten in Georgien Nord⸗America; ſo habe ſelbe mit groͤſtem
„Vergnuͤgen geleſen, daraus viel Nutzen für meine Seele geſchoͤpfet, ab»
vſonderlich aber die groſſe und gnaͤdige Fuͤrſorge GOttes, wie auch ſeine
„ wunderbarliche Erhaltung der Seinen, fo in wahrem Glauben und in
v der Liebe ihm beſtaͤndig anhangen, und die Zuverſicht auf ihn ſetzen,
Hallein aus Gnaden durch das Verdienſt unſers Heilandes JEſu CHriſti
| ‚„felig zu werden. Ich wuͤnſche den lieben deuten viel Segen an Seel und
„Leib, der gnaͤdige GOtt beſchuͤtze fie gegen alle innerliche und aͤuſſerli⸗
„che Feinde. Er wende alle Gefahr von ihnen, und ſey eine feurige
„Mauer um ſie her. Es muͤſſen alle ihre Feinde zu ſchanden werden, die
ihnen etwas zu leide thun wollen. Amen! Hiebey ſende Em. ⸗ 5 Spe⸗
„eies Ducaten, dafür gelieben Sie den guten Leuten Leinwand kauffen
„zu laſſen, das gut iſt zu Hemder ꝛc. Wo aber der Mangel ſchon erſetzt
Hit, wolle Em. = felbe zu Sachen emploiren, woran es ihnen am
„meiſten gebricht, und mit Gelegenheit ein paar Zeilen, in was Sie ſel⸗
„be haben beſorget; wie auch, um welche Zeit Sie Die Liebes⸗Gaben, ſo
„der liebe GOtt in Dero Haͤnde beſcheret, dieſes Jahr nach England
„ſenden, auf daß, wann der liebe GOTT ſegnet, man zu rechter Zeit
„Ew. noch was fenden kan. „ Ab 5
Herr K. ſendet aus Halle für das lieben EbenEzer mit einem hertzli⸗
chen Segens⸗Wunſch 2 Fl. 5 Cr. Aus der Reichs⸗Stadt M. ſendet ein
mehrmaliger Wohlthäter 1 Louisblane, undein anderer von daher r Fl. 30
Cr. Noch eine andere vornehme Perſon, die ihren Namen öffentlich
zu nennen abgebeten, uͤbermacht eine Spaniſche Quadruple, mit dieſen
Zeilen: „Herr N. beliebe hiebey wiedermalen eine Spaniſche Quadru-
pple, als eine, obwol geringe, doch wohlgemeynte Beyhuͤlfe zu denen
Hgottſeligen Eben Ezeriſchen Anſtalten von mir zu empfangen, und für de⸗
„een richtige Uberrechnung Sorge zu b Die Repartition jan?
| N „au 3
Americ. XI. Sortſ.
Specification der fuͤr Eben Eʒer n
„laufs moͤchte auf die vorige Weiſe gemacht werden, nemlich ein Drit⸗
„theil denen beyden treueifrigen Herren Predigern, ein Drittheil dem
„Waͤyſenhaus, und ein Drittheil den armen krancken und alten Leuten,,
Inm julio gab der Geber alles Guten folgende Gaben. Eine
hieſige Jungfer ſteurete 1 Fl. zum Beſten der EbenEEzeriſchen Gemeine.
Aus Schwaben in Francken ſchickte ein redlicher Buͤrger und eine chriſt⸗
liche Weibes⸗Perſon, welche beyde die Gnade Gottes an ſich und den
lieben Emigranten einſehen, 2 Species Ducaten. Herr U. in M. ſen⸗
det durch Herrn L. 3 Fl. Herr Koͤz. aus Baſel ſchickt 10 Fl. Eine Kind»
betterin adelichen Standes ſteuret für arme Kindbetterinnen und ihre
neugebohrne Kindlein 10 Fl. Herr D. G. aus L. ſchicket aus Liebe Fl
für die X. Continuation. Wobey ich zugleich den lieben GOtt preiſe, daß
dieſer auswaͤrtige Freund (dergleichen mehrmalen geſchiehet) mir auch
für hieſige Arme eine Spaniſche Doppie in die Hände geben laſſen. Ein
hieſiger vornehmer Gönner verehret für die feit einigen Jahren ihme ge⸗
gebene Oſt⸗ und Weſt⸗Indiſche Nachrichten 3 Ducaten; davon die Helf⸗
te nach Oſten, und die andere nach Weſten kam.
8 Ein gewiſſer Hochgraͤfl. Hof ſendet 2 Species Ducaten mit die⸗
fen Worten: „Dieſes nach EbenEzer deſtinirte Geld find Straf⸗Gel⸗
der von denen, welche nicht punct 12 Uhr in dem Tafel⸗Zimmer waren.
Eine chriſtliche Weibs⸗Perſon gibt von Hertzen erſtlich 5 Fl. hernach
aber 4 Fl., ſo Ihro in ihrem ſchweren Beruf zugefallen, wie auch noch
2 Fl. 22 Cr. für einige EbenEzeriſche Continuationen, wobey ſie ſchriebe:
„Ich uͤberſende hier abermalen ein Scherflein nach Eben Ezer, welches
„durch die gute Hand GOttes, die mit mir iſt, von = empfangen.
„Ich meines Theils muß täglich ſagen: Ich bin zu gering aller Barm⸗
„hertzigkeit und Treue, die mir der HErr erweiſet. Ach gib, daß groſſe
„Gegen⸗Treu doch ſtets in meiner Seelen und in meinem gantzen Wan⸗
„del fey.,, Durch die geſegnete Haͤnde des theuren Herrn S. R. in L.
kommen für die Nothdurft EbenEzers 20 Fl. Unter ſolchen war auch
ein Louis d'or von einem Freunde, welcher dabey die bedencklichen Wor⸗
te führete: „Wann die Relationes von dorther nur bloſſe Gedichte waͤ⸗
„ren, fo wären fie ſchon erbaulich. Wie vielmehr, da alles in der Wahr⸗
„heit gegruͤndet.,, Noch iſt von dem Herrn S. R. Hoffnung zu etwas
Leinwand u. d. g. gemacht worden, um es mit der in dieſem Monat noch
abgehenden Eben Ezeriſchen Kiſte fortbringen zu koͤnnen. In dieſem Mo⸗
ö e | nat
eeingelauffenen Liebes⸗ Gaben.
nat wurden mir noch 2 Fl. bezahlet fuͤr den Peter Reiter, die von Herrn
D. aus Stg. ſchon im Nov. angekommen. Aus Tuͤbingen gedencket
eine wohlthaͤtig e Perſon des lieben Eben Ezers mit 1 Species Ducaten,
und laͤßt durch Herrn M. J. C. J. melden: „Gott koͤnne das wenige
vſo viel ſegnen, als wenn noch vieles da wäre. Zu S. G. in der S.
wird das Hertz eines Freundes J. H. ſchon wieder erweichet, 2 Spe⸗
cies Ducaten mit gar nachdruͤcklichen Worten zu uͤbermachen. Der
ER zu ihn dafür, und laffe ihn Barmhertzigkeit finden an jenem
Te ‚age. 8 im N N >
Ä en 1 Ein christlicher Freund aus B. Herr G. giebt aus gutem Hertzen Aug.
fuͤr Eben Ezer 3 Fl. nebſt einiger Leinwand von ſeinem ſel. Herrn Sohn, Sept.
an die in Eben Zzer wohnende Schweſter. Von eben daher ſendet ein
cgriSſtlicher Prediger 6 Fl. etwas Leinwand und Faden, die ihm auch da⸗
6 hin eingehaͤndiget worden. Fuͤrs Waͤyſenhaus kommt Fl. und ein
gi chriſtlicher Wohlthaͤter verehret 2 Fl. Noch im Julio hat die
h. F. V. S. aus M. geſandt 4 Fl. und aus dem Voigtland ein chriſt⸗
licher Rath und Amtmann 15 Fl. Von L. perehret ein Freund, wel⸗
cher ſich mit Leſung der Eben Ezeriſchen Nachrichten ergötzet und erbauet
hat, fuͤr die Bernhard Glockeriſche Kinder im Waͤyſenhauſe daſelbſt,
1 Frantzl. Thaler, und noch ı zu dem Bau der Kirche in Eben zer N
mit Bitte, feiner im Gebet zu gedencken. Ein alter chriſtlicher und be⸗
ruͤhmter auswaͤrtiger Medicus erzeiget feine Liebe für das EbenEzeriſche
Waͤyſenhaus mit 23 Fl. Ein vornehmer Conſulent in einer gewiſſen
groſſen Reichs⸗Stadt ſteuret zum Beſten der EbenEEzeriſchen Gemeine
6 Fl. 20 Cr. Aus Breßlau kommen fuͤr die EbenEzeriſchen Waͤyſen
13 Fl. Eine Hochgraͤfl. Perſon uͤbermacht das jährliche mit einem
Louis dor. Von einem Hochgraͤfl. Leiningiſchen Officianten lauffen
2 Species Ducaten ein. Und ſo giebt auch ein Prediger in einer be⸗
nachbarten Reichs ⸗Stadt 1 Ducaten. Durch die Haͤnde einer chriſt⸗
>
lich⸗geſinnten adelichen Witwe werden an den Editorem von einer jun⸗
gen Baroneſſin E. und von einer Saltzburgiſchen Emigrantin, ſo bey
Hohen Herrſchaften in Dienſten ſtehet, 4 Ducaten uͤbermachet.
einem vornehm Cavallier mir alhier 200 Fl. ausgezahlet; alſo, daß
50 Fl. für die allgemeine Nothdurft in a re und für die 1 5
Er; | Rt | an
8 In der Mitte dieſes Monats werden aus Nieder⸗Schleſien von Nov.
Specificat.der für Eben E zer eingelauffenen Ciebes⸗Gaben.
chen Prediger, und ſolche Schul⸗Bedienten, die treulich arbeiten und
unaͤrgerlich wandeln, so Fl. angewendet werden, doch fo, daß die
Herren Prediger ein mehrers als die Schul⸗Bedienten davon bekom⸗
men. Zwey christliche Geſchwiſter geben, wie mehrmalen, 2 Fl. für
die Nothdurft in Eben zer. K 1255
Doe. Aus Nuͤrnberg kamen durch einen chriſtlichen Freund die von meh⸗
rern Perſonen an verſchiedenen Orten zuſammen gelegte 74 Fl 333 Er.
davon inſonderheit denen Herren Predigern von einem dieſer Freunde
6 Fl. beſtimmet find. Eine mehrmalige und in Eben Ezer nicht unbe⸗
kante Wohlthaͤterin giebet r Species Ducaten, fo fie als eine Vereh⸗
rung in ihrem Beruf empfangen. Aus Ndl kommen von einem chriſt⸗
lichen Kaufmann und ſeinen Kindern 2 Species Thaler, davon
der eine der gantzen Gemeine, der andere aber dem 3
. Wäpfenhaufe gehoͤret. |
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VVuiom Jahr 1744.
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—
0 \ uf dem unterſten Theile der Plantationen hat geraume Zeit Anno
ein Kuͤh⸗Hirte gefehlet, daher die Leute an ihrem Vieh 1742.
viel Schaden, und in ihrer Arbeit viel Hinderniß gehabt. April.
Nun laͤſſt ſich der redliche Klocker, welcher mit dem Iten |
Transport zu uns gekommen ift , hierzu gebrauchen; wo⸗ |
—
Dionnerſtag, den 1. April 1742.
durch er den Leuten einen recht groſſen Gefallen thut, und andere thun
wieder an ihm und den Seinigen, was nur in ihrem Vermoͤgen ſtehet.
Dieſer Klocker und fein Weib find feine chriſtliche Leute; find auch ſchon
Americ. XI. Sort. 8 X
unter
Anno
F.
April.
1932 Dar, Anh Bü;
unter goͤttlichem Segen in ihrem Haus: Weſen zu ſolcher Einrichtun
gekommen, daß ſie vergnuͤgt leben. Sie ſind ſehr froh, daß ſie nach
Eben Ezer gekommen, und dancken GOtt und ihren Wohlthaͤtern
Dafür.
Im Kaufen und Verkaufen hat es bisher unter uns damit manche
Schwierigkeit gegeben, daß es uns an kleiner Muͤntze gefehlet. Das
kleinſte Geld der Herren Truſtées beſteht aus Zettuln von 1 Pfund Sterl.:
Savannah und weiter roulliren würde. Es iſt dieſe Art Ge
Herr Gen. Oglethorpe aber hat für feine Soldaten Zettul oder Bills von
5
5 Sh. 4 Sh. 2 Sh. 6 pences, und eintzelne Schillinge verfertigen laſſen, und
dieſe ſind das kleinſte Geld, und doch faſt nicht zu haben, weil derſelben viel
zu wenig ſind verfertiget worden. Wer nun etliche pences zu bezahlen hat,
der muß ſie entweder ſchuldig bleiben, oder ſein Einkaufen ſtehen laſſen.
Denn das Engliſche Silber- und Kupfer⸗Geld bekommt man kaum zu
ſehen, und was von England heruͤber geſchickt oder gebracht wird, das
wechſeln die Kauf⸗Leute von Neu⸗Porck gar bald aus Eigennutz
ein, denn dort gilt es noch einmal ſoviel. Weil nun aus Mangel der
kleinen Muͤntze gar viel Unbequemlichkeit, und zum Theil Schaden in un⸗
ſerer Gemeine entſtehet; ſo hat ſich Herr Vigera die Muͤhe gemacht, eine
ziemliche Anzahl allerley Zettul zu ſchreiben, worauf der Werth von 6,
3,2 uud 1 pence ſteht, welche die Leute mit Willen annehmen, und ſich
damit untereinander gar bequem bezahlen koͤnnen. Haben fie 4 bis 3
Sh. ſolcher hier geſchriebenen Geld⸗ Zettul beyſammen, und ſie wollen
in Savannah etwas einkaufen; ſo uͤberliefern ſie dieſelben uns, und be⸗
kommen Dafür der Herren Truſtées oder Herrn Oglethorpes Geld⸗Zet⸗
tul, und alſo bleiben die unſrigen immer hier, und thun uns ſehr gute
Dienſte. Da hingegen das Kupfer-Geld, wie gedacht, bald nach
ſo⸗Machens
eine gantz unſchuldige Sache, darin wir auch den Kaufmann Charles
Purry zum Vorgaͤnger haben, als welcher aus Mangel des kleinen Gel⸗
des dergleichen Zettul in Savannah ausgegeben, und mit Sterlings⸗Geld
wieder eingewechſelt hat. Niemand darf ſich einiges Schadens beſor⸗
gen: denn nicht nur Herr Vigera, ſondern auch mein lieber College und ich
A.
ſind ihnen gut dafuͤr, daß ihnen dieſe Geld⸗Zettul ſo oft wieder abgenom⸗
men und eingewechſelt werden, ſo oft ſie nur einige beyſammen haben.
Es hat auch niemand die geringſte Sorge, daß er deshalb einen eintzigen
pence verlieren wird, ſondern alle Einwohner von Eben zer find froh,
daß ſie etwas in die Haͤnde bekommen, wodurch ſie ihre kleine Schulden
geſchwinde abtragen und bezahlen koͤnnen. Auf unſerer Seite iſt u
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e ei Diarium. 1933
——
kein Schade zu beſorgen: denn niemand kan die Hand und das unter⸗
8 gedruͤckte Petſchaft des Herrn Vigera nachmachen; wie man ftch wol
unterſtanden hat, die Caroliniſche Geld⸗Zettul nachzudrucken und nach⸗
zuſchreiben. In den Colonien der Englaͤnder in America hat die Obrig⸗
keit auf Erlaubnis des Koͤnigs dergleichen Geld⸗ Zettul gemacht, die
aber nicht weiter als in der Provintz, wo ſie ausgegeben worden, gelten,
ausgenommen der Herren Truſtées Bills, die werden als Wechſel,
welche in London richtig bezahlt werden, allenthalben angenommen.
| 155 ' Freytag, den 2. April. |
Der Schloͤſſer Lechner hat nun feine Schmiede aufgerichtet, und heute
angefangen einige Stuͤcke zu ſchmieden. Wir brauchen einen Schmid
noͤthiger, als einen Schlöffer, und weil er das Schmiede⸗Handwerck
auch wohl verſteht, ſo wird er der Gemeine hiemit gute Dienſte thun.
Er ift ein dienſtfertiger billiger Mann, und alſo wird durch ſeine Arbeit
in der Gemeine groſſe Erleichterung entſtehn da ſie bisher für wenige
Arbeit in Savannah einen groſſen Lohn zahlen muͤſſen: iſt uͤberdem noch
ſehr unbequem geweſen, mit dem zerbrochenen Zeuge, oder wenn man
was neues gebraucht, bis nach Savannah zu reiſen, und lange Zeit zu
warten, bis es dem Schmiede gelegen geweſen, für uns zu arbeiten. Es hat
ich Lechner ſehr wohl eingerichtet. Seine Werckſtatt iſt ſo wohl gebaut,
Als es der Schmid in Savannah, der doch über g Jahr im Lande I.
nicht hat: auch wohnet er dabey in einem gar feinen, mit Boden und
Fenſtern verſehenen Haͤusgen, welches er ſich groͤſtentheils ſelbſt ge⸗
bauet, und wenig Geld dafuͤr ausgegeben hat. Sein Stiefſohn „
Nur. Schrempff, hat nun geheyrathet, auch verſprochen, ein anderer
Menſch zu werden: wie ihm denn auch fein offenbarer Ungehorſam gegen
ſeine leibliche Mutter und feinen Stiefvater aus der ietzt vorhabenden
Hiſtorie des ungehorſamen und abgeſtraften Abſaloms aufgedeckt und
als eine Haupt⸗Quelle des zeitlichen und ewigen Verderbens vorgeſtellet
Stiefvater als Sohn und Geſelle arbeiten will; ſo werden wir daran
viel Freude haben und wird mancher Nutzen daher entftehen. Es find
ihnen auch durchs Loos 2 Plantagen zugefallen, welche juſt neben ein⸗
ander liegen, und die ſie als eine anſehen und darauf arbeiten Eönnen,
wenn ſie auf dem Handwercke nichts zu thun haben.
ar Sonnabend, den 3. April. 5
Das Pflantzen im Wäpfen-Haufe iſt unumgaͤnglich noͤthig, weil
nicht ſo viel Vorrath am Gelde iſt, a Lebens» Mittel zu kaufen, als
| Sg . f & 2 er
zum
Anno
1742.
April.
worden. Wo er ſich in chriſtliche Ordnung ſchickt, und bey ſeinem
- —— ——————
1934 Diarium.
WB ·˙
gaben des Waͤyſen⸗ Hauſes vermehret hat. Vielleicht ſegnet der liebe
Gott den Seiden-Bauin dieſem Frühling, daß dem Waͤyſen⸗Hauſe
davon einiges Geld zum Einkauf nöthiger Dinge zufaͤllt.
Wir haben in dieſer Woche ſehr heil
ſe Tage gehabt, als ob wir
mitten im Sommer lebten, und wird daher den Leuten das Anpflantzen
im Felde ziemlich ſauer. Es heiſt aber immer: Im Schweiß deines
Angeſichts ſolt du dein Brod effen, wobey treue und redliche Arbei⸗
ter den füffen Troſt haben, daß fie ſich bey chriſtlicher Ausrichtung ihres
auch ſauren und beſchwerlichen Berufs in goͤttlicher Ordnung befinden,
und ihre Arbeit im HErrn nicht vergeblich
Es war einige Mishelligkeit zwiſchen e
der Feind aͤuſſerliche, zur Haushaltung geh
ſeyn werde.
tlichen entſtanden, und hatte
oͤrige Dinge dazu gebraucht:
der liebe GOtt half aber, daß theils mein Urtheil, theils mein Zuſpruch
geſegnet war, und die Partheyen zurechte wies. Mann nimmt gern
verſtaͤndige Männer mit zu Huͤlfe, die aus ihrer Erfahrung das Ihrige
zur Befoͤrderung des Friedens mit beytragen. Es gruͤndet mancher
ſein Recht auf eine alte Gewohnheit, oder
muthet ſeinem Naͤchſten das⸗
jenige auch zu, was ihm etwan aus Verſehen oder Bosheit von andern
in der vorigen Zeit zugemuthet worden,
machen auch unter gemeinen Leuten eine
und iſt das Conſequentien⸗
ſchaͤdliche Sache. GOttes
Wort, natuͤrliche und chriſtliche Billigkeit muß die Richtſchnur unſerer
Handlungen ſeyn, nicht aber Gewohnheiten, oder andere nichtige
Dinge.
Sonntag, den 4. April.
Weil die Tage laͤnger find, ſo haben
\
wir heute die Wiederholungs⸗
Stunde zwiſchen 5 und 6 Uhr zu halten angefangen, welches auch um
der Kinder willen, ihnen recht in die Augen
iſt ihnen aus den beyden Spuͤchen: Lieben Rinder, wenns euch wohl
zu ſehen, viel beſſer iſt. Es
gehet, fo ſehet zu und bleibet in Gottes Furcht: it. Sie gehen von
einer Bosheit zur andern, und achte
n mich nicht, ſpricht der
SER R. Jer. 9,3. viel Gutes geſagt worden, ſo auch einigen abermal zu
Hertzen gedrungen ſeyn ſoll. Der letzte Spruch war der Eingang zu der
heutigen Predigt, und erkannten aus dem Evangelio Dom. Iudica theils
der Menſchen abſcheuliche Bosheit, thei
ls des HErrn JEſu unaus⸗
N ſprech⸗
|
|
|
|
%
prechlich groſſe Sanftmuth und Freundlichkeit. Der Herr ſchaffe
daraus eine beſtaͤndig bleibende Frucht
N Montag, den 5. April. |
Der liebe GOtt hat den Peter Reiter fo weit auf feinen Fuͤſſen
wieder geſtaͤrcket, daß er geſtern vor 8 Tagen das erſtemal zum Gottes⸗
dienſt auf den Plantationen mit ſeinen Kruͤcken hat kommen koͤnnen.
Er erzehlte mir nach der Fruͤh⸗Predigt, daß ihm unter der Predigt, da
er ſo lange keine mit angehoͤret, gantz beſonders waͤre zu muthe geweſen.
Vergangene Mittwoch wolte ihn nach der Schule in ſeinem Hauſe be⸗
ſuchen, traf ihn aber nicht an, indem er zu Bachers gegangen war.
Unterdeſſen ſprach etwas mit ſeinem Weibe, und ſagte ihr, daß, da der
liebe GOtt ihr wolte gnaͤdig ſeyn, und ſie auch nichts anders verlange;
Diarium. 1935
Anno
1742.
April.
ſo ſolte ſie nur kommen, und nehmen, denn der HErr IEſus fage: Wer
will, der nehme das Waſſer des Lebens umfonft. Darauf kam auch
zu Bachers, da ich denn den Peter Reiter mit andern im Gebet antraf.
In ſeinem unbekehrten Zuſtande wuͤrde er ſich wol nicht zu ſolchen Leuten
gemacht haben, aber da er ſelbſt den Geiſt der Gnaden und des Ge⸗
bets erlanget hat, fo gehet er gerne hin, obs auch ſchon auf Krücken ges
ſchehen muß. Er iſt gar wohl zufrieden mit allem, wie es der liebe
G Ott mit ihm macht. Er ſorget nicht, woher er feinen kuͤnftigen Unter⸗
halt bekommen werde, ſondern Dafür laͤſt er den Vater ſorgen, den er
nun in CHriſto hat kennen lernen. Die Eingans⸗Worte aus Pf. uß, 3
Unſer
ſehr eindruͤcklich geweſen. HR |
RE a Dienſtag, den 6. April.
Der Krieg macht in Savannah alles ſehr theuer, worzu auch die
- Geld: Eonfufion in Charles- Town vieles beytraͤgt, woſelbſt fie wieder
das Sterlings⸗Geld fuͤr einen geringen Preis anzunehmen anfangen.
- 8 Mittwoch, den 7. April. 1
| In meinem Abweſen iſt der Schmid von Purrysburg, deſſen ſchon
neulich gedacht worden, an unſern Ort gekommen, und hat auf den
r Gott iſt im Himmel; er kan ſchaffen was er will, find ihm
Plantagen von Haus zu Haus Korn gebettelt, und ſich dabey der Vor⸗
ſprache des aufrichtigen Theobald Kieffers, der unlaͤngſt ein Einwohner
in Eben Ezer geworden, betruͤglicher Weiſe bedienet. Ich ſchenckte ihm
vor einigen Wochenz Buͤſchel Korn, und ſagte ihm die Urſachen, warum
ichs ohne Vorwiſſen der Obrigkeit und vorhergegangener Conferentz mit
der Gemeine nicht geſchehen laſſen koͤnte, daß er die Leute um einige Bey⸗
huͤlfe in ſeiner Armuth anſpraͤche: denn 5 iſt dergleichen unter uns 11
| 2 5 8 3 nicht
Anno
1742.
April.
1936 Diarium. a
nicht geſchehen, und glaube ich, es komme iedem Lande, und alſo auch
Caroline zu, ſeine eigene Armen zu verſorgen. Wenn man auch dieſem
Manne noch eine Gabe haͤtte zuwenden wollen und koͤnnen, ſo haͤtte es
in chriſtlicher Ordnung geſchehen muͤſſen: denn Liebes⸗Dienſte ohne
Ordnung thun mehr Schaden als Nutzen. Er hat ſich bey meinem lie⸗
ben Collegen nicht gemeldet, und da er mich geſtern auf dem Ruͤck⸗Wege
ſahe, hat er ſich mit ſeinem groſſen Sack Korn aus den Augen verloren,
daß ich nicht wuſte, wo er geblieben.
| Donnerſtag, den 8. April. |
Dieſen Vormittag wurde Gſchwandels neues Haus mit dem Worte
Gottes und Gebet eingeweyhet, darzu er ſeine Nachbarn erbeten hatte.
Wir ſungen das erbauliche Lied: Prange Welt mit deinem Wiſſen ꝛc.
und machten uns vor dem Gebet einige Umſtaͤnde aus der Paſſions⸗Ge⸗
ſchichte unſers HErrn JEſu CHriſti zu Nutze, z. E. er hat nach Matth. 20.
auf dem Wege mit ſeinem Juͤngern von ſeinem bevorſtehenden Leiden ge⸗
redet, iſt bey Simon dem Ausſaͤtzigen in Bethanien eingekehrt, und hat
auch hier von ſeinem Sterben und Begraͤbniß gezeuget. Er ließ ſich hier
des gottſeligen Weibes Liebes⸗That gefallen ꝛc. Er fand ſich in einem
gewiſſen Hauſe zu Jeruſalem zum Oſter⸗ Lamm ein, auch hier redete er
vor und bey der Einſetzung des Heil. Abendmahls aus bruͤnſtigem Her⸗
tzen von ſeinem Leiden ꝛc. Endlich ging fein groſſes innerlich und aͤuſſer⸗
liches Leiden im Oel⸗Garten an, welches bis ans Creutz immer fort⸗
waͤhrete. Bey iedem Puncte wurde gezeiget, wie ſich ein ieder Chriſt
das verdienſtliche Leiden CHiſti in allen Umſtaͤnden, worin er auch nach
feinem aͤuſſerlichen Beruf kommt, einfaͤltig zu Nutze machen ſolle, und
welcher groſſe Vortheil daher entſtehen wuͤrde. Bey den erſten Chriſten
war es auch fo; zur Paſſions-Zeit hieß es: J Eſus meine Liebe iſt
gecreutziget. Zur Oſter⸗Zeit: Surrexit. Zur Zeit der Himmelfarth:
Surfum corda & c. In dem ſchoͤnen Liede: Ein Laͤmmlein geht und
träge die Schuld, lautet der 8. und 9. Vers ſehr nachdruͤcklich: Das
ſoll und will ich mir zu Nutz zu allen Seiten machen ꝛc. Unter
dem Gebet fiel mir aufs neue ins Gemuͤth, daß es die Weisheit GOt⸗
tes wol ſo eingerichtet, daß die erſten Glieder der Gemeine mit uns zur
Paſſions⸗Zeit in dis Land gekommen find, welches uns hat lehren ſol⸗
len, daß CHriſtus der gecreutzigte in dieſer Pilgrimſchaft unfer vornehm⸗
ſtes ſtudium ſeyn muͤſſe, und wir auch willig ſeyn ſollen, in ſeine Creutzes⸗
Nachfolge zu treten: denn es wuͤrde Creutz und Truͤbſal geben, wie
auch geſchehen. Gſchwandel iſt einer vom erſten Transport, den 5
na
*
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gem
D
e
. Drei ; 1937
nach uͤberſtandenen Pruͤfungen ſo geſegnet hat, daß er ſich ſelbſt uͤber
‚göttliche Güte nicht genug verwundern kan. Seine Nachbarn, Reim:
berger und Simon Reiter haben es unter goͤttlichen Segen in ihrer Nah⸗
rung und Haushaltung auch weit gebracht, welches den deuten des letz⸗
ten Transports nicht anders als eindruͤcklich ſeyn kan. Sie haben
lange die Schwierigkeiten nicht, welche die erſten erdulden muͤſſen, wel⸗
ches ihnen aber etzt lieber iſt, als wenn fie ihr lebetage mit dergleichen
Creutzes⸗Erfahrung waͤren verſchonet geweſen. 2 |
Die Lacknerin iſt auf etliche Wochen ins Waͤyſen⸗Haus gezogen,
mit den Seiden - Würmern umgehen zu lernen, dafür fie Eſſen und ei⸗
Anno
1742.
April.
nigen Lohn bekommt. Ich wuͤnſchte, daß mehrere Leute ſich drauf
legten, Seide machen zu lernen, als welches ihnen, wenn ſie genug
weiſſe Maulbeer⸗Baͤume haben, gar groſſen Vortheil bringen wuͤrde. i
Auſſer dem Waͤyſen⸗Hauſe ſind auch die Wittwe Helffenſteinin, die
Rheinlaͤnderin, die Uhrmacherin, der Schweitzerin Maͤgdlein und Ba⸗
chers 2 Maͤgdlein mit Seiden⸗Wuͤrmen beſchaͤftiget, darzu ſie theils
wildes, theils zahmes Laub gebrauchen. Obgleich das Waͤyſen⸗Haus
viel Wurm ⸗Saamen ſelbſt gehabt, und auch von Savannah eine feine
Quantitat bekommen hat; fo ſcheinen wir doch noch zu wenig zu haben,
und werden vermuthlich gar viele Blaͤtter übrig bleiben. Ich brachte
ehegeſtern etliche tauſend Wuͤrme in einem Kaͤſtlein von Savannah, es
koͤnten aber im Waͤyſen⸗Haus noch mehr gefuͤttert werden. In Sa⸗
vannah haben ſie viel Wuͤrme und wenig Laub, und weiß ich nicht wie
es zugehet, daß die Bäume in der Herren Trultées Garten gleich den
Beſen ſtehen, und nur hin und wieder einiges Laub haben.
x an 8 ssrentag, den g. Apel.
Die Rheinlaͤnderin haͤlt an, daß ich ihr Maͤgdlein und kleinen Kna⸗
ben unter die Waͤyſen⸗Kinder aufnehmen moͤchte, weil ſie nicht im
Stande ſey, ſie zu erhalten. Es hat ſonſt ihren Kindern das Waͤyſen⸗
Haus offen geſtanden, ſie hat ſich aber in der vorigen Zeit die Bedin⸗
gungen, welche mit der Aufnahme ihrer Kinder verknuͤpft ſind, und die
auf gute Ordnung gehen, nicht wollen gefallen laſſen. Jetzt iſt das
Waͤyſen⸗Haus ſo voll, daß wenn mehr Kinder aufgenommen werden
ſolten, man eine groͤſſere Wohnung bauen, und iemanden zur Aufſicht
annehmen muͤſte, weil Kalcher mit ſeiner Frau ietzt kaum alles, was
zur Oeconomie und Kinder⸗Zucht gehoͤrt, beſtreiten kan. Hierzu aber
ift kein Vorrath vorhanden, und mich mit Schulden in Weitlaͤuftigkeit
zu ſtecken, da ich mich ohnedem, wegen verſchiedenen gefuͤhrten und nun
e 8 N ge⸗
1938 Diarium. 2
Anno geſchloſſenen Rechnungen tief genug drin finde, darzu habe ich noch zur
1742. Zeit keinen Beruf. Ich wieß die Rheinlaͤnderin aufs Gebet: wird ſie es
April, daran mit den Ihrigen nicht fehlen laſſen; fo wird es dem lieben GOtt
ein leichtes ſeyn, Mittel zu beſcheren, davon auch ihre Kinder koͤnnen ver⸗
ſorget werden. Lea
Sonntag, den 11. April. |
Vergangene Nacht entſtund ein fehr heftiger Sturm mit Donner
und Regen, wovon auch einige Garten-Zaͤune umgeriſſen ſind. Gegen
Morgen hatte ſichs wieder ſo aufgeklaͤret, daß wir heute einen ſehr an⸗
genehmen Tag gehabt haben. Der liebe Gott hat mir es kund wer⸗
den laſſen, daß an dieſem Palm⸗Sonntage fein Wort an etlichen Leu⸗
ten reichlich geſegnet geweſen, als welchen die Liebe des Vaters und des
Sohnes durch die Erleuchtung des Heil. Geiſtes fo zu Hertzen gedrungen,
daß ſie ein Hertz zu ihm gefaſt, und glauben, daß ihnen alles vergeben
ſey. Der junge Kieffer brachte heute das erſtmal ſeinen Mohren in die
Kirche, der zwar die teutſche Sprache noch nicht voͤllig verſteht, doch
mit groſſer Beſcheidenheit und ſtillem Gemuͤthe gegenwärtig geweſen.
Kieffer hat mich um Erlaubnis angeſprochen, beyde Mohren zur Kirche
und in die Betſtunden mitbringen zu duͤrfen, damit ſie nach und nach die
teutſche Sprache lerneten, und etwas von der Lehre CHriſti vernehmen
möchten. Dieſer arme Menſch hat uns viele bewegliche Seufzer und
Fuͤrbitten fuͤr ihn, auch iemanden unter uns viele Thränen ausgepreſt,
davon auch dieſer Mohr ſelbſt Nutzen gehabt, denn es wurde ihm ein
P}
Hemde und ſonſt eine Gabe geſchenckt, wofuͤr er ſich fehr danckbar und
demuͤthig bewieſen. |
Montag, den 12. April. |
N. N. hat ſich lange geſehnet, eine gewiſſe Wunde, welche fie im
Gewiſſen ſchmertzt, zu entdecken, es hat ſich aber bisher, da ſie noch
nicht ihre eigene Wohnung haben, nicht recht ſchicken wollen. Heute
kam ſie deshalb zu mir von den Plantationen herein, da ſie denn ihres
Kummers wegen zurechte gewieſen wurde. Sie iſt eine wahre ſtille Juͤn⸗
gerin des HErrn JEſu, und wendet wie ein begieriges Taͤublein iedes
Koͤrnlein und Broͤcklein, ſo ihr aus dem Worte des HErrn vorgelegt
wird, treulich an. Es fehlen noch verſchiedenen deuten Bibeln und Ge⸗
fang: Bücher, welche der liebe GOtt zu feiner Zeit auch ſchon beſcheren
wird. Ueber ihren Mann, gleichwie uͤber einige andere, verhängt der
wunderbare GOtt die Prüfung, daß das Waſſer fo lange auf demjeni⸗
gen Lande ſtehet, und es uͤberſchwemmet, was ihnen von guten Freunden
| auf
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.
BR. Diarium. Ag 1939
2 ———ꝛ—
* einem tuͤchtigen Zaun zu verwahren. Iſt uͤber die erſten Saltzburger un⸗
ſers Orts manches zur Pruͤfung deſſen, was im Hertzen liegt, in voriger
Zeit ergangen, (daran es auch ietzt nicht fehlt, und nicht fehlen kan) wie
ſolte der ate Transport damit koͤnnen und wollen verſchonet bleiben?
Hebr. 12,6 1. Gedachtes Weib ſagte, ihr Troſt⸗Spruͤchlein ſey im⸗
mer geweſen: Befiehl dem SErrn deine Wege und hoffe auf Ihn,
elch n
Ich habe heute die fortgeſetzte Nachricht des Herrn Paſt. Schu⸗
manns von den Seelen⸗Umſtaͤnden der Saltzburger, welche die weiſe
Vorſehung Gottes ſeiner geiſtlichen Pflege zugefuͤhrt, durchgeleſen,
und habe ebenfals, wie mein lieber College und einige Zuhoͤer, viel er⸗
bauliches zu meiner kraͤftigen Aufweckung, mein Amt an meinen Zuhoͤ⸗
rern mit mehrerem Ernſt zu treiben, darin gefunden. Der himmliſche
Vater ſegne den rechtſchaffnen Hirten mit den Schaͤflein, und bringe
auch die widerſpenſtigen und halsſtarrigen herbey, daß ſie eine ge⸗
ſegnete Heerde ausmachen, und miteinander ein recht geſegnetes Saltz
in der Naͤhe und Ferne ſeyn moͤgen. Ich gedencke nun dieſe erbauliche
Nachricht, die gantz leſerlich geſchrieben iſt, in der Gemeine umher zu⸗
lehnen, daß ſich die Nachbarn in kleinen Verſammlungen dieſelbe zu
Lu 1 moͤgen. Denn ſchoͤne Exempel haben einen guten
. eine 9 er
en Defrag ‚Ben. April
Dor der Erbauungs⸗ Stunde beſuchte den N. N. und fein Weib,
welche einige Zeit her neben der Profeſſion etwas im Felde anpflantzen
wollen. Sie haben ſich beyde zwar etwas gebeſſert; ich fand aber in
der Uebung des Gebets und des Worts Gottes noch manche groſſe
Maͤngel, und ſo lange es daran fehlet, muß es wol auch an wahrer
Buſſe fehlen. Es iſt ihnen dismal wieder ihre groſſe Gefahr und der
Weg, daraus durch CHriſtum errettet zu werden, umſtaͤndlich vorge⸗
ſtellet worden, auch welch grauſam Gerichte GOttes ſie ſich zuziehen
würden, wenn fie, wie in der vorigen Zeit, in der Heuchel⸗Buſſe zum
- Tifh des HErrn gingen. Ich machte ihnen unter andern wichtigen
Materien die beyden Sprüche befanpt Der Menſch prüfe ſich ſelbſt,
And alsdann eſſe er von ꝛc. Denn es heiſt in den Worten der Ein⸗
ſetzung des Heil Abendmahls: Er gab es feinen Juͤngern, und alſo
Americ. XI. Sortſ. 5 8 Y F
*
ni — ee er Pan wrune- —
Jahr zum Anpflantzen angewieſen worden, bis ſie ſich an ihre Anno
e Plantage machen koͤnnen. Denn die Zeit iſt ihnen zu kurtz ger 1742.
n, ihr eigen Land von Baͤumen und Buͤſchen zu reinigen, und mit April.
—
, Si
gehöre dieſer theure und koͤſtliche Tifeh für die Jünger JEſu it. Weil
*
Anno
1742.
April.
du weder kalt noch warm, ſondern lau bift, will ich dich aus⸗
ſpeyen aus ꝛc. Die N. weinte hernach in der Erbauungs⸗ Stunde uͤber
den Anfang des 19. Cap 2 Sam viel; denn aus demſelben konte fie
ihr unordentlich Weſen, aber auch zugleich das voller Verſoͤhnung
wallende Hertz JEſu erkennen, der vielmehr als David, den feindſeligſten
und boshaftigſten Menſchen alles vergeben, und ſie zu Gnaden annehmen
will. Pſ. 85, 5. heiſts von ihm: Du SErr biſt gut und gnaͤdig (oder
ein gern⸗Vergeber) und von groſſer Güte (die uͤber groſſe Suͤnder
und groſſe Suͤnden geht) allen, die dich anrufen. 5
Ich vernahm von Pichlern, daß das Beuteltuch, welches unter
den letzten Gaben von Stuttgardt aus, unſerer Muͤhle geſchenckt wor⸗
den, zu zart, und alſo zum Korn⸗Mehl nicht zu gebrauchen iſt, daher ich
forgen muß, daß ſonſt von Savannah her, fo gut als möglich, Rath
geſchaft werde.
Mittwoch, den 14. April. 0
Herr Mayer hat eine ledige Weibs⸗Perſon, Namens Chriſtina
Haͤuslerin, von Memmingen hieher gebracht, welche als Magd bey ihm
gedienet, nun aber zu Kornbergern und ſeinem Weibe auf die Plantage
gezogen iſt, weil ſie Herr Mayer nicht mehr noͤthig hat, ihr es auch gar
ve „ 1
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nuͤtzlich ift, daß fie die Feld» Arbeit und Haushaltung lerne, worzufie
vorhin nicht angefuͤhret geweſen. Sie hat an der Kornbergerin eine ſehr
redliche Wirthin und Anführerin zu allem geiſtlichen Guten; und da fie
das Gute liebt und gutwillig iſt, ſo hoffe, fie werde eine reine Jungfrau
des Lammes, und einmal eine gute Haus wirthin unter uns werden.
Die N. beſuchte mich dieſen Nachmittag, ſich mit mir über ihre
Seelen⸗Umſtaͤnde zu beſprechen. Denn fie gehet wol nie zum heiligen
dargeſtellet. Sie verhelet ihren Zuſtand nicht, ſondern gehet mit allem
Abendmahl, ſie habe ſich denn vorher zur Pruͤfung nach GOttes Wort
gerade heraus, und bittet ſichs unter Thraͤnen aus, daß man mit ihr
ernſtlich verfahre. An ihrem Manne hat ſie noch immer zu ziehen, und
weil er nicht ernſtlich zur feligen Ewigkeit mit fort will, ſondern in vielen
Stuͤcken untreu und traͤge iſt; ſo hat ſie darbey ihr rechtes Creutz. Ihr
Zjaͤhriges Maͤgdlein ſucht fie in der Zucht und Vermahnung zum HErrn
aufzuziehen, und braucht zu rechter Zeit Ernſt, und zu rechter Zeit Liebe,
welches ihr gewiß (wie ich aus deutlichen Proben erkante) der Heilige |
Geiſt lehret. Der Mann aber hält den Eigenwillen und Ungehorſam
des Kindes, mehr vor Unverſtand als ſtrafwuͤrdige Sünde: 4 er 1
urch
—
1
1941
hut, auch ſich wol Anno
on in
Bitte gaͤbe, und ſie an der wuͤrcklichen Verbeſſerung ihrer Ehe⸗ und
Haus ⸗Umſtaͤnde die Frucht ihres Gebets ſpuͤre, fo werde fie davon
Urnausſprechliche Freude und Nutzen haben. Auch ſolte fie mit ihren
wohlgemeynten freundlichen Erinnerungen das tempo wohl in Acht neh⸗
men, z. E. wenn der Mann im Stande ſey, eine freundliche Erinnerung
und Beſtrafung zu ertragen, it. wenn das Kind nicht zugegen ſey ee.
Ich aber werde ſo viel Zeit naͤchſtens finden, mit dieſer Familie umſtaͤnd⸗
“VdEVvDounerſtag, den i April.
Dieſen Vormittag iſt fo wol in der Stadt, als auf den Plantatio⸗
nnen, eine Predigt über die wichtige Epiſtel am grünen Donnerſtage ge:
halten worden, welche auch der liebe Heiland an mir und andern, wie
mir gleich nach der Predigt kund worden, recht mercklich geſegnet hat.
Er mache uns feine Liebe, die er uns ſo wol durch fein verdienſtlich Lei⸗ .
den und Sterben, als auch durch die Einſetzung feines Liebes-⸗Mahls te
ſo herrlich erwieſen, in unſern Hertzen recht groß, daß wir alle unfer
Vertrauen auf ihn ſetzen, mit allem unſerm Elende nur in ſeiner Liebe
ruhn, und ihn bruͤnſtig und in der That und Wahrheit wieder lieben.
Er gebe uns auch immer beſſer durch den Geiſt der Offenbarung zu er⸗
kennen, was das Heil. Abendmahl vor ein allertheureſter Schatz ſey,
welchen der holdſeligſte JEſus, ſonderlich den krancken leidtragenden
Suͤndern aufs liebreicheſte darbietet , und ſolchen blöden Gewiſſen durch
die Darreichung feines Leibes und Blutes unter Brod und Wein alles,
was er verdienet, eigentlich und hertzlich approprüret und zueignet
Schenckſt du mir, was du verdient, mehr ich nicht begehre.
O was haben wir doch an ihm vor einen ſuͤſſen theuren Heiland, den
ſich arme Suͤnder wol nicht beſſer wuͤnſchen koͤntenn
Fir en re. April, 3m
Dieſer Tag iſt von uns abermal, als der Sterbe⸗Tag unſers theure⸗
ſten Erloͤſers, und als das doe Vis ge e deem Teſtaments,
e . ö a 5 * mit
— E
-
Anno
1742.
April.
4
1942 Diarium. | |
mit Singen, Beten und Handlung des goͤttlichen Worts und des Heil.
Abendmahls, Vor- und Nachmittag gefeyret worden. Es waren un⸗
ſrer 83 zum Heil. Abendmahl, zu welcher theuren Mahlzeit uns der freund⸗
liche GOtt durch fein Wort in den ordentlichen Abend-Betſtunden, und
ſonderlich geſtern in der Predigt vom Heil. Abendmahl, welche auch zu
Abend wiederholet worden, zubereiten wollen, welches wir wol an un⸗
ſern Seelen geſpuͤret haben. Wir haben uns auf dieſen Tag, ihn mit
einander feyerlich zu begehen, recht gefreuet: und da ſich die gantze Ge⸗
meine zu Feyrung deſſelben in der Stadt verſammlet hatte, und uns der
liebe GOtt Freudigkeit verliehen, das Wort von dem Tode und Be⸗
graͤbnis CHriſti aus Joh. 19, 31-42. zu handeln; ſo glaube gewiß, Gott
habe nicht nur bey uns, ſondern auch bey vielen andern einen groſſen
Segen geſchaft. | | e
Sonnabend, den 17. April. N
Ich empfing vom Herrn Gen.Dglethorpe abermal einen fehr freund⸗
lichen Brief, darin er den Empfang meines letzten Schreibens meldete,
und zugleich begehrte, daß ich oͤftere Nachricht einſchicken möchte. Und
damit die Briefe alle Moͤnath ſicher nach, und von Friederica gehen moͤ⸗
gen; ſo hat er Leute zu Pferde beſtellt, welche an einem gewiſſen Tage
im Monath, in Alt-EbenEzer die Briefe annehmen und überliefern
ſollen. “ \
Sonntag und Montag war das Heil. Ofter- Feft.
Darin uns der liebreiche GOtt in CHriſto ſein vaͤterliches Hertz, in
welchem nichts als Verſoͤhnung und Segen für leidtragende Suͤnder iſt,
aus dem Evangelio reichlich und deutlich geoffenbaret hat. Am erſten
Oſtertage wurde uns nach Anleitung des Evangeliſchen Textes Mare.
16, 1. ſqq. groſſe Gnade aus der Auferſtehung JEſu CHriſti von den
Todten geprediget, zu welcher Vorſtellung das ſchoͤne Spruͤchlein Ap.
Geſch. 10, 33. Gelegenheit gab. Am aten Oſtertage wurde uns das
freundliche und leutſelige Hertz des auferſtandenen JEſu gegen feine
Elenden vorgeſtellet, dabey die Eingangs⸗Worte waren aus Pf. 149, 4.
Mein lieber College handelte über die Epiſtoliſche Lection am erften Oſter⸗
tage von der Erloͤſung, die durch EHriftum JEſum geſchehen, und was
unſere Pflicht dabey ſey. Am andern Oſtertage hat er die Gemeine auf
den Plantationen über das ordentliche Feft- Evangelium Luc. 24. ers
bauet, und gehandelt von wahrer Chriſten einiger und rechter Troſt⸗
Quelle in ihrem Leiden und Traurigkeit. Auf dem Ruͤckwege hat er den
Zimmermann Koglern geſprochen, der ihm mit uͤbergehenden Augen
er⸗
1 Diarium. 1943
erzehlet, daß ihn der HErr dismal ein geſegnet e feyren laſſen. Anno
Die Witktwe Schweighofferin war vor dem Feſt gefaͤ
* N
rlich kranck; fie 1742.
at aber den. Herrn angeflehet, daß er ſe geſund machen möchte, auf daß A
ſie mit andern koͤnte zum Haufe GOttes wallen, und ſich aus dem theu⸗
ven Evangelio von CHriſto unſerm Seligmacher erbauen laſſen: welche
Wohlthat ihr auch der HErr geſchenckt, daß fie auch ſagen konte: Der
Derr hat groſſes an mir gethan, des bin ich froͤhlich Pf. 126.
als welches die Eingangs⸗Worte am ſtillen Freytage geweſen.
Mittvoch, den 21, April. | Ä
Des Schweizeriſchen Zimmermanns Schweſter⸗Tochter hat es
doch ſo weit gebracht, daß ſie heute von ihm, und ins Waͤyſen⸗ und Witt⸗
wen⸗Haus ziehen koͤnnen. Es iſt ihr in Purrysburg in ihren Wittwen⸗
Stande ſehr übel und kuͤmmerlich ergangen, hat ſich aber, ſo lange
ſie in Eben zer iſt, ehrlich und chriſtlich verhalten, und bekommt von
iederman ein gut Zeugniß. Sie mag nie zur Haushaltung angehalten
worden ſeyn, und weil bey dem alten Zimmermann Kruͤſy in ſeiner
Haushaltung alles ſehr confus ausſieht, hat fie auch hier nichts ler⸗
nen koͤnnen. Sie iſt noch jung, bey muntern Kraͤften, und iſt willig
etwas zu lernen: daher hoffe, es werde im Waͤyſenhauſe etwas gutes
aus ihr zu machen ſeyn, daß ſie einmal ſelbſt eine geſchickte und chriſt⸗
liche Haus⸗Wirthin abgeben koͤnne. Ihr Kindlein iſt ohngefehr an⸗
derthalb Jahr alt, und iſt kraͤncklich: auch deſſen Umftände werden nun
verbeſſert werden. Unſere Wohlthaͤter in der Schweitz werden aus die⸗
ſem Exempel erſehen koͤnnen, daß man ihre Landesleuten gern das
SGute mit genieſſen läfft, was auch aus ihren milden Haͤnden auf unſer
Waͤyſen⸗ und Wittwen⸗Haus gefloſſen iſt, und durch den Segen des
Herrn weiter auf daſſelbe flieffen möchte. Das Waͤyſenhaus iſt nun
wegen der vielen Leute darin ziemlich enge, und wird es die Nothwen ?
digkeit erfordern, daß es vielleicht im Herbſt, wo der liebe GOtt darzu
etwas in unſere Hände legt + erweitert werden muß. Der Oeconomus
hat das Dach auf dem Waͤyſenhauſe viſitirt, und gefunden, daß die
Dach Schindeln faft verfaulet find, daher es auch in dieſem Sommer
gantz neu ſolte gedeckt werden. Es werden darzu bey acht tauſend
Schindeln erfordert, die wir um langer Dauer willen gern von Eypreſ⸗
ſen⸗Holtz machen lieſſen, wo der liebe GOtt fo viel Vermoͤgen dazu
beſcheret. Wir haben an unſerm glorwuͤrdigen JEſu unendlich mehr,
als die Iſraeliten an ihrem Joſeph, an dem wir uns glaͤubig und gelaß
ſentlich addreſſiren wollen: er kan und 15 ſchon ſorgen, und 925
x N 5 > 585 5 . j 8 3 fi da 5
1944 Diarium. u:
daß allerley Gutes unter uns reichlich ſey, daß wir in allen Dingen
volle Genuͤge haben, und reich ſeyn zu allerley guten Wercken, ſie in
und auſſer dem Waͤyſenhauſe uͤben zu Fönnen. 2 Cor. 9,8. |
| Freytag, den 23. April. ® Ä
Mit Chriſtian Riedelſpergern wirds nicht beſſer, ſondern ſeine
Kraͤfte nehmen immer mehr ab. Er hat im Unterleibe unterweilen viele
Schmertzen, und an einigen Theilen des Leibes iſt faſt keine Empfindung.
Er iſt ſehr geduldig, und mit den Fuͤhrungen GOttes ſehr wohl zu frie⸗
den, ob es ihm gleich gefallen, ihn auf ein langwieriges Krancken⸗Lager
zu legen. Weil er immer ſchwaͤcher wird, und gern in Zeiten ſeine Ver⸗
laſſenſchaft will in Richtigkeit gebracht wiſſen; ſo habe heute in Beyſeyn
meines lieben Collegen, und noch zweyer verſtaͤndigen, chriſtlichen und
verſchwiegenen Maͤnner ſeinen letzten Willen, in Anſehung ſeines zeitli⸗
chen Vermoͤgens zu Papier gebracht. Er hat an Pferden, allerley
Vieh und Hausrath einen feinen Segen, den ihm der liebe GOtt im
Schweiß feines Angeſichts wol recht zufallen laſſen, ob er wol zeitliche
Dinge ſeit ſeiner Bekehrung nicht geſucht, ſondern freygebig und un⸗
intereſſirt geweſen. Er vergiſſt der Armen nicht , ſondern hat ihnen feine
Kleider vermacht. Ob ihm gleich das Waͤyſenhaus fuͤr ſeine gute
Dienſte noch viel Danck und Vergeltung Ifehuldig iſt: ſo bedenckt er
daſſelbe doch aufs neue mit einigen Stuͤcken Vieh, und ſonderlich
ſchenckt er demſelben fein wohlgebauetes Haus, welches verkauft werden
fol, und von dem gelöfeten Gelde ſoll eine Krancken⸗ Pflege im Waͤyſen⸗
hauſe gebauet werden, als welche, wie er aus Erfahrung weiß, ſehr noͤthig
thut. Dem Kalcher, mit welchem er im HErrn ſehr verbunden, und
mit ihm Ein Hertz und Seele geweſen, ſchenckt er ein junges Pferd und
einiges Vieh, auch bekommt die Eiſchbergerin des aten Transports,
als ſeines Vaters Schweſter, ein fein Geſchenck an einem Pferde, Kuhe,
Schwein und Hemden. Mit ſeinem Weibe hat er eine ſolche Einrich⸗
tung gemacht, daß wo ſie ſich nach chriſtlichen Rath verheyrathet, ihr
Theil auch ſo zugedacht iſt, daß ſie zufrieden ſeyn kan. GoOtt wolle
um CHriſti willen unſer armes Gebet fuͤr dieſen Krancken erhoͤren, und
ihn nach ſeinem gnaͤdigen Willen noch einmal zu dieſem Leben geſund
machen; denn wir haben ihn im Waͤyſenhauſe und in der Gemeine noch
gar noͤthig. ae
Sonnabend, den 24. April.
ergangene Nacht hat die Mühle ſtill ſtehen muͤſſen, weil ein ſeht
groſſes Crocodill ins Muͤhl⸗Rad gekommen, und darzwiſchen zerquet⸗
| ik ſchet
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Een 5 Sim Morgen 19000 einige Maͤnner Muͤhe gehabt, Anno
| Sonntag f den 25. April. |
| Kogler legte heute nach dem Nachmittags⸗ Gottesdiepſte ein ſchoͤn
Zeugniß von dem ietzigen Zuſtande feines Hertzens ab, daruͤber ich mich
billig freue. Er fuͤhlet die Kraft des Worts viel nachdruͤcklicher, als
. 15 das Thier hervor zuziehen. Auch macht dann und wann Hinderung im 1742.
N chen daß der Möller nicht genugſam mit Mehl- Beuteln ver⸗ April,
ehen i -
vormals, und wenn geprediget wird, fo kommt ihm vor, als wenn der
Prediger den Zuſtand ſeiner Seelen genau wiſſe, und iſt ihm alles deut⸗
licher als in der vorigen Zeit. Er iſt ein ſehr geſchickter, dienſtfertiger
und unintereſſirter Mann, der bisher der Gemeine ſehr viel gute Dienſte
gethan. Was koͤnnen wir nicht von ihm hoffen, wenn er Mc) dem En
N Se gangaufopfert?
Montag ; den 26, April.
8 Ein Manni in Caroline ſchickte einen Brief an mich „des Znbal ts:
5 er habe viel Rind⸗Vieh, und weil er gehoͤrt, daß die Saltzburger ei⸗
i Stück Faufen wollen, fo ſey er willi 175 ſo viel herzubringen, als wir
haben wolten. Ich ſoll ihm die Zahl naͤchſtens ſchreiben. Er iſt eben
8 der Mann, mit dem ich ſchon in Alt⸗EbeneSzer bey feiner Durchreiſe
nach Friederiea einen Handel getroffen hatte, da er mir verſprochen,
deine groſſe Heerde nach Alt⸗ Eben zer zu bringen, und unſern Leuten
Freyheit zu geben, ſolche Kuͤhe und Kaͤlber auszuleſen, welche ihnen
5 gefallen möchten, davor fie ihm 2 Pfund 6 Sh. Sterl. zahlen ſolten.
Jetzt gedencket er dieſer Umſtaͤnde gar nicht. Ich ſchreibe ihm zur Ant⸗
1
wort, daß wir 30 Stuͤck Kuͤhe mit ihren Kaͤlbern ie eher ie lieber zu ha⸗
ben wuͤnſchten, weil ietzt die beſte Vieh⸗Weide iſt. Er muͤſſe aber,
wie er verſprochen, eine gantze Heerde bringen, und uns das Ausleſen
verſtatten. Gefiele es uns, fo wuͤrde es bey 30 Stücken nicht bleiben,
ſondern er wuͤrde noch mehr Kuͤhe und Ochſen fuͤr baares Geld verkau⸗
fen koͤnnen, fo bald er es uns zu wiſſen thäte, daß er mit feinem Vieh
in Alt⸗EbenEzer fen; doch muͤſſe er es fo einrichten, daß er unſerer an
den Sonntagen verſchone, denn da Fönnen wir uns in N aͤuſer⸗
5 liche Dinge nicht einlaffen.
Dienſtag, den 27. Apr ril
5 5 Mk 0 Geſtern Abend kurtz vor der Belſtunde t wurde uns eine beſondere .
ace die e Daß der liebe fromme Rur. Steine Aa in
ans
terie zur chriſtlichen Fuͤrbitte ſuppeditiret. Denn der junge Lackner
un, i
* * * *
1
. —— 2 : Ä 2
1946 | Diarium. : |
Anno Schlange gebiſſen, und darauf ploͤtzlich kranck worden. Weil kein Pferd
1742. gefunden werden konte; fo reiſete Herr Mayer mit meinem lieben Col⸗
April. legen geſchwinde zu Fuſſe hinaus, einige Mittel vorzukehren, dem Gifte
zu wiederſtehen. Da ſie hinaus kommen, finden ſie den Patienten
nackt und blos bis an den Hals in die Erde eingegraben, welchen Rath
ein Schumacher gegeben, in der Meynung, als ob die Erde den Gift
an ſich zoͤge. Man hat ihn unverzüglich herausgezogen, ins Bette ges
legt, den Schlangen⸗Biß ſacrificirt, die Wunde mit Saltz⸗Waſſer
viel ausgewaſchen, und Theriac und anderes eingegeben, darauf auch
die exceſſiue Schmertzen ſich etwas gelegt, und die ſehr heftige Hitze
nachgelaſſen. Er hat ſich ſehr viel brechen muͤſſen; iſt auch hernach per
ſedes Blut von ihm gegangen, und der Durſt iſt ſo groß geweſen, daß
ſie ihm Waſſer und Milch noch vor der Ankunft des Chirurgi mit Haus
fen eingegoſſen haben. Mein lieber College hat ihm aus dem Evangelio
troͤſtlich zugeſprochen, und nebſt andern mit und fuͤr ihn gebetet, wel⸗
ches er alles wohl verſtanden, auch mit gebetet hat. Dieſen Morgen
wäre ich gerne gantz frühe zu ihm geritten, aus Mangel des Pferdes aber
kam ich erſt nach 9 Uhr zu ihm, da ich denn vernahm, daß er ſehr nach
mir verlanget haͤtte, es auch ſelbſt durch freundliche Worte bezeugte.
Ich erinnerte ihn der ſchoͤnen Worte aus 4 Moſ. 21. von der erhoͤheten
Schlange, und wieſe ihn an, ſie in ſeinen ietzigen Umſtaͤnden im Glau⸗
ben anzuſehen, ſo werde er an ſeiner Seelen heil werden, und ins himm⸗
liſche Canaan eingehen, rief ihn auch mehrmal die Worte zu: Wendet
euch zu Mir, zu Mir, ſo werdet ihr ſelig aller Welt Ende it. 8
Kommet her zu mir alle, die ihr muͤhſelig c. Wer den Namen
des HErrn anrufen wird, der ſoll errettet und ſelig werden,
wie wir denn auch mit den gegenwärtigen chriſtlichen deuten, welche zur
Verſammlung gekommen waren, unſere Knie beugeten, und im Na⸗
men JEſu CHriſti den Vater um alles das anfleheten, was dem Pas.
tienten an Seel und Leib nuͤtzlich wäre. Einem frommen Manne ſchlug
ich das, bey der ietzt zu betrachtenden ſchoͤnen Hiſtorie aus 2 Sam. 19.
recommendirte Capitel aus des fel. Arnds Buch vom wahren Chriſten⸗
thum B. V. 1 Theil c. 7. von der gnaͤdigen Vergebung der Suͤnden auf,
es dem Patienten gelegentlich vorzuleſen, als welches ihm auch wie ein
Balſam auf feine Wunde ſeyn wird. Er war mit den Fuͤhrungen GOt⸗
tes von Hertzen wohl zufrieden, und hatte ſich ſeinem Heilande zum Le⸗
ben und Sterben gantz befohlen, klagte nur uͤber ſeine Untreue, ſuchte
aber Ruhe und Troſt in CHriſti Blut und Wunden. Er danckete 105
2 uͤr
. N
Diarium. 14
fuͤr eins und das andere, was er meynte von mir empfangen zu haben, Anno
ſehr verbindlich, und gab mir auch einige Gruͤſſe mit. Er bezeugte, daß 1742.
er es gern jedermann abbitten wolte, wenn er irgend iemanden etwas April.
zuwider gethan hätte. Ich ſagte ihm auch, daß der wunderbare guͤtige
heilſames und gutes wurcke, denn es werde mancher aufgeweckt, den
Frieden mit GOtt mit Eilen zu ce ſo lange es heute heiſſt, welches
meiner Ehe⸗Gehuͤlfin die Haus⸗Andacht hielt, gereichte es zu meiner
mercklichen Glaubens⸗Staͤrckung, daß ich ihr und mir der Ordnung
hach das 301. Blat aus dem Halliſchen Schas- Käftlein vorleſen konte,
da der ſchoͤne Spruch und die beygefuͤgte Application und Ermunterung
ſich recht artig auf unſere ietzige Pruͤfungs⸗Umſtaͤnde ſchickten. Das
gantze Blaͤtgen enthält Diefe Föftliche Worte: „Abraham hat geglaubet
Americ. XI. Sortſ. . = „auf
—
—
1948 Diarium.
Anno „auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war Rom. 418.2. O Sede, du
1742. „haft nicht nur wie Abraham eine einige, ſondern viele Verheiſſungen
April, „und viele tauſend Glaubens⸗Exempel vor dir, drum bleib auch du am
„Wort und Glauben, und ob auch die Huͤlfe verzieht, ja übel aͤrger
„wird, ſo werde nicht ſchwach, ſondern vielmehr ſtarck und froh, weil
„Gottes Verheiſſungen eben durch ſolche wunderbare Wege in die Er⸗
„fuͤllung gehen, und GOtt da auf iſt, dir zu helfen, da ſichs am we⸗
„nigften dazu anlaͤſſt. Ob ſichs anlaͤſſt als wolt Er nicht e.
„Hilf, daß ich nicht an dir, du ſtarcker GOtt verzage,
„Da ich mich noch allhier mit lauter Schwachheit trage:
„Laß dein Verheiſſungs-Wort mir doch gewiſſer ſeyn,
„Stellt ſtaͤtt der Huͤlfe ſich gleich lauter Hindrung ein! -
Mittwoch, den 28. April. .
Der junge Eiſchberger und Eigel haben ihre Plantationen neben
einander, und zwar nicht fo wie die andern, am Muͤhl-Fluß, ſondern
weiter ins Land hinein, und werden ſie von den Plantationen am Muͤhl⸗
Fluß durch eine breite Gaſſe ſeparirt. Weil ſie alſo keine Nachbarn ha⸗
ben, ſo faͤllt ihnen der Anfang in den erſten Jahren ſchwerer als andern,
ſonderlich kommt ihnen das Zaun- machen gar ſauer an, weil beyde
Plantagen rings umher muͤſſen eingezaͤunet werden. Beyde Familien
ſind ſehr fleiſſig, und haben es unter goͤttlichem Segen im Huͤtten⸗Bau,
Zubereitung des Landes, im Zaun: machen ec. ſchon weit gebracht.
Wer ihre viele Arbeit ſiehet, und ihr vergnuͤgtes mit guter Hoffnung
geſtaͤrcktes Gemuͤthe erkennet, der freuet ſich und lobet mit ihnen den
HeErrn für allen Beyſtand: wie wir denn auch mit einander mit gebo⸗
genen Knien GOtt gelobet, und ihn um ſeinen Segen zur ernſten Fuͤh⸗
rung des Chriſtenthums, und zur treuen Ausrichtung des aͤuſſerlichen Be⸗
rufs angerufen haben. Eiſchberger und feine Gehuͤlfin haben mir darin
ſehr wohl gefallen, daß ſie ihr bisheriges ſchlechtes Chriſtenthum, und
die Nothwendigkeit einer wahren Bekehrung erkennen, auch die Mittel
hierzu fleiſſig gebrauchen. Der Mann iſt der Arbeit nicht gewohnt,
greift ſich aber aus allen Kraͤften an, und thut darin faſt zuviel. GOtt
hat ſeine Hand beſonders uͤber ihn gehalten, ſonſt waͤre er von einem
Baum auf der Stelle erſchlagen worden, welcher Zufall ſo wol, als
was ſich mit Steinern zugetragen, ihm und ihr eine kraͤftige Buß⸗
Glocke geweſen. Ich brachte mit ihnen und ihrem Nachbar dem Eigel
und den Seinigen meine Zeit ſehr vergnuͤgt zu, und mein Beſuch machte
ihnen gleich fals viel Freude und Ermunterung. |
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BB acc, Steiner, welcher von Herrn Mayer, meinem lieben Collegen und Anne
10 5 wurde, hat die Huͤlfe des HErrn an ſeiner Seelen und Leibe 1742.
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Eiter zu ziehen. Herr Mayer thut dabey allen
es nicht
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40
Diarium. | 7945
—
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12 b |
die groſſe Hitze iſt gantz weg, nur findet ſich im Bein, da der Schlan⸗
gen- Biß iſt, eine ſtarcke Inflammation, und die Wunde faͤnget an
n. wer thut Fleiß, und applicirt
innerlich und aͤuſſerlich unfere und feine Medicamente. Ich konte mit
ihm viel troͤſtliches aus dem Evangelio reden, ſeinen Glauben an den
Herrn IEſum zu ſtaͤccken. Weil er in feiner Todes⸗Angſt mehr auf
ſich und feine Gebrechen, als auf CHriſtum den Sünden: Tilger, durch
deſſen Wunden wir heil werden, geſehen, ſo hat er viele Bangigkeit ge⸗
habt: daher rieth ich ihm, ſich durchs Evangelium mit dem Liebes⸗ und
Verſoͤhnungs ⸗vollen Hertzen des HErrn IEſu recht bekant zu machen,
a 5 in die Rechtfertigung ja nicht feine eigene Froͤmmigkeit und Gutes⸗
Thun, daran lauter Maͤngel ſind, mit einzumengen, denn er rufe die
Sauͤnder, und mache die Gottloſen gerecht. Das gedachte Capitel aus
des ſel Arnds Buch vom wahren Chriſtenthum iſt ihm ſehr eindruͤcklich
| und troſtreich geweſen „auch hat ihm der liebe GOtt aus der Auferſte⸗ N
hungs⸗Hiſtorie CHriſti viel Segen und Erbauung geſchenckt. Ich er⸗
zehlte ihm auch, daß Gott geſtern meinen Glauben und Hoffnung in
Abſicht auf feine bedencklichen Umſtaͤnde aus Rom. 4, 18. 21. geſtaͤrcket
7 5 aͤtte, dabey wir auf das ſchoͤne Lied: Es iſt das Heil uns kommen
her, ſonderlich aber auf die Worte deſſelben, die uns bey der Aus⸗
theilung des gedoͤrreten Obſts zu Nutze gemacht worden, kamen: Mit
SGott der Glaub’ iſt wohl daran, dem Naͤchſten wird die Lieb
=
| a ‚ bift du aus GOtt geboren. it. Nicht mehr denn lie⸗
er HErre mein, dein Tod ſoll mir das Leben ſeyn, du haſt fuͤr
4 e et Ob ſichs anließ, als wol’ er nicht, laß dich
cht aufdecken ꝛc. Auch laſe ich ihm und andern das Lied vor: Wun⸗
er⸗Anfang, herrlich Ende ꝛc. und betete mit ihnen. Seinem
Weibe wurden auch noͤthige Erinnerungen gegeben, die ſich für ihre
. = | J 5 801 > 8 A | 2
2
En „ onen 5 welche GOtt aͤuſſerlich und innerlich die bittern 5
; Fruͤchte er Suͤnde fuͤhlen laͤſt, hatte die Gelegenheit die Worte aus⸗
zulegen und zu appliciren, welche ſich Hoſea 5,15. und c. 6,1. ſeq. fine
den: Ich will wiederum an meinen Ort gehen, bis ſie ibre Schuld
8 rkennen und mein Angeſicht 98 Wenn es ihnen uͤbel Ban
% an © ſo
a Mi, | x
*
wal reichlich empfunden. Die Ochmergen im Seibe, wie auch Ara.
er ſchrecken, denn wo er ift am beſten mit, da will ers
1950 Dierium.
fo werden fie mich frühe ſuchen muͤſſen und fagen: kommet „wir
wollen wieder zum Sven ꝛc. welches alles gar deutlich mit dem Ex⸗ “>
empel des verlornen Sohnes zu erläutern iſt.
Freytag, den 30. April.
Es ſind heute nach der Erbauungs⸗Stunde die letzten Müͤhl⸗ Un⸗
koſten uͤberſchlagen worden, welche 20 Pfund 5 Sh. Sterl. ausmachen,
und da ich nur noch in der Muͤhl⸗Caſſe r Pfund 4 Sh. 2 p. übrig behalte,
ſo wird davon der Schmid und Zimmermann fuͤr einige neue Arbeit be⸗
zahlt, und einige Ellen Beutel⸗Tuch, ſo gut es hier zu haben iſt, ge⸗
kauft. Die Leute ſind willig, zur Erhaltung der Muͤhle von iedem Bu⸗
feel Korn, Reis oder Waitzen, Quart oder am Gewichte z Pfund ab⸗
zugeben, welches zuſammen geſammlet, und nutzbar zu Gelde gemacht
werden ſoll. Auch wollen fie im Nothfall einige Tage gemein chaftlich
Mai.
umſonſt arbeiten, welches ſie nicht als Frohn⸗Dienſte, ſondern als eine
danckbare Liebes⸗Bemuͤhung bey einer ihnen fo nuͤtzlichen Sache, als
die Mühle iſt, anſehen. Der Müller bekommt vor ieden Buſchel Ge⸗
treide 2 Quart oder 4 Pfund, wovon er ſich zwar nicht erhalten kan,
er kan aber doch darneben, weil nicht immer gemahlen werden kan, ſeinen
Acker: Bau beſtellen, und hat bey der Mühle felber keine Ausgaben und
Unkoſten, weil ihm alles noͤthige gebauet und angeſchaft wird. Jetzt
iſt Korn und Reis theuer, und kan er bey dieſem Lohn ſchon die Mühls
Arbeit verrichten: kuͤnftig wenn es wohlfeiler werden ſolte, wird GOtt
auch ſorgen, daß dem Muͤller ſeine Muͤhe verguͤtet werde.
MAIVS.
| Sonnabend, den 1. May. -
Mein lieber College ift dieſen Morgen fehr frühe nach Savannah
gereiſet, die Leute zu prüfen, welche morgen das Heil. Abendmahl ges
nieſſen wollen, und zugleich das Wort des HErrn zu verkuͤndigen.
Gott ſetze ihn zu vielem Segen, und ſtaͤrcke auch mich zu Haufe, daß
ich etwas ſey zum Lobe ſeiner Herrlichkeit. In eben dieſem Boot iſt eine
ſchoͤne Quantität Seide nach Savannah zum Verkauf geſchickt wor⸗
den, welche die Wuͤrmer ſowol im Waͤyſenhauſe, als bey einigen andern
Leuten geſponnen haben. Die wenigſten haben ausgeſponnen, und alſo
wird die meiſte Seide naͤchſtens herunter zu ſchicken ſeyn. Da das Waͤy⸗
ſenhaus vor dem Jahr einen Anfang und zwar mit gutem Succeß mit
dem Seiden⸗Bau gemacht, und die Einwohner unſers Orts den a
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3 DDiarium. 1951
Nutzen dieſer Arbeit, die auch von ſchwaͤchlichen Perſonen, als Weibern
und Kindern, ſehr wohl verrichtet werden kan, erkant haben: haben
einige, welche Maulbeer⸗Laub bekommen konnen, ſich auch in dieſem
Jahre darauf gelegt, und iſt es mir eine groſſe Freude, zu erfahren,
Daß ſie ihre Mühe wohl belohnt bekommen. Nun haben ſie es auch ge⸗
lernet, und koͤnnen mit ihrem Wiſſen andern dienen, und ich vernehme
auch, daß ſich viele mit Ernſt darauf legen wollen, viel Maulbeer⸗Baͤume
ıpflangen. Wenn ſie dieſelben in genugſamer Quantitaͤt und in der
Nähe haben, fo iſt der Seiden⸗ Bau eine leichte und profitable Sache.
Anno
1742
Mai,
ir haben den Witwen, einer jeden einen ſchoͤnen vollen weiflen
Maulbeer⸗Baum auf dis Jahr zum Gebrauch vom Waͤyſenhauſe ge⸗
ſchenckt, welches ihnen gar wohl zu ſtatten gekommen. Im Waͤyſen⸗
hauſe haben ſie der Seiden⸗Wuͤrme dis Jahr wieder Vermuthen zu viel,
und auf den Boden zu wenig Platz gehabt, haben auch viel wildes Maul⸗
beer⸗Laub fuͤttern muͤſſen, daher gar viele Würmer verdorben find,
f und einige ſo kraftlos geweſen, daß ſie kaum halb ausgeſponnen haben.
don der Profit dem redlichen, ſehr arbeitſamen Kalcher und andern Mit⸗
arbeitern zum Theil zugewandt, zum Theil aber nach und nach davon
etwas gebauet werden ſoll, was zur Fortbringung der Würmer unent⸗
behrlich noͤthig iſt. Jetzt muͤſſen ſie unter dem Dache liegen, da ſie
ſchen hoffen ſie doch eine gute Quantitaͤt Seide zu bekommen, da⸗
denn von der Sonnen⸗Waͤrme, die ohnedem in dieſem Fruͤhlinge gar
groß und anhaltend ift, ſehr erhitzt werden. Auch gibt es viele Muͤcken
und Schmeiß Fliegen, welche ſie beſchaͤdigen. Es wird unumgaͤnglich
ein eigen Haus erfordert, die Wuͤrme darin zu accomodiren, welches
man aber zur Zeit aus Mangel des Geldes und der Arbeits⸗Leute nicht
e hat Eönnen bauen laſſen. Unſere Maulbeer⸗Baͤme find meiſtentheils
noch gar zart, daher wir anders woher in der Nachbarſchaft das meiſte
aub nehmen muͤſſen, welches im naſſen ſtehet, und lange ſo ſchoͤn und
geſund nicht iſt, als was an unſerm Orte waͤchſt, welches auch mag zu
den Erepicah vieler Wuͤrme vieles mit beygetragen haben.
Einer von den Soldaten des Herrn Gen. Oglethorpen, welche die
Waͤlder zwiſchen dem Fort Orgyle und Alt⸗EbenEzer recognoſciren
muͤſſen, kam zu mir, einen Brief an den Herrn General abzuholen.
Ich werde nun allemal den erſten Tag eines ieden Monaths ſichere Ges
ſegenheit haben, an dieſen guͤtigen und wohlthaͤtigen Herrn zu ſchreiben.
N e in Eil einige Zeilen, recommendirte nochmal den
Derrn
errn Vigera zu feiner Gewogenheit, und gab ihm von dem gefaͤhrli⸗
% iu 5 2 a = a 8 3 3 | = 25: chen
|
|
|
Anno
1742.
Mai.
1952 Diarium.
chen Zufall, der den Steiner betroffen, Nachricht, mit Bitte, mich der
probaten Mittel wider den Schlangen Biß, ſo er mir einmal in Alt⸗E ben
Ezer erzehlt, theilhaftig zu machen, daß wir im Fall der Noth etwas
haben, es zu appliciren. Auch melde ihm, wie beſchwerlich und koſtbar
uns das Reiſen nach Savannah im Boote faͤllt, bitte daher, daß ein
Weg zu Lande nach Savannah gemacht werde.
| Montag, den 3. May.
Hans Schmid beſuchte mich, und war mir in Erzehlung deſſen,
was der HeErr an ihm thut, ſehr erbaulich. Er iſt wegen des hohen
Waſſers, das einen Theil ſeines anzupflantzenden Landes uͤberſchwem⸗
met hat, worzu auch der Muͤhlen⸗ Damm etwas beytraͤgt, etwas be⸗
kuͤmmert und unruhig geweſen. Gott aber hat ihn durch andaͤchtige
Leſung des Liedes: Alſo hat Gott die Welt geliebt ꝛc. ſonderlich aus
dem v. 16. kraͤftig aufgerichtet und voͤllig befriediget: Sehlts hier und
da, ſey unverzagt, laß Sorg' und Kummer ſchwinden: der mir
das groͤſſte nicht verſagt, wird Rath zum kleinen finden. GOtt
hat mir ſeinen Sohn geſchenckt, und fuͤr mich in den Tod ge⸗
ſenckt, wie ſolt er (laſſt uns dencken) nicht alles mit ihm ſchen⸗
cken? Er wuſſte aus Erfahrung der vorigen Zeit anzufuͤhren, wie viel⸗
mal ihm der guͤtige GOtt in ſeinen kuͤmmerlichen Umſtaͤnden beygeſtan⸗
den, und ihm heraus geholfen, welches ihn im Glauben und Hoffnung
ſtaͤrckt. Ich konte ihm erzehlen, wie ſehr ich dieſer Tagen durch ein
Voͤglein auf dem Dache meines Hauſes, welches luſtig und fröhlich
geſungen, und vor nichts kuͤnftiges geſorget, theils beſchaͤmet, theils im
Wertrauen zu dem verſoͤhnten himmliſchen Vater geſtaͤrckt worden.
Wir haben einen Erloͤſer und Fuͤrſprecher bey dem Vater, welchen an⸗
dere Creaturen nicht haben. Wie ruhig und vergnuͤgt koͤnnen wir ſeyn,
wenn wir uns nur an ihn halten. Schmid iſt vorhabens, ſich auf
Waitzen⸗ pflantzen mehr zu legen, als in der vorigen Zeit, worzu es ihm
nicht am Lande, ſondern nur an genugſamer Duͤnge fehlt, welche zu er⸗
langen er ſich noch eine Kuh kaufen will, worzu ich ihm etwas Geld
lehnen ſoll. Ich muß mich ſelbſt mit Borgen behelfen, kan es aber
doch ſolchen Leuten, die ſich gern ehrlich und chriſtlich naͤhren wollen,
nicht abſchlagen. Gott wird alles beſcheren. n
Dienſtag, den 4. May. 3
Es fuͤhlen die Leute in Savannah, Teutſche und Englaͤnder aufs
neue die Zorns⸗-Ruthe GOttes, indem test auch wie im vorigen Som⸗
mer, das Rind⸗Vieh mit Haufen hinfaͤllt, und verlieren fie nach 155
| NN. DIR
Por Diarium. 1953
ach ihr weniges Vieh. Mr. Jones, unſer redlicher Freund, iſt zu Ende Anno |
der vorigen Woche von Friederica zurück gekommen, hat aber heute 1742. ee
ſchon wieder dorthin reifen wollnsssssss. >. Mai. |
Der Medicus vom Waͤyſenhauſe in Savannah hat mir die ange⸗ |
nehme Nachricht melden laſſen, daß für uns etwas geſammlet und ſchon
nach Charles - Town geſchickt ſey, welches zu meiner Diſpoſition, ver⸗
muthlich fuͤrs Waͤyſenhaus, naͤchſtens an Gelde oder Guͤtern uͤberliefert
werden ſoll. An einem Tage laͤſt der HErr feine Güte auf dreyfache
merckliche Weiſe an unſerm Wäyſenhauſe kund werden. Denn heute,
da mir mein lieber College diefe Nachricht uͤberbringt, ſchenckt ein fromm
Weib in der Gemeine dem Waͤyſenhauſe mit hertzlichen Wunſch 7 Sh.
Sterl., welche ihr in London geſchenckt worden. Heute iſt uns auch von
der letzt herab geſchickten Seide ein kleiner Segen zugefloſſen; zuge-
ſchweigen, was vor kurtzem dem Waͤyſenhauſe von dem rechtſchaffenen
Chriſtian Riedelſperger zugedacht iſt. Unſer himmliſcher Vater weiß,
was wir beduͤrfen. Wir brauchen nothwendig ein raͤumlich Haus,
denn das jetzige iſt viel zu enge, im Winter nicht warm genug, und im
Daache baufaͤllig. Wir behelfen uns aber doch lieber ſo lange, bis uns
Gott durch wirckliche Gaben einen naͤhern Beruf zu dem in dieſem
Lande ſo koſtbaren Bau zeiget. Die Purrysburgiſche und andere Leute
in Caroline haben ſonſt einen eitlen Ruhm draus gemacht, daß ſie al⸗
leine, und die Einwohner Georgiens keine Seide verfertigten, und zeige
die jaͤhrlich nach London geſchickte Seide nur von dem Fleiß der Einwoh⸗
Caroline. Dieſer eitle Ruhm hat ſoviel angerichtet, daß nun
8
Anno
1742.
Mai.
BA ne Diarium. 5
dem, was Gott beſcheren wird, zu genieſſen geben. Auf den Plan⸗
tationen machte man auch gern dergleichen Anſtalt zum Leſenlernen der
Erwachſenen! weil wir aber ſchon jaͤhrlich 4 Pfund dem Rupr. Steiner
|
|
für die Schule mit den Kindern zahlen muͤſſen, und wir auch hierzu noch
N Donnerſtag, den 6. May. F ee e
Ich fand den Lackner vom àten Transport bey ſeiner Arbeit im
Felde, dabey er wol ſehr ſchwitzte, aber gantz gutes Muths war. Er
kein Vermoͤgen in Haͤnden haben, ſo muß man mit der Schul⸗Einrich⸗ g
tung zum beſten der Erwachſenen warten bis zur andern Zeit. 7
hat ein groß Feld etwas ſpaͤte angepflantzt, und weil fein Korn jünger |
iſt als der Nachbarn ihres, fo haben einiges die Voͤgel wieder ausge⸗
zogen, daher er nachpflantzen muß. Wenn ſie zu einer Zeit pflantzen,
kan das Ausziehen und der Schade durch die Vögel eher gehindert wer⸗
den. Er erzehlte mir eins und das andere, was der liebe GOtt an ſei⸗
ner Seelen durch ſein Wort, ſonderlich bey Gelegenheit der Hiſtorien
in den Abend⸗Betſtunden thut, und iſt es ihm und ſeiner Ehe⸗Gehuͤlfin
der taͤglichen Betſtunden wegen uͤberaus lieb, daß ſie ihre am weiteſten
abgelegene Plantage aufgegeben, und ſich naͤher zur Stadt gemacht ha⸗
ben. Sie ſind beyde Leute von guter Hoffnung, und ſchicken ſich in der
Gemeine ſehr wohl in alle chriſtliche Ordnung.
Die Teutſche Frucht an Waitzen, Roggen, Gerſten, Haber,
Erbſen ſtehet in den Gaͤrten ſo ſchoͤn, daß man ſie nicht beſſer wuͤnſchen
koͤnte, und wird in kurtzem reif werden. Zum Duͤnge⸗ machen brauchen
die Leute nothwendig mehr Vieh, und waͤre zu wuͤnſchen, daß die
Herren Truſtées zur Befoͤrderung des Ackerbaues auch den letzten
Transport damit beſchencken wolten. Es wuͤrde hernach auch das
ſchlechte and , welches fie veraͤchtlicher Weiſe pine barren (unfrucht⸗
bares Foͤrln⸗Land) heiſſen, gar nuͤtzlich zu gebrauchen ſeyn, wie man
dis ſchon aus manchen guten Proben weis. Gott kan alles geben,
nur es muß erbeten und erwartet ſenn. a !
Freytag, den 7. May.
Bor und nach der Erbauungs⸗Stunde auf den Plantationen bin
ich beſchaͤftiget geweſen, den Leuten die letzte Arbeit bey der Muͤhle zu
bezahlen, dabey ich zwar ſehr defatigirt, aber auch durch einen Brief von
Herrn Whitefield, der mir eben unter der Arbeit überliefert wurde, ſehrt
erfreuet und erquicket worden. Er ſchreibt, er habe in Edinburg 20 Pfund
Sterl. fuͤr unſere Leute geſammlet, davon vornemlich das Waͤyſenhaus,
ſodenn aber auch die Gemeine zur Reis- Muͤhle, oder wozu ichs ſonſt
gut
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gut finden möchte, participiren fol. Er habe 600 Yards Tuch gekauft, Anne
953 and hergefict davon den Waͤyſen⸗Kindern in Bethesda Kleider ver⸗ 1742.
fertiget werden ſollen, wovon wir auch etwas für Bezahlung für einen Mai.
geringen Preis bekommen koͤnnen. Er hofft noch mehr für uns zu col » °
llectiren, ehe er aus England abreiſet. GOtt ſey gelobt für dieſe neue Ä
Wohlthat, er vergelte ſie dem Herrn Whitefield und andern ‚ Die etwas
dazu beygetragen haben, reichlich mit zeitlichen und himmliſchen Gütern.
Es war mir doch eindruͤcklich, daß, da ich eben im Begrif war, das
letzte Geld fuͤr die Muͤhl⸗Arbeit auszuzahlen, ich dieſe angenehme Nach⸗
richt von der gedachten Collecte, davon auch der Muͤhle etwas zu gute
kommen ſoll, empfangen habe. UHR
Sonnabend, den 8. May. HIN
Der Schuhmacher Raͤck, der ſich ehemals zu unferer Gemeine ges
halten, nachher aber nach Port- Royal gezogen war, beſuchte mich,
und bereuete fein bisheriges Weſen, führte auch etliche beſondere Un⸗
luͤcks⸗Faͤlle, welche ihm ſeit feinem Wegziehen betroffen, als Zeugniffe
er ſchweren Hand GOttes über ihn an. Er ſiehet ſich in der Irre und
in groſſer Gefahr, erkennet feine Sabbath⸗Schaͤnderey und die Schaͤd⸗
lichkeit der boͤſen Geſellſchaft, und hat viel gute Vorſaͤtze, dabey es aber
nicht bleiben, ſondern mit GOttes Huͤlfe zum Nachſatz kommen ſoll.
Er hat ſich gegen unſer Waͤyſenhaus in einer gewiſſen Sache guͤtig er⸗
wieſen, und erbietet ſich noch zu mehreren. Er hat Land hier in der
Naͤhe auf der Caroliner⸗Seite, worauf er kommenden Herbſt zu ziehen
gedencket. Geſtern Abend hat er in der Betſtunde an dem Exempel des
boshaftigen Ziba und dem redlichen Mephiboſeth, und aus dem Ver⸗
halten Davids gegen beyde, gar viel zu ſeiner Nachricht gehoͤret, wel⸗
ches auch, wie ich merckte, Eindruck gegeben. Es wurde dabey vor⸗
geleſen und eingeſchaͤrft Eph. 4, 25. ſecqq. und Sir. 5,2 9. Wir haben a
uns in den Betſtunden bey dem roten Capitel aus 2 Sam. gar lange 2
\ —
aufgehalten, weil die Materien fo wichtig und erbaulich geweſen. Sons
derlich iſt uns das Hertz des erhoͤheten Heilandes aus dem Vorbilde
und dem Verhalten Davids gegen ſeine Rebellen, mit unſerer Pflicht
gegen ihn, gantz deutlich und lieblich vorgeftelet worden, und habe ich 8
ie Kraft des Evangelii an mir und andern wol geſpuͤret. Der Spruch
Rom . 4, 5. Dem aber, der nicht mit Werden umgehet, glaͤubet
aber an den, der die Gottloſen gerecht machet ꝛc. iſt uns recht auser⸗
wehlt und koͤſtlich worden; denn er bringt Troſt im Buß⸗Kampfe, in
fechtungen und auf dem Sterbe⸗ Bette. 0
Americ. XI. Sortſ. 9A f Sonn⸗
1956 5
Sonntag, den 9. May.
i Von Savannah her wird eine traurige Nachricht confirmi⸗
ret, daß nemlich der Eigenthuͤmer derjenigen Chalouppe, welche be⸗
ſtaͤndig von Savannah nach Charles⸗Town, und wieder zuruͤck gehet,
auf der Ruͤck⸗Reiſe zweymal im Waſſer in Lebens⸗Gefahr gekommen,
und zuletzt doch darin ertruncken ſey. Der Coͤrper iſt von groſſen Fiſchen
ſehr übel zugerichtet geweſen, und hat man anfangs ſchlieſſen wollen,
als ſey er ermordet und ins Waſſer geworfen worden; man weiß es aber
ietzt gewiß, daß ihn der Segelbaum hinein geſchlagen hat. Es gehen
ſolche Gerichte nicht felten, ſondern oft vor, und ſpiegeln ſich doch wol
wenige daran. Und alſo richtet GOtt bey den verkehrten Menſchen
durch Ernſt eben ſo wenig, als durch ſeine Guͤte aus. Er helfe, daß die
Frommen im Lande ſich durch ihr demuͤthiges und unablaͤſſiges Gebet
gegen die Gerichte zur Mauer machen, und wider den Riß treten.
. Montag, den 10. May. | Pe
Ich beſuchte dieſen Nachmittag einige Familien im obern Theil
der Plantationen, und habe im Geſpraͤch und Gebet mit ihnen viel Ver⸗
gnuͤgen gehabt. Die Crauſin hat lange auf mich gewartet, mir ihre
Seelen⸗Umſtaͤnde, da es noch immer durch Furcht und Hoffnung mit
ihr gehet, zu entdecken und guten Rath zu begehren. Am ſtillen Frey
tage hat ihr GOtt eine groſſe Gnade erzeiget, daß ſie glauben koͤnnen,
Gott habe ihr alles vergeben, wovon fie mir mancherley erbauliche
Umſtaͤnde und Specialia erzehlte. Peter Reiter kam auch herzu, da
wir denn mit einander von der rechten Art des Glaubens, und von der
Kraft des Gebets ein angenehm, und uns allen nuͤtzliches Geſpraͤch fuͤhre⸗
ten. Es iſt ſehr erbaulich, wenn einfältige Leute aus eigener Erfahrung
vom Glauben und deſſen Geſchaͤfte in der Rechtfertigung und Heiligung
zeugen; da man denn ſonderlich erkennen kan, es ſey kein Hirn- fondern
Hertzens⸗Werck, und wahrhaftige Wuͤrckung des Heil. Geiſtes.
N. ſieht die herrliche Gnade in EHriſto und die Gluͤckſeligkeit eines
wahren evangeliſchen Chriſten gleichſam von ferne, freuet ſich darauf,
beklagt ſeine Untreue und Blindheit, daß er mehr durch Selbſt⸗Wuͤr⸗
cken und durch ſeine Uebungen, als durch den Glauben an den HErrn
IEſum aus feinem Verderben wollen errettet werden. Er betet ernſt⸗
lich, und hat am guten Geſpraͤch und ſchoͤnen Exempeln ein groſſes Ge⸗
fallen, ſieht es daher ſehr gern, wenn man ihn und die Seinigen be⸗
1 er
ſuchet. Er iſt ietzt, wie er ſelbſt bezeugete, ſehr vergnuͤgt mit allem, wie
beſchwerlich ihm auch das Land» Leben faͤllt, und dancket Gott fuͤr 5 se
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00 8 Tags
ee ER | Dieriumt ; 1957
Errettung aus dem Geſellen⸗Leben in Teutſchland. Er glaubet, daß Annö-
r mit Seele und Leib unter dem rohen Haufen verdorben wäre, wenn 7742,
n Gott nicht heraus geriſſen und in die Stille gebracht hätte. Er er⸗ Mai.
zehlte eben dergleichen von dem N., welcher von andern Geſellen in ihrer
Zunft mit Gewalt zum uͤbermaͤſſigen Trincken genoͤthiget worden ıc.
Veornberger erzehlte, daß, da er in eine gewiſſe Reichs⸗ Stadt als
Weber ⸗Geſelle gekommen, und ein ſchwartzes Halstuch umgehabt, an⸗
dere Geſellen ihn angetrieben, ein weiſſes anzulegen, und mit Stock und
in Zeugniß ſeines unbe⸗
EN den er genommen) heimlich getrieben, und darüber ihn GOtt doch
info groſſer dangmuth getragen, und auf ſeine Buſſe, bisher aber ver⸗
geblich Er erkannte weiter geſagt
Ich
.
Anno
1742.
Mai.
EEE
Ich beſuchte die Leute auf ihren Plantagen am EbenEzer⸗Fluß,
ſie bey ihrer harten Arbeit durch einen chriſtlichen Zuſpruch zu ermuntern,
den Muth ja nicht ſincken zu laſſen, ſondern bey allen Schwierigkeiten,
die ſich bey Anlegung neuer Plantagen finden, an die Verheiſſungen
Gottes und die Exempel der erſten Saltzburger zu gedencken. Ich
habe in Savannah eine Pflugſcharre gekauft, die ich dem Kogler und
Rottenberger ſchencke, welche das Holtzwerck dazu verfertigen werden,
daß alſo alsdann zwey gute Pfluͤge, einer im Waͤyſenhauſe und bey der
Stadt, und der andere auf den Plantationen ſeyn wird. Die Pferde
an unſerm Ort ſind meiſtens Stutten, jung und ſchwach, welche die
Leute um der Zucht willen, ſoviel als moͤglich iſt, ſchonen. Weil ich
aber doch den Teutſchen Feld: Bau zum Beſten des Waͤyſenhauſes und
der Gemeine, gern ie eher ie lieber eingefuͤhrt ſehen wolte, ſo gedencke
ichs im Namen des HErrn zu wagen, und auf Credit des himmliſchen
Vaters, der leicht eines Wohlthaͤters Hertz in Europa zur Bezahlung
deſſelben, lencken kan, ein paar ſtarcke Pferde zu kaufen, welche zwar zu⸗
ſammen bey 24 Pfund Sterl. koſten, aber auch zu einem vieljaͤhrigen
Nutzen in der Gemeine durch den Segen Gottes gereichen würden.
Die Leute in der Stadt und auf den Plantagen wuͤrden damit ihren
Acker beſtellen, und deshalb etwas weniges zur Erhaltung der Pferde
beytragen, wie ſie bisher bey dem einigen gemeinſchaftlichen Pferde,
das noch uͤbrig iſt, gethan haben. So lange auch beym Waͤyſenhauſe
nur die hieſige Landes⸗Frucht gepflantzt wird, und alles mit der Haue
beſtritten werden muß, kommen wir bey allem Zufluß der Wohlthaten
aus Europa nicht recht fort, ſondern muͤſſen uns hier und dar immer mit
Borgen behelfen. Segnete aber GOtt unſer Vorhaben, daß Kalcher in
Gemeinſchaft eines andern redlichen Mannes, nach dem wir uns ietzt
umſehen, ſich aufs Pfluͤgen und Anbau des Waitzens, Roggens, Gr
ſten und Haber legen kan, (zu welchem Anfange allerdings etwas an
Geld gehoͤret) fo hoffen wir leichter zurechte zu kommen. Ohne Duͤnge
wuͤrde wenig geſchehen; daher wir auch noch einige Stuͤck Vieh ha⸗
ben muͤſſten, mit welchen wir einen redlichen Saltzburger mit ſeinem
Weibe auf des Waͤyſenhauſes Plantage ſetzen, ihm ein Haus und
Staͤlle bauen, und ihm als Haushalter die Sache ſoviel als moͤglich iſt,
erleichtern wolten, da er denn gemeinſchaftlich mit Kalchern das Land
des Waͤyſenhauſes bey der Stadt, und nach und nach auf der Plantage
Nn wuͤrde. Auf dieſe Weiſe koͤnten wir der Knechte, die ohnedem
ar nicht zu haben ſind, entbehren, und wenn man Tageloͤhner Kae
N)
N
-
—
. Diarium. a 195%
ſo wuͤrden fie auf dieſe Weiſe den Tage⸗ Lohn eher, als bey der hiefigen Anno
Landes ⸗Frucht verdienen, und dem Waͤyſenhauſe Nutzen ſchaffen. 1742.
jederman iſt uͤberzeugt, bey dem Acker⸗Werck auf Teutſchen Fuß, Mai. |
d beym eiden⸗Bau, wuͤrden die Unſrigen nicht nur leichte Arbeit, | |
ſondern auch mehrern Vortheil haben, und alfo eher zurechte kommen. 1
Die Geſundheit würde auch beftändiger ſeyn. Denn man kan es recht
mercken, da die Leute ietzt in der groͤſſten Hitze, ihr Korn, Reis und Bohnen
pflantzen, und das Graß abhauen muͤſſen, fo bekommen fie, ſonderlich die
vom aten Transport Fieber, Diarrhoen ꝛc. Hingegen die Teutſche Frucht
wird im Herbſt und Winter geſaͤet, und geſchieht hernach weiter keine
Arbeit daran, bis ſie in dem ietzigen Monathe eingeerndtet wird. Denn
ſie laͤſſt kein Graß aufkommen, und darf alſo nicht ausgegaͤtet werden.
G Ott laſſe ſich unfere einfältige, doch redliche Abſicht gefallen, und be⸗
gleite ſie bey dem Waͤyſenhauſe und in der Gemeine mit ſeinem Segen!
Dioonnerſtag, den 13. May. Nr,
Da ich dieſen Morgen aus dem Haufe zweyer krancken Eheleute
heraus, und nach dem Waͤyſenhauſe zuging, brachte mir ein Mann
2 Paquet Briefe und die Nachricht entgegen, daß Herr Vigera in Sa⸗
vannah ſey, und dieſe Briefe von Col. Stephens an mich empfangen
haͤtte. Herr Vigera haͤtte ſelbſt einige Zeilen an mich geſchrieben, und
darin ſeine geſunde und gluͤckliche Ankunft vermeldet, wie auch, daß er *
von Friederica 6 Faß Mehl und allerley Pferde⸗ Zeug für die 7 Rangers 8
oder Soldaten an unſerm Orte mitgebracht habe, welches alles nebſt der EN
groſſen Kifte von Halle, welche am neulichen Freytag in Savannah von
Charles Town angekommen, von unſern Leuten mit dem groſſen Boote
abgeholet werden ſolle. Geſtern Abend reiſeten die beyden Kieffer nach
Savannah, die mit ihrem von uns gelehnten Boote auch werden be⸗
huͤlflich ſeyn, dasjenige, was nicht ins groſſe Boot gehen ſolte, herauf
zu bringen. Am neulichen Freytage, da eben die groſſe Kiſte nach Sas
vannah gebracht worden, machten wir uns das Exempel Davids
2 Sam. 19,39. der ſich muͤndlich und thaͤtlich gegen den wohlthaͤtigen
rechtſchaffenen Barfillai danckbar bewieſen, unter andern fo zu Nutze,
daß wir uns des vielen Guten, ſo uns in unſerer Pilgrimſchaft von un⸗
ſerer lieben Obrigkeit und andern werthen Goͤnnern in Europa erzeiget =
worden, danckbarlich zum Lobe GOttes erinnerten, und da wir zur ; =
Vergeltung ihrer unintereſſirten Liebe nichts thun Fünnen , fie wie
David kuͤſſen und ſegnen, d. i. fie mit aufrichtigen Hertzen lieben und
fuͤr ſie beten ſollen, daß ſie an 1 unter denen erfunden werden,
a
1960 Diarium.
Anno zu welchen der erhöhete und verklaͤrte Heiland ſagen wird: RNommet 5
1742.
Mai.
her, ihr Geſegneten ꝛc. denn ihr habt mir in meinen Gliedern nach Be⸗
ſchaffenheit ihrer geiſtlichen und leiblichen Umftände Gutes gethan. Ich
führte als ein Exempel neuer Wohlthaten an, daß der Herr Gen. Ogle⸗
thorpe Anſtalt gemacht, daß ich ihm alle Monath den Zuſtand unſrer
Gemeine berichten, und ſeinen Rath und Beyſtand begehren kan. it.
Daß ich am letzten Freytage bey vieler Abmattung meines Leibes, unter
Ausrechnung und Auszahlung der letztern Muͤhl⸗Arbeit von dem Herrn
Whitefield einen Brief erhalten, darin er mir Nachricht gibt, daß er
20 Pfund Sterl. für uns geſammlet habe, daran vornehmlich das Waͤy⸗
ſenhaus, doch auch die Gemeine Theil nehmen ſoll, fonderlich ſolten ei»
nige Pfund zu einer Reis⸗Muͤhle deſtiniret ſeyn. Er hoffe, vor feiner
Abreiſe aus England mehr zu ſammlen. Und konte es mir ja wol nicht
anders als eindruͤcklich ſeyn, daß, da ich das letzte Geld auszahlete, ich
einen Brief bekomme, daß GOtt zur Muͤhle ſchon wieder etwas zuſam⸗
men gebracht habe. Dieſe Connexion der Sachen, darin ich goͤttliche
Weisheit und Guͤte erkenne, macht es, daß es mir eben nicht zuwider
iſt, daß ich aus einem in London gedruckten Bogen, the Weekly
Heſtory genannt, welchen der Herr Hof-Prediger Ziegenhagen ſeinem
werthen Briefe beygeſchloſſen, heute erſehen, daß mein an Herrn
Whitefield abgelaſſener Brief vom 6. April 1741., darin ich ihm von un⸗
ſerer erbaueten Kirche, vom Waͤyſenhauſe und der Mühle Nachricht gebe,
von Wort zu Wort dieſem Bogen inſerirt iſt. Denn es wird ihm und
andern Wohlthaͤtern darin nicht nur Nachricht gegeben, wie die em
pfangenen Gelder zum Bau der Kirche angewandt worden, ſondern ich
wuͤnſche ihnen auch aus der Fülle JEſu Chriſti zur Vergeltung allen goͤttli⸗
chen Segen, und mache mich mit meinen Zuhoͤrern verbindlich, in der
neuen Kirche den Vater aller Barmhertzigkeit mit gebogenen Knien um
Vergeltung ſolcher groſſen Wohlthat in Zeit, und dort in Ewigkeit anzu⸗
flehen, welches auch bisher von Erwachſenen und Kindern geſchehen.
Durch die laͤngſt erwartete Kiſte von Halle wird unſer Glaube
nicht wenig geſtaͤrckt, denn wir haben ſie bisher durch Gebet und Glau⸗
ben ſo feſt gefaſſt, daß wir gewuſſt, ſie werde uns nicht entgehen. Noch
geſtern nach meinem Aderlaſſen fiel mir und meinem lieben Collegen die
Specification der in der Kiſte befindlichen Leinwand, Artzney und Buͤ s
cher in die Hände und Augen, und gereichte uns der Anblick dieſes groffen
Segens zum innigen Lobe GOttes. Wir machten auch der Austheilung
wegen einen Ueberſchlag, als wenn alles ſchon in unſern Haͤnden Dr „
1 wel⸗
Diem (1
we 15 uns zulesr etwas lächerlich wa war, , heute aber it im Glauben ſtaͤrckte. Anno
Was mich und meine eigene Haus⸗ Umſtaͤnde betrift, fo weiß ich kein 1742.
Ziel de Weisheit „Allmacht und Guͤte GOttes in feiner Fuͤhrung zu Nai.
finden, noch den Grund hier zu ergruͤnden, ſondern ſage nur voller de⸗
muͤ gen a TCauſend tauſendmal ſey dir, groſſer
Roͤnig, Danck dafuͤr. Denn ich bin, wie ſchon im Diario angezeiget
| worden, in verſchiedene Caſſen (weiß nicht aus was fuͤr einem Verſehen)
bey die 20 Pfund Sterl. fehuldig worden; da ich nun ſolche Schulden
von meiner n den 1 1 huius empfangenen halbjährigen Salario bezahlet,
und alſo wenig übrig behalten, fo empfange in dem heutigen Brief⸗
Paquet folgendes Billet vom Herrn D. und Prof Francken: „Weil der 5 g
„fiel. Herr von Burgsdorff in fein Teſtament geſetzt, daß die vermachte
009 thlr. Boltzio oder ſeinen Erben zukommen follen, ſo gehören Dies
Abe eigentlich für ihn, und wird er gebeten, eine Quittung fuͤr die
» Frau von Burgsdorff an mich zu ſchicken. , Das heifft ja wol aus
dem. Liede: O GOtt du tiefe ꝛc. Deins Namens Lob und Herr⸗
| heit erreichet eine ſolche derne, drauf niemand dencken kan,
dich betet alles an, und muß ſich unterthaͤnigſt bücken, und wer
in Zuverfichr, dir, ſeine Noth bericht t. dem hilfeſt du mit deinen
. Bey dir iſt kluger Rath die That .
Se Der werthe Herr Hof⸗ Prediger Ziegenhagen hat durch ſeinen
g euerm Brief; „den wir auch in Copia erhalten, meinem lie⸗
ben Lollegen und mir, ſehr groſſe Erquickung gemacht, dafuͤr Ihn der
rr wieder erquicken wolle. Seine Arg gumenta, uns zur Beybehal⸗
tung des obrigkeitlichen Amts zu bewegen, „dienen uns darzu, in dieſem
aufs neue vom Herrn Gen. Oglethorpen bekommenen und uͤbernom⸗
menen Beruf, nebſt dem Geiſtlichen auch das Leibliche i in der e |
zu beſorgen, „ ung nachdruͤcklich au beveſtigen. %
0 Die N. hat ſich vor etlichen Wochen in einer Sache mir besonders 5
wit derſebt, u und trotzige Worte gebraucht, da ich wol eine weltliche
2 brigkeit hier wuͤnſchte, ſolche Bosheit realiter abzuſtrafen. Gott
at fie aber am Fuſſe, darein fie ſich ein tief Loch getreten, fo gefaſſt, daß
ha ;
ſie keiner weitern Strafe vor Menſchen mehr bedarf, fondern durch dieſe
harte Zucht zum Nachdencken und zur Buſſe kommen kan, wo ſie nicht
muthwillig widerſtrebet. So hilft uns GOtt auf allen Seiten, wenn
e e Rath u und We u, will.
„„ Frey ⸗
Anno
1742.
Mai.
4
1962 | Diarium.
Freytag, den 14. May.
Herr Gen. Oglethorpe iſt faſt Tag und Nacht in Arbeit und groffen |
Fatiquen, und muß von dem ungebrochenen Volcke recht viel ausſtehen,
daß er daher unſere und anderer Fuͤrbitte wol noͤthig hat. Er hat Herrn
Vigera und Pichlern fehr freundlich gehalten, und uͤber unſern Ort viel
Freude und Wohlgefallen bezeugt. Er gibt dem Pichler, welcher vonihm
zum Tythingman oder Unter⸗Officier unter den s Rangers beſtellet wor⸗
den, monathlich 20 Sh. Sterl. und iedem von den 6 Rangers 1j Sh. auffer
Pferden, guten Flinten, Sattel, Zaͤume, Pulver und Bley, welche Dinge er
mitgebracht hat. Die Arbeit, welche ſie zu verrichten haben, iſt geringe,
und nicht nur dieſen Maͤnnern, ſondern der gantzen Gemeine, die nicht mit
fremden Soldaten darf beſchweret werden, eine groſſe Wohlthat. Die
Beſchreibung, welche Pichler von Friederica und deſſen Einwohnern
gibt, kommt mit dem völlig uͤberein, was der junge Zuͤbli nach feiner
Ruͤckkunft aus eigener Erfahrung erzehlet hat. Der Waitzen, der dort
im Felde ſtehet, iſt fo geringe, daß wann er hier nicht beſſer wuͤchſe,
niemand dergleichen pflantzen wuͤrde. Die Urſach liegt am Erdreich
und an der Arbeit. Die unſrigen koͤnnen aus ſeiner Erzehlung mit Haͤn⸗
den greifen, welche groſſe Wohlthat unſere Stille iſt, und wie viel Vor⸗
zuͤge wir genieſſen. | 5 2 ö
Ich theilte heute in der Erbauungs- Stunde auf den Plantationen
(wie auch dieſen Abend in der Betſtunde geſchehen fol) etwas aus
den empfangenen Briefen mit, die Zuhoͤrer theils zur Danckbarkeit
für die viele über uns waltende Güte GOttes, theils zur Fuͤrbitte für
unſer Teutſches Vaterland und unſere Wohlthaͤter in Europa zu ermun⸗
tern, worzu ſonderlich der ſchoͤne Brief des Herrn D. und Prof. Fran⸗
cken viel Materie ſuppeditirte. Zu Anfang der Stunde wiederholte
uͤberhaupt einige Puncte aus dem bisher betrachteten 19. Cap. 2 Sam.
und zeigete kuͤrtzlich, welche Wohlthat es ſey, daß uns der liebe GOtt
fo manche erbauliche Exempel darin vorgeſtellt. Er habe mit dem Er⸗
empel der verſtorbenen und lebendigen Gerechten eine heilſame Abſicht,
welche aber leider! die wenigſten Menſchen an ſich erreichen laffen, und
auch dadurch ihr Suͤnden⸗Maaß häufen. Sind die Frommen in der
alten Zeit in den Augen der Welt ein verachtetes Lichtlein geweſen, wie |
auch der fel. Lutherus in der Vorrede über den Propheten Jeſalam von
dieſem Knecht des HErrn bezeuget, und man es an David, Mephibo⸗
ſeth, Barſillai, CHriſto ſelbſt und ſeinen Apoſteln ſiehet, ſo gehet es
noch immer fo. Welt⸗Menſchen find fo blind, daß fie den inwendi⸗
N
-
BR Diarium. 3363
“x 7 — * N
ar mean der Gläubigen gar nicht, ſondern nur ihre Gebrechen und
Fehler, |
ler, die doch ihre tagliche Buß⸗Uebung find, erkennen, und ſick
vie die Schmeiß ⸗Fliegen auf ihre Wunden und Beulen ſetzen, We
8 allen unſern Zuhoͤrern zur Warnung geſaget wurde. Daß Glaͤubige
unter uns ſind, erkennen auch unſere Freunde und lieben Goͤnner in der
Ferne, und haben daher von unſerer Gemeine die Nachrichten ſo gern,
i 9 von ihren eigenen Kindern aus der Fremde, wie davon die ietzige
Briefe zeugen. Iſt daher ein Zeichen eines verkehrten Sinnes, wenn
Pe
8
N
*
einige unter uns keine froͤmmere Leute, als ſie ſelbſt ſind, kennen, und
faſt von keinem Unterſcheid gerne etwas hoͤren. Auch die neulichen Ein⸗
ſcheid unter den Zuhoͤrern geweſen. Ferner wurde erinnert, daß der
alte Barfillai wohl gethan, lieber einſam und gemeinſam zu handeln
Anno
.
Mai.
angs⸗Worte Sir. 21,18. zeigen, daß allezeit ein himmelweiter Unter
mit der Ewigkeit, als mit nach Jeruſalem zu ziehen; denn ſeine Augen
2
konten es aufs neue ſehen, was er ohne Zweifel aus vieler Erfahrung
wuſſte, daß nemlich bey vielem Volcke groß Geraͤuſche und Unruhe ſey.
3 Denn welche Unruhe und Zaͤnckerey über Bagadelle aus Ehrgeitz und an⸗
dern nichtigen Urſachen entſtund nicht hier noch bey dem Jordan, zwi⸗
hen dem Stamm Juda und den uͤbrigen Iſraeliten. Ich erinnerte aus
den Hiſtorien der Patriarchen, daß ie näher fie zu den Städten und Ge⸗
ſellſchaft roher Menſchen gekommen, ie mehr haben fie Unruhe und Scha⸗
den gehabt. Gibt es gleich in unſerer Wuͤſten allerley Prüfungen, fo iſt
ſie doch aus vielerley geiftlichen und leiblichen Urſachen eine ſuͤſſe ſtille
Wauͤſte, darin uns G tt locket und freundlich mit uns redet. Pichler
achtet nun unſere Wuͤſte recht hoch, nachdem er etliche Wochen an
einem andern Orte geweſen. Ich erinnerte, daß der liebe GOtt auch
iin dem Hertzen unſerer Zuhoͤrer, wie dort in den Israeliten nach ihrer
Rebellion 9. 9. mancherley Ueberzeugung wircke, daß fie anfangen, ihr
Sauͤnden⸗Elend zu erkennen, ſich nach der Gnade in CHriſto zu ſehnen;
es waͤhret aber bey manchen nicht laͤnger, als bey dieſem alten Volcke,
die nicht nur grob und unbeſcheiden gegen ihren frommen Koͤnig gewe⸗
0
ſen, v. 41. ſondern endlich gar um nichtiger Urſache willen an ihm Anſtoß
nahmen, und gar einem andern, nemlich dem Seba, wie vorher dem
Abſalon, nacheileten, und daruͤber nicht nur groß Hertzeleid hatten, ſon⸗
dern ſich auch in die Gerichte GOttes hinein ſtuͤrtzten. Heute Hofianna
und morgen Crucifige iſt immer der modus procedendi bey Heuch⸗
lern geweſen. Dabey die unſrigen für fernerer Untreue gegen die Gna⸗
den⸗Zuͤge des Heiligen 11 wurden. Es wurde
Anmeric. XI. Sortſ.
F nf
- *
\ >
9 en an
Anno
1742.
Mai.
1964 „ NEE N
am Ende der Wiederholung nach der Urſache geſraget, woher es doch
komme, daß Joab und dieſe Israeliten gegen David fo wenig Reſpect
gehabt, ſondern frech und trotzig geweſen? Eine Haupt⸗ Urſache iſt ohne
Zweifel ſeine groſſe Guͤte und Gelindigkeit geweſen. Er vergab und ver⸗
gaß gern, wie dis noch alle gelinde Eltern, Obrigkeiten, Lehrer und
Vorgeſetzte erfahren. Gehet es doch dem lieben Gott ſelbſt fo. Was
wird mehr gemißbraucht als goͤttliche Barmhertzigkeit und Langmuth?
Es folgen aber hernach deſto ſchwerere Gerichte. Dabey ſie wieder in
Sirach 5, 2. gewieſen wurden. Ich ſagte ihnen frey heraus, wie mir es
bisher auch in dieſem Stuͤck bey eigenwilligen Zuhoͤrern, welche bey
ihrer Bosheit immer Recht haben wollen, gegangen ſey, welches man⸗
chem ſein Gewiſſen ſagen wuͤrde. Was mir ſelbſt wiederfaͤhret, wird
nicht abgeſtraft, und vergebe und vergeſſe ichs gerne, zumal wenn ſolche
Leute Reue und Leid vorgeben: denn wenn fie in Perſonal⸗Vergehungen
von mir geſtraft werden ſolten, ſo moͤchten ſich andere daran ſtoſſen,
und es als eigene Rache anſehen. Ich bedaure aber ſolche elende deute,
als welche denn dem lebendigen GOtt in die Hände fallen, der ſchon
manchen auf ſeinen Ungehorſam und Widerſpruch ſo angegriffen, daß
er es wohl gefühlt: und es iſt noch gut, wenn die Hand GOttes ge⸗
fühlet wird, daß fie ſich darunter demuͤthigen. Bey dieſer Gelegenheit
that ich den Zuhörern kund, welche Liebes⸗Bemuͤhung der werthe Herr
Hof⸗Prediger Ziegenhagen dismal in Schreibung eines langen Briefes
gehabt, darin er mich und meinen lieben Collegen mit ſehr wichtigen
Gruͤnden, die alle auf das wahre Beſte unſerer Zuhörer gehen, zn bewe⸗
gen ſucht, nebſt dem Lehr: Amt auch das Amt eines Tuftiriarii beyzube⸗
halten, worzu ich auch in GOttes Namen ſo lange entſchloſſen bin, ſo |
lange mir Gott Leben und Kräfte verleihet, die ja wol feit Ankunft des
| 3 75 Transports recht mercklich zugenommen haben. Gott ſey ges
N et! #2 — 7 2 5 £ x 2 1 j
Sonnabend, den 5. May.
Geſtern Abend gegen 1 Uhr wurde ich von dem Schlöffer Schrempff
zu ſeinem jungen Weibe gerufen, die ſchon mit dem Tode gerungen,
und ehe ich hin kam, ſchon todt war. Sie hat ſich nur ein paar Tage ge⸗
klagt, und hat die Heftigkeit des Brechens und der Engbruͤſtigkeit ſo ge⸗
ſchwinde zugenommen, daß ihr Ende eher da geweſen, als ſie und andere es
vermuthet haben. Mein lieber College iſt am Tage bey ihr geweſen, hat
aber mehr mit andern als mit ihr reden und beten koͤnnen, weil ſie wenig
mehr verſtanden hat. Ihr Name iſt Barbara Pruͤcklin, und kam als
i Weed eine
ER Be“ Dierinm. | 1965
denne ledige oft Eränckliche Weibes- Perfon mit dem Aten Transport zu A
uns, da ſie denn auf ihr eigen Begehren bis zu ihrer Verheyrathung, u
die ich lieber gehindert als befördert hätte, in meinem Haufe gedienet. Mai.
Es gibt dieſer ſchnelle Tod den Leuten unſers Orts einen groſſen in?
druck, und ſoll auch morgen mit dem Wort des HErrn noch weiter
nachgedruͤckt werden. Das ate Capitel aus dem Propheten Amos,
welches ich heute mit den Meinigen geleſen, zeiget, wie GOtt die Men⸗
ſchen unterweilen angreiffe, und wie er dadurch nichts anders als ihre
wahre Bekehrung ſuche, doch klagen muß, daß er ſeine gnaͤdige Ab⸗
ſichten weder durch Wohlthaten, noch durch Gerichte und Zuͤchtigungen
erreiche. Die N. war bey dem Sterben des jungen Weibes mit gegen⸗
waͤrtig, und hat davon eine ſolche Impreſſion bekommen, daß ſie ſelbſee
Franck worden, und mich dieſen Morgen in Eil zu ſich rufen ließ. Sie
ſchrye und heulete vor Unruhe ihres Hertzens, und fuͤhlet ſehr harte Ge⸗
wiſſens⸗Schlaͤge; ſeufzet und rufet immer: Die Angſt meines Her⸗
zhkens iſt groß, und gebehrdet ſich fehr aͤngſtlich. Ich drang mit dem
Spruch in ſie: Ich weiß, mein Gott, daß du das Hertz pruͤfeſt,
und Aufrichtigkeit iſt dir angenehm, und erklaͤrete es ihr, was
nach der Schrift aufrichtige Buſſe, damit kein Vorſatz auf irgend eine
Weiſe mehr zu fündigen beſtehe, und darin der Sünder einen allgemei⸗
nen Haß gegen alle Sünden hat, heiſſe; und zeigte, daß ſolche zerbro⸗
chene Hertzen der HErr JEſus heile. Sie ging mit etlichen Dingen,
x 5
womit ſie ſich verſuͤndiget, heraus, und betete ſehr ernſtlich.
Herr Vigera kam geſtern Abend in unſerm kleinen Boote, unter
der Betſtunde hier an, und lobte mit uns den HErrn fuͤr alles, was
er ihm und uns fuͤr Gutes gethan. Er weiß viel von der Guͤtigkeit des
Herrn Gen. Oglethorpes zu ruͤhmen. VVV
„ Sonntag, den 16. May. a
Dieſen Morgen bey Sonnen » Aufgang kam erſt unſer groſſes
Boot mit dem groſſen, mit Büchern, Artzeneyen, Leinwand und andern
Sachen angefuͤlleten Kaſten an, auch hatte Mr. Jones 6 Faͤslein Mehl
für unſer Waͤyſenhaus mitgeben laſſen, welche er für einen erträglichen
5 Preiß in Ban von der, den Frantzoſen abgenommenen Chaloupe ges
A 0
kauft hatte. Wenn ich zu ihm komme, werde ich hören, ob ſie ges
—ſchenckt find, oder bezahlt werden muͤſſen. Der Kaſten war fo groß
und ſchwer, daß er nicht wohl gantz auszuladen und den Berg herauf
Bu bringen geweſen, daher ließ ich ihn im Boote in Beyſeyn des Oeconomi
Kalchers eroͤfnen, und den darin ih Segen auf Armen und
2
1966 x. Diet
Anno in Koͤrben herauf tragen, wobey verſchiedene Leute fehr geſchaͤftig ge⸗
1742. weſen. Da alles in meiner Stube herum gelegt war, haben wir uns
Mai. billig uͤber den groſſen Segen, den der HErr zuſammen gebracht, und
auf der langen gefaͤhrlichen Reiſe bewahret hat, hoch verwundern, und
ihn dafuͤr preiſen muͤſſen. Es war nicht das geringſte beſchaͤdiget, hat
auch kein Regen, der geſtern unterweges mitten im Fluß darauf gefal⸗
len, in den wohlverwahrten Kaſten eindringen koͤnnen. Es erhub ſich
geſtern Nachmittag gar ploͤtzlich ein ſolcher heftiger Sturm, derglei⸗
chen wir wol noch nie erfahren, der auch viele Garten-Zaͤune umge :
riſſen, und einige Huͤtten gantz abgedeckt und die Schindeln ein Stuͤck
Weges hingeworfen hat; dabey fand ſich ein groſſer Platz-Regen. N
Die Ruderer hatten ſich aus Furcht, der Wind werfe von den Ufern die
krachenden Baͤume auf ſie, und ins Boot, nicht ans Land wagen duͤrfen,
ſondern ſich mitten im Fluß halten muͤſſen, welche harte Witterung
auch Urſache geweſen, daß fie unſer EbenEzer geſtern nicht erreichen
Eönnen, ſondern bey einer von unſern Plantagen anfahren muͤſſen. Ich
erquickte ſie dieſen Morgen in meinem Hauſe mit Wein und Brod „da
uns Gott durch den Anblick dieſes recht groſſen Segens erquickt hat.
Wir bekamen dismal alle Exegetiſche Opera des Herrn D. Langens
über die Heil. Schrift des Alten und Neuen Teſtaments und auſſer denen
andere wichtige zu unſerm Amte foͤrderliche Schriften des ſel. Herrn
Prof. Franckens, des fel. Herrn D. Antons und ſel. Herrn Paſt. Frey⸗
linghauſens, auch des Herrn Paſt. Schubarts Evangelien und Epiſtel⸗
Predigten, in unſere Bibliothec. Fuͤr die Gemeine haben wir Bibeln ER
Geſang⸗Buͤcher, Neue Teſtamenter, Arnds Bücher vom wahren
Chriſtenthum, Catechiſmos, viele kleine Predigten „ allerley Saamen,
auch verſchiedene noͤthige Dinge fuͤr unſere Schul⸗Kinder empfangen.
Die Leinwand macht einen groffen Haufen aus, und iſt mit den Buͤ⸗
chern, Zwirn, Artzeneyen, 2 Kleidern für unſere Gehülfinnen und andern
Sachen fo wohl conditionirt, als ob alles erſt geſtern eingepackt wor⸗
den. Das heiſſt ja wol abermal: Was unſer GOtt geſchaffen hat,
das will er auch erhalten. Hallelujah. Nach der Vormittags⸗
Predigt that ich dieſen empfangenen Segen den Zuhoͤrern kund, und
zeigte abermal an, daß auf die ſchon gemeldete Weiſe die Austheilung
der Leinwand fuͤr die 3 erſten Transporte veranſtaltet werden ſolte,
wozu ſie ſich morgen geliebts GOtt um 2 Uhr in der Stadt einfinden
moͤchten. Ich ſagte ihnen, daß die ſchoͤnen Buͤcher womit der 4te
Transport dismal folte verſorget werden, in den Augen der Verſtaͤndi⸗
gen
/ — 8
Dir 1967
— 3 — — —
f den, puͤ e höher geſchaͤtzt werden,
be ( erden, als ein Stück Leinwand, und wenn Anno
Err ihren redlichen Sinn bey dieſer Gabe fehen würde, fo wuͤrde 1742,
es ihm ein leichtes feyn, ihnen nach feiner Verheiſſung Matth. 6,33. das Mai.
uͤbrige zu ſeiner Zeit, das ietzt auf ſie nicht reichen wolle, zufallen zu
laſſen. Ich erinnerte, was mir dismals unter andern gar eindruͤcklich
geweſen, daß nemlich der ietzt empfangene Kaſten vor dem Jahre zu An⸗
fang des Junii in Halle gepackt und abgeſchickt worden „um welche Zeit
wir eben vor dem Jahre einen groſſen Kaſten mit Leinwand, Buͤchern
und Artzeneyen von dorther empfangen haben. Und alſo habe uns GOtt
eines mit feiner rechten Hand gegeben, und mit der lincken ( ο
Jas zu reden) ein anders zu unſerer Freude, und unwiſſend, zubereitet,
welches ja wol Danckbarkeit und Vergnuͤgſamkeit wuͤrcken ſolte. |
N Montag, den iz: May. .
Dteer heutige Nachmittag war zur Austheilung des von GOtt be⸗
ſcherten leiblichen Segens beſtimmt, zu welcher ſich auch die deute von
den Plantationen gar zeitig einfanden. Vormittags waren die Maͤn⸗
ner und Kinder auf meine geſtrige Erinnerung beſchaͤftiget, die Straſſen
und groſſen Pläge bey der Stadt vom Gebuͤſche zu reinigen, welches eine
ſehr noͤthige und nuͤtzliche Sache, weil ſonſt die Schlangen und anders Un.
geziefer Neſter machen, und ſich nach und nach, wenn es ſo fortwachſen
ſolte, alles gute Anſehen der Stadt verlieren wuͤrde. Wir haben es heute
gewiß gefuͤhlet, daß der HErr unter Singen, Beten, und unter der gantzen
Handlung der Austheilung bey uns geweſen. Wir verſammleten uns
nach mn Zeichen in die Kirche, ſungen das Lied: Danckt dem
Erin ihr GOttes Knechte ꝛc. darauf ich den Zuhörern, Erwachfenen
und Kindern bezeugte, daß es mir ſehr lieb wäre, ſie hier vor dem HeErrn
und in feinem Haufe verſammlet zuſehen, daß ſie mit uns den HErrn für
ſeine noch uͤber uns waltende Guͤte loben, und wir uns untereinander zu
‚feinem Dienſt und Ehren unſere kurtze debens⸗Zeit zu zubringen, ermun⸗
tern, auch fuͤr uns und andere Menſchen, ſonderlich aber für unſere liebe
Wohlthaͤter beten moͤchten. Wir haͤtten dazu hohe Urſache: denn die
ietzigen Gaben und Wohlthaten an vielen koſtbaren Büchern, 47 Baͤllgen
Leinwand, Artzeneyen und andern Sachen, waͤren nicht nur zu einer kuͤm⸗
N merlichen Zeit „ aus Gottes vaͤterlichen Direction ‚ fondern auch unter
‚feiner Vorſorge zu Waſſer und Lande ficher bis nach Eben Ezer gekom⸗
men, da man doch wol hoͤret, daß zu dieſer Krieges ⸗Jeit Menſchen,
Sachen und gantze Schiffe verloren gehen. Dis haͤtten wir nun nicht
verdienet, ſondern es ſey des en Vaters freye gute Gabe,
wo⸗
*
.
1968 Diarium.
Anno
1742.
Mai.
wodurch er aber fein Liebes⸗Hertz gegen uns freundlich entdeckt, daß, da
er uns die leiblichen Gaben auf ſo wunderbare Weiſe zufallen laͤſſt, er
uns noch viel lieber die vollkommenen Gaben, welche fein lieber Sohn ei⸗
gentlich verdienet hat, ſchencken wolle. Ich erinnerte ſie hiebey des
Spruchs: So denn ihr, die ihr arg ſeyd, koͤnnet euren Kindern de.
Ich ſehe es nicht von ohngefehr an, daß uns GOtt ſeit Oſtern in Fel⸗
dern, durch eine Collecte des Herrn Whitefield und auf andere Weiſe,
fonderlich aber durch dieſe empfangene Liebes⸗Gaben von Halle um dieſe
Zeit, nemlich zwiſchen Oſtern und Pfingſten, erfreuet hat, (vor dem Jahr
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|
machte es der guͤtige GOtt eben ſo) fondern er will uns dadurch locken,
daß wir ihn, wie die Juͤnger auf Befehl CHriſti vor Pfingſten gethan
haben, ernſtlich um die beſte Gabe, den Heiligen Geiſt, anrufen ſollen:
(hertzlich gern will er ihn geben) und wurde den Zuhoͤrern, die nach die⸗
ſem Waſſer des Lebens als Zion lechzen, ein Exempel eines einfaͤltigen
zuverſichtlichen Gebets nach Inhalt der vorgetragenen Materien ver⸗
ſprochen. Alles ging mit dieſem Vortrag dahin, die bloͤden Seelen
aus dem Erkaͤntniß und Genuß der ietzt auszutheilenden Gaben zum guten
und ſuͤſſen Vertrauen gegen den verſoͤhnten Vater in CHriſto, der reich
iſt von Barmhertzigkeit über alle die ihn anrufen, zu ermuntern. Wir
ſungen zuletzt: Was unſer Gott geſchaffen hat, das will er auch
erhalten ꝛc. Nach dem Schluß dieſes Verſes gingen wir wieder in
mein Haus, und wurden in guter Ordnung 103 Perſonen, Maͤnnern,
Weibern und Juͤnglingen, einem ieden 4 Yards Leinwand wohl gemeſſen,
(macht 12 Mathematiſche Schuhe) ausgetheilet, auſſer was einige
an Meſſern, Schnallen und Buͤchern bekommen haben. Den Kindern
hatte ich ſchon in der Kirche oͤfentlich angedeutet, daß ich mein Wort
halten, und für die Ungehorſamen die Gabe bis zu ihrer Beſſerung bey
Seite legen muͤſſte, die kleinen Kindergen aber, welche einen Vorzug in
der Gnade und Liebe FEfu hätten, ſolten auch einen Vorzug an den leib⸗
lichen Gaben haben. Nach der Austheilung kamen ſie alle in meine
Stube, da denn die Weiber ihre kleine Kindlein auf ihren Armen hiel⸗
ten. Ich ließ mir das Spruͤchlein ſagen: Aus dem Munde der jun⸗
gen Kinder und Saͤuglinge ꝛc. ich zeigete ihnen daraus, daß die Kin⸗
der, ihrer Tauf⸗Gnade wegen, einen ſolchen groſſen Schatz in ihrer
Seele und im Hertzen haͤtten, der aller Welt Schaͤtze und aller Engel
Herrlichkeit uͤbertraͤffe. JEſus habe dieſe Worte aus dem sten Pſalm
wiederhole, da er in dem Tempel zu Jeruſalem geweſen, und die Kin⸗
der rufen hören: Soſianna ꝛc. Und weil hier ſtehet: haſt du or: |
Ä 0
1 Diarium. 8 1969
Lob zugerichtet, fo ift daraus zu erkennen, er wuͤrcke und wohne Anno
durch feinen Geiſt in ihrem Hertzen, und gebrauche auch ihren ſchwachen 1742.
Mund zum Werckzeuge ſeines Lobes. Da nun viele groͤſſere Kinder Mai.
bisher ihren Mund und das edle Glied der Zunge zur Suͤnde und Eitel⸗
keit gemißbraucht, und wol eine Welt voll Ungerechtigkeit begangen
hätten ‚fo koͤnten fie daraus erkennen, welche jaͤmmerliche Hertzen, dar⸗
aus alles Boͤſe durch den Mund und andere Glieder gehe, ſie haͤtten.
Ich koͤnte auf die kleinen, mit CHriſti Gerechtigkeit geſchmuͤckten Kind⸗
lein das appliciren, was ich ihnen einmal vorgeleſen: Du ſolt, ſage
CHriſtus zu iedem, mein liebes Soͤhnlein und Toͤchterlein ſeyn,
die andern gehoͤren noch der Welt an, welches letztere ſehr erſchreck⸗
lich, und das erſtere hoͤchſt tröftlich ſey, und fie koͤnten alle darzu komm
men, wenn fie nur ihren Tauf⸗Bund erneuren wolten. Ich wieder⸗ 3
holete abermal, daß ich die kleinen Kinder, die JEſus in feinen Liebes⸗
Armen haͤtte, und um derentwillen er uns auch dieſe Gabe beſcheret hat, Er
am erſten an dieſer Gabe wolte laſſen Antheil nehmen; hingegen die .
Portion ſolcher, welche bisher muthwillig und ungehorſam geweſe n,,
= 1 ich bis zu ihrer Beſſerung zurück, Weil einige klaͤglich thaten,
ſo wolte ſie nicht gantz ledig weggehen laſſen, ſondern ſchenckte ihnen
entweder einen Kamm, oder ein paar Schnallen und Meſſer. Vorher
aber wurde mit den groſſen und kleinen Kindern ſtehend gebetet, welches a |
Gebet ein klein Maͤgdlein mit dem Vater unſer, und ein anders mit /
dem Reimlein fehloß: Mein Abba, mache mich zu deinem Dienft
bereit, dein Will geſcheh an mir in Zeit und Ewigkeit. Noch
ein anders that dis hinzu: Mein JEſu praͤge mir dein kindlich
Weſen ein, laß mich aufs erſte Wort fo gleich gehorſam ſeyn.
Die artigen Kinder empfingen endlich ihre Gabe mit hertzlichen freund?
lichen Ermahnungen, und welche von den Plantationen nicht haben koͤn⸗
nen herein gebracht werden, die ſollen das Ihrige unter Gebet und Lebe
GoOttes morgen geliebts GOtt dort in dem Haufe, wo die Kirche ges
halten wird, empfangen. Die Kinder insgeſammt, welche eine Gabe
zu einem Hemde, auch andere Dinge, empfangen haben, und auf ers
folgte Beſſerung noch empfangen ſollen, ſind drey und achtzig. Und
alſo wurde die gantze Handlung zu meiner Erbauung, und vieler Er⸗ =
quickung der Zuhörer beſchloſſen. GOtt ſegne die werthen Wohlthäte
r dieſe uns, dem Waͤyſenhauſe und der gantzen Gemeine wiederfahrne
Bi: ohlchaten reichlich, und erfreue ſie fuͤr die uns heute gemachte Freude
3 N 3 e RE: a {3 ER 0 wie⸗
*
1970
Diarium.
Anno wiederum nach ſeinem Willen in Zeit, ſonderlich aber in Ewigkeit,
Mai.
1742. Amen! Hallelujah!
Dienſtag, den 18. May. |
Dieſen Vormittag hatte ichs alleine mit den Kindern auf den
Plantationen zu thun, als welche ſich mit ihren Eltern, oder Muͤttern
und Waͤtern allein an dem Orte des Gottesdienſtes verſammlet hatten.
Ich betete zuerſt mit und uͤber ihnen, und ſagte ihnen, daß ich ihnen
etwas, was Gott in meine Haͤnde geleget, ſchencken wolle, fie aber
ſolten mir wieder etwas ſchencken: ich begehre aber hierdurch nichts an⸗
ders, als daß mir ein iedes Kind, das reden koͤnne, ein Spruͤchlein zu
meiner Erbauung und Freude ſage. Es kamen demnach folgende
Spruͤchlein aus dem Hertzen und Munde der Kinder, auch ſolcher die
kaum reden konten, hervor, welche wir und unſere Kinder den werthen
e , als ein Zeugniß unſerer ſchwachen Danckbarkeit über-
ſchreiben: 8 *
\
Toben. Pf. 72.
Welchen der SErr lieb hat, den zůͤchtiget er, er ſtaͤupet
aber ꝛc. Hebr. 12 m |
Lobe den HErrn meine Seele. Ich will den SErrn loben, fo
lange ich lebe, und meinem Gott lobſingen ꝛc. Pf. 146.
Salt im Gedaͤchtniß JEſum CHriftum, der auferſtanden iſt
von den Todten. 2 Tim. 2. -
Man wird immerdar vor ihm beten, täglich wird man ihn
Seyd danckbar in allen Dingen, denn das iſt der Wille GOt⸗ f
tes ꝛc. 1 Theſſ. 5. |
Dancke allezeit GOtt, und bete, daß er dich regiere, und du in
allem deinem Vornehmen feinem Worte folgeſt. Tob. 4.
Du biſt ja die beſte Gabe, die ein Menſche ꝛc.
SErr mein BODtt, groß find deine Wunder und deine Ge⸗
dancken Pf. 40.
Meine Kinder, wenns euch wohl gehet, ſo ſehet zu und blei⸗
bet ꝛc. Sir. 42. bene 8
Siehe, das iſt Gottes Lamm, welches der Welt Suͤnde
traͤgt. Joh. 1. | 18 7 2
Sa GGtt liebes Kind, Gott weiß und ſiehet alle
Dinge. | | be
Mein
5 Diarium. Re
- a Tr ͤ——— — — - ö
Daß ich mög eine Braut des reinen Lammes feyn. 17742.
Die Klenden ſehens und freuen ſich, und die GOtt ſuchen, Mai.
denen ꝛc. Pf. 69. .
. Mittwoch, den 19. May. ee
Der alte N. der ſonſt ein ehrbarer Chriſt geweſen, viele gute
Buͤcher hat, ſich darin geuͤbet, und auf ſeine eigene Gerechtigkeit
verlaſſen, kommt ietzt auf feinem Krancken⸗ Lager zum Erkaͤntniß, und
faͤnget an im ietzigen Zuſtande an feinem eingebildeten Gnaden⸗Stande
zu zweifeln. Ich freue mich daruͤber, dancke dem lieben GOtt dafuͤr,
und glaube, es werde weiter mit ihm kommen. Gegen Abend wurde
du den Schloͤſſer N. gerufen, ich traf ihn im Bette an, und ſobald ich
zu ihm kam, ſieng er an zu heulen und zu weinen uͤber ſeine Suͤnden.
Ich ſagte ihm, es ſey mir lieb, daß ihm GOtt die Augen aufthue, er
ſolle nur ſuchen, immer beſſer dahin zukommen; denn dieſe Erniedri⸗
gung würde der Weg zur Erhöhung ſeyn. Als ich hievon fo redete, fo Er
kam fein Stiefſohn N. deſſen Weib in der vorigen Wochen fo plotzlich 8
geſtorben iſt, auch dazu, ſetzte ſich neben das Bette, fieng auch an zu weinen,
und zu ſagen: er ſey der groͤßte Suͤnder. Des Schloͤſſers Weib ſtund
auch beym Bette, und ſagte: das iſt wohl ein beſonderer Tag, den uns
der liebe GOtt ſchencket. O welche Gnade iſts doch, wenn Gott dm
Sünder fein Verderben aufdecken kan; geht der Menſch damit treu
um, ſo kommts auch gewiß zur Erkaͤntniß feiner groſſen Liebe und Freun ⸗
lichkeit. Ach der HErr helfe doch dieſen Leuten, ſowol zu noch mehrern
Erkaͤntniß ihres ſo tiefen Elendes, als auch ſeiner groſſen Gnade! Ich
ſagte ihnen, ſie ſolten ja fein nachdencken auf ihr voriges Leben, es waͤre
gut, wenn ihnen hier in der Gnadenzeit die Hoͤlle recht heiß wuͤrde,
am gantz an ſich ſelbſt verzagen lerneten, nicht aber an der Gnade
5 GO es. N
dong, unde Mayhy
Dies Mittages ſprach mit einer krancken Perſon vom 4ten Trans⸗
port, die that auch gar klaͤglich wegen ihrer Suͤnden. Sie ſagte, ſie
hätten ihr in der Nacht viel zu ſchaffen gemacht, es kaͤme ihr vor, ſie
waͤren groͤſſer, als daß fie ihr koͤnten vergeben werden. Ich ſagte, es
ſey mir lieb, daß es darzu kaͤme, es pflege wol zu geſchehen, daß in der
Bouſſe dem Menſchen die Suͤnden als groſſe Berge vorkaͤmen, aber das
alles muͤſſe nur dazu dienen, daß man gantz an ſich ſelbſt verzage, und
u CHriſto komme, der geſagt habe: e her zu mir alle,
BE 9x. | ‚die
* 4 *
— 5
* 3 N *
En
2
Be; 12 ar —
meric. XI. Sortſ.
4
Anno
1742.
Mai.
1972 | | Diarium. 2
die ihr muͤhſelig und beladen ſeyd, ich will euch erquicken. Ein
anderer, der dis mit anhoͤrete, ſagte hernach, daß ihm in feinen finſtern
Umſtaͤnden, da er nicht gewußt, wie es mit ihm ablaufen wuͤrde, und
er nur gebeten haͤtte, GOtt wolle ihn nur nicht aus ſeiner Gnade fallen
laſſen, im uͤbrigen moͤchte er es mit ihm machen, wie er wolte, die Worte
des HErrn JEſu groſſen Segen gebracht: Wer feine Seele zu verlie⸗
ren ſcheint, der wird ihr zum Leben helfen. Dieſe Erzehlung gab mir
eine rechte Erklaͤrung von dieſen Worten: es findet ſich auch alſo in
praxi Chriſtianismi, daß eben alsdenn, wenn man meynet, es ſehe
ſo elend aus, daß man wol werde ſeine Seele verlieren, Gott der x
Seelen mit feiner Hülfe nahe iſt, und ihr zum Leben hilft. So kan der
Heil. Geiſt ſein Wort bey den Einfaͤltigen am beſten aufſchlieſſen, da
hingegen andere, auch wol Gelehrte, die ſich aber von ihm nicht erleuch⸗
ten laſſen, den Kopf daruͤber zerbrechen, dieſen und jenen Verſtand nach
110 1 heraus drehen, aber doch den Sinn des Heil. Geiſtes
nicht treffen. ; 1
Freytag, den 21. May.
Geſtern Abend ſtieg ein Ungewitter auf, und es regnete daben
recht eindringend: doch kamen verſchiedene Teutſche Leute in die Bet⸗
ſtunde, darin die Abſicht der geſegneten Zeit vor Pfingſten bekant ge⸗
macht wurde. Es werde nemlich ietzt in den ordentlichen Sonntags⸗
Evangelien uns viel noͤthiges und herrliches von dem Heil. Geiſt, deſſen
Perſon und Amt bekant gemacht, daher ſie in der Stille und unter hertz⸗
lichem Gebet ſolche heilſame und theuere Materie meditiren und zu Her⸗
tzen faſſen ſolten. Solche Meditation zu befoͤrdern, legte ich ihnen
3 Puncte unter goͤttlichen Beyſtande vor: 1) Wer der Seil. Geiſt nach
ſeiner Perſon und Amte ſey. 2) Wie noͤthig er uns ſey, und 3) Wie
wir deſſen koͤnnen theilhaftig werden. Ich rede von dergleichen goͤttli⸗
chen Wahrheiten gerne, weil fie zum Selig⸗ werden nicht nur hoͤchſtnoͤthig
find, ſondern ich auch gefunden habe, daß gar viele Menſchen fehr ſchlech⸗
ten Unterricht darin haben, und es ihnen wol am buchſtaͤblichen Er⸗
kaͤntniß deshalb fehlet. n
In dem Store⸗Hauſe empfing ich für 14 Pfund 14 Untzen Seide,
welche in dieſem Jahr in unſerm Waͤyſenhauſe iſt gemacht worden, 2 L.
19 Sh. 6p. Sterl. In Savannah find der Frau, welche zum Seiden⸗
Bau eigentlich von den Herren Truſtées beſtellet iſt, über die Helfte
der Seiden⸗Wuͤrmer auch crepirt, und ſo iſts einem Manne in Haber⸗
zorn ergangen, der nicht mehr als 2 Pfund Seide machen koͤnnen. Pa
906 9 enn chrei⸗
Diarium. 1973
——ů—r—
. [reiben es einem giftigen Thau zu, welcher auf die Maulbeer - Blätter Anno
gefallen; andere aber vermuthen, daß die allzu groſſe Hitze, welche wir 1742.
imm Anfang des Frühlings gehabt, die Würmer kranck gemacht und ge⸗ Mai.
koͤdtet habe. Bey uns im Waͤyſenhauſe lagen ſie auf dem Boden unter
dem Dache, und war die Hitze und der Dampf von den Blättern und
dem Miſt der Wuͤrmer fo groß, daß man es nicht in die Ränge ertragen
konte. Es wird daher nöthig ſeyn, daß zum Seiden = Bau eine
eigene Anſtalt errichtet werde, welche man hernach faſt als ein Capital
anſehen koͤnte, wovon jaͤhrlich gewiſſe Zinſen zum Beſten des Waͤyſen⸗
hauſes zu ziehen wären. Jetzt wäre gut Seide⸗ machen „denn es iſt
geraume Zeit her bey Tag und Nacht gantz kuͤhle geweſen. Wir haben
genugſamen Regen und recht fruchtbare Witterung, daß wir eine gute
Ernte hoffen koͤnnen. Der Waitzen iſt eingebracht, der Roggen,
man es nicht beſſer wuͤnſchen kan. So ſtehet auch das Indianiſche
| Bm und Haber ift noch nicht völlig reif, aber alles fo wohl gerathen,
Korn nach Wunſch in allen Feldern.
Der Herr Gen. Oglethorpe hat dem Pichler eine ſchriftliche Ordre
mitgegeben, nach welcher ſich die Rangers oder Herum⸗Reuter richten
ſollen, welche ich ihnen heute in des Brandners Hauſe verteutſchet und
ſie;
u
9
u allem Guten ermahnet habe. Dieſe Ordre iſt ſehr wohl abgefaßt,
nd gereicht in gar manchen Stücken zu Eben Ezers Beſten, daß wir alſo
ch hiervor als für eine Wohlthat dem HErrn zu dancken haben.
ler iſt Officier und Vorgeſetzter dieſer 6 Rangers, kan aber ſelbſt
dem Urtheil des Herrn Gen. Oglethorpe das Mahlen beybehalten 5
= ale Ben Din Ame ſehr wenig zu thun gibt, ausgenommen wenn
mit
Feinden, als Spaniern, Negres, Deſerteurs, und andern boͤſen
Leuten, die unſern Ort moleſtirten, zu ihrer Wegſchaffung etwas auſſer⸗
ordentliches vorfiele. N A 3 |
Die Geſchaͤfte auf den Plantationen daureten bis Sonnen⸗Unter⸗
Fr
5 gang „und da ich forteilete, ließ mich die N. bitten, zu ihr in die Stube
zu kommen. Sie herberget mit ihrem Manne bey N. bis ſie auf ihr eigen
Land ziehen koͤnnen. Sie war heute bey dem Korn⸗huͤten im Felde in
Mann oder N. hinkommen, und ihr Troſt zuſprechen möchte. GOtt er⸗
1 Dan Seelen Roth gekommen, dabey fie gewuͤnſchet, daß doch ihr
hoͤrte auch ihr Seufzen; denn ein Saltzburger bringt für ihren Mann
Saltz im Boote, und ruft ihren Mann, es abzuholen, da ſie ihm denn
ihr Anliegen klagen kan. Und da es wieder ihr Vermuthen der liebe
Ott gefuͤget, daß einer ihrer Lehrer baute in N. Haufe und in ihre Nähe
= * . . 90 2 7 ge⸗
*
Aa 2 Dierk.
Anno
3742.
Mai,
gekommen, ſo erkante fie daraus feine treue und vaͤterliche Vorſorge,
wurde ſehr geftärckt, nahm den Troſt aus GOttes Wort mit begierigem
Hertzen an, und betete mit mir zum HErrn. Ueber dieſer angenehmen
Handlung wurde es dunckel, und ich kam ſo ſpaͤt zu Hauſe, daß die
Abend⸗Betſtunde nicht gehalten werden konte. —
Sonnabend, den 22. May. a
Die N. bezeugte gegen mich mit Thraͤnen, daß ihr der liebe lang⸗
muͤthige GOtt einen empfindlichen Schlag durch den ploͤtzlichen und miß⸗
lichen Todes⸗Fall der Schrempffin, die mit ihr faſt von einem Alter ge⸗
weſen, ans Hertz gegeben hat; und ſehe ich auch aus dieſem Exempel, (ob
mir wol ſchon andere auch kund worden) daß das ungegruͤndete Selig⸗
preiſen die ruchloſe und heuchleriſche Welt in der Sicherheit erhält: hin⸗
gegen wenn in gehörigen Schrancken bey dergleichen Todes⸗Faͤllen
denen Zuhörern ohne Umſchweif angezeiget wird, daß man an ſolche.
arme in Unbußfertigkeit verſtorbenedeute mit der innigſtenCommiſerati
die ihnen aber nach verſchertzter Gnaden⸗Zeit nichts mehr hilft, gedencke, ſo
bringt es manchen zum Nachdencken. Dieſe N. erkennet und bereuet ihre
bisherige Untreue und Abweichungen, und ich erinnerte ſte des Spruchs,
der ſie vor nicht gar langer Zeit aufgeweckt hat: Ringet darnach,
daß ihr durch die enge Pforte eingehet. Recommendirte ihr auch
zur beftändigen Uebung die 6Sylben: Beten, Wachen, Kämpfen; kei⸗
nes koͤnne ohne das andere ſeyn, und weil ſie es daran fehlen laſſen, ſo
fo ſey dis die Urſach ihres Ruͤckfalls. Würde fie aber dieſe 6 Sylben
gleichſam in den 6 Wochen- Tagen nach CHriſti Befehl eifrig üben, fo
wuͤrde darauf der ſtille Sabbath des HErrn in fie, und fie in denſelben
eintreten, daß es heiſſe: So ruh ich nun, mein Heil! ꝛc. Da kriegt
man Kraft fort zu beten, fort zu wachen, fort zu kaͤmpfen. Wo es wahr
fen, wie ich darein keinen Zweifel ſetzen wolle, daß fie über ihre Suͤnden,
wie der verlorne Sohn, gebeuget ſey, fo mache fie ſchon durch dis Werck
Gottes, ſo ſie in ſich wuͤrcken laſſen, dem gantzen Himmel eine Freude:
was werde nicht erſt werden, wenn ſie ſich bis zum HErrn bekehre?
Es ſchickte ſich eben, daß ſie eine gewiſſe kleine Gabe bey mir fand, da⸗
bey ich fie auf die hertzliche Liebe und Vorſorge GOttes führte, die fie
denn erſt recht erkennen und genieſſen wuͤrde, wenn es mit ihr und ihrem
Manne zum Ernſt kaͤme. 8 a
| Sonntag, den 23. May.
Chriſtian Riedelsſperger liegt noch immer gantz geduldig auf ſei⸗
nem langwierigen Krancken⸗Bette, und genießt vom Waͤyſenhauſe alle
moͤg⸗
ir i
BSR Diarium. e ee
| mögliche e Er bat mich, feiner nicht uͤberdruͤſſig zu wer⸗ Anno
den, denn er haͤlt es fuͤr eine groſſe Wohlthat, daß er nach Seel und 1742.
Leib im Wäyſenhauſe verſorget ſey. Ich ſagte ihm, daß ich mich ſeie Mai,
ner guten, dem Wänfenhaufenhaufe erwieſenen Dienfte noch gar wohl
erinnere, und da ich nicht im Stande geweſen, ſie ihm zu vergelten, ſo
the es nun der liebe GOtt auf feinem Krancken⸗ Lager. Wir
kamen unter dem Geſpraͤch auf den 41. Pſalm, welchen ich ihm vorlas,
und der mir und ihm, da er ſich recht eigentlich auf ihn und ſeine Haus⸗
und Chriſtenthums⸗Umſtaͤnde ſchickt, ſehr deutlich und eindruͤcklich
war, und wurde unſer Glaube und Hoffnung ſo geſtaͤrcket, daß ich ihm
die Bewegung feines Hertzens an den thraͤnenden Augen und an Ge⸗
1 konte. Ich gab auch feiner Schwieger⸗Mutter und 5 5
ihrer Tochter gedachten Pfalm zum nachleſen „ i
Montag, den 24. N 8
Die N. iſt eine treue Zuhoͤrerin des goͤttlichen Worts, und
ſucht damit an ihrer Seelen und bey ihrem Manne zu wuchern. Sie
meynet es gut, wenn fie ihrem Manne aus Gottes Wort etwas
vorſagt, handelt aber nicht allemal weislich, denn er hat einen unbaͤn⸗
digen Affect des Zorns, und wenn fie ihn da mit GOttes Wort zurechte f
weiſen und beſtrafen will, ſo macht ſie uͤbel aͤrger, und handelt wider 1 2
den Befehl des HErrn: Ihr ſolt das Heiligthum nicht den Sunden „
geben, auf daß ſie daſſelbe nicht zertreten mit ihren Suͤſſen, und
ſich wenden und euch zerreiſſen ꝛc. welches letztere ſie auch erfahren
zu haben bekannte. Ich wieſe fie aus Petr. 3, 1⸗ 4. an, wie fie ſich ges
gen ihren Mann zu verhalten habe, ind wenn fie dabey für ihn ernſtlich
betete, fo würde GOtt ihre Worte und Wandel an ihm ſegnen. Sie
wußte auch zu ſagen, daß wenn der Affect voruͤber, er ſich gern etwas
ſagen laſſe, und fein Vergehen bereue. Er ii
Nr. und fein Weib kommen von den Plantationen zu mir, von mir
ein Wort der Ermahnung, ihren Eheſtand und Chriſtenthum betreffend,
anzuhoͤren. Sie ſind zu N. N. gezogen, in der Meynung, ſie wuͤrden
friedlicher mit einander leben, weil ſie aber das alte Hertz mit hinaus
genommen und bisher behalten haben, ſo riechen und ſchmecken Worte
und Wercke noch nach dem alten Faß. Das war mir lieb, daß ſie ſich
nicht ſelbſt rechtfertigten, ſondern ſich vor unbekehrt hielten, und ihre
Uneinigkeit, Leichtfinnigkeit und Ausſchweiffungen daher derivirten,
auch den Vorſatz gefaßt haben, umzukehren, und wie die Kinder zu wer⸗
den, ſonſt wuͤrden fie aus der Hölle er unglücklichen elende Ehe 5
2
—
—
Anno die andere Hölle kommen. Ich gab ihnen Anweiſung wie fie es angreif⸗
1742.
Mai.
2
1976 Diarium.
— ——
——
fen ſolten, rechtſchaffen bekehrt zu werden, zu welchem Ende ſie auch
das ſchoͤne Buͤchlein: Lehre von Anfang chriſtlichen Lebens, mit
ſich nahmen. Bisher haben fie die boͤſen Geiſter durch ihr unordentlich
Weſen erfreuet, hingegen GOtt, Engel und fromme Leute, die um ſie
wiſſen, betruͤbt und einige geärgert. Ich war anfangs in Willens, ihre
Gabe an Leinwand bis auf erfolgte wahre Beſſerung bey mir zu behal⸗
ten (wie auch bey einigen andern Erwachſenen und Kindern geſchehen)
endlich gab ich ſie ihnen auf Hoffnung, und ſahe heute doch einen gu⸗
ten Effect davon. Der liebe barmhertzige GOtt iſt hin und wieder in
der Gemeine auf, die Seelen zum Erkaͤntniß und Bekaͤntniß ihres groſſen
Suͤnden⸗Elendes zu bringen, wovon mir auch mein lieber College ei⸗
nige feine Specialia erzeh Wenn es darzu kommt, ſo wird ihnen das
Ausgehen aus Teutſchland recht lieb, und wenn ſie vollends durch, und
zum Genuß der vaͤterlichen Huld und Gnade Gottes in CHriſto kom⸗
men, ſo wird ihnen dieſe Einſamkeit recht angenehm, und ſind mit allen
goͤttlichen Führungen und Prüfungen, die nur auf ihr wahres Heil ger
hen, ſehr wohl zufrieden. Ich gedencke in dergleichen Umſtaͤnden mehr⸗
mal an die Worte des HErrn: Was ich thue, weißt du ietzt nicht,
du wirſt es aber hernach erfahren. i
N Dienſtag, den 25. May. |
N. N. empfing mich, da ich ihn in feiner Leibes- Schwachheit vor
der Erbauungs⸗Stunde beſuchte, mit Buß und Freuden⸗Thraͤnen, und
ſchuͤttete vor dem Angeſicht des HErrn fein gantzes Hertz aus. GOtt
deckt ihm die Schlupf-Winckel des Hertzens auf, daß er dasjenige,
was andere geringe achten, nicht mehr geringe, ſondern groß achtet,
und ſich daruͤber aufs tiefeſte gedemuͤthiget findet. Er bekante unter
vielen Thraͤnen, daß er feiner wohlthaͤtigen Herrſchaft nicht treu geweſen,
ſondern ob er wol ſeine Arbeit aus allen Kraͤften verrichtet, ſo hat er
doch ſein Gewiſſen mit unrechtem Gut beflecket, welches ihm nun tauſend⸗
fache Unruhe machet, und daher Unterricht begehrte. Einige Herr⸗
ſchaften haben ihn ſehr übel gehalten, denen er damals Boͤſes gewuͤn⸗
ſchet hat, welches ihn ietzt ſehr kraͤncket und wehe thut. Er ſiehet die
Wiedererſtattung des unrechten Guts nicht als die Buſſe ſelbſt, viel⸗
weniger als ein verdienſtliches Werck an, um welches willen ihm GOtt
vergeben und gnaͤdig ſeyn müßte, ſondern weil GOtt einen Haß gegen
alle Suͤnden in ſeinem Hertzen gewuͤrcket, ſo will er nichts davon in und
auſſer ſich leiden, und kan in CHriſti Blut und Wunden nicht 5 I
uhe
r
Ko
| I Diarium. 1977
Ruhe kommen, bis die Sünde fortgeſchaft ift. C muß auch Diefe
Sache, wie er ſelbſt recht beweglich drum gebeten, dem werthen Herrn
N uͤberſchrieben werden, als welcher die Herrſchaft wohl kennet, und
nach ſeiner Weisheit hierin ſo, wie es ſeyn ſoll, verfahren wird. Er
hatte ein zerknirſchtes Hertz und innig Verlangen nach der Erloͤſung
durchs Blut CHriſti, und konte ich ihm daher getroſt die Abſolution
ertheilen, worauf er mit einem geſtaͤrckten Hertzen den Anfang des 1ogten
Pſalms betete: Lobe den SErrn meine Seele ꝛc. Der dir alle deine
2
Suͤnde vergiebert. ff
Ein anderer von Hertzen frommer Mann des Aten Transports
blieb nach der Erbauungs⸗Stunde zuruͤck, und eröfnete mir eine gewiſſe
Riemlich intricate Sache, Darüber er zwar ſchon in Teutſchland von ei⸗
nem theuren Werckzeuge des HErrn abſolviret worden, aber doch noch
nicht recht zur Ruhe kommen kan, wovon ich mich ietzt nicht weiter heraus
werden, errettet werden.
laſſen darf. Er hat ein redlich Verlangen, daß auch andere, welche
mit ihm unter einem guten Schein einen Bann auf ſich haben, moͤchten
zur Erkaͤntniß der Suͤnden kommen, und aus der Gefahr, verloren zu
\
Mittwoch, den 26. May.
Anro
1742.
Mai.
Die junge Eiſchbergerin, welche mit ihrem Mann aus Bieberach
zu uns gekommen, hatte ſchon ſeit Sonntages in harten Geburs⸗Um⸗
ſtaͤnden gelegen, und weil geſtern niemand mehr zu rathen oder zu hel⸗
fen gewußt, fo wurde die Rheinlaͤnderin hinaus geholet. Ich reiſete
geſtern gegen 4 Uhr auch hinaus, einige Krancke, ſonderlich den Glaner
und ſein Weib zu beſuchen, und zugleich in der Naͤhe zu ſeyn, das ver⸗
muthlich ſchwache Kindlein zu taufen. Auf der Mitte der Plantationen
empfing ich durch ein Weib die Nachricht, daß ſie eine junge Tochter
zur Welt geboren, wobey Mutter und Kind in aͤuſſerſter debens⸗Gefahr
geweſen. Es wurde bald Anſtalt zur Tauf⸗ Handlung gemacht, die
ſich aber wegen der Gevatter⸗Leute bis gegen Abend verzog. Sie wol⸗
ten ein paar Eheleute des aten Transports dazu nehmen, weil ich aber
wußte, daß ſie unwiſſend ſind, und die Grund⸗Lehren des Chriſten⸗
thums aus dem Catechismo noch nicht recht gefaßt haben, fo mußte ich
dieſe Gevatterſchaft wiederrathen, womit ſie auch zufrieden waren.
Vor der Taufe examinirte ich die Ottin aus dem Catechismo in ihrer
Wohnung, und redete auch eines und das andere zur Erbauung der
Eigeliſchen Kinder. Sie ſind von der Schule, welche in Steiners Hauſe
gehalten wird, ſehr abgelegen, daß daher nur die beyden größten er |
er
Anno der haben hinein gehen können weil aber Die drey kleinen Kinder des Schul⸗
1742.
Mai.
haben Bibeln und Geſang⸗ Buͤcher, und etliche ihre aus guten Urſachen
dern unſerer Gemeine haben, daß ſie ihnen gern nach ihrer Nothdurft
2
— e ee — gen — — —
1978 ä Diarium. . | &
gehens auch nöthig haben, ſo habe mit der Biſchoffin, welche in unſerer
Schule ſehr gute Anfuͤhrung genoſſen und auch eine gute Gabe hat, ge⸗
redet, und von ihr begehret, daß fie täglich dieſe kleine Kinder ihres Nach⸗
barn zu ſich nehmen, ſie im Buchſtabiren unterweiſen, und ihnen einige
leichte bibliſche Spruͤche und etwas aus dem Catechismo beybringen
moͤchte, welches ſie mit ihrem Monn weiter uͤberlegen will. „
Der junge Eiſchberger, deſſen Kindlein geſtern getauft worden,
iſt ein gelernter Muͤller, dem ich im Namen der Gemeine das Mahlen
und die voͤllige Verſorgung der Mühle angetragen, der auch den Beruß
mit Freuden angenommen hat. Er hat in Abweſenheit des Pichlers ge⸗
mahlen, und in Geſchwindigkeit ſolch gut Mehl gemacht, daß iederman
ein Vertrauen zu ihm gewonnen. Gott arbeitet durch fein Wort
kraͤftig an ihm, und wird er, wo er GOtte treu wird, auch ein treuer
gewiſſenhafter Muͤller ſeyn, der der Gemeine Nutzen ſucht, da ihn denn
GOtt auch nicht vergeſſen wird, ihm feine Treue und Fiebe zu vergelten,
ob wol die Gemeine nicht im Stande iſt, einen Müller völlig zu erhalten.
Donnerſtag, den 27. May.
War das Himmelfahrts⸗Feſt, an welchem uns der barmhertzige
Gott aus dem lieblichen Evangelio von CHriſto viel Erbauung ge
ſchenckt hat. Weil der HErr JEſus fo freundlich iſt, und auch den
Abtruͤnnigen und unwuͤrdigſten Menſchen ſeine Gnade reichlich dargebo⸗
ten, ſo habe nach dem Nachmittags⸗Gottesdienſt die Kinder auf meine
Stube kommen laſſen, und ihnen diejenigen Gaben, die ich neulich bis
zu ihrer Beſſerung zuruͤck behalten und beygeleget habe, mit guten Er⸗
innerungen und hertzlichen Wuͤnſchen zugeſtellt. Auch einige Erwachſene
beygelegte Gabe empfangen, daß alſo der heutige Tag im geiſtlichen
und leiblichen ein rechter Freuden⸗Tag geweſen, und konten ſie erkennen,
wie begierig der uns zu gut erhoͤhete Heiland ſeyn muͤſſe, uns die em⸗
pfangenen Gaben auszutheilen, da Menſchen eine ſolche Liebe zu den Glie⸗
allerley Gutes zutheileten, wenn es nur allemal in ihrem Vermoͤgen waͤre.
Geſtern Abend kam bey Betrachtung der Hiſtorie das Sprüchlein aus
Spruͤchw. 17,13. vor: Wer Gutes mit Boͤſem vergilt, von des
Sauſe wird Böfes nicht laſſen; welche Worte ich auch heute den
Kindern mit nach Hauſe gab, und ſie vor Undanckbarkeit und uͤblen
Anwendung der empfangenen Gaben warnete. Mit meinen Fa f
% welche
n
5 | Diarium. 2
welche der verſchiedenen Rechnungen und Ausgaben wegen auf mir ge⸗ Kin
habt, hat es nun der liebe GOtt auch recht gut gemacht, denn mit dem 1 42.
Geſchencke von 18 Pfund Sterl., welches per legatum vom ſel. Herrn Mai.
von Burgsdorff empfangen, habe ich alles bis auf den letzten Heller be⸗ 2
*
zahlen koͤnnen, und kam mir dabey zu gute, daß mein lieber College
hoch einen gewiſſen Poſten von etlichen Pfunden wußte, der mir aus den
Gütern, welche für die Gemeine in Charles⸗Town gekauft worden, zu
bezahlen war. dete vor ein paar Tagen abermal meine Rech⸗
nungen, und fand zu meiner neuen Glaubens⸗Staͤrckung, daß ich an
verſchiedene Caſſen alles accurat bezahlen konte, und blieben mir juſt
meine 25 Pfund Sterl als das ietztlaufende halbjährige Salarium übrig,
wofuͤr ich billig den HErrn preiſe. ie %
Ni iſt mit feinem Weibe auch kranck worden, und hätte es gerne
geſehen, wenn ich ihn ſchon zu Anfange dieſer Woche beſucht haͤtte. Da
ſch heute bey ihm war, fo bezeugte er fein gehabtes Verlangen nach mir,
und bedaurete ſehr, daß er in gefunden Tagen nicht fleiffig zu mir ges
bommen und mir (wie fin Ausdruck war finen gangenübel geführten
Lebens⸗Lauf erzehlet hätte. Er klagte ſich darüber ſehr an, daß er fo
ſehr dem alten Adam, und dem HErrn CHriſto fo wenig, gefolget. Die Es
Welt und das Zeitliche hätteerviel zu lieb gehabt, und ſich durch leben
vortheilung feines Naͤchſten, ſonderlich bey der Arbeit in Teutſchland,
ſehr verſündiget. Weil er feine Arbeit feiner Meynung nach treuer und
beſſer als ein anderer gethan, ſo haͤtte er gemeynet, er koͤnte auſſer ſei⸗
nem Lohn wol etwas zu ſich nehmen ꝛc. Ich hoͤrete ſchon, wo er hinaus
wolte, und daß ihm ietzt ein ieder ungerechter Creutzer zum Feuer im
aufgewachten Gewiſſen werde, daher ich ihm ſagte, wie nothwendig uns
die leibliche Truͤbſal fen, weil GOtt auch dadurch das ſchlafende Ges
— F \
—
wiſſen aufwecken, und Die Geſchwüre darin gleichſam aufftechen und 8
ausdrücken wolle. ER = Re
„ Sonntag, den 30. May. .
WMirr handelten über das heutige Evangelium Dom. Exaudi von
den Glaͤubigen als Tempeln des Heil. Geiſtes, daß ſie ſolche find,
2) daß fie aber von der Welt dafuͤr nicht erkant werden. Im Ein⸗
gange wurde an dem Exempel der Corinthier aus 1 Cor. 6, ir. verglichen
mit 1 Cor. 3, 16. 17. gezeigt, daß auch die verkehrteſten elendeſten Men⸗
ſchen, mit denen es von Natur recht greulich und heßlich ſtehet, und
die es verdienet, daß fie als Verderber des Tempels GOttes wieder ver⸗
Americ. XI. Sortſ. F S derbet 5
r p SR
no derbet würden, zu dieſer Wuͤrde kommen könten, wenn fie fich nur durch
die Predigt des Geſetzes und Evangeli in die gute, weiſe und heilſame
. Ordnung Gottes bringen laſſen: auſſer der bleiben ſie wol ſcheußliche
abbſcheuliche Creaturen, in denen als Kindern des Unglaubens der Fuͤrſt 4
der Finſterniß mit andern unreinen Geiſtern ſein Werck und Handthie⸗
rung hat. Dieſe Meditation brachte mich auf das bedencklich Exempel
des beſeſſenen Knadens, von welchem der ſel. D. Kortholt ein beſonder
Tractaͤtlein geſchrieben hat, daraus ich auch bey der Wiederholung
nachmittags den erſten Theil mit noͤthigen Reflexionen und Applicatio⸗
nen vorgeleſen habe, welches gewiß bey mir und andern zur Beforderung
des Reichs CHriſti und zum Verdruß des Satans viel Nutzen gehabt.
VVV
a Dienſtag, den 1. Jun. HH |
3 Nach der Erbauungs⸗Stunde wurde den Leuten auf den Planta⸗
tionen angezeiget, daß der liebe GOtt zum Bau und bisherigen Erhal⸗
tung der Mühle 147 Pfund Sterl. und 8 p. nach und nach beſcheret, wel⸗
che auch nach und nach voͤllig ausgegeben, und die Rechnung davon ge⸗
ſchloſſen worden. Zwey Sh. und 2 p. war mehr ausgegeben als einge⸗
nommen, welche aber iemand geſchenckt hat, daß alſo Einnahme und
Ausgabe hat koͤnnen balanciret werden. Das Korn, welches von iedem
Buſchel zu Erhaltuug der Muͤhle abgegeben wird, ſoll gemahlen und in
Savannah zu Geld gemacht werden. Wo wir die Wohlthat der Muͤhle
mit glaͤubigem und danckbarem Hertzen gebrauchen, ſo wird der Vater
im Himmel leicht ſoviel beſcheren, daß die zur Muͤhle gelehnte so Pfund
nach Verlauf der beſtimmten fuͤnf Jahre werden koͤnnen bezahlet, und die
Erhaltung der Muͤhle fortgeſetzet werden. Des Muͤllers Lohn iſt auch
10 ſolcher Einrichtung gekommen, daß er und die Gemeine zufrieden ſeyn
5 Mittwoch, den 2. Jun. 2
Der N. N. iſt mit feinem Weibe fehr unwiſſend. Ich hatte den
Mann dieſen Morgen bey mir, ihn aus dem Catechismo zu examiniren,
es war aber alles gar ſchlecht beſtellt. Er kan nicht recht leſen, und ſie
kennet keinen Buchſtaben, wohnen auch beyde an dem aͤuſſerſten Ende
der Plantationen, daß man ihnen nicht fo leicht zu Hülfe kommen kan.
Ich wuͤnſchte, es hätte mancher mehr Fleiß in Teutſchkand aufs Leſen
und auf den Catechismum gewandt. Jetzt ſtecken die Leute gi voller
— 3 | Arbeit,
5 Diariunm. 985
Arbeit, da fie in der erſten Einrichtung ſtehen, und nur auf ein halb Anne
Jahr Proviſion bekommen. GOtt aber wird zeigen, wie man ihrer 1742.
Arnwiſſenheit abhelfen, und das wahre Erkaͤntniß GOttes und CHriſti 4 8
in ſie pflantzen koͤnne. Mancher iſt auch ſehr faul und traͤge dazu.
Donetſtag, den 3. Ju. |
GSGrranewetter iſt ein fehr chriſtlicher Mann und treuer Arbeiter, der
den Kalcher und das Waͤyſenhaus liebet „ und nad) GOttes Willen
geneigt iſt, die Oeconomie auf der fürs Waͤyſenhaus anzulegenden
Plantage ohne Eigen⸗Nutz zu uͤbernehmen. Er iſt aber ietzt kranck, und
hat auf Steiners Land etwas Korn gepflantzt, daß man wol erſt gegen
den Herbſt von der Annehmung der gedachten Arbeit zum Beſten des
Waͤyſenhauſes Gewißheit erlangen wird. Knechte ſind nicht zu haben,
und hoffe ich auf dieſe Weiſe dem Kalcher ſeine Laſt zu erleichtern, und
ſo viel pflantzen zu laſſen, als zur Erhaltung des Waͤyſenhauſes nöthig
ſeyn möchte. Der HErr aber thue, was ihm wohlgefaͤllt. 5
²ʃ4]LNeitag, den g Jun. „
Wir haben heute die Hiſtorie des 20. Capitels aus 2 Sam. in der
Erbauungs⸗Stunde auf den Plantationen, und in der Betſtunde bey der
Stadt zu Ende gebracht, und preiſen ohne Zweifel viele mit mir den
eErrn fuͤr den reichen Schatz der Erbauung, ſo er uns gnaͤdiglich dar⸗
aus verliehen, und ſieht es ein ieder andaͤchtiger Zuhörer gantz deutlich
ein, daß ſolche bibliſche Hiſtorien keine magere Geſchichte, ſondern von
recht groſſer Wichtigkeit ſind. Gott hat uns die mancherley Arten des
menſchlichen Verderbens aufgedeckt, und uns ſehr nachdrücklich durch
5 . hieher gehörige Zeugniſſe feines Worts unſerer Pflichten
in allerley Umſtaͤnden, auch in Abſicht auf die gegenwartige koͤſtliche Zeit
vor Pfingſten erinnert. Gott ſtaͤrckte mich in meiner etliche Tage her
verſpuͤrten Schwachheit in der Erbauungs⸗Stunde bey dem Tauf⸗Actu
und Geſpraͤch einiger deute, welche wegen ihres vorhabenden Abendmahl⸗
gehens etwas mit mir zu reden hatten, gar ſonderbar, und ließ mich
ſeinen Beyſtand recht mercklich ſpuͤren. Nach Endigung dieſer geiſtli⸗
chen Arbeit wurde ich einen, ziemlich weit abgelegenen Weg, auf die alte
Plantage des Sanftleben, die er dem Matthaͤus Bacher vom aten
Transport verkauft, gerufen. Dieſer alte ſehr krancke Bacher hat
pd war geſtern einen ſehr guten Zuſpruch von meinem lieben Collegen ges
offen, er hat ſich aber auch heute nach mir geſehnet, und in Hoffnung,
einigen Nutzen bey ihm und den Seinigen zu ſchaffen, ließ ich mich weder
Muͤdigkeit, noch die groſſe 8 von dieſem Beſuch zuruͤck hal⸗
A * IV 2 ee ten,
A
—
Anno
1742.
Iun.
3982 12 f Diarium.
\
ten, welche auch der gnaͤdige, nach dem Heil der groͤbſten und größten - 1
Suͤnder recht durſtende Heiland ſehr geſegnet hat. Da ich ans Haus
kam, ſungen Mutter und Kinder das ſchoͤne Lied: Wenn meine Sünde
mich kraͤncken ꝛc. Der krancke alte Mann erzehlte mir, daß er wegen 1
ſeiner Suͤnden ſehr groſſe Angſt gehabt; er klagte ſehr uͤber ſein irrdiſch
Hertz, und wuͤnſchte von Hertzen in CHriſto zur Ruhe zu kommen.
Sein Auge thraͤnete vor Wehmuth über feine Sünden zu GOtt, und
die gantze Beſchaffenheit ſeiner Worte und Gebehrden zeigete von der
wahren Reue uͤber ſeine Suͤnden, und von ſeinem Lechzen nach Erloͤſung
durch das Blut JEſu. Er hatte es mit den Seinigen abgeredet, daß
nach ſeinem Tode etwas von ſeinem zeitlichen Vermoͤgen unſerm Waͤy⸗
ſenhauſe zufallen ſolte, ich wolte aber, weil meine Zeit kurtz war, weiter
nichts davon hoͤren, ſondern wuͤnſchte, daß ihm GOtt ſeine Gnaden⸗
Zeit zur voͤlligen Zubereitung auf die ſelige Ewigkeit noch goͤnnen moͤchte;
ließ ihm dabey das Lied: Weltlich Ehr und zeitlich Gut, Wolluſt ꝛc.
welches ihm ſein Schwieger⸗Sohn, Theobald Kieffer, vorleſen ſolte.
4.
Pfingſt⸗Feſt. 15
Es ſind an dem Heil. Feſt⸗Tage 49 Perſonen zum Heil. Abend⸗
Sonntag und Montag, den 6. und 7. Jun. war das Heil.
mahl geweſen. Es hatten fi} ihrer mehrere gemeldet, fie find aber
aus gegruͤndeten Urſachen theils ſelbſt dismal zuruͤck geblieben, theils
hat man einigen eine beſſere Zubereitung auf dieſen Heil. Tiſch anrathen
muͤ n. | ; En NN 2 a
Der junge Schloͤſſer Schrempff hat durch den plötzlichen Todes⸗
Fall ſeines Weibes einen heilſamen Schlag an ſein Gewiſſen bekommen,
daß er nicht nur eingezo gener und ſtiller iſt, ſondern auch fleiffig im Gebet
feine Knie vor GOtt beuget, wie ihm feine Eltern, bey denen er ſich ietzt
aufhaͤlt, das Zeugniß geben. Gleich wie aber ein guter Vorſatz, und die
fleſſige Uebung der Mittel des Heils an ſich noch kein Zeichen der wahren
Bekehrung und Sinnes⸗ Aenderung iſt, und man um des willen nicht
gleich zum Tiſch des HErrn eilen muß, wo nicht Schaden entſtehen,
und das Werck GOttes in der Seelen bis zur neuen Geburt, nicht ge⸗
hindert werden ſoll; alſo habe ich dieſes Schrempffs und feines Vorſatzes
wegen vorher mit den Eltern, und hernach mit ihm ſelber geredet, und
ihm Urſachen gegeben, warum es beſſer ſey, dismal zuruͤck zu bleiben.
Der Aufſchub ſelbſt macht ihn nicht unwuͤrdig, ſondern er hat Anweiſung
bekommen, was wir an Gottes ſtatt mit dieſem Verſchub ger —
a aben
\
|
8 Diarium. ee);
— —
haben
con manche einen guten Anfang des Ehriftenthums gemacht, Anno
weil fie aber damit geſchwinde zum Abendmahl geeilet, und den Glau- 1742.
ben hier ſtaͤrcken wollen, ehe er einmal recht angezuͤndet geweſen, ſo ha⸗ Iun,
ben ſie von ſolchem Eilen mehr Schaden als Nutzen gehabt. Ni. mußte
auf mein Befragen bekennen, er wiſſe nichts von der wahren Bekehrung
zu GOtt, und konte es leicht begreiffen, daß in dieſem Zuſtande dieſe
heilſame Mahlzeit nicht für ihn als einen geiſtlichen Todten ſey. Ob er
gleich lange Zeit bey uns geweſen, ſo hat er doch den kleinen Catechis⸗
mum unſerer Kirche noch nicht dem Buchſtaben nach gefaßt, welches er
mit ſeinem Unvermoͤgen und Stupiditaͤt entſchuldigte, ich nehme aber ſol⸗
che Entſchuldigung nicht an. Er iſt zu andern Dingen fähig und actiw
genug. Er ſoll erſt den Catechismum ohne Auslegung lernen, hernach
gebe ich ihm neue Lectiones auf. Er hat die junge Unſeltin, ſeines Wei⸗
des Schwester bey ſich im Hauſe, die er anhalten ſoll, alle Tage mor⸗
gends und abends, auch wol in der Mittags⸗Zeit ein Haupt: Stück
deutlich zu wiederholen, da er denn mit ſeinem Weibe zuhoͤren und nach⸗
leſen ſoll. Der Catechismus iſt die kleine Bibel, und iſt darin deutliche
Anleitung zum wahren Glauben und frommen Leben, auch zum Genuß
der Schäße des 5 Chriſtenthums zu kommen. Fuͤr gemeine ein⸗
faͤltige Leute iſt der Catechismus inſonderheit geſchrieben, obwol auch
die Gelehrten, wo ſie den rechten Neu⸗Teſtamentiſchen Kinder⸗Geiſt
haben, ihre herliche Lectiones finden. Man erinnert die Leute ſorgfaͤl⸗
tig, daß das Auswendig⸗ lernen des Catechismi noch nicht genug ſey,
ſondern es muͤſſe auch zur Uebung der gelerneten Wahrheiten kommen.
Dier liebe GOtt hat verſchiedene, ja die meiſten Leute vom aten
Transport, am Fieber heftig kranck werden laffen: wir mercken es aber
gantz deutlich, daß die Kranckheit nicht zum Tode iſt, ſondern zur Ehre
Gottes, daß der Sohn GOttes geehret werde. Ich habe heute mit
verſchiedenen ſolchen Patienten in der Stadt und auf den Plantationen
geredet, und aus dem offenhertzigen Bekaͤntniß von den Umſtaͤnden ihrer so
Seelen viel Vergnügen , Erbauung und Hoffnung es werde GOtt
leinen Zweck herrlich an ihnen erreichen, gehabt. Er ruͤhret alte Sün-
den auf, und ob ſie wol daruͤber im Beicht⸗Stuhl vor mehrern Jahren
gebeichtet, und aͤuſſerlich die Abſolution empfangen haben, fo will dis
doch und viel anders mehr das Gewiſſen nicht befriedigen, weil ſie bey
allen aͤuſſerlichen, an ſich guten Dingen, ein falſches, undußfertiges,
Welt und Sünde liebendes Hertz gehabt, welches ihr leichtſinniger
BEN | a Wan⸗
Anno
1742.
Iun.
zu glauben.
ſich ſehr nach einer feligen Auflöfung, und will auch um deswillen keine
ſtatt des Heil. Geiſtes zur Hervorbringung des wahren ſeligmachenden
mit verdienten Zorns ein wenig geſchmeckt, fo wollen fie gleich getroͤ⸗ 4
ſtet, von Suͤnden abſolviret, und mit dem Heil. Abendmahl verſehen
984 | Diarium. A
Wandel gleich nach dem Beicht- und Abendmahl⸗ gehen genug zu Tage
gelegt. Jetzo aber ſoll es durch die Gnade GOttes darzu kommen:
Rein ab und CHriſto an, ſo iſt die Sach gethan. Weil es noͤthig
iſt, daß ſolche Seelen eine veram contritionem cordis (eine wahr⸗
haftige Zerknirſchung des Hertzens) erfahren, und alſo eine rechte Werck⸗
Glaubens werden, ſo habe ſie vor zu geſchwindem Troſt treulich gewar⸗ 1
net: denn manche haben kaum die Bitterkeit der Sünden, und des dar
ſeyn. Die Wunde muß vorher erſt ausgedruckt, und das wilde und
faule Fleiſch gleichſam ausgebeitzet werden, ehe man Heil⸗Pflaſter dar-
auf legen kan, wo nicht eine cura palliatiua, die uͤbel ablaͤuft, draus
werden ſoll. Man läßt fie inzwiſchen nicht ohne Troſt, ſondern halt
ihnen aus dem Evangelio vor, wie willig der HErr FEfus ſey, die
Suͤnder anzunehmen, und welche Schaͤtze der Gnaden er ihnen erwor⸗
ben und bereitet habe, wo ſie nur als muͤhſelige und beladene zu ihm
kommen, und nicht nur ſein Blut und Verdienſt als ein allertheureſtes
Löͤſe⸗Geld im Glauben ergreiffen, ſondern ſich auch feinem ſanften Joch
und Regierung mit aufrichtigem Hertzen unterwerffen: denn wir werden
im Evangelio angewieſen, nicht an einen halben CHriſtum, ſondern
an den gantzen Heiland, als Hohen⸗Prieſter, Propheten und Koͤnig
er |
| Mittwoch, den 9. vu. N
Ich beſuchte die Schuhmacherin Kohleiſin auf ihrem Krancken⸗Kager,
der mein Zuſpruch ſo lieb war, daß ſie mit Worten und Gebehrden ihr
Vergnuͤgen zu erkennen gab. Sie iſt wie ein duͤrres Erdreich, ſo den
ausgeſchuͤtteten Regen gleichſam zuſehens in ſich trincket. Sie ſehnet
Artzeney weiter gebrauchen, da die ſchon gebrauchte ihre Wuͤrckung
nicht gethan. Das Spruͤchlein: In der Welt habt ihr Angſt, aber
ſeyd getroſt ꝛc. ließ ſie ſich ſo lange vorſprechen, bis ſie es ins Gedaͤcht⸗
niß und zugleich ins Hertz gefaßt hatte. Sie betete ſehr bruͤnſtig mit,
und hielt ſich aller geiſtlichen und leiblichen Wohlthaten gantz unwuͤrdig;
wie ſie denn auch eine gewiſſe zu ihrer Erquickung angebotene Gabe nicht
anders, als für Bezahlung annehmen wolte, weil fie fich ben ihrer Armuth
mit zeitlichen Guͤtern genug verſorgt hielt, und mehr hätte, als fie zu
dieſem Leben brauchte. FF * 85
ns
RER | Diarum 5
Re Nane Dommerſtag „den 10. Jun. 8
5 8 eſtern Rüchenitt kam eine Heerde von 200 Stüc Kindvieh, a |
an unſern Ort zum Verkauf, worunter ſolche zahme Kühe waren, als lun.
man ſonſt nicht leicht in Caroline bekommen kan. Es iſt wegen der
ſtarck graſſirenden Seuche um Purrysburg und Savannah herum eine
gefaͤhrliche Zeit, Vieh zu kaufen, daher ich mich mit dem Manne nicht
anders als fuͤr einen wohlfeilen Preiß in den Handel einlaſſen wolte,
weil er mit wohlfeilen Verkauf weniger „als wir mit wohlfeilen Einkauf
riſquiren. Weil aber viele Leute des 4 ten und der übrigen Transporte
der Milch und Duͤnge wegen, ſich deſto beſſer auf Teutſche Frucht legen
zu koͤnnen, gerne Kuͤhe haben wolten, ſo kauften ſie doch Kuhe und
Kalb für 2 Pfund und 5 Sh. Sterl., Herr Vigera aber wartete bis auf 2
heute, und profitirte von feinem Warten; indem er für einen billigen
Preiß 10 wichtige Ochſen fürs Waͤyſenhaus und die Gemeine zum
Bades: bekam, und fie ur unter 5 9 1 konte. e
F | en Anbei abkommen können, 1 und fie se Fr 5 die bequeme ge⸗
w Der Schul⸗Kinder bey der Stadt ſind ſehr wenige, weil die
meſſten deute auf den Plantationen wohnen, und find wir daher ſchluͤſſig
worden, daß der Schulmeiſter Ortmann die wenige groſſe Kinder,
ee ws des Salons noͤthig haben, a ſich in die en
1986 n Diarium.
Schreibe⸗Stunde nehme, daß alſo mein lieber College nur die Catechi⸗
ſation allein behaͤlt, folglich bekommt er ſo viel Zeit, daß er auch die a
Arbeit mit den Præparandis ad S. Synaxin uͤbernehmen kan, welches
bey mir den Nutzen hat, daß ich viel beſſer und leichter die deute auf den
Plantationen beſuchen, und meine Kraͤfte nicht zu ſehr auf einmal
ſchwaͤchen darf. Denn wenn ich vormittags fruͤh hinaus gereiſet war,
und ich mußte ſchon gegen ıı Uhr wieder zu Haufe ſeyn, mußte ich eilen,
mich erhitzen, und auf die Erhitzung meine noch uͤbrige wenige Kraͤfte |
auf die geiftliche Arbeit in der Praͤparations-Stunde wenden. So
aber kan ich manchmal bis Nachmittag, da es kuͤhler wird, drauſſen
bleiben, und bey Kindern und Erwachſenen deſto mehr ausrichten. Es
haben die meiſten unſern Beſuch und Zuſpruch ſehr gerne, hat auch bisher
Gott Lob! manchen Nutzen geſchaft.
Sonntag, den 13. Jun.
Der Schloͤſſer Lechner und fein Weib haben beyde das Fieber bes
kommen. Sie liegt zu Bette, mit ihm aber hat ſichs zur Beſſerung ange⸗
laſſen. Der liebe GOtt thut groſſe Dinge an den Seelen dieſer Leute.
Sie ſind zum bußfertigen Erkaͤntniß ihres Elendes gekommen, und ha⸗
ben im Gewiſſen ſehr viel ausgeſtanden: nachdem aber ihr Hertz durchs
Geſetz recht zerknirſcht geweſen, und es ihnen vorgekommen, als waͤre
keine Gnade für fie, und fie muͤſtten vergehen in ihrem Elende; ſo hat
fie GOtt einen Blick ins Evangelium thun laſſen, und fie ſehr aufge⸗
richtet, auch die Frau wuͤrcklich zur Verſicherung der Vergebung den
Suͤnden und feiner Vater⸗Liebe gebracht.
Dienſtag, den ss. Jun.
Dee rechtſchaffen Iſraelite Glaner iſt von feiner gefaͤhrlichen Kranck⸗
heit meiſtens wieder reſtituirt, ſein Weib aber liegt ſehr ſchwach dar,
nieder, und wie ſie ihm vorher, alſo kan er ihr ietzt mit Aufwartung an
die Hand gehen. Ihr Bruder Lemmenhoffer, bey welchem ſie mit ihrem
Manne logirt, erzehlte mir geſtern, daß fie wegen ihrer Jugend Suͤn⸗
den harte Kaͤmpfe gehabt, durch die Gnade JEſu CHriſti aber uͤber⸗
wunden, und Verſicherung der gnaͤdigen Vergebung aller ihrer Suͤnden
erlanget hätte, daruͤber fie nun gantz ruhig da liege. Ich fand ſie auch
heute beym Beſuch ſo, und ſuchte ſie durchs Evangelium in der empfan⸗
genen Gnade noch weiter zu beſtaͤtigen, erinnerte ſie auch zugleich, ſich
auf neue Kaͤmpfe, die nicht auſſen bleiben wuͤrden, gefaßt zu machen,
mit allem Elende aber, das ihr noch wuͤrde aufgedeckt werden, zu dem
treu: erfahrnen Heilande und in feine Wunden hinein zu kriechen, von
ö dem
N
n
Diem. 1989
dem es heiſſe: Er kan erretten alle, die zu ihm treten, it. Seine Anno
1742.
Iun.
Sand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch ſey der Schade.
Mittwoch, en 16. Ju. IR
Die Kohleiſin empfing dieſen ormittag auf ihr inniges Begehren
auf ihrem Krancken⸗Lager das Heil. Abendmahl. Sie erzehlte mir, daß
ihr der liebe GOtt vor 2 Jahren in Memmingen die Augen aufgethan,
und ſie zur tiefen Erkaͤntniß und bittern Gefuͤhl ihrer Suͤnden gebracht
habe, daruͤber ſie in groſſe Unruhe, Traurigkeit und zu vielen Thraͤnen
gekommen ſey. Sie hat einem redlichen Manne daſelbſt, Herrn N. S.
ihren Kummer und Anliegen entdeckt, und aus ſeinem Zuſpruch und Un⸗
terricht viel Nutzen und Troft gehabt. Sie erhebt ihren Heiland über alles,
und hält fich vor eine des Todes wuͤrdige Suͤnderin, und keiner einigen
Gabe werth. Ich erklaͤrete ihr in etwas die groſſe Liebe des HErrn
JeElſu zu den Suͤndern, und den groſſen Schatz des Heil. Abendmahls,
Daruͤber fie in groſſe Verwunderung, Freude und Lob GOttes kam.
Es wurde vor und nach dem Heil. Abendmahl eiferig gebetet, und ich
kan hoffen, daß ihr der. HErr aus dem Genuß ſeines Leibes und Blutes
im Hei Sacrament viel Segen gegeben habe. Sie hat vor einiger Zeit
mir und meinem lieben Collegen 7 Sh. 6p. ſchencken wollen, und weil
werden. Jetzt da ſie kranck iſt, und einiger Labung noͤthig hat, ihr
Mann aber in ſeinen Ausgaben etwas ſparſam iſt, gebe ich ihr das Geld
nach und nach wieder, daß ihr Mann dafuͤr ihr einige Pflege und Er⸗
quickung verſchaffe. Zu dem Ende gab ich ihm heute 8p
Dtonnerſtag, den 17. Jun. ne Ä
Ein paar Männer aus der Gemeine find heute in meinem Weine
a garten beſchaͤftiget geweſen, zu den Wein⸗Neben Pfaͤhle, 7 Schuhe
lang, zu ſtecken, und ſie anzubinden. Es ſind im Winter 184 Reben
das erſtemal eingelegt worden, davon find 145 fortgekommen, und eis
nige feit dem Mertz, und alſo noch nicht in 4 vollen Monathen über
wir es nicht annehmen wolten, ſo mußte es ins Waͤyſenhaus gegeben
daß ſich diejenigen, welche in Teutſchland mit Weinbau umgegangen
es an einigen Stoͤcken im naͤchſten Jahr unter GOttes Segen Trauben
geben wird. Es hat ietzt, da die Reben ordentlich angebunden find,
der gange Weingarten ein ſehr ſchon Anfehen, und werden chriftliche
x
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ſind, ſehr verwundern muͤſſen, und nicht ohne Grund vermuthen, daß
Herzen billig über die ſich hier zeigende Güte des HErrn zu feinem obe
uufgemuntert, welches nebſt n Gemeine zu AN
= se er Wein⸗
1988 H Diarium. | £
Weinbau auch der vornehmſte Zweck iſt, warum dieſer Weingarten
nahe bey meinem Hauſe angelegt worden. Der Herr Gen. Oglethorpe
hat mir zwar gerathen, daß ich den modum; den fie in der Inſul Mas
dera haben, erwehlen, und die Wein⸗Reben ſehr hoch uͤber die Erde
fuͤhren muͤßte, ſo, wie etwa in Teutſchland an den Waͤnden der Haͤuſer,
oder, wie man die Aleen und Garten⸗Haͤuſer zu machen pfleget; ich
habe es aber auf Teutſchen Fuß verſuchen wollen, weil der Mann, der
hiebey gebraucht wird, nicht die Maderiſche, ſondern die Teul ſche Art
zu pflantzen verſtehet, und wird die Zeit lehren, welches der beſte modus
ſey. Gedachter Herr, der alles ſelbſt in Madera in Augenſchein ge⸗
nommen, meynet, daß die Hitze von der Erde zuruͤck, die Trauben ver⸗
duͤrbe, wo ſie nicht recht hoch hingen. Auch werden dort durch gewiſſe
Waſſerleitungen die Reben getraͤncket, wie etwa in Egypten, wo es
wenig Regen gegeben, mit den Feldern geſchehen muͤſſen 5 Mof. 11,10.
u. f. Gedachter teutſche Mann verſicherte mich, daß es am Rhein,
wo er Wein gebauet hat, im Sommer fo heiß als hier zu Lande ſey,
und die Trauben naͤhmen doch keinen Schaden. Ich hatte auch etwas
auf wilde Staͤmme pfropfen oder zweigen laſſen, es iſt aber nicht mehrt
als ein einiger bekommen. Vielleicht find die wilden Stöde, welche
ich im Winter erſt einlegen und bald darauf pfropfen laſſen, noch nicht
recht eingewurtzelt geweſen, oder vielleicht hat der groſſe Platz⸗Regen,
der gleich drauf gekommen iſt, Schaden gethan. Einige ſind auch nicht
recht in Acht genommen worden, und wird man es kuͤnftig wieder verſu⸗
chen, da nun die wilden Stöcke wohl gewurtzelt und viel Zweige heraus
getrieben haben. Gott laſſe auch dadurch ſeine Ehre und das Beſte der
Gemeine befoͤrdert werden. |
Sonntag, den 20. Jun. | .
Geſtern gegen Abend kamen 2 Englaͤnder hier an, und weil der
eine, ein Medicus, nebſt dem Herrn Col. Stephens und Mr. Jones
vorm Jahr in meinem Hauſe logirt hatte, ſo begehrten ſie auch dismal
Herberge bey mir, wolten auch Pferde haben, dieſen Morgen nach
Alt⸗EbenEzer zureiten. Wenn ſie es nicht auf den Sonntag begehrt
haͤtten, haͤtte man gethan was man gekont, ſo aber wolte man an ihren
Entheiligung des Sabbaths nicht im geringſten Theil nehmen, welches
ihnen nicht lieb war. Solche Leute rücken geſchwinde mit der Nothwen⸗
digkeit heraus, um welcher willen ihre Reife keinen Aufſchub litte; des⸗
gleichen geben ſie vor, daß fie auch auf der Reiſe beten und GOtt dienen
koͤnten. Sie wurden mit einem Engliſchen Knecht einig, der mit 2 Pfer⸗
4 | 3 den
3 *
Diarium. ——
den auf ven wartete, mit dem reiſeten fie nach Alt⸗EbenEzer, ann
und wolten von dort weiter nach Savannah⸗Town. Einige Refor⸗ 1742.
mirte Leute von Purrysburg hatten dieſe Engländer im Boote herge: Iun.
| die Diefen Morgen wieder nach Haufe gefahren find. Ob fie
wol Gelegenheit gehabt härten, hier mit uns den Sonntag zu feyren,
Dier alte N. vom aten Transport iſt noch ſehr ſchwach, und ſchei⸗
net ein hectiſches Fieber zu haben. Er iſt ſchon in Teutſchland von etwas
heectiſchen incommodirt geweſen, und haben die gebrauchten Mittel
nicht anſchlagen wollen. Sein Krancken⸗Lager wird ihm, wie ich hoffe,
2
Anno
17
Iun.
1990 . Diarium.
8 Mittwoch, den 23. Jun. r
Wir hoͤrten geſtern in der Abend⸗Betſtunde aus der beſonders
merckwuͤrdigen Hiſtorie 2 Sam. 21. daß David ſich zu allem, was die
Gibeoniter fordern wuͤrden, erboten, und zwar zu dem Ende, daß ſie
durch ihr Gebet dem Erbtheil des HErrn ſegnen moͤchten, wobey ver⸗
glichen wurde Hiob. 29, 13. Der Segen des, der verderben folte,
kam uͤber mich, und ich erfreuete das Hertz der Wittwen. Da⸗
bey unſere Zuhoͤrer ihrer Pflicht, in Abſicht auf alle unſere werthe Wohl⸗
thaͤter in Europa, erinnert wurden. Aller Segen iſt in dem Hertzen und
Hand Gottes, und heifts: wer durch ein glaͤubig Gebet anklopfet,
dem wird aufgethan. Gott thut ſeine milde Hand gern auf, und
ſchuͤttet Segen die Menge herunter. Eben dieſer Punet wurde bey den
Waͤyſen⸗ Kindern heute wiederholet, und wir fleheten gemeinſchaftlich
den HErrn um ſeinen Segen fuͤr uns, fuͤr unſer Waͤyſenhaus und fuͤr
alle unſere bekante und unbekante Wohlthaͤter im Namen JEſu CHriſti
an, und hoffen um ſeinetwillen gewiß Erhoͤrung. 5
Sonnabend, den 26. Jun. | Sr
Dieſen Nachmittag fand ich einige Zeit, den Lechner und die Sei⸗
nigen zu beſuchen. Der Mann erzehlte mir, wie das Gewitter geſtern 1
Abend fo groß geweſen, daß von dem geſtrigen ſtarcken Donner ſein en ??
fer fo erſchuͤttert worden, daß drey Scheiben zerſprungen und auf den
Boden geworfen worden. Es wurde ihnen gezeiget, wie ſie ſich dieſes
zu ihrer rechten Demuͤthigung folten dienen laſſen. Ja, ſagte das Weib,
wirr bitten den lieben GOtt darum, daß er uns recht demuͤthige, denn
ſonſt koͤnnen wir es nicht. Br 20 a
Wir haben bisher eine merckwuͤrdige Hiſtorie aus 2 Sam. 21. bes
trachtet, daraus wir an dem Exempel der Gibeoniter erkennen koͤnnen, |
wie es GOtt nicht leiden kan, wenn man die Seinen, ob fie ſchon arm
und geringe in der Welt ſind, unterdruͤckt. Es iſt dis eine Hiſtorie,
von der ich glaube, daß ſie ſich ſonderlich auf die heutige Chriſtenheit
ſchicket. Denn welche Suͤnden ſind doch gemeiner als dieſe, daß man
die armen, ſonderlich wenn ſie glaͤubig ſind, nicht leiden kan? Wer
achtet doch die Frommen? Die ſind ein verachtetes Voͤlcklein, daher es
denn auch kein Wunder iſt, wenn die Gerichte herein brechen. Aber
wer glaubets, daß es daher kommt? Möchten es doch alle Menſchen
bedencken, daß die Glaͤubigen GOtt ihrem Vater fo lieb find, daß ers
nicht leiden kan, feinen Aug⸗Apfel anzutaſten, damit fie ſich dadurch
erwecken lieſſen, dahin zu ringen, auch ſolche zu werden. O Wohl
* . 7 ö 8 4 0 6
ar e | 1991
Bohlthat ifts, daß uns der liebe GOtt Gelegenheit ſchenckt, auch die Anno *
en Teſtament zu betrachten! 1742.
Sonntag, den 27. Jun. Iun.
erzeiget. Er ſey gelobt dafür, und ſchencke rechte Treue.
DDDienſtag, den 29. Jun.
Das Waͤyſenhaus ift zwar fo weit ausgebauet, daß die meiſten Stu⸗
ben bewohnet werden koͤnnen, es wird aber noch viel Geld erfordern,
ehe der Bau voͤllig zu Ende gehet. Es praͤſentiret ſich in⸗ und auswen⸗
dig als ein Fuͤrſtlich Schloß, e die Einwohner Bari ai
N „ 9 3 i om⸗
Zaͤunet, und weil fie Kühe und Pferde darin auf der Weide gehen laflen,
daß wir durch Buſſe und Glauben alle des Segens, ſo darin fuͤr uns
wo faſt kein gut Land zu Feld⸗Fruͤchten und zur Vieh⸗Zucht, auch kein 4
finden.
der euch ſchaden koͤnne, ſo ihr dem Guten (ſo uns auch in dieſem ;
1992 VDDiarium.
Commoditaͤt. Es wird auch hier GOttes Wort und Gebet fleiſſig
geübt, iſt mir aber nicht bekant worden, mit welchem Segen es beglei⸗
tet iſt. Sie bedauren es ſelbſt, daß es an einen ſehr unbequemen Orte,
gut Waſſer zu finden, angelegt iſt. Es ſind 500 Morgen Land einge⸗
ſind viele verdorben; denn der Forl⸗Wald iſt fo elend, daß faſt kein
Gras waͤchſt, und kan man weit und breit ſolch elend Land nicht
A Mittwoch, den 30. Jun. eee
Es iſt geſtern auf den Plantationen in der Erbauungs⸗ Stunde,
und heute bey der Stadt in der Betſtunde angezeiget, daß wir kommen⸗
den Freytag einen Buß⸗ und Bet⸗Tag in der Gemeine feyren wollen,
wozu wir uns ietzt billig gebührend anſchicken. Der Herr verleihe
Gnade, daß ſich alle Glieder der Gemeine von Hertzen durch Buſſe und
Glauben zu ihm nahen, ſo wird er ſich gewiß zu uns nahen, und durch
feine Gnaden⸗Gegenwart eine feurige Mauer um uns her ſeyn, die kein
Feind, er heiſſe wie er wolle, durchbrechen kan. GOtt hat mir uͤber
den vorhabenden Buß⸗Text Jer. 6, 8. Beſſere dich, Jeruſalem: ehe
ſich mein Hertz von dir wende, und ich dich zum wuͤſten Lande
mache, darin niemand wohne, heute bey der Meditation viele Staͤr⸗
ckung des Hertzens verliehen. Sein Vater - Hertz iſt ietzt noch zu uns
gewandt, und er läßt uns gewiß auch darzu dieſen Buß⸗Tag feyren,
aufgehoben iſt, theilhaftig werden, ja uns gar darein als in eine un⸗
uͤberwindliche Veſtung verkriechen. Da heißts wol recht: Wer iſt
Spruͤchlein geprediget wird,) nachkommet. Meine Eingangs⸗Worte
heiſſen, zu meiner und hoffentlich anderer Glaubens Staͤrckung: Sei⸗
ner kan ich mich getroͤſten, wenn die Noth am allergroͤßten, er
iſt gegen mich fein Rind, mehr als vaͤterlich geſinnet. Das iſt
gewißlich wahr. | N ie,
Des Barthel Rieſers jünafter Sohn, ein Knabe von 13 Jahren,
iſt von einem groſſen Hunde ſehr uͤbel zugerichtet worden. Er hat mit
andern leichtſinngen Knaben beym Bohnen⸗Huͤten den Hund mehrmal
ohne Urſach geſchlagen, da er ſich denn, als er ihm allein begegnet, an
ihm auf dieſe Weiſe gerochen hat. Es iſt bey dieſem Unglück die Hand
Gottes gar deutlich zu erkennen, welches auch die Eltern und andere,
ER | die
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Diarium: . 1993
in — . —ßg
die alles in der Connexion wiſſen, wohl einſehen. Vor etlichen Wochen
theilte ich in der Wiederholungs⸗ Stunde den Erwachſenen und Kindern
aus der merckwuͤrdigen Nachricht des ſel. D. Kortholts von einem be⸗
ſeſſenen Knaben etwas mit, welches mir und andern ſehr eindruͤcklich
war. Dieſer Knabe aber war vor meinen Augen unachtſam und un⸗
artig, daruͤber ich mit ihm vor der gantzen Gemeine reden und ihn er⸗
innern mußte, daß er ſchon in Teutſchland bey der Abreiſe des erſten
Transports die Beine gebrochen, und letztlich, da er im Ungehorſam
egen ſeine Mutter ſich auf ein Pferd geſetzt, iſt er zwey mal herunter
geworffen, und an der Schulter ſehr beſchaͤdiget worden. Ich ſetzte
dazu: dae ſich durch ſolche Zuͤchtigung GOttes nicht zur Buſſe be⸗
queme, ſondern in ſeiner Unart fortfahre, ſo ſey etwas auf dem Wege,
das ihm nicht gut ſey, und ermahnete ihn beweglich zur wahren Beſſe⸗
rung, welche aber nicht erfolget iſt, ſondern er iſt in ſeiner Geringſchaͤtz⸗
ung gegen das göttliche Wort und auf andere Weiſe mehr, zum Ans
ſtoß anderer Leute und Vetruͤbniß feiner Mutter fortgefahren, und iſt
daher dis Gerichte uͤber ihn kommen. In Savannah iſt am erſten
tage nach Trinitatis ein Juͤngling von 20 Jahren, den die neue
Magiſtrats⸗Perſon nur kuͤrtzlich von England hieher gebracht F
Waſſer ertruncken, und hat man nach etlichen Tagen ſeinen Leib, von
auch nicht warnen laſſen, ſondern iſt wider Willen ſeines Vetters, der
gedachten Magiſtrats⸗ Perſon, heimlich baden gegangen. Wer
Crocodillen und Fiſchen jaͤmmerlich zugerichtet, gefunden. Er hat ſich
8 laub s le „ daß eh 0 ſehr nn a wer . ſich
ders
| RR Freytag, den 2. Jul. |
An dieſem Tage haben wir zu vieler Erbauung unſerer e einen
Iul.
foleninen Buß und Bet⸗Tag gefeyret, und waren die Buß-Terte aus
Jer. 6,8. und Hof. 14, 25. genommen, woraus uns nicht nur die ei⸗
gentliche Art, ſondern auch der groſſe Nutzen der wahren Buſſe und
Beſſerung deutlich vorgehalten worden. Wir hatten nachmittags einen
dringenden Regen, den ich zur Glaubens⸗ Staͤrckung nach Anleitung 5
der letztlich betrachteten Hiſtorie aus 2 Sam. 21, 10. 14. als ein Gnaden⸗
„daß Gott dem Lande wieder verſoͤhnet worden, angewandt
Babe > Sm der ER RER haben wir das Antlitz des 9 5
eiter
SR
Anno
7742.
Iul.
7 8
1994 Diarium. Bi
weiter geſucht, ihn für feine Geduld und Langmuth, und fo viele andere
geiſtliche Wohlthaten gelobet, und ihm unſere und des Landes Suͤnden
nach dem Exempel des Propheten Daniels cap. 9, 4. u. f. im Namen
JEſu EHrifti abgebeten. e Rt.
ars alle Sonnabend, den 3. Jul. |
Dieſen Morgen ließ michs der liebe G Ott an einem Exempel er⸗
| fahren, daß der geftrige Buß- Tag und die Predigt des Worts an dem⸗
ſelben von ihm reichlich geſegnet worden. N. N. hat zwar Fieber⸗
Kranckheiten gehabt, iſt aber doch an die Kirch⸗Thuͤre zu Anhoͤrung
der Predigten, und zum Beſuch der Betſtunde gekommen, wobey der
liebe GOtt feinem Hertzen fo nahe getreten, daß er die gantze Nacht im
Gebet zugebracht, und zum innigen Gefuͤhl ſeines tiefen Hertzen⸗Ver⸗
derbens durch die Erleuchtung des Heil. Geiftes gekommen ift. Son⸗
derlich iſt ihm der Spruch Matth. 15, 19. 20. ſehr tief zu Gemuͤthe ge⸗
drungen, und floſſen bey dem Bekaͤntniß ſeiner Suͤnden, und der uͤber
ihn waltenden Gnade GOttes die Thraͤnen gar haͤuffig. Er begehrete
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von mir Unterricht und Huͤlfe im Gebet, und habe ich ihn zur aͤuſſerlichen
und innerlichen Stille, zum fleiſſigen Gebet bey der Arbeit, und zue
andaͤchtigen Forſchung des goͤttlichen Worts, auch zum Wachen und
Kaͤmpfen gegen alles, was ihn von ſeinem guten Vorſatz abziehen will,
treulich ermahnet, und ihm etwas zum nachleſen mitgegeben, woraus
ihm manche Foͤrderung im Guten entſtehen wird. 95
Der alte Bacher vom qten Transport wird am Leibe immer
ſchwaͤcher, und ſcheinet auch ſeinem Ende immer naͤher zu kommen. Er
empfing heute als ein wahrhaftig bußfertiger und Gnaden⸗hungriger
Suͤnder das Heil. Abendmahl, und habe ich nicht die geringſte Urſache
zu zweifeln, er ſey als ein wuͤrdiger Communicant, ſo wie es die gna⸗
denreiche Lehre des Evangelü erfordert, an der Tafel des HErrn JEſu
eweſen. Er war in ſeinen Augen ein armer nichtswuͤrdiger Wurm, der
vielfach die ewige Verdammniß verdienet hat, dem es aber innig gereuet,
die Zeit ſeines Lebens nicht im Dienſte GoOttes, ſondern im Dienſt der
Welt und der Sünden zugebracht, und alſo die ewige Liebe und feinen
allerhoͤchſten Wohlthaͤter beleidiget zu haben. Er kriecht aber, als der
elendeſte Bettler und Zöllner zu JEſu Fuͤſſen, und ſchreyet nur nach
Gnade, um feines theurer für die Sünder geleiſteten Verdienſtes willen,
und ſtehet in dem ernſten Vorſatz, fein Hertz dem lieben Gott redlich zus
ergeben, und wenn er ihn wieder ſolte aufkommen laſſen, den Reſt ſei⸗
nes Lebens durch den Beyſtand des Heil. Geiſtes zu ſeinen Ehren be
. . | rin⸗
ECC
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15 Diarium. 15995
Er gab die Berrübniß über feine Sünden, und fein Verlan⸗
bringen.
gen nach EHrifto um Hülfe durch Worte und Gebehrden fo ſchöͤn zu
erkennen, daß ich in langer Zeit ſolchen Confitenten und Communican⸗ Jul,
teen nicht gehabt habe. Er laͤßts ſich nun nicht mehr leid ſeyn, daß er
1 von Gott in dieſe Wuͤſte führen laffen, weil GOtt auch dadurch
el
ine Bekehrung und Heil geſucht. Er zeigte mir an „daß er fürs Waͤy⸗
ſenhaus 50 Gulden, und zum Kirchen⸗Bau auch fo viel vermacht habe,
d ur ch ihm Gottes Segen anwuͤnſchte. Sein Schwieger⸗Sohn
Theobald Kieffer erzehlte mir dieſer Tagen, daß ſeine Schwieger⸗Mut⸗
ter auch Franc worden, und nun anfange, ihre Suͤnden⸗ und Seelen⸗
Gefahr zu erkennen. So fand ich ſie auch heute. Den irrdiſchen Sinn,
darin ſie bisher geſteckt, hielt ſie vor ihre gemeinſte Suͤnde, und die iſt
es auch? erkante aber zugleich, daß wenn fie auch keine mehr gethan
hätte, fie um derſelben willen ſchon in die Verdammniß gehoͤre. Ich
Anno
1742.
I
hoffe, GOtt bringe fie auch, wie den Mann und die Tochter, zur wah⸗
ren Buſſe. V |
. Den a Sul ĩ
Dieſen Morgen gang frühe eupfing ich die Nachricht, daß der alte
Matthaͤus Bacher in der vergangenen Nacht in ſeinem Heilande, in
welchen er ſich als ein armes Wuͤrmlein durch den Glauben verkrochen
hatte, gantz ſanft eingeſchlafen ſey, und alſo die muͤhſelige Zeit mit der
ſeligen Ewigkeit verwechſelt habe. Er hat geſtern bezeuget, daß ihm
nach dem Gebrauch des Heil. Abendmahls gantz wohl geweſen. Die
letzten bibliſchen Sprüche, welche ich ihm bey der Abſolution und nach dem
Gebrauch des ‚Heil. Abendmahls zugerufen und ans Hertz gelegt habe,
waren: Mir haſt du Arbeit gemacht in deinen Suͤnden ꝛc. Ich ich
tilge deine Miſſethat ꝛc. it. Err, nun laͤſſeſt du deinen Diener im
groſſe Liebe des HErrn JEſu zu uns armen und verlornen Suͤndern mit
Hertz, Mund und Gebehrden hoch freuete. Er hatte ein gutes Erkaͤnt⸗
8
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Sriede fahren 2c. welche er mit begierigem Hertzen faßte ‚und fich über die
niß, hatte viele gute Bücher geleſen, wie er denn einen feinen Vorrath
derſelben mit hieher gebracht hatte, und wußte ſehr viele bibliſche Spruͤ⸗
che auswendig. Sein vieles Wiſſen und bürgerliche Gerechtigkeit hätte
der Satan gern zum Strick gebraucht, ihn ins Verderben zu ziehen:
des iſt aber die göttliche Barmherzigkeit über ihn fo groß geweſen, daß
x =
er wohl erkannt, es halte in der Todes⸗Stunde nichts Stich, als CHri⸗
ſcus und fein Verdienſt, darein ſich der bußfertige Studer wieder alle
Anforderung des Geſetzes, Anklage des Gewiſſens und wohlberdienten
Anmeric. XI. Fortſ. 8 7 05 Zorns,
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*
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1996 Diarium.
Zorns, als in eine Frey⸗Stadt verbergen und verhuͤllen muͤſſe. Die
Weisheit GOttes hat es gefuͤget, daß er den Theobald Kieffer zum
Schwieger⸗Sohn bekommen, von dem er im Leiblichen viel Handrei⸗
chung, und im Geiſtlichen gute Gelegenheit empfangen, ſich um die Wahr⸗
heit, die in CHriſto iſt, zu bekuͤmmern. Dieſer junge Menſch hat eine
feine Gabe, feinem Naͤchſten im Wort und Wandel erbaulich zu ſeyn.
Mein lieber College hat heute auf den Plantationen den Gottes⸗
dienſt gehalten, und kam gar ſpaͤte wieder zu Hauſe, weil er gebeten
worden, noch heute den rechten Ifraeliten, Andreas Piltz, welcher die⸗
ſen Morgen noch vor Ankunft meines lieben Collegen geſtorben war, be⸗
graben zu helfen. Dieſer liebe Mann hat gleich andern ein tertian-Fie⸗
ber gehabt, und ſich dabey gar nicht geſchonet, noch den Schweiß
ordentlich abgewartet, weil er in Ausrichtung ſeines Berufs und in Be⸗
ſorgung ſeines gepflantzten Korns gar zu fleiſſig geweſen, daher er an
Fuͤſſen ſehr geſchwollen, an dem alten Schaden des einen Fuſſes ſehr
wegen ſeines rechtſchaffenen Weſens beſonders lieb gewonnen, ſo gehet
groſſe Schmertzen, und andere mißlich ſcheinende Zufaͤlle bekommen hat.
Er war ein ſehr redlicher Mann, der von iederman lieb und werth ge⸗
—
achtet wurde. Das gute Zeugniß, welches ihm der werthe Herr Senſoer
gegeben, daß er ſein werthes und liebes Beicht⸗Kind geweſen, ſo ihn,
den Herrn Seniorem und ſeinen ehemaligen Herrn Beicht⸗Vater in Lin⸗
dau, den Herrn Sen. Rieſch, niemalen betruͤbet hat, koͤnnen wir ihm
auch geben, und hat er ſich in allen Umſtaͤnden wie ein Kind und ſtilles
Lamm bewieſen, auch in ſeinem letzten Leiden nicht die geringſte Unge⸗
duld ſpuͤren laſſen. Da er noch dieſen Morgen von ſeinem frommen
Nachbar gefraget worden, wie ſein Hertz mit dem HErrn JEſu dran
fen? hat er geantwortet: feine Sache hätte noch nie fo gut geſtanden,
als ietzo, und hat völlig in dem väterlichen Willen GOttes geruhet.
Herr Vigera hat ihm von der Reiſe her ein ſolch Zeugniß gegeben, als
man es nicht beſſer wuͤnſchen und verlangen kan, und weil er den Mann
ihm, gleichwie uns, ſein fruͤhzeitiger Abſchied ſehr nahe. Da es aber
der HErr thut, ſo heißts: Was Er thut das iſt wohl gethan, ſein
Wille der iſt der beſte.
Montag, den 5. Jul.
Wir haben einige Zeit her faſt alle Tage ſtarcken Regen gehabt,
und iſt daher der Sommer in dieſem Jahr ſehr ertraͤglich. Bisher hat
dieſe Witterung den Feld⸗Fruͤchten noch nicht geſchadet, es ſtehet aber
alles in der Hand des HErrn, der es gegeben hat, auch wieder nehmen,
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und die Feld⸗ Früchte fo leicht verderben kan, als die Pferſichen an vers Aon
ſchiedenen Bäumen verfaulet ſind, ehe ſie halb reif worden. Viele ka
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Diarium. EN 7 1997
Bäume in unſern Gärten find von den Würmern, die in und über den Iul.
Wurtzeln alles durchgraben, ſo beſchaͤdiget, daß die Blaͤtter anfangen
gelb zu werden, welches ein deutlich Zeichen iſt, ſie werden bald verdor⸗
ren. Es werden die Pferſich⸗Baͤume in dieſem Lande nicht alt, und
heißt es auch hier: quod cito fir, cito perit. Denn fie wachſen ſehr
ſchnell auf, und tragen im dritten Jahr ſchon Fruͤchte.
Klocker iſt mit feinem Weibe und drey Kindern am Fieber hart dar⸗
nieder gelegen, es hat ſich aber angefangen mit ihnen zu beſſern. Die
eyden rechtſchaffenen Eheleute loben Gott, daß er fie zu ihrem Beſten
ein wenig züchtigen wollen. Sie ſind beyde ſehr redlich, laſſen ſich mit
Gottes Wort gern erbauen, haben es gern, wenn man mit ihnen be⸗
tet, und ſuchen ihrem Naͤchſten ohne Eigennutz auf alle Weiſe zu
dienen. 8 ER
re Dienflag,den:6.Yul. X Es >.
N. N. gab ſeinem Weibe das Zeugniß, daß ſie ietzt auf gar gutem
Wege ſey; er haͤtte ſolche gute Hoffnung von ihrer wahren Bekehrung
noch nie gehabt, als dismal. Er hat bisher unermuͤdet mit Wort
GOttes, Gebet und gutem Exempel an ihr gearbeitet, auch groſſe Ge⸗
duld bewieſen, wohl wiſſend, daß Gott auch mit ihm groſſe Geduld ges
habt und noch habe, und daß die Bekehrung GOttes Werck ſey, wel⸗
—
hes er zu ſeiner Zeit wuͤrcke, ohne unſer geſetzlich Treiben und Eigen⸗
Wuͤrcken. Doch muͤſſen wir an uns und unſerm Naͤchſten das Unſrige
N f
auch thun, und nicht alles dem lieben GOtt und den Lehrern zuſchieben.
ARE Mittwoch, den 7. Jul. |
N. liegt auf feiner Plantage ſehr kranck darnieder, und ließ
mich ſchon geſtern bitten, daß ich zu ihm kommen moͤchte, es ließ es
aber weder Zeit noch Kraͤfte zu. Dieſen Morgen fand ich ihn in groſſer
Teutſchland begangene Sünden aus dem Gewiſſen durch den Mund
Hitze, und ſein Weib ging ihm bey ihrer eigenen Leibes⸗ Schwachheit
nach Vermoͤgen an die Hand. Ich ſing kaum an zu reden, ſo floſſen
bey ihm die Thraͤnen haͤuffi g, und ſchuͤttete er zugleich feine viele in
aus, und klagte ſich als den aͤrgeſten Suͤnder an. Sie ging auch mit
der Beichte heraus, und beyde danckten Gott mit Thraͤnen, daß er ſie
aus der Finſterniß, aus dem Maul⸗ und Heuchel⸗Chriſtenthum, und
aus ſo vielen Greueln der Welt errettet, und zur Gelegenheit, ſich ſelbſt
und CHriſtum recht kennen zu lernen, 538 hätte. Sie iſt papiſtiſch
x. >, 8 7 F wg
er⸗
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1998 2 Diarium. Bye
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erzogen, und hat fich erft unter unferer Anweiſung zur evangeliſchen Lehre
Anno
3742.
Iul.
gewant, welche Gnade ſie ſehr hoch ruͤhmet. Was andere Leute vor
Kleinigkeiten zu achten pflegen, ſind ihnen nun verdammliche Suͤnden,
und ſie ſtehen in dem ernſten Vorſatz, ihr uͤbriges Leben von Hertzen
dem HErrn aufzuopfern. Ein groß Geſchenck folte mir lange nicht ſo
lieb geweſen ſeyn, als dis bußfertige Bekaͤntniß: und ich ſagte ihnen,
daß ſie nicht nur mich armen, ſondern den gantzen Himmel mit ihrer
Buſſe erfreuen, und ich koͤnte fie aus GOttes Wort verſichern, der
Herr werde dis angefangene gute Werck herrlich hinaus führen, wo fie
treu bleiben, und die Mittel recht gebrauchen wuͤrden. Sie haben, ſo
lange wir fie kennen, ein ehrbar, ordentlich Leben geführt, darin aber ſuchen
fie keinen Troſt, denn fie wiſſen, daß in CHriſto JEſu nichts gilt, als
eine neue Creatur. Ich gab ihnen den 32,38 und 51 Pſalm zum andaͤch⸗
tigen Nachleſen, darin ſie faͤnden, daß fuͤr Vornehme und Geringe nur
ein Weg, nemlich der Buſſe und des Glaubens, zur Seligkeit ſey. Ich
beſuchte auch den Mich Riſer, und fand auch bey ihm und ihr Spuren,
daß Gott durch fein Wort an ihren Seelen etwas ausrichte, und fie
immer mehr von ihren Vorurtheilen, welche ſie gegen die Wahrheit ge⸗
habt, befreye. Desgleichen war mir erbaulich, was ich von Simon
rn und feinem Weibe, die beyde am Fieber kranck find, gutes
oͤrete. | ER
Donnerſtag, den 8. Jul.
Der Herr Col. Stephens erzehlte mir letzlich, daß einer ſeiner :
Freunde am Sonntage in Ediſto in Suͤd⸗Caroline geweſen, und geſehen,
daß alle Maͤnner mit Degen, Flinten und Piſtolen in die Kirche zum
Gottes dienſt gekommen, welches fie aus Sorge, ihre Mohren⸗Scla⸗
ven moͤchten unter dem Gottesdienſt rebelliren, thun muͤſſen. Solten
die Herren Truſtées in das Neger⸗Begehren der Einwohner dieſes Lan⸗
des willigen muͤſſen, ſo wird man nicht nur der Feld⸗ und Garten ⸗Fruͤchte,
ſondern auch des Lebens kaum ſicher ſeyn. u. .
Rupr. Schrempff war bey mir und danckte GOtt, daß er ihm im⸗
mer beſſer zu erkennen gibt, in welcher Seelen⸗Gefahr er unter den
Handwercks⸗Burſchen geweſen, bey welchen er nach Handwercks⸗ und
Geſellen⸗Gebrauch dem Sauffen und andern Unordnungen ergeben ge⸗
weſen, und nun erkennet er durch GOttes Gnade, daß dis der breite
Weg ſey, der zur Hoͤllen fuͤhret. Er gibts ſehr gut vor, und wird ſichs
ausweiſen, ob er ſich bis zum HErrn bekehren wird. Er iſt uns mit
feinem Handwerck ein nuͤtzlicher Menſch, und wird uns noch nuͤtzlicher
N | ‚ wer⸗
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Var et
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(en Eines anne mann ER —
werden, wenn er fein Hertz dem
Herrn JEſu vechtfhaffen aufopfert. Anno
Er wuͤnſchte zwar, er hätte kein Handwerck gelernet, weil er dabey in 1742.
ſo viele Suͤnden gerathen ſey, ich berichtete ihn aber, daß das Hand- Iul.
werck eigentlich daran nicht Schuld, und an ſich nicht ſuͤndlich ſey, ſon⸗
dern er konne darin GOtt und feinem Naͤchſten dienen. Er iſt ein
5 . kan aber faſt alle Arbeit machen, die er ſieht und von ihm
begehrt wid.
Sonnabend, den 10. Jul.
l verſammleten fich dieſen Morgen die Männer von den Plan⸗
kationen auf mein Begehren in die Stadt, da ich ihnen denn die Um⸗
ſtaͤnde, in welchen ſich ietzt unſere Colonie, des Krieges wegen, nach
Gottes Verhaͤngniß befindet, ku
nd gethan habe. Wir ſehen die Dinge
nicht bloß nach der Vernunft ohne das Wort, ſondern nach der Heil.
Schrift an, und bemuͤhen uns unter Gebet und Flehen die Abſicht des ö
barmhertzigen himmliſchen Vater
>
s an uns erreichen zu laſſen. Ich habe
ihnen zum fleiſſigen Nachleſen den Propheten Jeremiam gegeben, darin
ſo viele Leute von Savannah und
die Urſachen der Gerichte GOttes über fein Volck,
und welches der Weg
ſey „ denſelben zu entgehen, gantz deutlich vorgeſtellet werden. Weil
andern Orten zu uns fluͤchten, ſo ſind
die Unftigen des vielen Guten, ſo ihnen in Teutſchland, auf ihrer Flucht |
aus Salgburg und Oeſterreich,
erinnnert worden, welches Gute fie
—
ſfehlet, dieſe Gaͤſte
—
den ohne Eigennutz wieder folten Ran laſſen. Und da es an
von viel tauſenden erzeiget worden,
nun anderen faſt in dergleichen Umſtaͤn⸗
aufzunehmen, ſo ſchlug ich vor, eine
groſſe Hütte in der Geſchwindigkeit zu bauen, wozu Herr Vigera ſeine
Schindeln, welche er zu ſeiner eig
enen Wohnung verfertigen laſſen, her⸗
geben wolte; es fand aber die Gemeine vor beffer, die alten ledigen Hüte
ken und Ställe zu repariren, welches fie auch unverzüglich vnitis viri-
‚bus thaten, und find nun fo viele Hüften parat, daß ihrer gar viele
werden Eönnen beherberget werden. Auch nehmen die Leute auf den
ratiores einlogiren kan. An Leb
Plantationen und bey der Stadt fo viel in ihre Wohnungen, als nur
Naur übrig iſt: inzwiſchen wird auch des Herrn Vigera Haus fertig, dar⸗
ein man (wie auch in unſern Haͤuſern und Waͤyſenhauſe geſchiehet) hono⸗
ens⸗Mitteln fehlet es auch GOtt Lob!
nicht unter uns, und ſind wir bereit, ſie mit Fleiſch und Brod „ auf
gute Zeit zu verſorgen, zum Getraͤnck aber wird geſundes Waſſer hin⸗
länglich ſeyn. Es walter über uns eine wunderbare Guͤte Gottes auch
darin: 1) Daß . genoͤthiget wird, einen Sol⸗
. 1 8 9
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3 daten
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2000 Diarium.
— — — .. K ̃ ‚ ‚——————
Anno daten im Felde abzugeben, wie doch wol in Caroline, wo keine regu⸗
liere Trouppen find, wird geſchehen müflen. 2) Daß, da es ans Flie⸗
hen gehet, nicht unſere Weiber und Kinder an einen andern Ort duͤrffen
weggeſchickt, und alfo von den Ihrigen auf eine Zeitlang geſchieden wer⸗
den, wie in Savannah und an andern Orten geſchiehet. 3) Daß
nſer kleines Eben Ezer, darin doch der groſſe Jehovah mit feinem Worte
und Sacramenten iſt, ein Refugium der Einwohner dieſes Landes wird,
darinn wir vor feindlichen Indianern und Negers unter GOttes Schutz
1742.
Iul.
gantz ſicher find, wie es auch natürliche Leute erkennen. 4) Daß wir
mit genugſamer Proviſion und Lebens⸗Mitteln verſehen find, ob wol
die Zufuhre von andern Orten her möchte abgeſchnitten werden. 5) Daß
wir auch Boote und Pferde haben, unſere Schwachen und Krancke,
wenn uns die Vorſorge GOttes den Weg, anders wohin zu wandern,
zeigen wolte, fort zubringen. Die Unftigen find auch gantz willig und
freudig, aufs neue Emigranten abzugeben, wenn es der Vater ſo ha⸗
ö
ben wolte. Sie ſind ſonſt aus ihrem Vaterland emigrirt, und wußten
mit Abraham nicht, wo ſie hinkaͤmen, ſie emigrirten aber in ſeine aus⸗
gebreitete Liebes⸗Arme, und funden aus feiner Vorſorge allenthalben
einen Tiſch fuͤr ſie gedeckt, ob ihnen gleich ehemals ihre Feinde und naͤch⸗
ſten Anverwanten gar fuͤrchterliche Dinge propheceyen wollen. Wenn
er uns ein drittes Eben Ezer bauen wolte, warum ſolten wir mit ſeiner
Fan die nicht zufrieden ſeyn? Was wir hier verlaſſen, ſind lauter Ga⸗
b
ven, die uns GOtt hier gegeben hat; denn von unferm Eigenen haben
wir nicht einen Loͤffel, vielweniger etwas groͤſſers: wie ſolten wir es ihm
nicht zutrauen, daß er uns alles, was wir nach ſeinem Liebes⸗Rath und
Befehl mit dem Ruͤcken anſehen, reichlich wieder geben koͤnne? Denn
was unmöglich ſcheint, iſt das geringfte ſeiner Wercke. Gott hat uns
im Glauben ſehr geſtaͤrckt, und wir glauben gewiß, er werde uns
N
ö
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N
nur um des willen in einige Truͤbſal kommen laſſen, daß wir ſeine Herr⸗
lichkeit ſehen, wie wir (ihm ſey Lob dafuͤr) ſchon manche ſchoͤne Probe
den Philiſtern aus 2 Sam. 21. geben uns in unſere ietzige Umſtaͤnde viele
Einſicht, und dabey Unterricht und Troſt, und ich hoffe noch immer,
wir werden auch bald das folgende 22 Capitel mit Application auf uns
betrachten koͤnnen, da es in der Ueberſchrift heißt: Und David redete
vor dem HErrn die Worte dieſes Liedes, zur Zeit, da ihn der
Err errettet hatte von der Hand aller feiner Seinde, und von
der Hand Sauls ꝛc.
Sonn⸗ ̃
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davon haben. Die ietzige Hiſtorie von den letzten Kriegen Davids mit
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Diarium. 2001
vn Su
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3 401 4 7 185 Sonntag, den II. Jul.
fie
0 hee die Einwohner dieſes Landes ver aͤnget 8096 Eier Zuͤch⸗
tigungen, und uͤber uns allerley intermittirende Fieber und Todes⸗Faͤlle.
Der Herr wolle doch bey allen feinen heilſamen Zweck erreichen, und
keinen unter denen laſſen erfunden werden, von welchen er klagen muß:
nen eft fie, aber fie fuͤhlens nicht; du plageſt fie, aber ſie
beſſern ſich nicht; ſie haben ein härter Ane . denn ein Sele,
o 15 1 ich nicht bekehren.
8 Montag, den 12. Jul.
de Morgen Eamen 2 Boote voll Weiber und Kinder von Sa⸗
Bern
1742,
Iul.
und wurden in eine groſſe Stube in meinem Hauſe, auch
in ein ander ſchon zubereitetes Neben⸗Gebaͤu einlogirt. Vergangene
Nacht 1 ſie auf den Plantationen bey Theobald Kieffern geherber⸗
get. Unter
ges haben fie wegen der Sommer: Hitze, und fonderlih
wegen des auſſerordentlichen heftigen Regens, den wir ehegeſtern und |
geftern jedesmal über eine Stunde gehabt haben, fehr viel ausgeftans
den, nnd waren froh, daß fie hier Gelegenheit fanden, alle ihre Klei⸗
der an der Sonnen zu trocknen. Der Prediger von Savannah war
auch unter ihnen, und machte ſich ihrer Verſorgung wegen alle Muͤhe.
In Habercorn ſind gleichfalls viele Weiber und Kinder nebſt wenigen
Männern angekommen, und ſchickte ich am Sonnabend einen Mann
zu Pferde an ſie, ihnen den Weg zu Lande auf die Plantagen zu zeigen,
wo man ‚fie En Vermoͤgen würde accommodiret haben. Weil fie
aber gute Nachricht von Savannah empfangen haben, ſo wollen ſie in
Habercorn ſo lange campiren, bis ſie Confirmation davon erhalten.
Der junge Schloͤſſer Schrempff begehrte mich zu ſich: ich fand ihn
kranck auf dem Bette liegen. Er erzehlte mir, daß es ihm viele Unruhe
1
bey Tag und Nacht mache, daß er ſich an mir und meinem lieben Col⸗
legen Darüber ſehr verfündiget haͤtte, weil wir fein verſtorbenes Weib,
mit welcher er aͤrgerlich gelebt, nicht ſelig preiſen wollen: Er bat mir
den gegen mich gefaſten Haß und Unwillen ab, und begehrte, daß ich
es in ſeinem Namen auch bey meinem lieben Collegen thun moͤchte. Er
findet die Eingezogenheit und wenigen Umgang mit andern Leuten ſeinem
Ehriſtenthum fehr zutraͤglich. Er danckte mir auch ſehr verbindlich für
die Zurückhaltung vom Heil, RN it ſieht er die Nothwendig⸗
795 und e davon. | N
ien⸗
—
Anno
1742.
Iul.
Wort und Gebet an Gott gedencken koͤnte. Er glaubt verſichert zu
2022 Diarium. '
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Dienſtag, den 13. Jul. 5 f
Da ich vom Beſuch der Krancken zu der Muͤhle kam, fand ich
Mr. Jones hier, welcher geſtern Abend nach Habercorn kommen war,
und dieſen Morgen unſern Hirten vom Waͤyſenhaus⸗Cowpan zu mir
ſchickte, ein Pferd zu begehren, welches ich ihm unverzüglich ſchickte,
und Pichler reiſete mit, ihm den Weg hieher zu zeigen. Es kommen
noch immer mehr Leute nach Habercorn (denn die Petianger koͤnnen
wegen des ſtarcken Waſſers nicht weiter gehen) fuͤr welche ſo wol, als
fuͤr diejenigen, die an unſerm Orte ſind, Mr. Jones nach Vermoͤgen
ſorgen will. Ich laſe dieſen Morgen einen Brief, den eine obrigkeit⸗
liche Perſon, nemlich Mr. Parker, an ſeine Frau in meinem Hauſe ge⸗
ſchrieben hatte, darin er meldete, daß Herr Gen. Oglethorpe und feine
Soldaten ſo gute Hoffnung haͤtten, die Spanier zu vertreiben, daß
auch niemand mehr von den Weibern und Kindern von Friederica an
einen andern Ort fluͤchten wolle. Daher michs Wunder nimmt, daß
die Leute noch immer in groſſer Zahl von Savannah wegziehen, und
darüber gar viel ausſtehen. Wir haben aus der Hiſtorie 2 Sam. 21,
1522. gelernet, daß das eine Philiſtiſche und Heydniſche Unart iſt, ſich
auf Menſchen zuverlaſſen, und Fleiſch, und wenn es auch Rieſen waͤren,
vor unſern Arm zu halten, als welches nach Jer. 17,5. nur den Fluch
bringt. Wir verlaſſen uns aber, mit David und Joſaphat 2 Chron.
20,130. auf den HErrn Zebaoth, der kan Huͤlfe ſchaffen, wenn fie am
noͤthigſten ift, und niemand weiß, wo fie herkommen foll. 4
Mittwoch, den 14. Jul. 1
Dieſer Vormittag iſt, ohnerachtet der mannigfaltigen Unruhe ſo
vieler deute in meinem Haufe, an meiner Seelen ſehr geſegnet geweſen. |
Schrempff ſchickte feinen Stief⸗Vater gar frühe zu mir, und ber
gehrte mit mir zu reden. Da ich zu ihm kam, ſagte er mir, daß der u
rechtſchaffene Oeſterreiche Schmidt ſchon bey ihm geweſen, und ihm
durch ſeinen Zuſpruch viel Nutzen geſchaft habe. Er habe die gantze
Nacht nicht ſchlafen koͤnnen, da er denn immer zu GOtt im Namen
EHrifti gebetet, und dadurch die ſchlafloſe Nacht im Segen zugebracht
hätte. Er wolte, wenn es GOtt gefiele, wol immer lieber ohne Schlaf
ſeyn, weil er ſonſt viel Phantaſien haͤtte, und nicht ſo fleiſſig durchs
4
2
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ſeyn, daß der liebe GOtt ſeit dem Buß⸗Tage, fein Hertz zu bekehren
und neu zu gebaͤhren angefangen, und will er denſelben Tag in ſeinem
Leben nicht vergeſſen. Er fuͤhret eine ſolche Sprache, und beweiſet ſich
in
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n und ud Wercken derge derge
ſieht! apa lein, daß ihre Ehrbarkeit und eigene Ge⸗
5Ottes Gerichte nicht zureichet. Er hat eine hertzliche
in ne at S die er fonft vor Heuchler ge⸗
cht und Finſter Schein und ahrheit wohl! zu
e gebe zur Ki. ch.
den. 2 { gro
en € 0 und zu mir, und wolte uns zuſammen 4 Pfund
ick 4 ib. aber. Im ir feine Duͤrftigkeit bekant ift,
KH ur 9 5 0
erſprechen muſte, es nach ſei⸗
et ſich weder vor den Spaniern no
dem Herrn Gen. Oglethorpe eben de
Seelen Die ‚ fo koͤnte er die Spanier dur
5 zuruͤcke jagen. Er bittet nur GOtt, daß
enn will er gern wieder kranck fen
ite ich i im Hauſe 0 ſel. We
Were e und das Heil. Abend⸗
as junge Weib iſt ſeit de Tode
haſt du Arbeit gem cht 20
hr die Gnade gethan, daß ſi
tigam lutruͤnſtig und voller Wunden
gemacht, es ſolle ihr aber, da ſie als
9 | | de hm nahe, alles vergeben und auf ewig
ver em: em, Sema ugte v on ihrer groſſen Nichtigkeit und Unwuͤr
keit, ch von der en Liebe CHriſti zu ihr, und ihrer zu ihm,
9 0 an ee. en ar en | „
Americ. Sortf. 2
9 e Ey e die 6 ee des 5 |
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rche, zum Waͤyſenhauſe, zu
durch Stahl und Stein, und faßt die
aͤrcke Bun er konne kommenden Sonntag mit der Ge
d von ihm vernommen, ihre Suͤnden haͤtten ihn =
daß i auch glaube, der HErr Ar
zu einem andern Menſche e Die Sünde if 8 r
* Ghee eh beſten Freunde erkennet er vor feine Zeit⸗ Iul.
2004 i e eee Diarium. 2
Anno Zachaͤi fo lebendig, als wenn fie heute in dieſem Haufe erſt geſchehen
1742. ware.
Iul. 7 Donnerſtag, d
- Göott hat heute beym Beſuch zweyer
ſehr gelaſſen und
meinem Hertzen ge
meine gehörige Vieh, welches etliche Jahre im Walde auf unbekanten
Gegenden geweſen, aufgefucht und naher herbey He
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2) Daß er ſich dane d base ie ins
Daß er ſeinen und 1 leidenden Heiland gaser
i „Der dien ienſt Zuflucht nehmen lernen. 4) Daß
Fa er, und der Himmel und die Erlöfung von
icker =füß worden. Die groſſe Gefahr, darein deb liebe
eth, und daraus ihn der HErr durch Huͤlfe des ſonſt boͤſen
erinnerte! uns nicht nur unſerer vorigen vielfältigen Er⸗
r Gefahr, und ermunterte ı uns zum Lobe GOttes, ſon⸗
auch boͤſe und unbekehrte beute
ater: Willen darzu helfen, da
arin vom Rachen der Feinde werden errettet
betracht 22. Capitel vernahmen W
0 es der liebe David in len ſeis
en Zeiten des N ſta⸗
Sf. verkuͤnd und uns als e
5,13. e ft: L a unter eu
and gute: a 5 | 1 nu .
es HErrn) der fi an
David der Knecht des
wol ein ee nach en
gehabt 5 55 IR 19 Fe zwar in iet Pelfungen hin⸗
, aber darin nicht umkommen laſſen, ſondern er hat ihn
t NB. aus der Hand aller ſeiner Feinde, wobey wir die Hiſtorien
irten 1 Sam. 18,11. e. 19/1012. 0.21, 10. U. f. 6.23,26728.0.29.und -
LI 21,16. = RR wir ae e nehmen 5
FE 8 [1
Tul.
gegen ſie deſto mehr gereitzet hat. Auf ihrem Krancken⸗Lager war fie
Liede nicht genug zu ruͤhmen weiß,
ſtaͤnden betrachtet, fo hat man, ſonderlich zu dieſer Zeit, genug Urſach,
* Ir 2
N * 2
Auno daß David gleichſam in den Händen 8 jen der Feinde geſteckt,
1742. aber auch die wunderbare Hülfe feines GOttes, den e in di em Leb.
*
f
es, den er n em
et | ib, reichlich erfahren hat. Diefer gro
nd weiſe GOtt lebt noch, und thut noch immer unter den Seinen groſſe
dinge. Seine Gnade ift mancherley. Im 34. Pſalm v. 20. heißts zu
unſerm groffen Troſt uberhaupt: Der Gerechte muß viel leiden, aber
der S Err hilft ihm aus dem allen e e es doch,
dem dreyeinigen G Ott und die gantze ſtreitende und triumphirende Kirche
zu Freunden zu haben? 3) Stimmet er dieſem treu⸗ erfahrnen GOtt und
Wohlthaͤter zu Ehren ein Lob⸗ Lied an, und erweckt auch andere dazu,
zu welchem Ende er es ex inſtinctu Spiritus Sancti öffentlich vorzufingen
verordnet hat. Siehe Pf. 18. Weil dis Lied zweymal von Wort zu Wort
in dem heiligen Bibel⸗Buch ſtehet, ſo muß dem Heil. Geiſt ſehr viel daran
gelegen ſeyn. Er lehre uns damit recht umzugehen. Er hat uns ja
ſchon manche Proben feiner Hülfe und erreftenden Gnade in dieſem
f
Krieg mit den Spaniern erzeiget, und wer weiß, welche gute Nachrich⸗
ten wir unter der Betrachtung dieſes langen Capitels und Pſalms ver⸗ |
nehmen werden, welche uns und die Unſrigen gleichfalls zum Lobe des
ewig⸗treuen GOttes ermuntern werden. Wenn man Sef. 26. mitt
dem Anfange des 22. Cap. aus 2 Sam. und mit unſern jetzigen Um⸗ 4
1
911
ſich mit Zittern zu freuen. Der Herr wird uns nach und nach alles
5 aufklaͤren, daß wir feine Weisheit, Güte, Allmacht und Serehfig
eit erkennen werden. Hallelujah, Amen a
Be Sonnabend, den 17. Jul. e
Mein lieber College hatte die Beicht⸗Handlung dieſen Vormittag
auf den Plantationen gehalten, und brachte die Nachricht mit, daß die
Klockerin dieſen Morgen geſtorben ſey. Er hat zwar etwas, aber nicht
mehr viel mit ihr reden koͤnnen, doch hat ſie ſeinen Zuruf aus dem Worte
des HErrn, und das Gebet mit ihr noch ziemlich verſtanden. Sie war
ein redlich Weib, welche auch von ſchweren Anfechtungen zu erzehlen
wußte, und ihre Erzehlung davon war ſo beſchaffen, daß einer, der
dergleichen ſelbſt erfahren, wohl erkennen konte, daß fie dem Satan
in der Bekehrung wahrhaftig entrunnen war, und daher ſeinen Grimm
ſehr geduldig und mit goͤttlicher Schickung wohl zufrieden. ar 9 4
0 N ranck⸗
—
Fand t hat ſie im Felde ſehr ſtarck gearbeitet und wol ihr ſaͤugendes
* bey ſich gehabt. 10 11055 |
Sonntag, den 18. Jul.
*
vr
e
das dritte Gebot halten, , fo läßt es uns der liebe Vater im Himmel fo
gut werden, daß wir auch zu dieſer Krieges⸗ Zeit ungeſtoͤrt in Werck⸗
und Sonntagen Öffentlich zum Gottes dienſt zuſammen kommen koͤnnen,
da andere in dleſem Lande und in der Nachbarſchaft alle Tage viele Lei⸗
— 4
Diarium. 200
Anno
1742.
Da wir unter GOttes Beyſtand an unferm Orte fo fleiffig über
bes: und Gemüthg > Unruhe haben. Er ſey demuͤthig für dieſe unver»
diente Wohlthat gelobet!
Ein Teutſcher Mann, der von Friederica mit ſeinem Weibe und
Kindern hieher geflüchtet war, kam zu mir, und hielte an, ſich unter
uns zu ſetzen. Er hat 7 Morgen Land mit Korn, Bohnen, Potatoes
und Kuͤrbis bepflangt, welches alles ſehr ſchoͤn ſtehen foll und faſt reif ift.
Nun hat er alles mit dem Ruͤcken anſehen, und alles das Seinige im
Stich laſſen muͤſſen, und wird es ſchon voͤllig verwuͤſtet ſeyhn. Dieſer
Mann hat mit ſeinem Kinde auf der Reiſe von Friederica her ein groß
Ungluͤck gehabt; denn ein Teutſcher Knabe, welcher mit ihm in einem
Boot geweſen, hat aus Verſehen dem Kinde zwey Kugeln durch den Fuß
Rab So bald ichs hoͤrete, fiel mir ein, was mir Pichler nach ſei⸗
r Ruͤckkunſt von Friederica erzehlte, daß nemlich dieſer Mann aus Un⸗
willen dem Herrn General ſchrecklſch geflucht, und Friederica verwuͤnſcht
habe. 5 Fa en |
Geſtern unter dem Vormittags⸗Gottesdienſt kam Mr. Ferry, der
Stadtſchreiber oder Recorder zu Friederica hier an, der auf feiner lan.
en Reife über Fort Argyle wegen des vielen Gewaͤſſers ſehr viel ausge⸗
anden hatte. Dieſer Herr hat den Saltzburgern des aten Transports
auf der See⸗Reiſe fehr viel Gutes gethan, daher halten fie ihn für ihren
Wohlthaͤter und Vater und mache ich mir ietzt eine Freude draus, ihm
in meinem Hauſe einige Liebe zu erweiſen, ob gleich nebſt dem Engliſchen
Prediger auch viele andere Leute und Kinder hier ſind. Er hat auf
Haus Bau und Anlegung einer Plantation ſchon bey 100 Pfund Sterf.
gewane, und würde nicht weggeflohen ſeyn, wenn es nicht die hoͤchſte
Nothwendigkeit erfordert hätte. Er beſchreibt den Einfall der Spanier,
nachdem ſie das Fort Simons weggenommen gehabt, ſo ſchrecklich, daß
vor Menſchen keine Hoffnung geweſen, Friederica nur noch einige Stun⸗
den zu defendiren. Daher hat man Urſache, ſich über die Güte Got⸗
SGeſtern Abend war das geb | eib
thorpe ſo warm empfangen worden, da
nitten
gen, das hat Gott gethan, und ſollen mercken, daß es fein Werck ſey.
Denn das iſt wol unter andern Puncten was beſonders, daß, ob gleich
der Herr Oglethorpe allenthalben an der Spitze iſt, er doch nicht die
geringſte Wunde bekommen, auch keiner von feinen deuten erſchoſſen,
ſondern zwey Mann nur am Arm und am Fuß verwundet worden Er
hat ſchon lange her einen vornehmen Spanischen Offieier als Kriegs⸗
Gefangenen in Friederica gehabt, und ihn fehr freundlich und großmü⸗
thig tractirt; ietzt iſt er damit umgegangen, das Store⸗Haus, worin⸗
nen 0 er liegt, in Feuer zu ſetzen, welches aber GOtt noch zeitig
Donnerſtag, den 22. Jun.
SGeeſtern Abend in der Betſtunde, und heute auf den Plantationen
iſt es kund gemacht, daß wir auf Begehren der Obrigkeit und nach Er⸗
forderung unſerer Umſtaͤnde wiederum einen Buß⸗ und Bet⸗Tag more
gen geliebts GOtt Öffentlich zu feyren gedencken, und will mein lieber
—
Diarium. 2009
—— Br
2
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den
Gottesdienft auf den Plantationen und ich hier bey der Anno
Stadt halten. Ich reiſete dieſen Morgen mit dem Engliſchen Prediger 1742;
nach Habereorn: unterweges begegnete uns ein guter Freund von Sa: 101.
vannah, der uns und andern die erfreuliche Nachricht brachte, daß die
Spanier mit allen ihren Schiffen, deren zuletzt bey 40 beyſammen ger
ſehen worden, mit Schimpf und Schanden die Belagerung aufgehoben,
und ſich nach Auguſtin retiriret haben. Sie haben ohne Zweifel beſorgt,
daß die Engliſche Kriegs: Schiffe heran naͤhern, und ihnen ein See⸗
Treffen liefern wollen, wozu ſie wol nach erfahrner weiſen und tapfern
Däefenſion des Herrn Gen. Oglethorpes keine Luſt bezeigen, auch wol
daruͤber ihr Auguſtin moͤchten eingebuͤßt haben. Die gefangene Spa⸗
nier haben zwar vorgegeben, als wenn in den Spaniſchen Schiffen nur
ohngefaͤhr 6 oder 800 regulaire Trouppen wären, man weiß es aber
ietzt beſſer, daß ihrer wenigſtens auſſer den Matroſen 4000 geweſen.
Als ein beſonder Zeugniß der göttlichen Vorſorge wurde angeführt, daß
das boshaftige Vorhaben des Spaniſchen Ober⸗Officiers, den der Herr 5
Oglethorpe lange Zeit als einen Kriegs⸗Gefangenen in Friederica ge⸗
abt, noch zu rechter Zeit ans Licht gekommen iſt. Er hat ſich bey der
Belagerung Auguſtins nach der Spanier Meynung in einem gewiſſen
Fort zu zeitig dem Herrn Gen. Oglethorpe ergeben und hat ihm man⸗
ches eröfnet, daß er daher von feinen Landes⸗Leuten mehr als ein Ueber⸗
läuffer und Verraͤther, als Gefangener geachtet worden. In dem ietzigen
Anfall der Spanier bittet er Herrn Oglethorpen um Erlaubniß, fi)
weiter in Nordiſche Colonien der Englaͤnder zu retiriren, weil er vorge⸗
geben, die Spanier wuͤrden, wenn ſie ihn ſolten gefangen bekommen,
ſehr grauſam mit ihm verfahren. Weil Herr Oglethorpe aus dem
langen Umgang mit dieſem Officier kein Mißtrauen in ſeine Redlichkeit
geſetzt, gibt er ihm einen kleinen Kahn, ſich damit in eine Gegend zu
bringen, von dannen er weiter kommen koͤnte. Er geht aber damit zur
Spaniſchen Flotte, und gibt den Anſchlag, daß die Spanier mit ihren
Galeern näher an Friederica anruͤcken und die Stadt bombardiren ſol⸗
ten, da er inzwiſchen im Store⸗Hauſe Feuer anlegen, und alles durch
das darin befindliche Pulver in die Luft ſprengen wolte. Er kommt
auch wieder zuruͤck nach Friederica, mit dem Vorgeben, er koͤnte wegen
der groſſen Flotte und ihrer genauen Obſervation nicht durchkommen.
Ehe er fein böfes Vorhaben ausführen kan, fügte es GOtt, daß zwey
gefangene Englaͤnder von der Spaniſchen Flotte zu Herrn Oglethorpen
fliehen, und es ihm eroͤffnen, daß dieſer Offrier um die und die Bet
Anno
742.
ul.
ren Unterbringen und Verſorgung wieder einige Mühe machte welche
mir auch wegen meiner Zubereitung auf den heutigen Buß⸗Bet⸗ und
Danck⸗Tag ziemlich ungelegen kam. Auch heute konte man ihrer und
2010 Diari 3
dort geweſen, und den lichen Handel mi
verabredet hätte. Zur geſetzten Stunde rücken die Galeeren an, un
geben ſtarck Feuer auf Friederica, der Officier aber wurde bald gegrif⸗
fen, und feſt gemacht, darauf ſich die Spanier mit ihrer gantzen Flotte
nach Auguſtin gezogen haben. BR en N
13 8 Freytag, den 23. Jul. . gu“: . 5 11
Geeſtern Abend kam ein Quartier⸗Meiſter vom Herrn Gen.
b tier⸗Mei n Herrn Gen. Ogle⸗
thorpen mit einigen neugeworbenen freywilligen Soldaten hier an, de⸗
anderer wegen nicht ungeſtoͤrt bleiben. Doch ſtund mir der liebe GOtt
beſonders bey, und ſo hat auch mein lieber College bey den Gottes dienſt
auf den Plantationen mercklich feinen Beyſtand geſpuͤret. Wir hatten
beyde zum Text die merckwuͤrdige Hiſtorie von der gnaͤdigen wundervol⸗
Noth, ſo will ich dich erretten, ſo ſolt du mich preiſen. Auch
uns hat GOtt durch den Ueberfall der Spanier in Noth kommen laſſen,
aber nur zu unſerm Beſten; denn wir find feit dem letzten Buß ⸗ und
Bet ⸗Tage öffentlich und in geheim ins Gebet getrieben worden, Date
auf hat uns der HErr errettet, und neue Materie zu feinem Lob und
Preiß in unſer Hertz und Mund gelegt. Damit die lieben Zuhörer den
und das gantze Land geweſen, umſtaͤndlich erzehlt, als auch die Particu-
laria der wunderbaren Errettung bekant gemacht. Weil in der gedach⸗
parallelifmum dee e beſſer einſehen, und die groſſen Wercke GOttes
auch in unſern Tagen in Demuth und Lobe bewundern möchten, ſo habe
len Errettung des frommen Königs Joſaphts und feiner Unterthanen
aus der Hand ihrer mächtigen Feinde, aus 2 Chron 20,130. und iſt es
hier eben ſo gegangen, wie Pf. so, 15: ſteht: Ruffe mich an in der
ihnen ſowol die Gefahr, in welcher der Herr General, ſeine Soldaten
ten Hiſtorie des Koͤniges Joſaphts in dem Lobgeſange nicht undeutlich
auf den 106. und 136. Pfalm geſehen wird, fo find beyde von den groͤſſern
Kindern zwiſchen den 3 Vor ⸗ und Nachmittag laut und deutlich
Anfange des Vormittags⸗Gottes dienſts und am
verleſen worden. Zu Anf * Got
Ende der Nachmittags = Eatechifation folgten in der Ordnung vor
geleſen zu werden 1 Sam. c. 14. und 17. welche ſich auf unſere Um⸗
ſtaͤnde auch ſehr wohl ſchickten. Wir ſungen unter andern die Lieder:
Man lobt dich in der Stille ꝛc. Sey Lob und Ehr dem höchf
Gut ꝛc. Danckt dem HErrn ihr GOttes⸗Anechte
Ei
Abend⸗
Betſtunde wurde geſungen: Nun dancket all und bringet Anno
Er laſſe ſich unſere heilige Uebung um CHriſti willen gefalle
e unſer Eben Ezer zu a .
vi Son ade! 7 en 24. wa er 8 ü mir
Wenn wuͤnſchen hülffe, wolte ich mein Haus gern iemanden, der
Obrigkeit und Wirth zu EbenEper ſeyn Eönte, uͤberlaſſen, und ich wolte
gerne in einem fo engen Haͤusgen wohnen, als es nur immer möglich
gemacht werden koͤnte. Denn ich erkenne es itzt beſſer als vorher: ie
groͤſſer Haus, ie groͤſſere Unruhe. Denn iederman, der nach Eben⸗
SEzer kommt, fragt nach meinem Haufe, und begehrt eine freundliche
Aufnahme und ius hoſpitalitatis. Es iſt hier im Lande gewoͤhnlich ‚daß
die Reifen
ae
x
*
ſenden allenthalben frey Nachtlager und Eſſen und Trincken be⸗
komme + weil 1 155 . iR .
angelegt find, und wenn fie dergleichen auch nicht an unferm£ rt finden,
ſo faͤllen ſie ſehr liebloſe Urtheiſfe. 3
Dieſen Morgen habe an den Herrn Gen. Oglethorpe einen Brief
geſchrieben, und darin unter mehrern andern vermeldet: Es ſey mir
aus ſeinem Brief ſehr eindruͤcklich geweſen, daß er zu Anfang und am
Ende deſſelben eben die Worte gebraucht, welche in der bisher betrach⸗
teten Hiſtorie 2 Sam. 22. in voriger Woche unſern Glauben und Hoff⸗
nung ſehr geſtaͤrcket hätten. Der HErr habe ihn errettet von der Hand
a unſerer Feinde, und gewuͤnſchet, daß ein Faſt⸗ und Bet⸗Tag angeordnet 5
= Wort des HEren fteht. Ich wuͤnſche ſchluͤßlich, daß der allmaͤchtige
und barmhertzige GOtt ihn ferner ſtaͤrcken und mit feinen Augen leiten
mochte, daß er fen der Geſegnete des HErrn in allen feinen Wegen.
.
uneric N. Sort.. 3095 An
u, 742.
Anno
1742.
Iul.
2012 Diarium.
en wer |
derica gereifet iſt, ſchrieb ich folgendes: „Ich vernehme, daß Sie nach
An den werthen Mr. Jones, der zu Anfang dieſer Woche nach Frie⸗
„ Friederica gereiſet find, und alſo werden Sie mit Ihren Augen die grof⸗
„gen Wercke Gottes ſelber ſehen, welche er durch das theure Werck⸗
„zeug, den Herrn Gen. Oglethorpe, zu unſerer Sicherheit gewuͤrckett
hat. Ich kan es mit Worten nicht ausdruͤcken, welche Freude und
29
9
Danckfagung zu Gott unſerm barmhertzigen Erretter, an unſerm
v» igeweſen, und noch iſt: und wir hegen eine ſolche Hochachtung gegen
„den Herrn General, daß wir uns zur Danckbarkeit gern, ſoviel in un⸗
„ſerm Vermoͤgen iſt, in allem gegen ihn gefaͤllig erweiſen wolten. Wir 94
„haben bisher öffentlich und in geheim für ihn zu GOtt geflehet, und
„thun es noch: und da doch verſchiedene Glieder der Gemeine mit dem
„Geiſt der Gnaden und des Gebets geſalbet find; fo zweifle ich nicht,
„Gott habe unſer armes Gebet um CHriſti willen erhoͤret, und werde
„es ferner erhoͤren, und den Herrn General noch auf viele Jahre, zum
„Beſten dieſer und anderer Colonien, in Geſundheit und Wohlergehen
verhalten. ꝛc. ꝛc. iS
Montag, den 26. Jul.
Ich ließ von einem Manne in meinem angelegten Weingarten eine 1
kleine Arbeit thun, der mir an drey Wein⸗Stoͤcken unvermuthet einige
junge Trauben zeigte. An einem Stock ſtanden fie in der Blüte, am
andern hatten ſie ausgebluͤht, und am dritten waren ſie noch ſehr zart,
und werden bald zur Bluͤte kommen. Aus Verſehen iſt vor einigen
Wochen ein Traͤubgen abgebrochen worden. Jetzt kan ichs verſtehen,
daß er wahr, was mir ein Mann von des Herrn Gen. Oglethorpes
Barronnie bey Pallachoccolas vor dem Jahre ſagen ließ, daß er nehm
lich zweymal im Jahr Trauben haben koͤnte: denn die jungen, im Fruͤn⸗
ling geſetzten Wein⸗Reben treiben die Traͤubgen ſpaͤte aus, und kommen
ſpaͤte zur Reife. Jetzt zweifle ich gar nicht daran, daß, wo ſonſt kein
Schade dazu kommt, ſchon im andern Jahr in meinem kleinen Wein⸗
garten viel Trauben werden abzuleſen ſeyn. Auch dis ſtaͤrckt mich in der
Hoffnung, der liebe GOtt habe den Unſrigen, wo fie zuerſt trachtnrnn
nach dem Reiche GOttes, manchen ſchoͤnen leiblichen Segen aufbehal⸗
ten, den ſie im Schweiß ihres Angeſichts zur Nothdurft und Erguickung
genieſſen werden. Aller Anfang iſt ſchwer, welches durch die gantze
Welt gehet. |
| Mei⸗
„geſtrigen Buß⸗Bet⸗ und Danck⸗Tage in unſerm Hertzen und Munde 1
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165 1 45 üffen, welchem allen es nun entgangen,
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Anna
1742.
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Savannah find, gar viel Gutes. Daher iſts un eine Freude geweſen g
1742. ihr auf ihrer Pilgerſchaft nach Vermoͤgen wieder zu dienen. Das gro
Iul.
Boot führte den Rathsherrn Mr. Watſon, den Prediger Mr. Orton,
eine Engliſche Frau mit ihren Kindern, und groſſe Kiſten herunter; und
da auch die Soldaten des Herrn Gen. Oglethorpes, fuͤr welche Pferde
angeſchaffet worden, dieſen Nachmittag gleichfals fortgeritten, ſo bin
ietzt der Unruhe aus meinem Haufe los. Noch einige groſſe Kiſten ſtehen
hier, welche naͤchſtens, wenn das groſſe Boot wieder kommt, herum 5
ter geſchickt werden ſollen. Gott ſey hertzlich gelobet, daß er uns wie⸗
der zur Stille und Einſamkeit hat kommen laſſen. Er wird auch alles,
was an Victualien, Wein ꝛc. auſſerordentlich drauf gegangen, und was
theils verdorben, theils verloren worden, zu ſeiner Zeit, wenn es uns
noͤthig thut, wieder ſchencken koͤnnen. Bey der krancken N. hatte ich
ein vergnuͤgtes Stuͤndlein. Ihr Hertz iſt einige Zeit nicht nur von N. N.
aus Argwohn ziemlich abgewandt geweſen, ſondern ſie hat auch unſere
Weiſe, mit ihren Kindern umzugehen, getadelt, und bey ihren Kindern
durch unvorſichtige Reden Schaden gethan. Es heißt aber auch hier: |
Gott laͤßt die Seele nicht, er hat ſie viel zu lieb. Damit er ſie nun
von ihren Schwachheiten, Argwohn und uͤbereilten Urtheilen uͤberzeu⸗
gen, und ihr Hertz aufs neue in ſein Hertz, und in die glaͤubige und
ordentliche Vereinigung mit andern Glaͤubigen bringen moͤchte, hat er
ſie auf ein hartes Krancken⸗Lager gelegt, und ein ſolch Erkaͤntniß und
Bekaͤntniß heraus gebracht, welches von neuer Gnade zeuget. Ja der
HErr hat ihr ſchon alles wieder vergeben, und fie zum Genuß ſeines
Liebes⸗Mahls, welches ſie naͤchſtens zu genieſſen gedenckt, begierig ge⸗
macht. Weil N. nicht da war, ſo betete in Gemeinſchaft der N. und N.
und lobete den HErrn fuͤr alle ſeine, der Patientin und uns erwieſene
geiftliche und leibliche Wohlthaten. | 77 58
| Sonnabend, den 31. Jul. e
Ich wuͤnſchte, daß die Herren Truſtées oder der Herr General in
ihrem Namen dem Medico und Chirurgo ein Pferd ſchencken möchten,
daß ſie die Krancken oͤfters beſuchen koͤnten. Unſer einiges gemeinſchaft⸗
liches Pferd iſt ſchon geraume Zeit lahm, und mein Pferd, woran auch
mein lieber College Theil hat, wird faſt täglich zum Beſuch der Leute auf
den Plantationen von uns gebraucht, daß wir es alſo dem Medico dann
und wann, aber nicht immer lehnen koͤnnen. „ A
*
AGV.
e evsryvs 1
1.68 he * and aus dem ordentfißen e als
wuͤrdigen Exempel 179 5 grundfrommer Deftereichis
ranten vert ne r Nach folge des H Errn
reut, aber auch Segen gibt. Weild jene in Sage Marc.
uf ihre D orf er, St 005 „Freundschaft verlieſſen, und CHriſto in
Wuͤſten nachfolget Pr 1975 Ba 1 5 geiſtlichen Speife willen ben ihm
eten, kamen fie zwe ad mit den Ihrigen; aber da fi
barm ergige und allmaͤch
W. ( hr
elen Yen der en en 2
1 11 0 bac lee ehe und Boͤhmen an andern
| Orten, und die unſrigen an unſerm Orte auf verſchiedene Weiſe durch
ie Schmeltz⸗ und Prüfung gehen, 11 ſagen aber dabey doch immer
f Je freue mich und bin froͤlich über deine Güte, 1 8 5
Elend anf hfieheft und erkenneſt wege in der Noth.
n Montag, den 2. Aug.
of a5 1 etwas zu beffern und zu bauen. Seit der letzten Reparatur
te und andern n Leuten in
e geweſen, und hat
125 urrpeburg herrliche <
tur gehen. Die Arbeit, welche ſie letztlich mit
2 Hingegen was in der erften Zeit ohne Faſchinen iſt ge⸗
braucht noch des . ens. Weil ich ietzt gar weni Geld in
abe ſo er die? N 4
n 1165 an 50 an 10 w 5
| 58 ght mit unſrer Mühle wie bey allen Mafchinen. _ Es 1
d nach der Ankunft des aten Transports iſt ſie beſtaͤndig Tag ı und
Dienfte gethan. Jetzt da das
zuſehens fällt und kleiner wird, auch einen ſtaͤrckern
0 or es einige Löcher im Damme aus; auch iſt der
chen das Waſſer auf das Muͤhl⸗Rad geleitet wird,
erfordert es die Nothwendigkeit, daß die Män-
gebracht, iſt ſo dauerhaft, daß man es nicht beſſer
ſie, noch fie uns hindern.
2016 Dierinm. Si
Anno nicht nöthig geweſen, den andern Gang, worzu wir die Muͤhl⸗Steine
1742.
Aug.
auch haben, aufzurichten, haben auch das Geld nicht darzu. Fuͤr
Weitlaͤuftigkeit und neuen Schulden huͤten wir uns nach Vermoͤgen,
glauben aber auch, daß wenn es die Nothwendigkeit erfordert, Schul
den zu machen, es dem lieben Gott ein leichtes ſeyn wuͤrde, alles zu
bezahlen, wie wir ja davon manche liebliche Erfahrung haben.
Mein lieber College kam dieſen Vormittag uͤ
| dieſen Vor ber Habercorn geſund
wieder nach Haufe, nachdem er nicht nur zweymal des Sonntages, ſon⸗
dern auch am Freytag und Sonntag vorher zur Mittagszeit den Teut⸗
*
1
9
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*
7
1
ſchen Leuten den Rath Gottes von ihrer Seligkeit verkuͤndiget hatte.
Weil der Engliſche Prediger einige Unpäßlichkeit gehabt, fo haben die
Engländer am Sonntage keinen Gottes dienſt gehalten, daß er ſich alſo
mit den Teutſchen Leuten der Kirche allein ohne Hinderung bedienen koͤn⸗
nen: wiewol der Engländer öffentlicher Gottesdienſt allemal erſt nach
10 und 3 Uhr angehet; wir aber fangen gegen 8 und Uhr an, da wir
f
*.
4
gemeiniglich vor Anfang des ihrigen fertig ſind, und alſo weder wie
laſſen. „
| Mir Dienſtag, den 3. Aug.
Es hat die verſtorbene Maria Mauerin, ei
Erbſchaft participiren ſolte, ankommen mußte; fo nahm ich Nie Sa
heute nach der Erbauungs⸗Stunde in oͤffentlicher Gemeine vor. Hel Y
mußte vor GOtt und der chriſtlichen Verſammlung verfprechen, daß er
jetzo nichts anders als die pure lautere Wahrheit ſagen, und weder ih
noch andern zu Liebe und Leide einen einigen Umſtand erdichten wolle,
e
fonft würde die Drohung GoOttes an ihm erfüllet werden, welche Pf.,
ſtehet: Gott bringet die Luͤgner um, der Err hat Greuel 1 N
G'oOtt hat meinen lieben Collegen bey ſeiner
geiſtlichen Arbeit ſehr geſtaͤrcket, und trauen wir es ihm zu, er werde
auch eine Frucht in den Hertzen der Zuhoͤrer entſtehen und bleiben
1 ine geborne Wemmerin
aus St. Johannis⸗Gericht, es dem Hans Schmid etliche mal ſagen
wollen, wie ſie es mit ihrer zeitlichen Verlaſſenſchaft nach ihrem Tode 1
wolte gehalten haben. Weil aber Schmid nicht vermuthet, daß ihr
Ende ſo nahe ſey, ſondern noch immer eine gute Hoffnung ihres Auf;
kommens vorhanden geweſen; ſo hat er die Rede von dem irrdiſchen im⸗
mer auf etwas beſſers gelencket. Wenig Stunden vor ihrem Ende hat
ſie es dem Held, ihrem Nachbar, kund gethan, wie und auf welche Weiſe
alles, was ſie in der Welt zurück laſſen müßte, eingetheilet werden ſolle.
Weil aber alles auf das Zeugniß des einigen Helds, der auch in der
*
1
„
5 Geben» Schwachheit — mir 7 verlangt, erlangt, daß er mi er men
ſtament und letzten Willen, wegen feines, dem Waͤyſenhauſe gelehnten
g. Geldes, ſeiner Plantage und Hausraths declariren mochte. Am Mon⸗
tage wurde ich gehindert zu ihm zu kommen, geſtern war er wegen der
Fieber⸗ Hitze nicht im Stande, mir ſeinen Willen in Gegenwart ſeines
krancken Weibes ausführlich zu entdecken. Dieſen Morgen gantz fruͤhe
war er auch im paroxiſmo, da ich aber zu Mittage zu ihm kam, ſo
ſagte er mir feine Meynung uͤber feine zeitliche Güter. Sein gantzes
Geld, welches nach feinem Vorwiſſen und Erlaubniß vom Waͤyſenhauſe
gebraucht worden, beſtehet aus 40 Pfund 10 Sh. Sterl. auſſer dem hat
er 8 noch etwas bey ſich, welches aber nicht ins Teſtament kommen
ſoll. Auch iſt ihm Schweiger 1 Pfund ſchuldig, welches er ihm als Nach ⸗
barn geſchenckt hat. Seine 2 Kuͤhe mit Kaͤlbern, feine Plantage mit
allem was drauf ſteht, desgleichen ſein gantzer Hausrath ſoll dem redli⸗
chen und dienſtfertigen Burgſteiner uͤbergeben werden, als welcher mit
ſeinem Weibe, ihm und ſeinem Weibe in geſunden und krancken Tagen
viel Gutes gethan hat. Von dem obigen Gelde ſoll nach ſeinem Tode
haben das Waͤyſenhaus 15 Pfund, Klocker 12 Pfund, die Kirche 4 Pfund, f
Hans Sunn fan „Carl Flerel 1 Pfund, Burgſteiner 6 Pfund, die
Armen 1 Pfund 10 Sh. Ob zwar dis Teſtament gemacht iſt, und der
Riſer mit ſeinem Weibe vermuthet, ihrem Abſchiede nahe zu ſeyn; ſo habe
ich doch noch gute Hoffnung von ihrem Aufkommen, wenn ſie dem gu⸗
ten Rath, den man ihnen von Haltung guter Diaͤt immer gibt, nur ei⸗
niger maſſen folgen wollen. Der liebe GOtt wolle ihnen ihre Liebe, die
ſie ſo wol zum Waͤyſenhauſe und Kirche, als auch zu andern Duͤrſtigen
in der Gemeine in ihrem Teſtamente bewieſen, auch auf ihrem Krancken⸗
Bette vergelten, und an ihnen in Gnaden 99 aan 8 1
ben ſtehet.
ä Donnerſtag, den 5. Aug. |
Geſtern nachmittags bekam ich die balribte Nachricht, daß d. de ve
Paul Muͤllers Ehegenoſſin ehegeſtern ein unzeitig Kindlein zur Welt g
bohren, ſie ſelbſt aber geſtern unter ſehr vielen Schmertzen eng al
Sie hat bey 14 Tagen her ſehr harte Umſtaͤnde gehabt, darin auch a
moͤgliche Mittel von der Heb⸗Amme, der Rheinlaͤnderin, gebrauch
worden, es hat aber nichts fo, wie man gewuͤnſcht, anſchlagen wolle
Wer haͤtte es gemeynt, daß die beyden jungen Weiber, dieſe Muͤlle
und neulich die Ottin, welche beyde von Savannah herauf geholet, u und
faft zu einer Zeit copuliret worden, bald henden und zwar in
2020 „Dia | | 4
laufen ſeyn, wenn man ihn nicht durch etliche Männer in ein waſm
Bette bringen laſſen. | En Re
3 Sonnabend, den 7. Aun.
Es war mir recht fehr erfreulich, da mir mein lieber College die⸗
ſen Mittag erzehlte, daß der rechtſchaffene Klocker in ſeinem Haus⸗Creutz
und langwierigen Fieber⸗Kranckheit gantz getroſt iſt, und ſichs gar nicht
leid ſeyn läßt, daß er Teutſchland verlaſſen und in dieſe Einſamkeit ge⸗
zogen iſt. Eben dergleichen redlichen Sinn finde ich an dem Lechner und
feiner Frau, welche beyde zwar gar hart kranck, aber mit den Fuͤhrun⸗
gen GOttes ſehr wohl zufrieden find. Ich ſagte unter andern, daß
unter den Fruͤchten des Geiſtes Gal. 5. auch die Geduld erzehlet wird,
die man nicht uͤben, oder, daß fie vom Heil. Geiſt im Hertzen gemürdet
iſt, beweiſen kan, es lege denn GOtt der HErr Creutz und Truͤbſal auf.
Je groͤſſere Truͤbſal, und dabey Geduld und Gelaſſenheit in goͤttlichen
Willen, ie mehr Gnade; und iſt es ein gewiß Zeichen, daß ſolche ge⸗
duldige Creutz⸗Traͤger aus dem Natur: ins Gnaden⸗Reich in der Wie⸗
dergeburt uͤbergegangen ſind. Es heißt bey ihnen: Sat er es denn be⸗
ſchloſſen, ſo will ich unverdroſſen an mein Verhaͤngniß gehn c.
Es gehe wie es gehe, mein Vater in der Hohe weiß allen Sachen
Rath und That. | u
Die Mühle ift in drey Tagen von einigen Männern unter Anführ
rung des Zimmerman Koglers fo reparirt, daß fie ſchon ſeit Mittwoch
wieder in vollem Gang iſt. Die Arbeiter ſchienen bey meinem Antrage
vor neun Tagen lieber zu warten, bis das Waſſer im Fluß noch kleinen
wuͤrde, als ietzt ſich an die Reparatur zu laſſen: doch da ihnen die un⸗
gewißheit des zu hoffenden Waſſer⸗Fallens aus bisheriger Erfahrung
auf einer, und die Gefahr der Muͤhle auf der andern Seite vorgehalten
wurde, kamen ſie zum Schluß, noch vor acht Tagen einige Faſchinen
verfertigen zu laſſen, und haben den Montag darauf den Damm und den
Canal gruͤndlich ausgebeſſert. Da die Arbeit noch nicht vollendet war,
bekam ich die Nachricht, daß das Waſſer wieder anfinge ſtarck u
wachſen, und alſo ſey GOtt gelobet, der es wieder ſo weit hat kommen
laſſen, daß mit der Muͤhle der Gemeine und fremden deuten bey Tag und
Nacht gedienet werden kan. Das weiſſe Waitzen⸗Mehl iſt excefiv
theuer, und kommt uns die Mühle bey unſerm hie gepflantzten Waitzen
auch recht wohl zu ſtatten. Das Indianiſche Korn wird nun reif, daß
man ſchon einiges einſammlet und zum Mahlen fertig macht, welches
ſehr ſuͤß und ſchmackhaft iſt.
Sonn ⸗
er
Se Schr IE 2oðꝛr
—— —— k ꝓ[ mD]Uk' 7
8 Sonntag, den 8. Aug.
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7
her alle vierzehen Tage geſchehen. Ma
N 0 i . Anno
5 ‚hätte heute der öffentliche Gottesdienſt, wie hier in der Stadt, 747.
alſo auch auf den Plantationen gehalten werden ſollen, wie geraume Zeit Aug.
n hat aber zu dieſer heiſſen Som⸗
merszeit gemerckt, daß gar manche Leute in Steiners engen Hauſe ſehr
an der Andacht gehindert worden, und einige daher lieber in die Stadt
zum öffentlichen Gottes dienſt gekommen ſind. Wir ſind demnach
ſchluͤſſg worden, fo lange den Gottesdienſt alle Sonn⸗ und Feyertage
in der Stadt, wo wir eine bequeme, obwol nicht voͤllig ausgebauete
Kirche haben, coniunctim zu halten, bis die Zimmerleute und ihre Hel⸗
fer ſo viel Zeit und Kräfte bekommen,
welches ſchon im Fruͤhling haͤtte geſcheh
die Kirche drauſſen aufzurichten,
en ſollen, es hat aber andere Ar⸗
beiten, die guten theils keinen Aufſchub leiden wollen, auf den Planta⸗
tionen, bey der Mühle und in der Stadt gegeben, und alſo haben wir
warten muͤſſen; worzu der liebe GOtt, der alles fein zu feiner Zeit thut,
und dem wir nicht vor⸗ſondern nachgehen müffen, feine wichtige Urſache
haben wird. Vielleicht will er uns n
ach und nach erſt ſo viel Geld in
die Haͤnde fallen laſſen, daß wir dieſen Bau ohne Schulden ausfuͤhren
koͤnnen. Denn die lieben treuen Arbeiter, die ohne dem, wie ietzt bey der
Muͤhle geſchehen, manches umfonft und ohne Bezahlung thun muͤſſen,
brauchen einen ieden Pfennig bey ihren und der Ihrigen oftmaligen
Leibes⸗Schwachheiten, und zur Kleidung zu dieſer theuren Zeit ſehr
a
ene son: Montag, den
9. Aug.
N Rift mit feinem Weibe zu Ende der vorigen Woche zuN. auf feine
Plantage gezogen, um in feiner und ihrer Kranckheit beſſere Wartung
zu bekommen. Die N. war bey mir,
und begehrte, daß ich, ſo bald
moͤglich, zur N. kommen möchte: fie ſey ſehr ſchwach und begehre mit
mir zu reden. Ich fand ſie auf den Krancken⸗Bette, und weil das Fie⸗
ber voruͤber war, hatten ſich ihre Kraͤ
fte etwas geſammlet, welche ſie
zum Gebet und Entdeckung ihres Anliegens aufs beſte angewant und
darauf wieder gantz ſtille wurde.
Sie legte von ihrer Erfahrung der
Bouſſe und Rechtfertigung, desgleichen von ihrem hertzlichen Vorſatze,
von nun an mit Leib und Seele dem HErrn zu dienen, und ſich um des⸗
willen immer inniger in den HErrn JEſum hinein zu ſchmiegen und zu
glauben, ein ſolch ſchoͤnes ungezwungenes und freudiges Bekaͤntniß ab,
daß ich mich im Hertzen Darüber freuete.
Sie weiß es gewiß, daß ſie der
Sk
Derr ſchon viel, vielmahl erhoͤret hat, und fie trauer es ihm in CHriſto
75 ee 8
7 — dJ Br
Kan
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Anno
1742.
Aug.
In den letzten drey Tagen hat ſie viel Schmertzen gehabt, und um des⸗
wurde dieſen Morgen vor der Erbauungs⸗Stunde auf den Plantatio⸗
zeigte dem Held als einem Wein⸗Verſtaͤndigen meinen Wein⸗Garten,
Be; - Diarium. - + 1
u, er werde fie auch in Abſicht auf ihren Mann, der ihr durch fein rauhes 1
Weſen und Verſuͤndigungen noch viel Hertzeleid macht, erhoͤren, daß,
wenn ſie wieder aufkommen ſolte, ſie mit ihm einen chriſtlichen Eheſtangd
führen Eönte. | 2 5 i
—
na Dienftag „den 10. Aug. 9 |
Geſtern Nachmittag ift des Simon Riſers Weib geſtorben, und
nen begraben. Sie hat nicht nur von Teutſchland und der Reiſe her ein
gut Zeugniß eines ſtillen chriſtlichen Wandels mit gebracht, ſondern wir
Eönnen ihr auch an unſerm Ort alles Gute nachſagen. Sonderlich hat
ſie in ihrer ziemlich langwierigen Kranckheit ihr Suͤnden⸗Elend, und
was ſie vor GOtt damit verdienet, beſſer einſehen, vor GOtt in CHriſto
ſich demuͤthigen, und ſich in ſeine Wunden, als in die rechten Freyſtaͤtte
der armen Suͤnder, retiriren gelernet. Ich habe keine Klagen von ihr
gehoͤret, auch keine Sorgen wegen des irrdiſchen an ihr wahrgenommen.
willen geſeufzet und gewuͤnſchet, daß der HErr JEſus bald kommen
und fie auflöfen wolle, welches ihr von iemanden als Ungeduld aus
geleget worden. Das Gefuͤhl der Schmertzen, welches den Nothleiden?
den auch oft Klag⸗Worte auspreßt, iſt einem Glaͤubigen eben ſo wenig
als CHriſto zur Sünde zu machen, als welcher die Schmertzen der
Seelen und des Leibes auch bitter empfunden und Darüber geklaget hat. 3
Mittwoch, den u. Aug. Fr 2 N
Ich hoffe, es werde nach und nach dahin kommen, daß fich unfere
Einwohner aufs Duͤnge⸗ machen legen, da denn das ietzt verachtete
Foͤrl⸗Land recht gute und bequeme Plantagen geben würde. Haͤtte
{
nur das Waͤyſenhaus oder wir beyde einen oder zwey treue Knechte / und
einen kleinen Vorrath an Gelde, ſo wolten wir es (wie ſchon mehrmals 4
gedacht) zur Probe in dem Foͤrl⸗ oder Fichten⸗ Walde verſuchen, einen
Wein⸗oder andern Garten anzulegen, es würden hoffentlich andern
die Augen aufgehen, daß fie auch Luft zu ſolchem Lande bekaͤmen, wel-
ches zum ausreinigen und einzaͤunen faſt nur halbe Arbeit erfordert. Ich
der dadurch neue und recht groſſe Luſt bekam, ſich vornemlich bey der
Stadt aufs Wein ⸗pflantzen zu legen, da er den Vortheil fo gar deut⸗
lich ſieht. Eine Traube, die vor kurtzen gebluͤhet hat, hat ſchon Beeren
wie die maͤſſigen Kirſchen, und wird hoffentlich in Monaths⸗ Zeit vollig
reif. Ich zehle ietzt an allen Stoͤcken 32 junge Trauben, .
er⸗
ar
e *
1
N
*
Bi
jälber wegging, eroͤfnete fie mir ihren legten Wil⸗
Hees len de auch einen Theil nach ihrem Abſchiede aus der
Welt bekommen. Abſonderlich will fie ihrer ietzigen Wohlthäterin et-
ee
Freytag, den iz. Aug.
Vergehen mit Reue und Thraͤnen, und ich hoffe, er werde es nun mit
Haͤnden greifen, daß ſein Chriſtenthum bisher mehr in Worten als in
der Kraft beſtanden. Man hat viel Kummer daruͤber, wenn man
an den Leuten von einer Zeit zur andern arbeitet, und doch wenig
ausrichtet. Ich wurde eilig zu einem krancken Weibe auf den Planta⸗
tionen gerufen, und wurden ihre Leibes⸗Umſtaͤnde fo aͤngſtlich vorge⸗
tragen, daß ich alles ſtehen und liegen ließ, und zu ihr eilete. Der
Schwieger⸗Sohn kam mir vor dem Haufe entgegen und ſagte mir, daß
ſeine Schwieger⸗Mutter eine gewiſſe grobe Suͤnde ſehr ſchmertzlich in
ihrem Gewiſſen fühle, und habe fie ſich eher nicht zu frieden geben köͤn⸗
nen, bis ſie dieſelbe von ihren Hertzen weggebeichtet haͤtte. Sie haͤtte
es ſchon ſeit der Zeit, da Gott angefangen fie zur Buſſe zu bringen,
bekannt, wenn fie ſich nicht geſcheuet hätte. Und alſo machte er fie mir auf
ihr Begehren kund. Da ich zu ihr kam, fand ich an ihr alle Kennzeichen
einer wahrhaftigen und gnadenhungrigen Suͤnderin, bey der auch,
als bey einer lechzenden Seele der Troſt des Evangeli haftete. Die Er⸗
fahrung einiges Segens in meinem Amte richtete mein niedergeſchlagenes
und bekuͤmmertes Gemuͤthe wieder auf. .
„„ BI 3 Sonn⸗
N
2024 Diarium.
Sonnabend, den 14. Aug. „
Dieſen Vormittag iſt die Schwartzwaͤlderin in Alt⸗EbenEzer, und
ein vierjaͤhriges einiges Soͤhnlein nachmittags auf dem Kirch⸗Hofe der
Plantationen begraben worden. Es fiel vor dem Begraͤbniß ein hefti⸗
ger Regen ein, da ich inzwiſchen mit den Leich⸗Begleitern in Beimber⸗
gers Wohnung etwas aus dem Neuen Teſtament und Geſang⸗Buch ge⸗
leſen und gebetet habe. N. war niedergeſchlagen, weil ihm einige Leute
die Schuld des fruͤhzeitigen Todes des Kindes beymeſſen. Er hat es
zwar neulich bekannt, daß er einmal dem Kinde zu ſcharf geweſen, er
perſicherte mich aber auch heute vor der Verſammlung, daß er ſich ſeit
dem aller Schärfe enthalten, und an dem Kinde zur Befoͤrderung ſeiner
Geſundheit alles mogliche gethan habe. Sein Weib und die N. koͤnne
ihm nebſt ſeinem Gewiſſen hierin das beſte Zeugniß geben. Ich ſagte
ihm, daß er ſich vor Menſchen leicht rechtfertigen koͤnne, aber einen all-
wiſſenden Richter über fich hätte, vor dem er ſich wohl prüfen und de⸗
muͤtigen ſolle, ſo werde er ihm um ſeines Verdienſtes willen vergeben,
wo er an dem Kinde etwas Boͤſes gethan, oder das Gute ihm zu erwei⸗
fen verſaͤumet haͤtte. Inzwiſchen fen es Unrecht, wenn ihm die Leute
durch ungegruͤndete Urtheile zu viel thun, und muͤſſe er glauben, daß er
dis und ein mehrers ſonſt an dem Kinde und auf andere Weiſe verdienet
hätte Priuatim fagte ich ihm, daß ſich in feinem kurtzen Eheftande
ſchon mancherley betruͤbte Dinge zugetragen haͤtten: daher ich ſorge,
er habe feinen Eheſtand nicht mit Gebet und in der Furcht Gottes ange⸗ 1
fangen, weshalb ich ihn zur wahren Buſſe ermahnet haben wolte, wie⸗
drigenfalls ſey noch mehr Uebel zurück; hingegen die Gottſeligkeit ſey
zu allen Dingen nuͤtze Er begehrte, daß ich ihn oft beſuche, ihm
und feinem Weibe nöthige Lectiones zu geben, welches auch wol kuͤnftig
beſſer wird geſchehen koͤnnen, weil er entſchloſſen iſt, entweder in die
Stadt, oder auf N. Plantage zu ziehen. ee
Des N. Sache und die Verföhnung mit iemanden von den Plan⸗
tationen, desgleichen mit N. und N. ift fo glücklich von ſtatten gegangen,
daß ich darüber ſehr aufgerichtet worden. Auch gegen R.und den alten
N. hat er wieder ein verſoͤhnliches und aufgeklaͤrtes Gemuͤth. Ich gehe
ietzt damit um, meine ihm gethane Vorſchlaͤge, die er approbiret, zu
Werck zu richten, daß er einmal in leibliche gute Ordnung in der Woh⸗
nung, Viehzucht und Arbeit, und vielleicht auch im Eheſtande komme.
Gott wolle uns auch hierin feinen Segen ſpuͤren laſſen, koͤnnen wir doch
im Namen JEſu EHrifti alles von ihm erbitten. = a Br
Rn Ns
daß
gat
N
h es wieder weg geweſen.
er auch angefangen zu folgen
7
RN Diarium. 1
aͤcklein braͤchte, als wenn er ſich redlich dem HErrn IJEſu ergebe.
Nr
2025
Ich
2026 5
+2
Anno Ich ermahnete ihn, doch nun zu folgen, da er auch ietzt noch nicht wüßte, 7
1742. wie er mit GOtt dran ſey, und ſolte alſo auf ſolche Weiſe ſolchen lieben
Aug. Freunden ietzt eine Freude machen, ja noch mehr dem HErrn JEſu
ſelbſt, der auch ſeinen letzten Blutstropfen fuͤr ihn vergoſſen. Sein
alter Adam moͤchte noch fo maͤchtig ſeyn, der Sohn Gottes ſey doch
noch mächtiger, ihn von allem recht frey zu machen. Joh. 8,33.
Mittwoch, den 18. Aug.
| Dieſen Morgen bracht der Schlöffer Lechner die Nachricht, daß
der HErr JEſus fein Weib in der vergangenen Nacht von dieſer Welt
abgefordert hätte. Ich war noch geſtern bey ihr. Ich betete mit ihr:
ſie wolte die Worte ſelbſt gerne nachſprechen, es wurde ihr aber zu
ſauer. Des Abends hat ſie wieder angefangen laut zu rufen, einmal
nach dem andern: Mein IEſu, mein JEſu komm ꝛc. wie fie es in den
vorhergehenden Nacht auch ſchon gemacht hat, und das hat eine lange
Zeit in die Nacht hinein gewaͤhret, bis ſie endlich ſtille worden und ge⸗
gen Morgen verſchieden iſt. Bey dem Begraͤbniß erklaͤrte die Worte
des Apoſtels Pauli 2 Tim. 4,17. Der SErr wird mich erlöfen von
allem Uebel, und mir aushelfen zu ſeinem himmliſchen Reich,
welchem ſey Ehre von Ewigkeit zu Ewigeit, Amen! Ich fuͤhrte
bey dieſer Gelegenheit an, was ſie mir in ihren geſunden Tagen erzehlet
hat: nemlich fie habe den lieben GOtt hertzlich angeflehet, er möchte ihr
doch auch ihre Suͤnden vergeben, und ſie ſeiner Gnade verſichern, und
dis einfältige Gebet habe GOtt erhoͤret, und ihr die Bitte gegeben,
darum ſie gebeten. Als ſie der liebe GOtt hernach auf das Krancken⸗
Bette geleget, ſo habe man keine Ungeduld an ihr wahrgenommen,
auch nicht gemercket, daß es ihr leid fen, nach Eben Ezer gegangen zu
ſeyn. Sie hat nichts gewuͤnſchet, als bald bey ihrem JEſu zu ſeyn,
damit ſie aus dem Brunnen des lebendigen Waſſers erquickt wuͤrde.
Dis ſey in der vergangenen Nacht geſchehen, da denn die Worte des
Apoſtels Pauli auch an ihr ſeyn in die Erfuͤllung gegangen.
5 85 Donnerſtag, den 19. Aug. a 4
Gegen Abend gelangete ich GOtt Lob! in EbenEzer wieder an,
und habe den Beyſtand GOttes auf dieſer ziemlich beſchwerlichen Reiſe
hoch zu preiſen. Die Hitze iſt auſſerordentlich groß bey Tag und Nacht,
daß auch die Ruderer auf der Herunter-Reiſe unterweges kranck wur⸗
den. So bald wir in Savannah ankamen, machte ich zu ihrer noth⸗
duͤrftigen Verſorgung und Erquickung Anſtalt, und nachdem fie aus⸗
geruhet hatten, ſchenckte ihnen der liebe GOtt nach und nach die Kraͤfte
| | mies
—
1742.
Aug.
Aug.
2028 SR Diarium. e
Anno nannte Bownty zu zahlen. Und alfo iſts eine beſondere Güte GOttes⸗
1742. daß die Herren Truftees in dieſen Umftänden die gedachte Summe für
mein Haus und den Kogler accordiret haben. Er fey fürdiefe und alle
andere Gaben demuͤthig gelobet. Er laſſe mich und uns alle hierbey an
unſern letzten Eingangs⸗Spruch ernſtlich gedencken: Verachteſt du
den Reichthum feiner Güte, Geduld und Langmuͤthigkeit? Wei
ſeſt du nicht, daß dich GOttes Gute zur Buſſe leitet? In der er⸗
ſten Betſtunde in Savannah ſagte ich den verſammleten Teutſchen geu⸗
ten ihre Pflicht aus dem Spruͤchlein: Gpfere GOtt Danck und be⸗
zahle dem Hoͤchſten deine Geluͤbde. Sie wurden hierbey der gnaͤdi⸗
gen Errettung GOttes aus der Hand der Feinde, und was mit derſel
ben ſonſt Gutes verknuͤpft iſt, umſtaͤndlich erinnert, die Billigkeit der
Forderung Gottes in dem angefuͤhrten Spruͤchlein zu erkennen; dern
Nutzen iſt doch unſer. Denn wer Danck opfert, der preiſet GOtt,
und das iſt der Weg, daß er ihm zeige fein Heyl. Ich haͤtte gern
in der folgenden Betſtunde das darauf folgende Spruͤchlein: Rufe
mich an in der Noth ꝛc. hinzu gethan, wurde aber theils durch Ge⸗
ſchaͤfte, theils durch Mangel der Kräfte daran gehindert. Die Uebung
dieſes Gnaden⸗Befehls GOttes folte fie die gegenwaͤrtige Noth in Sa⸗ 1
vannah lehren, denn die meiften Leute find ſehr kranck und verſchiedene
geſtorben, darunter auch der Engliſche Prediger Mr. Orton iſt. c °
find auch keine Lebens⸗Mittel vorhanden, darüber die Armen ſehr viel
leiden muͤſſen. Mr. Jones ſchickte ein groß Boot nach Charles⸗ Town,
Lebens⸗Mittel für die Armen und Krancken zu holen. Man ſieht dar⸗
aus, daß Gott nicht nur mit Krieg, ſondern auch auf viele andere
Weiſe ein Land, deſſen Einwohner ungehorſam find, nachdruͤcklich heim⸗
ſuchen kan. O daß wir ihm im Namen CHriſto zu Fuſſe fallen, und
durch wahre Buſſe noch gröffere Gerichte abwenden moͤchten!
Den Dienſtag morgens wurde ich aufs Waͤyſenhaus bey Sa⸗
pannah geholet, dort einen chriftlichen Capitain mit einer Jungfer, wel⸗⸗
che im Waͤyſenhauſe erzogen ift, zu copuliren, darauf ich nachmittags
wieder nach Savannah zurück reiſete, Darüber aber, weil der Weg weit,
und die Hitze groß iſt, ſehr abgemattet wurde, daß ich auch abends de⸗
nen ſich verſammleten Teutſchen Leuten die Ermahnung⸗ und Betſtunde
nicht halten konte. Der wohlthaͤtige Mr. Jones offerirte mir zu meiner
Erquickung, was nur in feinem Vermoͤgen war. Er hat ſelbſt eine ge⸗
fährlich krancke Frau im Haufe. Er zeigte mir einen Brief, darin ihm
die Herren Trultöes in ſehr freundlichen terminis fehreiben, daß er 805 4
41 1.
FEN | Diarium et,
N ce ene deen entlaſſen ſeyn fol. Er Er gedencket Annö
hier und dem Frühling nach London zu gehen, und nachdem 1742.
Be des Herrn Gen Ogiethorys ihnen den ftarum dieſer Aug.
und Vorſchlaͤge zur Verbeſſerung derſelben vorgeſtellet, wie⸗
eher zu kommen. Er iſt Vorhabens, ſich eine Chalouppe zuzule⸗ 4
n, und von Penſylvanien wohlfeile Guͤter in dis Land zu bringen. N
N Die Vorgeſetzten des Waͤyſenhauſes ſind mit ihren Kindern und Haus⸗
genoſſe Bene Caroline wieder zurück gekommen, muͤſſen ſich aber in
€ Trincken niemlich genau behelfen, weil es ihnen an Succurs
18 Europ fehlen mag. Sie haben in langer 55 keine Briefe von
Herrn Wl itefield bekommen, und vermuthen daher, daß fie entweder
verloren oder aufgefangen ſeyn. Wir haben die Vorſorge GOttes
uns auch darin zu preiſen, daß, „ föviel uns wiſſend, bisher noch
keine an uns gerichtete Briefe oder Sachen ſind verloren gegangen.
Auch genieſſen unſere Kinder und Leute im Waͤyſenhauſe ſolche Vorzuͤge,
5 a e und wir dem guͤtigen GOtt dafür zu dancken, und für unfere
theure Wohlthaͤter, welche uns auch dismal ein anſehnliches zur Fort⸗
ſetzung unferer kleinen Wittwen⸗ und Waͤyſen⸗ Anſtalt zuflieſſen laſſen, 5
batch zu beten hohe Urſache haben. Wir N uns 9 5
mitei teinander zu beydem oͤffentlich zu erwecken. Hr
WE Freytag, den 20. Aug.
233 Alle ietzt empfangene Briefe, ob ihrer gleich bene ſind, faſſen |
b Materie zur Erbauung und Lobe GOttes in ſich, und ich freue mich
= A den erfreulichen und erbaulichen Inhalt derſelben meinen
Zuhoͤrern in der Stadt und auf den Plantationen bekant und zu Nutze zu
machen, welches der ba ede dee immer mit mercklichem Segnbe 5
gleitet hat. In dieſer Woche habe erſt in den Bet⸗ und Erbauungs⸗ SE
Stunden die legten Worte Davids aus 2 Sam. 23. welche wir vor mei⸗ |
ner Reife zu betrachten angefangen haben, völlig durchzugehen; als EDER
re Grund» Tert gantz deutlich von CHriſto, von dem alla
Propheten, alſo auch David, gezeuget haben, handeln, und uns den⸗
aber als den Fels Iſraels, den Herrſcher unter den Menſchen, den
Gerechten, den Herrſcher in der Furcht GOttes, als den Aufgang aus
ir Höhe und den milden Regen zur geiftlichen Fruchtbarkeit des Neuen
Teſtaments aufs lieblichſte vorſtellen. Es duͤncket mich, daß wennn
man wiſen will, was Unglaͤubige vor unfelige, „ hingegen Glaͤubige vor
5 ſelige Leute ſind, man nur ihre Namen, die ihnen in heiliger Schrift
mit Recht * e 8 Stille betrachten duͤrffe.
IR > | 0 ser
N
* 1
2030 DVC —
Anno Alſo, wenn wir wiſſen wollen, wie viel Gutes wir an CHriſto haben,
1742. mögen wir nur im Geiſt dieſe und andere herrliche Namen, welche ihm
Aug. ſo häufig im Alten und Neuen Teſtament beygeleget werden, erwegen.
Allles für arme bußfertige Suͤnder: und alſo iſts, wie der theure Here
N. in ſeinem ſehr erwecklichen Briefe ſchreibet, „recht unvernuͤnftig und
„graufan gegen ſich ſelbſt gehandelt, wenn man durch Betrug einigen
„im Hertzen beliebten Sünde ſich von dieſer groſſen Seligkeit in CHriſto
„abhalten laͤſt. ,, Unſer letztlich eingeſandtes Diarium und darin au ⸗
gezeichnete beſondere deutliche Spuren von der über uns waltenden
Vorſorge Gottes in dieſer gefaͤhrlichen Krieges⸗Zeit werden es deut⸗
lich zeigen, daß der liebe GOtt den hertzlichen Wunſch des werthen Herrn
Sen. Urlſperger, den er mit den Worten des 20. Pſalms v. 12 uͤber ſei⸗
nen angenehmen Brief geſetzt hat, reichlich an uns erfuͤllet hat: „Derr
Err erhoͤre dich in der Noth, der Name des GOttes Jacobs
yſchuͤtze dich. Er fende dir Huͤlfe vom Seiligthum und ſtaͤrcke
„dich aus Zion. „, Auch aus feinem Zion in dem lieben Teutſchland,
wo wir ſo viele Fuͤrbitter haben, iſt uns viel Huͤlfe und Staͤrcke wieder⸗
fahren, wie ich mich denn in der damaligen Noth der Fuͤrbitte der Glaͤu ?
bigen, die unſer Eben Ezer auf ihren Hertzen tragen, oft erinnert und
mich draus geſtaͤrckt habe. Und iſt mir daher aufs neue eindruͤcklich,
was ich in dem Extract der Vorrede zur sten Continuation geleſen, da
ein unbekanter 70 jähriger ſehr lieber Gönner bey der eingeſandten Gabe
ſchreibt: „Ich gedencke Ihrer (der Hirten und Schafe in Eben Ezer) in
„meinem armen Gebet täglich vor GOtt, welches viel hundert thun,
„daß GOtt das Gute immerdar vermehren wolle. Gott ſpreche ſelbſt
„hierzu fein gnaͤdiges Amen. Hallelujah, Ein anderer werther Freund
laͤſt dieſe Worte einflieſſen: „Die Saltzburgiſche liebe Hirten und
„Heerde in EbenEzer liegen mir nach der betruͤbten Zeitung⸗⸗⸗ immer
„im Sinn. GOtt wird ſie hoffentlich nicht zum Raube der grimmigen
„Loͤwen gegeben haben, welchenfalls aber fie als Märtyrer anzuſehen
„wären. Ach der Herr ſchuͤtze und bedecke fie, wenn fie anders noch
„wallen in der Wuͤſten.,, „Der ehemalige Wohlthaͤter Herr N. ſendet
„beygeſchloſſenes vor Eben Ezer unter hertzlichen Seufzen vor ihre Erhal⸗⸗
„tung und Sieg über geiſtliche und leibliche Feinde., Werden dieſe und
andere Goͤnner unſers Haͤufleins erfahren, wie deutlich und herrlich der f
liebe GOtt ihr Wuͤnſchen, Seufjen und Flehen erhörer hat, fo wird ſie
auch das ſehr im Glauben ſtaͤrcken, und ſie ermuntern, auch in ihren
eigenen Noth und Gefahr alles vom HErrn zu bitten und zu * N
Ak Dee
Rn: Diarium. Be...
Der liebe Herr Senior druͤckt wegen des aten Transports das Verlan⸗ Anno
. 8 Hertzens fo aus: „O wie verlanget uns nach der fröhlichen 1742.
5 dt: Der gte Transport iſt mit allen Gütern wohl in Eben Ezer 8
RR nget. , Ein anderer hertzlich geſinneter unbekanter Wohlthäter
ſchreibt unter dem sten Decembr.it.n. „Der oberſte Befehlshaber übers
»Meer bringe nun den aten Transport unverletzt auf den Wellen deſſel⸗
„ben fort an feinen Ruhe⸗Platz., Welches auch GOtt Lob! wie die ein⸗
5 ge i
.
3
nach dem neuen ſtylo den Iten Dec. geſchehen iſt. Von unfrer
5 Mehl⸗ Mühle ſchreibt der Herr Senior kuͤrtzlich ſo: „Die Pruͤfnng des
»Muͤhl⸗Baues war groß. Der Herr wird inzwiſchen den Schaden
A geheilet haben.. Auch dieſe Wohlthat iſt uns nicht lange nach der An⸗
kunft des Aten Transports wiederfahren, und fie iſt ietzt in einem ſol⸗
chen Stande, daß wir ſie wol billig, wie der werthe Herr N. urtheilet,
bor ein irdiſch Kleinod unſrer Gemeine zu achten haben. Ob gleich
das Waſſer im Fluß ſehr gefallen iſt, fo wird doch Tag und Nacht mun⸗
n und boͤnnen die Leute ietzt ſchon ihr neues Korn in der
ke
ter
Guͤte GOttes ſüſſiglich genieſſen, da es ihnen vorher ohne Muͤhle kaum
halb zu Nutze kam. Das heiſt wol mit Recht: Groß ſind die Wercke
des SErrn, wer ihrer achtet (und fie in der geiſtlichen Symmetrie
recht zuſammen nimmt) der hat eitel Luft daran. Ach der HErr
laſſe alle hertzliche Wuͤnſche, welche über EbenEzer und deſſen unwuͤr⸗
dige Hirten und Heerde in Briefen und bey Einſendung der Liebes⸗Ga⸗
ben uͤberſchrieben worden, reichlich an uns in die Erfüllung gehen! ja
er laſſe fie und ihre Liebes⸗Gaben zu einer folchen lieblichen Saat wer⸗
den, wovon fie noch einmal auf ihrem Siech- Bette und in der Aufer⸗
ſtehung der Gerechten eine geſegnete Freuden⸗Ernte haben moͤgen! Denn
der Glaͤubigen gute Wercke, darzu auch ihre Fuͤrbitten und Conſilia
gehoͤren, folgen ihnen nach als unzweifelhafte Atteſtata ihres ungefaͤrb⸗
ten Glaubens. Uns aber verleihe der gnaͤdige GOtt viele Weisheit,
alle die Liebes- Gaben, welche fürs Waͤyſenhaus, zum Kirchen Bau,
in die Armen⸗Caſſe und meinem Haufe, und zu unſrer beyder Erqui⸗
ckung dis mal uͤberſchicket worden, nach der freundlichen Abſicht der
theuren Wohlthaͤter anzuwenden Wir haben ietzt an Geſunden und
Krancken verſchiedene Obiecta mifericordie, denen einige Beyſteuer
aus der Armen⸗Buͤchſe Noth thut. Die Leute vom aten Transport
Find lange kranck gelegen, und haben ihr Korn im Graſe muͤſſen verwil⸗
dern oder vom Ungeziefer freſſen laſſen Em derlich da ſie des Nachts nicht
719 * ” „ | Br! 9 | S
3 & haben
*
ickten Nachrichten werden gegeben haben, acht Tage drauf, nem⸗
Anno
1742.
Aug.
\ — — 4
2032 Diarium.
einen
haben wachen koͤnnen, und die Gefunden haben e men f
der Krancken und mit Bewachung ihres eigenen Zuwachſes im Felde u
thun. Kranwetter weinete heute daruͤber, daß die Baͤren ſein ſchoͤn
Korn, welches bey 60 Buͤſchel ausmacht, verzehret, ehe es noch recht 4
reif iſt. Die wenigen Leute am Eben Ezer⸗Fluß haben nicht Zeit gehabt,
um ihre Felder einen Zaun zu machen, daher ihnen die Saͤue und an⸗
ders Vieh viel Schaden thun. Herr Meyer iſt noch kranck und kan den 4
Patienten wenig dienen, er hat ſeine eigene und alſo keine geſchenckte 4
Artzeneyen, die ihm mit der Mühe billig muͤſſen bezahlet werden: doch 4
ift er ſelbſt ſehr billig, und feine Liebe zu den Leuten wuͤrcket wieder
Liebe. we f
Sonnabend, den 2r. Aug.
Die fel. Lechnerin hat auf ihrem Sterbe⸗Bette die Verordnung
gemacht, daß ihr Maͤgdlein Eliſabeth das groͤſte Bette, alle ihre Klei
der und weiß Zeug nach ihrem Tode erben ſoll: der Mann aber, dern
mit ihr chriſtlich und verträglich gelebt hat, folte das kleine Bette, und
auſſer ſeiner eigenen Kleidung noch einige ſpecificirte Stuͤcke haben, wo⸗
mit er auch, da er gar arm zu ihr gekommen, ſehr wohl zufrieden iſt.
In meinem und des Kalchers Beyſeyn wurden die Sachen dieſen Vor⸗
mittag auseinander getheilt, und wurde auch dem Maͤgdlein die Helfte
des Geldes, das vorhanden war, gegeben. Sie wird ins Waͤyſen⸗ g
haus genommen, und es ſoll dahin geſehen werden, daß ihr heckiſch 4
ſcheinendes Fieber curiret werde. Dadurch geſchicht auch dem Lechner
als Stiefvater eine groſſe Erleichterung, weil er ſelbſt täglich das Fie⸗ 4
ber hat. Das Maͤgdlein hat von ihrer Mutter verſchiedene mwüllene
Kleider, welche zu ihrem Beſten verkauft werden ſollen, ehe ſie die Mot⸗ 4
ten freſſen. Die fel. Frau ift auf ihrem Krancken⸗Lager viele Wochen
gleichſam zur Maͤrtyrin geworden, und hat ſich, nachdem ſie dem HErrn
J Eſu vorher in gefunden Tagen ihr Hertz ergeben hatte, alle feine Wege 5
wohlgefallen laſſen, und iſt im Frieden gefahren. Sie erzehlte mir
einsmals, daß ſie an unſerm Himmelfahrts⸗Feſte auch geſegnete Him⸗
melfahrt im Geiſt gehalten, und ſey ihr an demſelben ſo wohl zu Muthe
worden, als nie in ihrem Leben. Sie zeigte mir das Oertgen, wo fie
hingekniet, und alle ihr Suͤnden⸗Elend dem HEren JEſu bekannt hätte.
Worte und Thraͤnen wären gar leicht gefloſſen, und fie hätte damals u
eine ſchoͤne Verſicherung der gnädigen Vergebung ihrer Sünden erfahs
ren. So oft wir zu ihr gekommen, find wir ihr mit dem Evangelio
recht wilkommen geweſen, und ſie bewieſe ſich immer begierig nach der
ver⸗
2 . + [ 5 1 2 1
REN u er ne u a ia =
pr go x Pr 1
7 z 2
Diarium 2033
w er in dein Lebens Lauf des ſeligen und mir fo theuren A
dat. Freylinghauſen zu finden: Er habe nemlich am Himmel⸗
Tage den fligen Mann über Eph. 4. voce quaſi tonitruante ſa⸗
ene e dates ge Ha konte, der nicht erſt
; 3;
E. 8 85 un 32
N ee „ den a 22. 4 909 ve
12 ß N. d in ei leer Kranehelr eher in ehe derpſege wor⸗
wa mit der Koſt und Aufwartung nicht recht zufrieden, und wolte
a init feinem Söhngen ſich bis auf die Plantationen zu dem Schuh⸗
\ ai
22
| * ed r beſonnen, und war im im Waͤyſenhauſe geblieben, und nun
t es wohl, daß er ſich in diele Unruhe und Ungelegenheit wurde ges
8 fetzt haben, wenn er dort hinaus gezogen waͤre. Es iſt hier kein Wirths ⸗
ſondern ein Waͤyſenhaus, unda fo muͤſſen die deute mit dem, was GOtt
das f vertragen koͤnnen; haben ſie Appetit, ſo koͤnnen ſie auch von der
ordentlichen wohlzubereiteten Koſt ihre Portion bekommen. ey dem
macher Ade removiren. Ich ließ ihm feinen Willen, er hat ſich aber
vern deer Taufe Dil, als die ietzt g rn Adden. An dieſem A
ö d mir die orte des ſel. Abr Breithaupts aufs neue ein⸗ 5
Aug.
ter mich um Verzeihung, daß er ſich ſo uͤbereilet Hätte. Denn er
eſcheret, vorlieb nehmen. Denen Patienten wird ſo etwas gekocht,
. des Nachmittags⸗Gottes dienſtes erhub fich ein groß Ungewitter,
und war der Wind bey dem Regen auſſerordentlich ſtarck. GOtt ließ
doch alles ohne Schaden abgehen, und wir erkannten die groſſe Maje⸗
ſtaͤt und Gewalt GOttes, der alles wenn er wolte, „ in einen FRE
et werffen koͤnte. 11 8
Montag, } den: 23. Aug.
Bar Mein lieber Colege iſ dieſen Nachmittag heraus gelt, de Fran 8
cken N. aus GOttes Wort zuzureden, daß ſie ſich auf die ſelige Ewigkeit
ra Buſſe und Glauben zubereite. Es wird des Reiſens auf die Plan⸗
s tationen wegen unſers Amtes ie länger ie mehr, und weil unfer dazu ger
brauchtes Pferd alt und ſteif wird, da es fo oft von mir und ihm (darzu
auch der Medieus und andere kommen) gebraucht wird; ſo ſehen wir es
25 eine göttliche Schickung an, daß wir durch cui h
2034 5 Diarium.
— u
einiger werthen Wohlthäter unter den ietzigen Gaben einiges Geld zu un
ſrer eigenen Difpofition bekommen, wovon wir uns ein gutes ſtarckes
Pferd werden anſchaffen koͤnnen. Ein freundlicher und unbekannter 2
Gönner hat zu einer Hüfte, welche auf unſrer Plantation gebauet wer⸗
den ſolte, einen Max dor geſchenckt, welchen wir nun auch gedencken zu 1
einem ſolchen ſehr noͤthigen Reit⸗Pferde, das wol 10 bis u Pfund Sterl.
koſtet, anzuwenden, nachdem unfer treuer Nachbar und Deconomus,
Peter Gruber juſt uͤber dem Bau ſelig geſtorben iſt. Es wird dm
Wohlthaͤter hiemit ohne Zweifel Ein Ding ſeyn, ob uns ſeine Gabe auf
jene oder dieſe Weiſe zu Nutze kommt. Der Herr ſey ein reicher Ber:
f gelter fuͤr alles! Wir gingen gerne nach der Weiſe der lieben Apoſtel in
unſern Amts⸗Geſchaͤften nach den Plantationen zu Fuſſe, wenn wir,
wie ſie, uns eine Zeitlang hintereinander dort aufhalten koͤnten. Weil
wir aber ledem negotiorum, die Schule und Betſtunden in der Stadt
haben, fo koͤnnen wir kaum länger als einen halben Tag iedesmal von
Hauſe entfernet enn. „ e 3
| Granewetter hat unter feinem langwierigen Fieber ein ſehr böfes
Bein bekommen, welches ihm nun aufgebrochen iſt. Er iſt mit ziemli⸗
cher Beſchwerde dieſen Morgen auf einem Pferde von den Plantationen
herein gebracht, damit er von Herrn Meyern, der ſelbſt noch ſehr ſchwach
iſt, täglich verbunden werden koͤnne. Er hat alle mögliche Verpflegung
im Waͤyſenhauſe, und Kalcher iſt mit ſeiner Frau gantz unermuͤdet, ihn
und andern im geiſtlichen und leiblichen Umſtaͤnden recht nuͤtzlich zu ſeyn.
Der ſel. Lechnerin Toͤchterlein iſt heute auch unter die Waͤyſen⸗Kinder
aufgenommen, welche der Aufſicht und Pflege in ihrer ietzigen Leibes⸗
Schwachheit beſonders nöthig hat. Der liebe Gott vergelte es allen
Wohlthaͤtern des Waͤyſenhauſes, was ſie auch dismal zur Erhalt⸗ und
Fortſetzung durch die Hände feiner theuren Werckzeuge an Gelde herge⸗
ſchickt haben. Sie haben uns nun in den Stand geſetzt, daß wir alle
Schulden des Waͤyſenhauſes bis auf den letzten Heller bezahlen koͤnnen,
und bleibt noch ein gut Theil zur Fünftigen Haushaltung übrig. Und
alſo wuͤrckt der HErr JEſus auch unter uns, daß es heiſſt: Sie wur⸗
den ſatt und huben auf was übrig blieb, auf Fünftige Nothdurſt
Matth. 15,37. Der Raum des Waͤyſenhauſes, welches nach Be⸗
ſchaffenheit der vorkommenden Umſtaͤnde zu allerley gebraucht wird,
wird ziemlich enge; will es der liebe GOtt erweitert haben, ſo wird er
uns leicht Mittel und Wege zeigen. Jetzt koͤnnen wir aus Mangel der
Zimmerleute ohnedem daran nicht gedencken. Denn wenn ſie mit des
Herrn
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uf dem Bau⸗Platz lieget. In die Armen⸗Buͤchſe hat GOTT
4 er ietzigen Noth in der Gemeine fehr wohl zu e kinn. 1 ſey
1 uͤberſchwaͤngliche Gnade! |
Dienſtag, „den 24. Aug.
5 er eg . d d 1925 85 darin zune gene
33 S 1 5 |
ekommt Bun, 1 was er 8 „ Baia: auen ee a und
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€ 50 hi, er in immer weiter. ie 8 ah
e ien „undi im Namen unſers GOttes werfen wir Panier auf.
Mittwoch, den 25. Au
5 ug.
Ich zahlte dem Steiner fuͤr fein Schulhalten auf den Plantationen 1
1 er Sterl., weil es ietzt bald jährig iſt, daß er die Schule angefangen.
Er hat zwar wenig Kinder, „ bemeifet aber bey ihnen groſſen Fleiß und
Treue, und iſt dieſer geringen Beſoldung und noch mehr wohl werth.
Er war ſehr wohl damit zufrieden, und empfing das Geld mit er |
„ keit.
Donnerſtag, den 26. Aug.
x Geſtern Abend war ein expreſſer Officier, Mr. Watkins vom 1
em Oglethorpen nach unfern Plantationen zu Waſſer gekommen, und
dieſen Morgen brachte ihn Pichler zu Pferde zu mir. Er hatte einen
Brief von Mr. Jones an mich bey ſich, darin von mir begehret wurde,
=
Americ. XI. e
nal auch einen ſchoͤnen leiblichen Segen geſchuͤttet, der uns zur Zeit
7 die fen Herrn in Eil zu Pferde 3 Alt⸗ 1 bringen zu laſſen, von
dan⸗
jigera d enf Früher gördipem Deyſtand Anno
1 der Stadt vollig aus, vollenden die Bruͤcke, und verſuchen 1742.
Kirche auf den Plantationen aufzusetzen, dazu das Holtzwerck Au
ug
| er _ ee in 22
er
Bien vom debe San Da 5
oc
13 Ene, See aui zu unſicher iſt. e
fficier weder eſſen 5. trincken i in meinem en fondern eilete
Fuß und cle eien bey Fr: . M die e darein z mes ‚
denn der Sieg iſt ihnen ihrer Meynung nach ſchon gewiß geweſen, und ſie
haben die Einwohner dieſer Colonie lebendig greifen wollen. Auch hier
hat es geheiſſen: Beſchlieſſet einen Rath, und es werde nichts dar⸗
— .
aus: Beredet euch, und es beſtehe nicht, denn hier iſt Immanuel.
Wir haben unſer Danck⸗Feſt dieſer notablen Errettung wegen ſchon am
23ſten Julii oͤffentlich an unſerm Orte gefeyert; es iſt mir aber recht ſehr
lieb, daß mir in der Chriſtlichen Ordre des Herrn Gen. Oglethorpe des⸗
wegen ſo ſchoͤne fpecialia zu Geſichte gekommen find; denn ich will ſie
mir, wo mich der liebe GOtt am Leibe ſtaͤrcket, kommenden Sonntag
aufs neue mit der Gemeine recht zu Nutze machen, und es ſoll unter uns
vor Freuden thoͤnen: Jauchzet dem SErrn alle Welt, dienet dem
SErrn mit Freuden, kommet vor fein Angeſicht mit Frohlocken,
erkennet, daß der HErr Gott iſt. Er hat uns gemacht, und
nicht wir ſelbſt, zu ſeinem Volck und zu Schafen ſeiner Weide.
Gehet zu ſeinen Thoren ein mit Dancken, zu ſeinen Vorhoͤfen mit
Loben. Dancket ihm, lobet ſeinen Namen. Denn der SErr iſt
freundlich „und ſeine Gnade waͤhret ewig, und ſeine Wahrheit
für und für. Pſalm 100. gantz, item 124.
Mr. Jones erzehlte neulich, daß die Leute und Soldaten i in Frideri⸗ f
ca an dem Sonntage, da das Danck⸗ Feſt gehalten worden, eine ſolche
Stille und gute Ordnnng beobachtet haben, als er noch nie in Friderica
geſehen hat. Es ift auch ein ſehr erbaulich Dank Gebet verlefen worden,
von welchem Mr. Jones, der ein guter Kenner von erbaulichen Dingen
iſt, ſehr fein urtheilete, und dafür hielt, daß es von dem Herrn Gen. Ogle⸗
thorpe ſelbſt verfertiget und aufgeſetzet ſey, De es ſtzur Zett! weder Pre⸗ 8
diger noch Schulmeiſter in Friderica.
Frey⸗
4 22
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RR Ft cehtag, den 27. ug. Anno
EM ein lee SR hat, wie geftern und ae die Wethm den 174%
der Stadt, alſo auch die Erbauungs⸗Stunde auf den 4 an Aug.
ei N Statt halten mü n, weil 8 5 Unpaͤßlichkeit dieſe Tage her
abgenommen. Ich mercke eben kein Fieber; bin auch bey
ichen Gem ee Kräften; empfinde aber im Unterleibe viel anhal⸗
Schn gen „d een geoffen Obſtruction und Flatulentz herruͤh⸗
hd haben weder durch ein Cly ir noch andere Medicamente bisher
nnen. < ch muß mich in den Willen GOt⸗
in er haͤlt ſeine he & moras. Ich vernehme, daß die
Nachricht sten aus N., welche uns der werthe Herr N. aufs
let hai ee ſehr geſegnet geweſen. Solche merck 1
ge Exempel e iner gruͤndlich⸗evangeliſchen Beke ung die⸗
te gar ſehr, die guhserr von der zothwendigkeit, Moͤg⸗
. uͤberzeugen, und daß
is erck GO ttes auch in den du mn eaten und hei Leu⸗
ken wenn nur 18 et ee gewircket wer
e 8 e SH N Kr N 3 .
1 2 Bea. N ru In 2 ER 355 ae 4 ett 15 4 Gus
. «Sonnabend, dena. dp. 740 Meda
i Re zergane ven — ht iſt die Schefflerin, Föone ehre lg
vin eb dale ache auf Kornbergerg
are keit Anwesen 6
ihrt e
\ BU re. Feber Purer an deen Sauren: im na
fieber geſegnet geweſen, es iſt aber ſchon lange keine Dofis mehr vorhan⸗
den. ſehe unſere Noth in Gnaden an, und ſchaffe Beſſerung, zu
& ve east nd auf die Weiſe, wenn und wie es ihm gefaͤllig iſt. NB. Es
| dieſes Pulver vulgo unter uns das Wuͤrtembergiſche, weil es von
orther . worden, , en auf der Schachtel,
worin
Anno
3742.
Aug.
8 Diarium 5
worin es war, das Berliniſche Fieber⸗Pulver. Der Autor davon iſt
der Herr D. Glockengieſſ ert.
„d Sonntag, den 29. Aung
An dieſem Tage ſind 40. Perſonen aus der Gemeine mit dem Leib
N ED, Fa
und Blute EHrifti im heiligen Abendmahl geſpeiſet und getraͤncket wor⸗ u
den. Mein lieber College hat geſtern in der gedoppelten Beicht⸗Hand⸗
lung auf den Plantationen und hier in der Stadt, wie auch he
Kirche, alle Amts⸗Geſchaͤfte gantz allein gehabt, weil meine €
| chmad=
heit noch immer anhält. Er hat den Beyſtand GOttes dabey reichlich
geſpuͤret. Weil ich noch geſtern Abend in der Hoffnung ſtund, ich wuͤrde
meine Meditation uͤber das ſchoͤne Evangelium am XII. Sonnt. nach Trin.
von der GOtt⸗gefaͤlligen Geſtalt eines bußfertigen und begnadig⸗
ten Suͤnders vortragen koͤnnen, ſo hat er ſich aufs Evangelium nicht
Fönnen gefaßt machen, ſondern hat vormittags über. die ordentliche
Epiſtel 1 Cor. 15, 1. u. f. feinen Vortrag gethan, und denſelben nachmit⸗
tags wiederholet. Ich wuͤnſchte faſt, wir haͤtten allemal nur Eine Pre⸗
digt und zwey Wiederholungs⸗Stunden, weil der Nutze derſelben ſehr
groß iſt, wie es die Erfahrung gibt, obwol die geiftlicy- fatten, welche
nach der Weiſe einiger zu Epheſus Ap. Geſch. 17, 21. immer was neues
haben wollen, keinen rechten Geſchmack dran haben moͤchten. Doch
wird unter uns in der Schule und Kirche genug wiederholet, und fehlet
auch wol nicht am Wiſſen und Erkaͤntniß. Meine Erbauung brachte
mir, auſſer dem Inhalt des Evangelii, das theure Spruͤchlein: Das iſt
das ewige Leben, daß ſie dich, der du allein ꝛc. JEſum CHriſtum
erkennen. Wer CHriſtum in feinem ampliſſimo merito zuverſichtlich
erkennet, hat ja das alles realiter, was auch in dem von meinem lieben
Collegen vorgeleſenen fchönen Liede ſteht: Was hat gethan der heilge
Cr iſt ꝛc. Ri “ |
Dienſtag, den 31. Aug. m
Herr Vigera laͤßt zwar an feinem Haufe ſtarck bauen, er ift aber
am Fieber ſehr kranck, und hat ſich ſeit einiger Zeit aus meinem Hauſe ins
Waͤyſenhaus einlogiret, wo er meinet friſchere Luft und etwa mehr Auf⸗
wartung zu genieſſen. Ich ſagte ihm heute, daß in dieſen Tagen meine
vornehmſte Sorge darauf gegangen fen, meine Sache mit GOtt und
CHriſto voͤllig in Richtigkeit zu bringen: und da mir gar viele Untreue
und Unlauterkeit ins Gewiſſen gefallen; fo haͤtte ich mich durch meine zu
hoffende Beſſerung nicht beruhigen koͤnnen, ſondern ich haͤtte es gemacht
wie der verlorne Sohn und der arme Zoͤllner im neulichen Evangelio, und
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DVDiarium | 2039
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und Verſoͤhnung willen alles abgethan und gut gemacht ſey. Auf 1742
ieſe Wei 120 ſichs gut kranck ſeyn und ſterben. Das andere, worauf 15 E
5 ernächſt meine Sorge gerichtet gehabt, ſey mein ebrechlicher! eib, den
ich als ein Werckzeug der Seelen auch Liebe und Pflege ſchuldig bin. In.
der Asche haͤtte ich die von GOtt verordnete Mittel zu meiner Geſund⸗
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| Lager ein Teſtament gemacht, daß ihr Mann, ihre leibliche Schwe⸗
ter un rmen ſich in ihre Kleider und Verlaſſenſchaft theilen ſolten.
He llewurde das Teſtament in meinem Beyſeyn exequirt, da man dann
dem Scheffler in allem die Wahl und ſolche Vorzuͤge genieſſen ließ, daß
er wol zufrieden ſeyn konte. Von dem Theil, der auf die Armen fiel,
el das Artzt und Ward Lohn bezahlt welches ſich auf 18. Sh. Sterl.
W. ich einiger maſſen Zeit finde „gedencke ich die ſchoͤne Verord⸗
8 Herrn Gen. Oglethorpes von Haltung eines Danck⸗Feſtes zu
Friderica ins Teutſche zu uͤberſetzen, ſie unſern Zuhörern vorleſen zu koͤn⸗
nen, als worzu mich auch die heute meditirte Hiſtorie aus 2 Sam. 23, von
en Helden Davids animiret. GOtt hat dieſe Helden, ihre Namen und:
Thaten werth geachtet, fie in die Bibel ſetzen zu laſſen, daß uͤber ihnen
der Name des HErrn, der durch fie (wie etliche mal dabey ſtehet) fo ein
groß Heil gegeben, von den damals lebenden Leuten in der Nachwelt
1 gelobet werden; warum ſolten wir es nicht auch in unſern Tagen
n, da uns der liebe GOtt an denen Herren Truftzes , an dem Herrn
E und andern, ſolche Helden gegeben, durch weche dem gantzen
8 Lande viel Gutes geſchicht? Man begeht dadurch gar keine Abgoͤtterey,
da hingegen die Unerkentlichkeit und Undanckbarkeit gegen GOtt und ſei⸗
ne Werckzeuge im Lande und in der Nachbarſchaft gar groß iſt. Die
5 Bedeutung dieſer Helden. Hiſtorie gehet freylich weiter und ins neue Te⸗
ſtament hinein, wovon auch das noͤthigſte wird erinnert werden. Ge⸗
keichte es dem König David zur Ehre, daß er ſolche Helden um ſich hatte,
dadurch fin Gebet, Gottseligkeit und tarſtres Exempel ſo ahewache
* 9 L 3
8049 J— 000
ano waren, ſo gereicht es ja auffer Zweifel zur Ehre unfers Immanuels und
18 zur Ausbreitung ſeines Reichs, wenn Lehrer und Zuhoͤrer unter ſeinem
Sept. Regiment nicht ſchwach bleiben, ſondern ſtarck werden in dem HERAN
und in der Macht feiner Staͤrcke. Die Helden gehen wol mit unter den
Namen, daß ſie ſich als Leute, die in Noth und Schuld und betruͤbten
Hertzens waren, zur Zeit der Verfolgung Sauls zu ihm geſammlet hat?
ten, und ſind unter der Truͤbſal ſo bewaͤhret worden. Wie mancher ar⸗
me Zoͤllner, der in Noth und Schuld geweſen, iſt durch CHriſtum zu eie
nem Helden in feinem Reiche worden, der recht viel zur Zerſtoͤrung des
Reichs der Finſterniß ausgerichtethat. Waren fie gleich nicht von glei-
chen Gaben, ſo hat doch ein ieder das Seinige zur Ehre CHriſti und ur
Erweiterung ſeines Reichs beygetragen. Es heißt auch hier helden
muͤthig: Wer will uns ſcheiden von der Liebe GOttes? Trüb
ſal? ꝛc. Ich bin gewiß, daß weder Todt noch Leben ꝛc. Rom 8.
item: Wer CHriſtum zum Hertzog und Durchbrecher hat, der bricht
nach und ſagt mit Plerophoria: Ich hang und bleib auch hangen an
Sriſto als ein Glied, wo mein Haupt durch iſt gangen, da nimmt
er mich auch mit: Er reiſſet durch den Tod, durch Welt, durch
Sind und Noth; Er reiſſet durch die SS, ich bin ſtets ſein Ge⸗
ſell. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach
und darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach. Es tobe
was da kan, mein Haupt nimmt ſich mein an, mein Heiland iſt
mein Schild, der alles Toben ſtillt. O ſelig, wer ſich an dieſes aller⸗
theureſte Oberhaupt durch den Glauben recht halten, und es auch von
den leiblichen Helden ablernet, den Muth nicht ſincken zu laſſen, wenn es
Schwierigkeiten gibt, oder man wol gar auf dem Lauf⸗ und Kampf⸗Platz
ins Stolpern oder gar ins Fallen kommt. Aufraffen ſoll man ſich, und
ſich mit Klagen und aͤngſtlich⸗thun nicht lange aufhalten, ſonſt bleibt man
zurück, und hat der König und fein Reich Schaden davon. Die Strauch⸗
lungen müffen dazu dienen, deſto beffer durch die Gnade GOttes zu uͤben,
was uns Jer. 9, 23. 24. injungirt wird. 00 a 71
* 2
8
Donnerſtag, den 2. Sept. n en
Es hat mich die ins Teutſche gebrachte Verordnung des Herrn Gen.
Oglethorpe wegen Haltung eines Danck⸗Feſtes in Friderica in der heuti⸗
gen Erbauungs⸗ und Betſtunde ſo erfreuet und erbauet, daß ich am Leibe
und Gemuͤthe unter Verleſung und Erläuterung derſelben recht ſtarck
worden bin. Alle unſere Freunde in Europa, wenn ſie die Specialia von
unſrer wunderbaren Errettung aus der Hand unſrer Feinde leſen werden,
werden
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waͤrtigen Gouverneurs von Havannah und Auguſtin alles aufs beſte und
entlichſte eoncertirt und abgeredet, wie ſie das Fort St. George, Fri⸗
| nd alles mit leichter Muͤhe uͤber einen Haufen werfen, und alle wie
Fruͤhſtuͤck verſchlingen wolten. Sie find auch bey Spring-tide und
hohen Waſſer im Vollmond in der beſten Ordnung unter Segel gegan⸗
g ſich an kein Canonen⸗Feuer der Unſrigen gekehrt, und haben
ihr Ve ſck ans dand geſetzt. Es hat aber auch hier geheiſſen: Der HErr
lache ihrer, und der Soͤchſte ſpottet ihrer. Sie wolten uns ihre
ö ichte Feſſeln v und Bande anlegen, und Gott legte ihnen einen
de zuruͤck. Wir ſungen heute und geſtern in der Betſtunde mit groſſem
Vergnuͤgen das unvergleichlich ſchöͤne Lied: Wo GOTT der HERR
nicht bey uns wär, wenn unſre Feinde toben ꝛc. Im 2ten Vers
heiſſets: Was Menſchen Kraft und Witz anfaͤht, ſoll uns billig
nicht ſchrecken, er ſitzet an der hoͤchſten Staͤtt, der wird ihren
Rath aufdecken. Wenn ſies aufs kluͤgſte greifen an, fo geht doch
Gott ein andre Bahn, es ſteht in ſeinen Haͤnden. V. 3. Sie wuͤ⸗
ten faſt (fehr) und fahren her (mit ihren 36. Schiffen) als 0 e ſie
1 freſſen, zu wuͤrgen ſteht all ihr Begehr, Gott iſt bey ihnen
rgeſſen. Wie Meeres⸗Wellen einher ſchlan, nach Leib und
en fie uns ſtahn, des wird ſich Gott erbarmen. V. 4. Sie
92 85 uns 9 nach, 12 unſerm Blut ſie N 25 8
Ring in ihre Nafen Jeſ. 27,29. und trieb ſie voller Scham und Schan⸗
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2042 Diarium.
- Lob und Dand ſey Gott allezeit, es wird ihnen nicht geli ngen. ;
255 Halleluja, gelobet ſey GOtt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amel
Sept,
Dienſtag, den 7. Sept.
nachdem er ſolches ausgerichtet, erzehlete er mir zum Lobe GOttes, wie
57 HErr am XI. Sonntage nach Trinit. gantz beſonders erquicket
haͤtte. gen Abend
05 das er an dem Tage mit andern genoffen, ſondern inſonderheit
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3
Ein Mann von den Plantationen hatte bey mir was zu thun, und
Nicht nur iſts geſchehen durch den Gebrauch des heiligen Abend⸗ 4
des nachmittags bey der Wiederholung der vormittaͤglichen Predigt, da |
hat er ihm beſonders feine Gnade zu ſchmecken gegeben, daß ihm gantz be⸗
ſonders dabey zu Muthe geweſen. Wenn ein Spruch iſt angeführet wor⸗
den, oder ſonſt eine Vorſtellung geſchehen; ſo hat ihm dieſes beſondern
Eindruck gegeben, aber iſt wieder was neues vorkommen, ſo iſts ihm
noch eindruͤcklicher geweſen, und ſo immer fort. Es iſt ihm dabey ſo leich ?⸗
te um ſein Hertz worden, daß er mit Freuden nach Hauſe gegangen iſt.
Aus dieſem Exempel ſieht man alſo, daß JEſus CHriſtus iſt geſtern
und heute, und derſelbe auch in Ewigkeit. Denn wie er ſich dem
bußfertigen Zoͤllner, deſſen Exempel an eben dem Sontage zu betrachten
vorkommt, zu erkennen gegeben hat, ſo auch dieſem Manne. Der HErer
ſey gelobet, der noch immer zeiget, daß er auch in Eben Ezer zu wohnen
Luſt habe. Solche Eine Seele iſt ja mehr werth, als die gantze Welt.
Sind gleich auch noch Boͤcke unter uns; ſo koͤnnen ja noch manche, wo
nicht alle, zu ſeinen Schaͤflein gemacht werden. Ich zeigete dieſem Man⸗
ne, wie er mit der empfangenen Gnade treu umgehen, und nicht den
Muth wegwerfen ſolte, wenn er die noch uͤbrige Unart in ſeinem Hertzen
merckte. Dieſes alles ſolte ihm zu ſeiner Demuͤthigung dienen, und er
nur ſuchen in JEſu erfunden zu werden. Zuletzt betete mit ihm, und er
nahm mit Freuden Abſchied. |
| Mittwoch, den 8. Sept. ii 10
In den Betſtunden habe (ich Boltzius) häufig verſammleten feut:
ſchen Leuten in Savannah aus der uͤberſetzten Verordnung des Herrn
Gen. Oglethorpe von Haltung eines Danck Feſtes in Friderica eben die
Puncte vorgeleſen, und dabey verſchiedenes erzehlt, als ich hier in ben⸗
Ezer zu vieler Erbauung der Zuhörer gethan. Auch laß ich ihnen das ſchoͤ⸗
ne Lied vor: Wo Gott der Err nicht bey uns haͤlt ꝛc. und recom⸗
mendirte ihnen zum fleißigen Leſen den 78. Pſ. mit Bitte, ja zuzuſehen, daß
ſie nicht in eben daſſelbe Exempel des Unglaubens der alten Israeliten fie⸗
len. Jer. 34. leſen wir, daß ſich die Juden unter der Regierung des Koͤ⸗
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2044 Diarium.
Anno lachoccolas gebahnet wären, es iſt aber d mit ſehr ſchlecht beſtellt. Un
1742. ſers Neu⸗SbenEzers iſt nicht gedacht, und Alt⸗EbenEzer, das nur ſchlecht?
Sept. hin Eben zer heißt, iſt auch nicht auf der Charte an den rechten Ort ge
ſetzt. Solte Gott die Gefahr der Spanier wegen uͤberhand nehmen
laſſen, daß es haͤtte zum Fliehen kommen muͤſſen, worzu ſich alle im Lan⸗
de fertig gemacht hatten; ſo wuͤrde es wegen der elenden Wege ein ſeht
elendes Fliehen geweſen ſeyn, und kommt mit dem Fliehen in Teutſchland
gar in keine Vergleichung. Von Guͤtern haͤtte man gar nichts mitneh⸗
men koͤnnen, die Krancken hätten muͤſſen liegen bleiben und ohne Beyhuͤl⸗
fe und Wartung verſchmachten, und viele von ſchwachen Muͤttern und
Kindern wuͤrden ihre Geſundheit und Leben eingebuͤſſet haben. O welche
Wohlthat hat uns der HErr erzeiget, daß er uns aus der Hand der Fein⸗
de errettet hat! Wir ſingen und ſagen noch immer von dieſer Wohlthat
in unſerer Gemeine, hier in den Betſtunden und drauſſen in den Erbau⸗
ungs⸗Stunden. Ich habe heute erinnert, daß, wenn GOtt den Leuten
in Friderica und andern Orten haͤtte die Augen öffnen ſollen, fo würden
fie, wie dort der Knabe Elifä, allenthalben feurige Roſſe und Wagen
um uns herum, oder wie der Emigrante Jacob beym Anzuge ſeines feind⸗
ſeligen und grimmigen Bruders Eſau, Mahanaim, gantze Heere der un⸗
ſichtbaren Geiſter geſehen haben, die uns GOtt zu Huͤlfe geſchickt; denn
fie find allzumal dienſtbare Geiſter, ausgeſandt zum Dienſt um
derer willen, die ererben ſollen die Seligkeit. Dieſen allerſeligſten
Zweck, daß noch alle lebende Einwohner dieſes Landes ererben ſollen die
Seligkeit, hat GOtt durch dieſe groſſe Errettung zum Zweck, oder wie
es in dem heute vorgeleſenen 78. Pſalm heißt v. 7. daß ſie ſetzten auf
Gott ihre Hoffnung, und nicht vergaͤſſen der Thaten Gottes,
und ſeine Gebote hielten. Aus denen ietzt uͤber Charles⸗Town von
Maryland und Penſplvanien eingelaufenen Nachrichten ſehen die Ein⸗
wohner dieſer und der benachbarten Colonie, wie wenig Sicherheit auch
an andern Orten wuͤrde zu finden, und daß ſie nur aus dem Regen in die f
Traufe wuͤrden gekommen ſeyn. Denn man ſchreibt als gewiß von 1
dort her, daß vier kriegeriſche Nationen, die immer geſchworne Feinde
der Frantzoſen und Freunde der Englaͤnder geweſen, von den Frantzoſen
aber durch Practiquen auf ihre Seite gezogen find, und mit ihnen con-
junctim wider die dortigen Engliſchen Colonien zu agiren angefangen 4
haben. GOTT mache doch ung und alle klug, um die rechte Veſtung, '
= CHriſtus und fein unuͤberwindlicher Name iſt, recht bekuͤmmert zu
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Sonna⸗
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ſeit einiger Zeit in einem wohl verwahrten Gemache im Waͤyſenhaus, hat
uch von dem Kalcher Lebens⸗Mittel und Aufwartung, wobey es wol
| : men, weil ein ieder mit feinen Feld⸗Fruͤchten und der ietzigen Ernte zu thun
\ hat. Die ſchaͤdlichen wilden Thiere erfordern auch bey der Nacht noch
viel nd unſaubere Arbeit gibt, die GOtt dem Kalcher vergelten wolle.
Man kan auch vor Geld keinen andern Mann zu dieſem Zwecke bekom⸗
immer Wache. Einige Maͤnner haben in dieſer Woche an der Kirche in
der Stadt gearbeitet, ſie vollends auszubauen, nemlich den Ober⸗Boden
zu legen, Thuͤren und Fenſter, und was ſonſt noͤthig iſt, zu verferfigen.
Der alte N. von Purrysburg kam dieſen Abend im Boote zu uns, der
heutigen Betſtunde und dem morgenden Gottes dienſte mit beyzuwohnen.
Er hat in ſeinem Hauſe wieder eine neue unvermuthete Truͤbſal gehabt;
denn ſeine Frau iſt bey Ausziehung junger Ruͤben im Felde von einer klei⸗
nen Schlangen in einen Finger gebiſſen worden, welchen man an dem laͤ⸗
4 get hat: weil aber der Finger davon ſtarr worden, hat man das Band
an Finger und andern Theilen des Leibes bekommen. Nachdem man
5
5 .
Orte bald aufgeſchnitten, feſt gebunden und Kuͤchen⸗Saltz aufgele⸗
‚aufgelöfet,, ſie hat aber dabey groffe Hertzens⸗Angſt und viele Schmerzen
ihr Theriac eingegeben, und ein gewiß Pflaſter aufgeleget, haben die
Schmertzen nachgelaſſen, und fie ſoll ietzt auſſer Gefahr ſeyn.
JJC den. 12 Sp. |
An dieſem 13. Sonntage nach Trinit. wurde über das Evangelium
vorgeſtellet, der Beweiß des Glaubens durch die Liebe, wozu die im Eins
gange durchgenommene Worte Gal. 5, 6: In CHriſto JEſu gilt we⸗
der Beſchneidung noch Vorhaut etwas, ſondern der Glaube ꝛc.
Gelegenheit gab. In der Application wurde unter andern gezeigt, daß
von der aufrichtigen Uebung der Liebe wie gegen Gott, alfo auch gegen
den Naͤchſten kein Menſch, alſo auch keiner unter unſern Zuhoͤrern ausge⸗
nommen ſey. Denn zu einem ieden ſagt G Ott ſelbſt: Du ſolt deinen
NMaͤchſten lieben als dich ſelbſt Niemand aber liebet ſich ſelbſt in Ge
dancken, Vorſaͤtzen und guten Worten, 9 8 7 er ſucht in der That ſel⸗
5 f 1 a NS Sr 2 ner
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Anno
1742.
Sept.
2046 — Diarium.
ner Seelen Und deibes Beſtes nach feinem auſſerſten Bermögen zu beför=
dern, und ſo müffe ieder auch gegen feinen Naͤchſten geſinnet ſeyn. Gott
haͤtte unſern alten Einwohnern und Zuhoͤrern den ten Transport als ein
Object der thaͤtigen Liebe und Barmhertzigkeit vorgeſtellet, denn derſel⸗
be ſeye bisher ſehr kranck geweſen, und habe entweder gar keine oder ſehr
ſchlechte Ernte, nur ein ſchon laͤngſt verfloſſenes halbes Jahr Diäten oder
Proviſions⸗Geld, dabey kein Vieh, gleichwie die uͤbrigen, bekommen: |
und da die Herren Trufttes aus Mangel eines Succurſes vom Parla:
ment nicht vermögend waͤren, zur Zeit noch ein mehreres an dem aten
Transport zu thun, fo ſollen nun die Unſrigen, denen der liebe GOTT
wieder eine gute Ernte gegeben, in der That beweiſen, daß durch die bis⸗
herige Predigt des Evangelii ein wahrer vor GOtt geltender Glaube, der
ungezwungen durch die Liebe thätig iſt, in ihrer Seele angerichtet werden. 3
Ehe ich geftern Abend nach meiner uͤberleſenen aufgeſetzten Meditationzu
Bette ging; fiel mir ein Brief von dem werthen Herrn Sen. Urlſperger
ein, welcher noch in Londen zum 4ten Transport nachgeſchickt, und als
an uns eigentlich gerichtet, mitgebracht worden, darinnen theilt der wer⸗
the Herr Senior gewiß auf goͤttlichen Geheiß und weiſer Direction den
Haupt⸗Inhalt feiner vor dem Jahre uͤber dieſes Evangeiium Fur. 10, 23.
u. f. gehaltenen Predigt, zu unſerer und unſerer Zuhoͤrer Erbauung mit,
und weil er ſich gantz vortrefflich zu meinem obigen Zwecke ſchickte, ſo laß
ich dieſe Puncte, den Inhalt ſeines damaligen Vortrags betreffende, der
Gemeine zum Beſchluß abermal vor. Ich erzehlete ihnen zuerſt, daß ich
bey der erſten Durchleſung gedacht, dieſe Predigt ſchicke ſich ſehr wohl
vor die lieben beguͤterten Augſpurger, die Unſerigen moͤchten wol nicht viel
daraus nehmen wollen, weil fie ſelbſt noch immer obiecta miſericordiæ
bey ihrer erſten Einrichtung find, und guten Theils von den Wohltha⸗
ten aus Europa einige Beyhuͤlfe brauchen und bekommen. Jetzt aber
erſehe ich zu meinem beſondern Vergnuͤgen, warum es die Weisheit GOt⸗
tes gefuͤget, daß nicht nur dieſe Predigt in Augſpurg gehalten, ſondern
auch durch den Aten Transport ihrem Haupt⸗Inhalt nach zu unſern
Haͤnden kommen iſt, nemlich unſere Einwohner, wie in der Naͤhe durch
unſern armen Dienſt, alſo auch in der Ferne durch den lieben Vater der
Saltzburger, den werthen Herrn Seniorem, zur Uebung der erbarmenden
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Naͤchſten⸗Liebe auch gegen den nothleidenden Aten Transport aufs lieb⸗ 1
reichſte aufzufordern, und haͤtten ſich die krancken und duͤrftigen Leute
des aten Transports (deren verſchiedene in der Predigt zugegen waren)
aus dieſem beſondern Speeimine der vaͤterlichen Vorſorge RR im
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Erbauung d
Pr 2047
Glauben und Vertrauen auf ſeine Huͤlfe zu ſtaͤrcken. Der SOtt, der anno
ſchor ein Jahr voraus (in Anſehung des Inhalts des gedachten Briefs)
geſorget, und durch ſeine vaͤterliche weiſe Fuͤgung Liebes⸗Gedan⸗
fer fie geſorget |
Cceen uͤber ſie gehabt, werde ſie gewiß in der gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen
Prüfung nicht verlaſſen noch verſaͤumen „wenn ſie nur durch die aufgeleg⸗
te Truͤbſal feinen heilſamen Zweck (wie wir ietzt aus der Hiſtorie der Hel⸗
99 den Davids, die auch vorher in Noth und Schuld und betruͤbtes Hertzens
weſen) an ihnen allen erreichen koͤnte. Denn ſeine Weiſe ſeye immer
rſt zu demuͤthigen, und hernach zu erhöhen. Weil der liebe Gott die
rgeleſene Puncte an mir, meinem lieben Collegen und andern ſonder⸗
bar geſegnet hat, ſo halte ich ſie werth, ſie zur Erinnerung unſerer Nach⸗
E
kommen, die etwa die Eben Ezeriſche Tage⸗Regiſter erben werden, hier
einzutragen, welches auch wol dem werthen Herrn Seniori nicht wird
5 1 da er ſteht, daß es der HeErr ſelbſt fo gefuͤget hat; denn
Gottes 2
vom 28. A
erck ſoll man herrlich preifen. Das ate (heißts im Briefe
ug. 1742.) iſt, daß ich ihnen, oder vielmehr ihrer Gemeine zur
ze Eigenſchaften der erbarmenden Naͤchſten⸗Liebe zum Gruß
ſchicke, wie ich fie geſtern am XIII. Sonntage nach Trinitatis uͤber das
ordentliche Evangelium Luc. 10. vorgetragen, eine jegliche Eigenſchaft
mit dem Bezeigen des Samariters gegen den verwundeten erlaͤutert, und
bey einer ieglichen die immediate Applicati on auf meine Gemeine gemacht,
unter dem beſtändig⸗ anhaltenden Zuruf: Gehe hin, und thue des⸗
gleichen. I. Die erbarmende Naͤchſten⸗Liebe gehet vor dem Elend
chſten nicht vorüber, wenn denſelben die goͤttliche Vorſehung ent⸗
. weder den leiblichen Augen in der Naͤhe, oder den Gemuͤths⸗Augen in der
Ferne vorleget. II. Sie haͤlt ihre Augen nicht zu vor dem Jammer und
Elend des Naͤchſten, ſondern ſtehet denſelben genau an. III. Sie ſiehet
des Naͤchſten Elend nicht mit gleichguͤltigen ſondern mit einem erbarmen⸗
den Auge und Hertzen an. IV. Sie bleibet niche in der Ferne ſtehen, und
ſcheuet ſich nicht vor des Naͤchſten Elend, ſondern gehet hinzu. V. Sie le⸗
get wircklich Hand bey des Naͤchſten Elend an, ihn heraus zu reiſſen, oder
doch darunter zu lindern. VI. Sie gehet bey ihrer wircklichen Huͤlfleiſtung
re:
ligkeit. X. Sie forget nicht nur vor das
gruͤndlich und weislich zum Wercke. VII. Verleugnet die eigene Gerech⸗
Gegenwaͤrtige, ſondern auch
vor das Zukuͤnftige. IX. Sie iſt unermuͤdet. Unermuͤdet im Wollen, in
Worten und Wercken, fo, daß ein guter Wille aus dem andern „ein gu⸗
die demnach nicht nur etwas anfängt, ech auch fortſetzet und vollen⸗
tes Wort aus dem andern, und ein gutes Werck aus dem andern folgerz
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2048 Diarium.
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Anno det. X. Sie thut nach Vermoͤgen und nach ihren aͤuſſern und innern Kräf⸗
1742. fen; was ſie aber thut, das thut ſie ungezwungen, wilig und mit Freu⸗ 1
Segt. den, fonftenfie noch nicht der rechten diebe Art hätte. XI. Die diebe der-
giſſet auch der Feinde nicht in ihrem Elende, ſondern handelt hierinnen oh⸗
ne Anſehen der Perſon, doch ſo, daß ſie zuerſt ihre Augen auf das Elend
der Glaubensgenoſſen wendet, zumalen ſolcher die nicht nur den Namen
haben, daß fie glauben, ſondern in der Wahrheit glaͤubig worden ſind.
Nl. Siethut das Ihrige, und fährt fortdaſſelbe zuthun wennman schon
ihren Namen verſchweiget, ja wenn man auch das, was ſie thut, andern
zuſchreibt, oder ſelbſt andere, die es nicht gethan, ſich deſſen anmaſſen,
noch mehr, wenn man fie auch über ihrem Woglthunläſtert und ſolches
zu lauter Uebelthaten machen wil. XIII. Die erbarmende Naͤchſten⸗
Liebe richtet ſich nicht nach andern, die entweder vor vornehmer und groͤſ⸗
fer, oder vor verſtaͤndiger und gelehrter, oder wol auch vor froͤmmer ge⸗
halten werden; ſondern fie richtet ſich vermöge des Worts GOttes, da⸗
durch ſie ſich im Glauben und durch den Geiſt des Glaubens lauterlich re⸗
gieren laͤſſet, nach der Noth, die da iſt, nach dem elenden Naͤchſten, der
vor ihr lieget, nach dem ordentlichen oder bisweilen auch auſſerordentli⸗
en Trish eines in den Schrancken bleibenden, ungefäuerten und demuͤ :
thigen Hertzens, und nach den übrigen Umſtaͤnden, worinnen man ſich
zu dieſer und jener Zeit befindet in Anſehung ſeines Berufs, den man hat,
der Freyheit, worinnen man ſtehet, des Orts und der Perſonen, an wel⸗
chem und worunter man lebet, der allgemeinen Welt und beſondern Laͤu ·
en, die ſich hier und da aͤuſſern, und der Gemuͤths⸗Leibes⸗ und andern
Kraͤften, die man von GOtt empfangen hat. Der Grund, worauf ich
alles bauete, war das bekante Versgen: Der Glaub mit GOTT iſt
wohl daran, dem Naͤchſten wird die Lieb Gutes thun, biſt du aus
GOTT geboren. | 92 es:
Montag, den z. Sept. ee
Eine reiche Witwe in der Purrysburgiſchen Grafſchaft hatte vor
ein paar Jahren ihre 2. Kinder bey uns in der Schule, und im Waͤyſen⸗
hauſe hatten ſie ihre Wohnung und Pflege, davor ſie monatlich nur ein
ertraͤgliches, nemlich vor ieden Knaben 5. Sh. Sterl. zahlen ſolte. Sie
nahm ſie nach etlichen Monaten wieder zu fich, iſt aber mit der Bezahlung \
zuruck geblieben; ietzt aber, da ihr Frantzoſiſcher weyter Mann geſtorben,
ſchreibt fie an mich, und erbietet ſich ihre Schuld mit naͤchſten abzutragen.
Es haben etliche Leute von Purrysburg ihre Kinder hier gehabt, und fie” 1
im Wäyſenhauſe in die Koſt gehen laſſen, es mag ihnen aber bald dass
| wenige
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5 FR Diarium.
zu hoc: gekommen ſeyn, ſeyn, daher ſſe sehe Diefelben zu Haufe ge⸗ Anno
aſſen fie lieber in der Irre gehen, und wild aufwachſen, 1742.
ihren und ihrer Kinder Bauch, auf Kirche, Schule und Kinder⸗
z acht We wenig oder nichts gewandt. Wenn es auch einige, die arm
„ umſonſt haben koͤnten, ihre Kinder zur Schule zu ſchicken, ſo brau⸗
en fie Diefelbige lieber behm Vieh, Ackerbau, zum Fischen, 3 Jagen,
ſicht, und ſcheinet wol, daß nach und nach ein wildes wuͤſtes
s Leben unter den meiſten entſtehen wird; welches Elendes
rr erbarmen wolle. Wie jaͤmmerlich ſiehet es doch unter der
Jugend aus in Savannah! Zur Arbeit werden die Kinder wol
j aber r nicht zur Schule, welche Freyheit ihnen die Herrſchaft
laͤſſet. Von den Eltern, als größten Theils untreuen Dienſt⸗
e fie nichts, als untreue Dienfte, Practiquen und alte aus
d mitgebrachte fündlihe Gewohnheiten. N
15 Mittwoch, den 15. Sept.
5 cen nun etliche Leute das Mittel, 6 10 uns der Herr
als eine ſichere und gründliche Fieber⸗Cur vor dem Jah⸗
7 eben und in dem letzten Brief wiederholet hat. Herr Thilo
ch und nach uͤberzeuget worden, daß dadurch die Fieber nicht
ſondern curiret werden, daher er es auch bey meiner Ehe⸗Ge⸗
tliche Jahreſich mit dem Fieber ſchleppen muͤſſen, verord⸗
in uch ſchon den guten Effect bey allen, welche ſich
ſo halten #8 vorgefährieben iſt, welches keine groffe, fondern
hte und ger e Es werden hierzu etliche Quart guter
Weine, China de China, acholderbeeren und Virginiſche oder hieſige
Se Schlangen“ Wurtzel, zum Brechen aber, welches vor dem Gebrauch
i eee eee, und zum Trincken daben
er gekochte Cardobenedicti erfordert, welches zwar die Cur et⸗
ſtb ar und theuer macht, es wird aber alles dazu aus der Armen⸗
auff, daß es den Armen nichts koſtet. Man wendet gern al:
aran, wenn nur einmal unter göftlichem Segen dem langwierigen
Qu 3 en ne let a Fan.
Wir haben hierbey man puren der goͤttlichen Vorſorge, welche uns
in dieſen Weg, den Leuten von den Fiebern zu helfen, hinein geleitet hat,
we ches uns getrost nachet, und W guten Effect hoffen laͤßt. Die
eute verlieren nicht nur bald das 8 lange eingewurtzelte Fieber, fondern
nehmer e dem Gebrauch an Kräften mercklich zu. Mein 1225
Fr x zu 0 2
%
einige Kost an fie. wenden. Die allermeiſten Leute ſorgen nur Sept.
—
Anno
1742.
Sept.
FE
200 Diarium. | Ä
College bereitet nach der überſchickten Dorſchrift alles ſelbſt zu, iſt auch
bey Einnehmung des Brech⸗Pulvers, und was dahin gehoͤret, ſelbſt mit
zugegen, damit alles nach der Vorſchrift genau eingerichtet werde. So f
ſorgt der HErr in allen Stuͤcken für uns, ob wir wol manchmal eine Zeit?
4
lang warten muͤſſen. ER 1
Der krancke Kuhhirte N. recitirte bey meiner Nachfrage, ob er das
Wort der Buſſe, ſo ich ihm am neulichen Dienſtage verkuͤndiget, ange⸗
nommen habe, die erſten Verſe aus dem Liede: Ach Gott und HErr,
wie groß und ſchwer, ſind meine ꝛc. Ich ſagte ihm, daß ich in meiner
Blindheit und mit mir viel tauſend das Lied auch gefungen, und doch wol
keine bußfertige Erkaͤntniß der Suͤnden gehabt, daher ſey noͤthig, daß er
die zehn Gebote vor ſich nehme, und nach Anleitung eines ieden, als aus ei⸗
nem Spiegel, ſeine wider GOtt begangene Suͤnden ſtuͤckweiſe erkennen
ſolte, worzu ich ihm ſelbſt Anleitung gab. Mir iſt es ſelbſt bewußt, daß
er ein recht grober Suͤnder iſt, und ſo lange er nicht mit dem Bekentniß her⸗
aus will, ſo lange kan ich nicht glauben, daß Wahrheit bey ihm ſey. Denn
ob man wol keine Papiſtiſche oonfeſſionem auricularem ſtatuiret, Pc
den Leuten aus GOttes Wort zeiget, daß eine Bekentniß aller und
Sünden weder möglich noch ſchlechterdings noͤthig ſeye; fo iſt doch dieſes
eine Eigenſchaft der groſſen oder ſo genanten Zoͤllner⸗Buſſe, daß ſie bey
aufgewachtem Gewiſſen die groben Brocken im Gewiſſen ſchmertzlich
fühlen, heraus ſchuͤtten, ihre Wunden entdecken und guten Rath be⸗
gehren. Denn kommt es ungezwungen, was der fel. Lutherus im Cate⸗
chiſmo ſagt: Vor dem Beichtiger ſollen wir die Sünden bekennen die EB
wir wiſſen und fühlen im Herken, wovon er Exempels ⸗Weiſe einige Süne
den ſpecificiret. ol
Donnerftag, den 16. Sept.
Ich beſuchte dieſen Nachmittag 3. Familien auf den Plantationen,
und unter andern auch Hanf Floͤrl, deſſen Weib wegen ihrer nahe ge:
kommenen Geburts⸗Zeit nicht mehr ausgehen und zur Kirche kommen
kan. Ich hatte aller Orten, ſonderlich bey Floͤrln, viel Vergnuͤgen im
Geſpraͤch aus GOttes Wort und Gebet, und will hoffen, es werde den
HeErr auf alles einen bleibenden Segen gelegt haben. Die Leute ſind
mit der Ernte beſchaͤftiget, ſie legen aber gern alles aus den Haͤnden, kom⸗
men herbey, und ſetzen ſich oder ſtehen in ſolcher Poſitur, als wolten ſie,
wie dort Cornelius, ſagen: Nun ſind wir alle (mit Kindern an der
Hand und auf den Armen) hier gegenwärtig vor GOtt, zu hören,
was dir von Ott befohlen iſt. Der Floͤrlin ſchickte des ſel. D. = 2
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e Milch des Evangelii, da fie denn täglich einen Schas der Anne
Gnaden und des Heils überlefen, und ihr pabulum, wie ſie gewiß thun 542.
dird, darin ſuchen und finden wird. Sie iſt eine hungerige und durſtige Sehe
wird. n wird. ö
nach der Gerechtigkeit, wie dort Hanna und andere, die auf die Erloͤ⸗
ſung auf neu⸗ teſtamentiſche Weiſe warteten, und ſolchen Seelen iſt
| . denn ſie geben einem ſelbſt die Materie ins Hertz und in
1
n
eech, n 2
10 Freytag, den 17. Sept. ei
= Mit unſerm neuen Pferde haͤtte ich heute, da ich zur Erbauungs⸗
Stunde auf die Plantationen reiſen wolte, ein groß Unglück haben koͤn⸗
. einen Waͤyſenknaben mit mir, und da ich in die Gegend der Bruͤcke kam,
ne der gute fromme GOtt nicht in Gnaden abgewendet haͤtte.
*
t worden, da Mann und Pferd nicht geſchonet wird, ſondern al⸗
les wie auf einer parforee. Jagd in Europa gehen muß, daruͤber man⸗
cher Reuter vom Pferde ſtuͤrtzt und Hals und Bein bricht. Dieſes Pferd
ſolte mit mir, weil ich gern geſchwinde drauſſen ſeyn und vor der Erbau⸗
ungs⸗Stunde etwas ausrichten wolte, in maͤſigem Galopp gehen, es kam
aber in ſolche Heftigkeit des Springens, als ich mein Tage nicht geſehen,
vielweniger erfahren habe. Weil ich nun ſorgte, es laufe in ſolcher ex⸗
Bas Beſchwindigkeit über unfere noch nicht völlig ausgebauete Brü-
cke (denn es fehlen auf beyden Seiten die dehnen) und ich es doch mit dem
ſchlechten Pferde⸗Gebiß nicht aufhalten konte; fo muſte ich mich reſol⸗
lren herunter zu ſpringen, daruͤber ich aber unve
den Baum gerieth, und an meiner rechten Schulter und Seite ſo geſtoſ⸗
ſen wurde, daß ich ein Weilchen nicht zu Othem kommen konte. Doch
ſehens an einen ſtehen⸗
fuͤhlte ich von der groſſen Concuſſion keinen Schaden am Haupte, hatte
meine Gemuͤths⸗Kraͤfte beyſammen, muſte das Pferd laufen laſſen; ich
ing aber wieder zurück einen pulverem antiſpasmodicum zu nehmen, und
im Waͤyſenhauſe zu meinem Vorhaben ein ander Pferd zu begehren,
weil ich die Erbauungs Stunde nothwendig halten muſte, wo ſich die
Leute von ihren Plantationen nicht vergeblich dazu ſolten verſammlet ha⸗
Denn mein lieber College hat auswaͤrts Geſchaͤfte.) Ich nahm
Es iſt einige mal zum Viehſuchen im Waͤyſenhauſe bey Savannah ge⸗
ſtund das Pferd gar ordentlich mit Sattel und Zaum, und ließ ſich zwey
mal von mir wieder fangen, da mirs einmal von der Hand aus meiner
Schuld wieder losgekommen war. Der Knabe brachte es wieder zu Hau⸗
Americ. XI. Sortſ.
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ſe, ich aber ritte in GOttes Namen zur Verſammlung und Erbauungs⸗
Stunde, ob mir wol die Hinaus⸗ ſonderlich aber die Herein⸗Reiſe ſehr
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Anno ſauer ankam. Ich continuirte hier mit einem antiſpa
1742.
Sept.
— 2 —ß5—fffd. . — — — . — a een — — —
2032 Diarium. FE
und ließ auch die laͤdirte aufgeſchwollene und mit lut unterlaufene
„
1
Schulter mit Schauer⸗Palſam ſchmieren. Ich fan mit meinen Zuhoͤ e J
rern zuerſt: Lobe den Herren, den mächtigen Re nig der Ehren, ꝛc.
und trug ihnen aus der vorhabenden Hiſtorie der Helden Davids vom er⸗
ſten Range meine Meditation vor, und GoOtt ließ mich alles wohl ſchlieſ⸗
ſen, daß mir der Vortrag leichter wurde, als die beyden lehne
Was mich bey dieſem unglücklichen Zufall ſehr aufgerichtet hat, beſtehet
darin, daß mir der liebe GOtt Kraͤfte und Freudigkeit verliehen hat, die⸗
fe Erbauungs⸗Stunde, darauf ich mich ſchon zum voraus als auf eine
Ernte⸗Predigt gefreuet hatte, zu halten. Denn die in der Hiſtorie vor⸗
kommende Materie ſchickt ſich gar trefflich auf unſere ietzige Umſtaͤnde.
Wir vernahmen unter andern, daß die Philiſter vorhabens geweſen, den
Kindern Israel ihre Ernte zu verderben, fie waren auch ſchon ihren Lintzen⸗
und Gerſten⸗Feldern, nach 2 Sam. 23, 1. und 1 Chron. 12, 13, ſo nahe ge.
kommen, daß die Iſraeliten flohen und alles im Stiche lieſſen: der
HeErr aber gab ein groß Heil durch Samma, der die Philiſter ſchlug,
und das Feld errettete. Haͤtte der liebe Gott nicht durch den Herrn
Gen. Oglethorpe ein ſolch groß Heil gegeben, und die Spanier vertrieben,
fo würde unſere und anderer Leute Ernte im Lande gewiß verdorben ſeyn.
Denn daß ſie auch dieſes zum Zweck gehabt, weiß man aus ihrer praxi et⸗
liche Jahre her. Sie haben immer auf dieſe Colonie etwas tentiret, wenn
die Feld⸗Fruͤchte zur Reife gekommen. Ueber dieſes uns wiederfahrne
Heil GOttes ermunterten wir uns zum Lobe ſeines Namens, wir ſtaͤrck⸗
ten uns auch im Vertrauen auf göttliche Güte. Hat er den Helden Das
vids ſolche Kraͤfte und Tapferkeit verliehen, leibliche Feinde zu bezwingen,
und zu Boden zu ſchlagen; wie folte er nicht willig ſeyn, allen wahren Chri⸗
ſten, als geiſtlichen Streitern JEſu CHriſti fo viel Kräfte zu verleihen,
als ſie zur Ueberwindung ihrer geiſtlichen Feinde brauchen? Denn die⸗
ſelbe hat uns CHriſtus erworben. Jener Tag wird es klar machen,
daß mancher wahre Chriſt nicht nur 800. geiſtliche Feinde, wie Jaſa⸗ |
beam fo viele leibliche, ſondern viele tauſend, ja die gantze Hoͤlle durch
die rechten geiſtlichen Waffen, welche find Gebet und Thraͤnen, geſchla⸗ 3
gen, auch wol die leiblichen Gerichte und leiblichen Feinde, wie dort die
Legio fulminatrix der erſten Chriſten, zurück getrieben hat. Solche geiſt⸗
liche Helden, ſo dem Lande ſo nuͤtze und der Welt groſſe Wohlthaͤter ſind,
werden nur wie David und die Seinen zu wenig geachtet, und wol gar
zum Lande hinaus geſchafft. Sie ſind den Gottloſen unleidlich auch
anzu⸗
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Diarium. | 2053
inzuſehen. Weish. 1, 11. Es iſt aber ſehr erbaulich, daß ſich David mit Annd
feinen Helden durch die Bosheit und Undanckbarkeſt Sauls und anderer 1742.
nicht abhalten laſſen, dem Lande und deſſen Einwohnern Gutes zu thun, Sept,
welches einen ſchoͤnen Chriſten ⸗Sinn anzeigt. Das andere, was mir
bey der Heimreiſe ſehr eindruͤcklich geweſen, war nicht nur die Rede des
Steiners, darin er von dem Segen aus dieſer Erbauungs⸗Stunde zeuge⸗
tes, ſondern auch die erbauliche Poſitur zweyer frommen Weiber, wel⸗
che ich von meinem Pferde unter einem Baum konte auf ihren Knien mit
gen Himmel aufgehabenen Haͤnden liegen ſehen, auch einigen Laut ihres
Gebets und Geſpraͤchs mit GOtt verſtehen. Ohne Zweifel haben ſie
Gott vor die Wohlthat auch gedanckt, die Er uns in der Behuͤtung uns
ſerer Ernte, und in Abwendung unſerer damals beſorgten Flucht vor
den Feinden, damit es gar kümmerlich wuͤrde hergegangen ſeyn, ſo au⸗
1 61
1
genſcheinlich bewieſen hat. Eine von dieſen beyden Weibern ſagte mir
gleich nach der Erbauungs Stunde, daß ihr Mann nebſt ihrem Nachbar
fluͤr mich und meinen lieben Collegen zwey Buͤſchel neues Korn zum Ge
ſchenck mahlen laſſen, welches nur aus der Mühle durfte abgeholet wer⸗
den. Ein anderer frommer Mann brachte mir mehr als ein Buͤſchel ſehr
ſchoͤne Potatoes auf ſeinem Ruͤcken bis ins Haufe. Und alſo hat mir der
Derr auf vielfaͤleige Weiſe den Trauer: Fall und Schmertz verſuͤſſet.
Herr Meyer hat den Schaden viſitiret, und findet nichts gebrochen oder
ausgerenckt, doch iſt die Achfel geſchwollen und mit Blut unterlaufen,
und thut mirs auch an einigen andern Orten wehe, daher ich mich dem
Chirurgo, Herr Meyer, zur Cur anvertrauet habe. Gott laſſe es zu
meinem Beſten gereichen! Er hat mir mein Leben aufs neue heute wieder
geſchencket; denn es war nicht ein Schritt zwiſchen mir und dem Tode.
Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen SErrn SErrn, der
vom Tode errettet. Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß
nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dein Leben vom Verder⸗
ben erloͤſet, und dich croͤnet mit Gnade und Barmhertzigkeit. Ich
ſehe auch dieſe Errettung als eine Erhoͤrung der Vorbitte ſo vieler Glaͤubi⸗
gen in Europa für uns an, wie wir davon fo viele Verſicherung in der
Vorrede kun sten Continuation finden. GOtt vergelte es! 1
e Somabend, den us Sept EN
Weildie Naͤchte Fühler werden, fo fangen unfere Leute an ihre Och⸗
ſen und alte gemaͤſtete Kühe zum Fleiſch auf den Winter zu ſchlachten.
7
2 368
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=
Einige koͤnnen auch, wo nicht gantze Ochſen, doch einige Stücken verkau⸗
fen, welches ſonderlich dem aten Transport, der noch wenig Vieh hat,
Anno
1742.
Sen.
2054 Diarium. RR
wohl zuſtatten kommt. Im Waͤyſenhauſe hat uns der gutige G Ott auch
in dieſem Jahre ſo weit geſegnet, daß wir auf ein gantz Jahr von Ochſen
und Schweinen hinlaͤnglich Fleiſch und Fett bekommen werden, wie denn
nur geſtern zwey groſe Ochſen geſchlachtet find. Es iſt doch eine beſon⸗
dere Vorſorge Gottes uͤber uns, daß, ob wol andere deute im Lande
und in Caroline ſehr viel Vieh durch eine anſteckende Seuche verloren, wir
doch an unſerm Orte nicht das geringſte verſpuͤret haben, da doch das mei⸗
fie Rindvieh im Walde gantz frey, auch wol einen weiten Weg laͤuft,
und theils von unſern Leuten zu Pferd aufgeſucht, theils von der Herren
Truſtées Hirten in Alt⸗Eben zer für einige Bezahlung hergebracht
wird. |
Montag, den 20. Sept.
Die N. beſucht die Betſtunden und den offentlichen Gottesdienſt n
E
Adams und den natürlichen unwiedergebornen Menſchen allenthalben.
ſtreichen und ſich ſo heraus wickeln kan, daß ſie nicht leicht zu faſſen und
zu uͤberzeugen iſt. Sie iſt geſtern auch vor dem Sinne und Fußſtapfen
des Ananiaͤ und feines Weibes Sapphiraͤgewarnet worden. Ich ſorge,
Des Floͤrls Weib iſt geſtern und vergangene Nacht in ſehr harten
Kindes⸗Noͤthen geweſen, dabey zwar die rechtſchaffene Bacherin als
Hebamme gebraucht worden, weil ſie aber in den kuͤmmerlichen Umſtaͤn⸗
den der Mutter und des noch nicht gebornen Kindleins weder zu rathen
noch zu helfen gewuſt, hat man bey der Nacht die N. heraus holen muͤſ⸗
ſen, die auch ſehr gute Dienſte gethan hat. Dieſe Frau iſt eine ſehr ge⸗
ſchickte und geuͤbte Hebamme, weiß auch mit Artzeneyen vor weibliche
Umſtaͤnde ſehr wohl umzugehen. Sonſten hat auch David in feiner Sui⸗
te unter feinen Helden, deren Hiſtorie wir aus 2 Sam. 23. bisher in den
Betſtunden betrachtet haben, verſchiedene gehabt, die nicht die beſten ge⸗
weſen, und haben doch ihm und den Iſraeliten viele gute Dienſte gethan, a
um des willen hat er ſie getragen und durchs Wort GOttes und gute Ex⸗
empel an ihnen gearbeitet, ob er wol ſonſt gern nach dem Inhalt des 101. Pf.
fromme Diener hatte. Dieſe Helden⸗Geſchicht iſt heute zu 1 * 1
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Fracht, und haben wir uns dabey auch nur geſtern und heute einiger Anno
recht wichtigen Wohlthaten GOttes, die uns in dieſem Lande wiederfah⸗ 1742.
ren, zu ſeinem Lobe erinnert, z. E. daß uns Gott geſundes Fluß⸗Brunn⸗ Sept.
Diarium. 2055
— ä — r — —————
und Quell⸗Waſſer reichlich gibt, uns in gefunden und krancken Tagen
damit zu erguicken, wie es David in der Höhle Adullam in feinem Exilio
und damaligen Fieber⸗ Hitze und andere mit ihm nicht ſo gut gehabt.
| 85 es vor eine groſſe Wohlthat iſt, haben wir nicht nur auf der Schiffe
iſe beym Waſſer⸗Mangel erfahren, ſondern wuͤrden es auch noch
mehr mit unſern Kindlein erfahren haben, wenn wir vor den Feinden haͤt⸗
ten flüchtig werden muͤſſen. Die vollgefuͤllten Flaschen würden, wie bey
der Hagar 1 B. Moſ. 21, 15. bald leer worden ſeyn. Item, daß wir
hier keine Löwen haben, auch die andern reiſſenden Thiere, als Baͤre und
Woͤlfe, fo furchtſam find, daß fie vor ieden Menſchen fliehen, iſt gleich“
falls eine groſſe Wohlthat in dieſem wuͤſten Lande. An denen Herren
Trufteesder Hochloblichen Societaͤt in Sonden, an dem Herrn General
Oglethorpe, ſo vielen tapfern Lehrern und andern Wohlthaͤtern in Euro⸗
nn unser Eben Ezer lauter Helden, welche durch ihr Gebet, guten
und Wohlthaten, ſo viel Schaden ab: und fo viel Heil zuwenden,
daß wir billigüber ihnen den Namen des HErrn loben, für fie beten und
uns in Wort und Wandel gegen ſie danckbar beweiſen ſollen. Denn
wer Gutes mit Boͤſem 2 1 (wie der Koͤnig Saul und viele Iſraeli⸗
ten an David, und im N. T. an CHriſto und ſeinen Apoſteln gethan)
von deß Daufe wird Böses nicht laſſen. Der liebe GOtt hat uns aus
1 dieſer Hiſtorie abermals gar manche ſchoͤne Vordilder finden laſſen, die
. und in der neuen Oeconomie ihre liebliche Erfüllung haben.
iſt dis ein Zeugniß der groſſen Wohlthat und Güte GOttes, daß er
in dem ſonſt geringen Bethlehem einen ſo beruͤhmten Brunnen, nicht in ei⸗
nem Winckel oder Hofe eines Privat⸗Mannes, ſondern an einem oͤffent⸗
lichen iederman frey ſtehenden Orte, nemlich unter dem Thor daſelbſt
aufkommen laſſen, davon ſich auch das beruͤhmte Jeruſalem, wie unter
den Gelehrten bekant, und andere Orte im Lande haben erquicken koͤn⸗
nen; anzudeuten, es wuͤrde einmal der Meßias, nach welchem viele Pro⸗
pheten, Koͤnige und Gerechten gedurſtet haben, daſelbſt geboren wer⸗
den, und in ihm wuͤrde ein ſolcher Brunn des Lebens aufgehen, daß nicht
nur alle Suͤnde und Unreinigkeit wuͤrde koͤnnen abgethan, ſondern auch
viele arme unter dem Geſetz ſchmachtende Suͤnder ihre eintzige und rechte
Erquickung finden würden Zach. 13, 1. Wie der Sir ſch ſchreyet nach
n 8 EN Gott, zu dir. Meine
9 N 3 | Seele
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2056 - Diarium. |
Anno Seele dürfter 2c. wenn werde ich dahin kommen, daß ich GOttes
1742. Angeſicht ſchaue, in welchen Worten der liebe David gewiß auch nach
Sept. der Zukunft des HErrn Meßiaͤ ins Fleiſch geſeufzet hat. Nun heißts:
Laaſſet uns hinzu treten mit Sreudigkeit ꝛc. Aus ſeiner Suͤlle haben
wir alle genommen Gnade um Gnade. Durch ſolch glaͤubiges Neh⸗
men wird man zum rechten Helden Joh. 7, 37.38.
5 | Mittwoch, den 22. Sept. e
Heute vormittag zeigte mir der N. N. und fein Weib einen neuen
Kachelofen, den ſeine Frau mit eigenen Haͤnden faſt ſo ordentlich als ein
Maurer aufgeſetzt: wenn fie aber einen guten Spruch aus der Bibel dee
ein Stuͤck aus dem Catechiſmo faſſen und behalten, oder das Werck der
Buſſe und des Glaubens an ihrer Seele erfahren ſoll, ſo fehlt es ihr an
Gedaͤchtniß, Leibes⸗ und Gemuͤths⸗Kraͤften, und find allenthalben Ent⸗
ſchuldigungen. Sie hat letztlich wieder durch Fluchen und unchriſtlich
Schelten groß Aergerniß gegeben, woraus ſie mit Haͤnden greifen koͤnte,
daß ſie noch keinen Glauben habe, und keine neue Creatur geworden ſey,
ob fie fich wol eine Zeitlang, wenn keine Reitzung da geweſen, ſtill, ehrbar
und dienſtfertig bewieſen hat. Solche blinde Leute halten entweder ſolche
Wercke des Fleiſches vor Schwachheits⸗Suͤnden, die den Chriſten an?
kleben, oder wenn fie fie auch vor Ausbruͤche des herrſchenden Unglau
bens und als Kennzeichen des ungeaͤnderten Hertzens halten muͤſſen; ſo
ſtehen ſie doch in der Meynung, ſie haͤtten einen beſſern Grund gehabt, waͤ e
ren aber aus der Gnade gefallen: weil ſie ſichs ein wenig leid ſeyn laſſen a
7 und ſich beſſern, fo foll dis ſchon wieder Buſſe gethan heiſſen, und als
=
5
ſtuͤnden fie wieder im Stande der Gnaden, daraus ſie (ihrer Meynung
nach) bey vorkommender groben Reitzung wieder fallen, und wieder bi
0 ein treten, welches wol ein recht ſchrecklicher Irthum iſt. Einige halten
dis vor Buſſe und Bekehrung, wenn fie abends GOtt um Verzeihung
ihrer Sunden bitten, und was des Dinges mehr iſt. O! in welch G⸗
draͤnge kommt man bey ſolchen Leuten, uͤber welche man nach Ezech. 3.
zum Waͤchter geſetzet iſt. 33 | 41 7
Im Heimgehen erzehlete mir ein Weib mit groſſem Vergnuͤgen, daß
ihr der liebe GOtt Mittel und Wege gezeiget, ſich mit N. recht hertzlich
und ſchweſterlich unter Gebet und Thraͤnen zu verſohnen, und alles alte
Misverſtaͤndniß und Argwohn abzuthun, an welcher erneurten chriſtli⸗
chen Freundſchaft mir und andern, die die Umſtaͤnde wiſſen, ſehr viel gele⸗
gen iſt. Sie klagte ihr hoffaͤrtiges hartes Hertz, das gerne recht behal⸗
ten, und nicht demuͤthig werden wolle, ſehr an, und ließ ſich meinen wohl⸗
| | Bi. ge
*
+
x
Diarium.!) 2057
—æ— bdô
gemeinten Rath in Abſicht auf künftige Vorfallenheiten gar wohl gefallen. Anno
on die er neuen Verbindung der Hertzen wird das Reich Gottes unter , 42.
uns viel Nutzen haben, denn ihrer beyder gemeinfchaftlich Gebet zu GOtt Se
ben ‚ für die Gemeine, Waͤyſenhaus, Wohlthaͤter, gantze
hriſtenheit, und alle Menſchen iſt ſehr brünſtig. Auch dis erläutert mir
die bisher betrachtete Helden⸗Hiſtorie. Der Herr trete ferner den Sa⸗
tan unter unſere Fuͤſſe in Kurtzem. V
dei, den za Sept. 1 85
8 Dach ietzt wegen meines noch nicht völlig curirten Arms und einiger
Leibes⸗Schwachheit weiter nichts thun, als Dienſtags und Freytags auf
die Plantationen reiten, auch in der Stadt nicht Leute gar wol beſuchen
kan, ſo habe angefangen des feligen Herrn Prof. Franckens Colleg. Paſtora-
le, welches im vorigen Jahre zu Halle gedruckt, und uns unter andern ſchoͤ⸗
nen Büchern vor Kurtzem zugeſchicket worden, in der Stille zu leſen, mich
daraus im Ehriſtenthum und Amte zu erbauen. Ich preife den HErrn
für dieſe unverdiente Wohlthat, die er mir durch dieſes ausbuͤndig⸗ſchöͤ⸗
ne Buch ſcheucket: denn ich finde darin Oel und Wein für meine Wun⸗
den, und habe ich mir dergleichen Arbeit, die auf die Hauptſache ohne
Umſchweife und Weitlaͤuftigkeit gehet, zu leſen gewuͤnſchet. Wenn eis
ner im Amte ſtehet, und laͤßt ſich die anvertraute Seelen⸗Sorge der Er⸗
wachſenen und Kinder zu feiner eigenen Seelen Errettung auf dem Ders
gen liegen; ſo findet er fo viel zu hun, daß er groffe Bücher nicht viel nach⸗
leſen kan ſo viel Zeit aber finder ich noch wol einen fo kurtgefabten Tra⸗
eat durchzugehen, ſo nach und nach geſchehen kan darin auch das Hertz
eines Lehrers, der gern ein treuer und kluger Haushalter werden will, ein
recht pabulum findet. Wegen des groſſen Segens, den ich durch GOttes
Barmhertzigkeit in dieſer Schrift finde, wuͤnſche ich, daß fie allen, nicht nur
Studioſis Theologiæ, ſondern auch neuangehenden und andern Predigern,
2
elche ihrem HErrn gern braͤuchlich, und immer treuer werden wollen
und auch bleiben, in die Haͤnde komme. ;
ff , 2.
Es iſt heute ein ſtarcker recht kalter Weſt⸗ Wind entſtanden, der
uns bald, wo er anhalten ſolte, Nacht⸗Froͤſte bringen wuͤrde, ob man
es wol von dieſem Lande, das unter dem 32. Grade liegt, kaum vermu⸗
N
then ſolte. Weil der liebe GOtt bisher anhaltendes trockenes Wetter
gegeben, ſo haben unſere Leute die bequemſte Zeit gehabt ihren leiblichen
Segen im Felde einzuſammlen, wie ſie denn treulich gethan, und mit
Bohnen, Reiß, Kürbis, auch wol Korn noch immer beſchaͤftiget find, 10
e 8 | vol
=
20058 Diarium. .
Anno voͤllig einzubringen. Die Bohnen wachſen ungemein reichlich; und ſolte
1742. man darauf gekommen ſeyn eine einige a parte zu pflangen, und hernach
Sept. die dovon gewachſenen Bohnen zu zehlen, würde man ſich uͤber die groſſe
Vermehrung und zugleich über die Weisheit, Guͤte und Allmacht Gt.
tes nicht gnug wundern koͤnnen. Es werden einzele Bohnen oder auch ei⸗
ne Art Indianiſcher rothen Erbſen, welche groͤſſer als die teutſchen Zucker⸗
Erbſen find, zwiſchen das, vier Fuß von einander gepflantzete Indiani⸗
ſche Korn in ein Loch geworfen, die anfangs, weil ihnen das Korn ſcheint
einige Nahrung aus der Erde zu entziehen, auch Schatten macht, etwas
langſam wachſen: wenn aber das Korn reif, und umgebogen wird, ſo
wachſen ſie ſchnell, laufen an dem die Hälfte umgebogenen dicken Korn⸗
Stengel als an einem adminiculo herauf, und uͤberziehen Erde und Korn
wie mit einer grünen Tapete. Wenn die erſten reif worden, fo bluͤhen die f
folgenden an eben der Rancke oder Stroh, werden wieder reif, bis den
Froſt kommt, und die ubrigen Bluͤthen toͤdtet, und die jungen Schoten
oder Huͤlſen der Bohnen gleichſam verbluͤhen, welche zum Vieh⸗Futten
gebraucht werden. Gleichwie die Menſchen bey den Wunder⸗ vollen
Geſchoͤpfen der Voͤgel und Blumen, weil ſie ſie immer vor Augen ha⸗
ben, und derſelben gewohnt ſind, ſich unachtſam beweiſen / daß der
HErr fie ausdrücklich darauf weiſen und fagen muß: Sehet die Voͤgel ö
unter dem Himmel an, ſchauet die Lilien und Blumen auf dem
Selde; ſo gehet es auch bey dieſen und andern Feld⸗Fruͤchten, und ſolte |
E
man ja wol als ein vernünftiger und noch vielmehr chriſtlicher Menſch ſich
ermuntern, fleißig die Wunder in der Natur zur Erkaͤntniß, und Vereh⸗
rung der Weisheit, Guͤte und Allmacht des Schoͤpfers zu betrachten, und
auch die Kinder in Zeiten dazu zu gewoͤhnen. Das waͤre ein nuͤtzlicher
und geſegneter Spatziergang in dem Garten GOttes. Das Einſamm⸗
len aller hiefigen Bohnen und Erbſen iſt etwas muͤhſam, weil ſie ungleich
reif werden, und nicht wie die Erbſen in Europa abgemaͤhet oder mit dem
Stroh eingeſammlet werden koͤnnen. Doch verlohnt es ſich der Mühe,
weil Bohnen und Huͤlſen, die erften für Menſchen und die andern fuͤrs
Vieh ſehr nuͤtzlich gebraucht werden. Denn Pferde und Kuͤhe freſſen die
Huͤlſen oder Schalen allein faſt ſo gern, als die Bohnen oder Korn. Die
Hirſche freſſen auch nicht nur die grünen jungen Bohnen ⸗Stengel und
aub, ſondeen auch grüne und duͤrre Bohnen fo geſchwinde weg, als fie
nur wachſen, wenn ſie nicht abgehalten werden. Die Baͤren, Eichhoͤrn⸗
chen und andere, dem Korn gefährliche Thiere, laſſen ſie unbeſchaͤdiget.
Don⸗
1
1 . Diariaß 2059
DSSDDtiäonknerſtag, den3o.Sep. rn
8 Ich kehrte bey einem frommen Manne ein, den ich etwas niederge 142.
ſchlagen fand. Er hat in der letzten Erbauungs⸗ Stunde aus dem An⸗ Sept.
je des 24. Cap. 2 B. Sam. und aus andern Schrift⸗Oertern ver⸗
en
*
*
nommen, daß wir unſere Suͤnden nicht nach der Vernunft, und der Mey⸗
5 enſchen, ſondern nach der heiligen Schrift beurtheilen
muͤßten, wenn wir nicht fehlenund Schaden nehmen wolten. Da denn
gezeiget wurde, was die heilige Schrift uͤber die Suͤnden, welche in Ge⸗
en, Begierden, Geberden, Worten und Wercken geſchehen, vor
Urtheil fälle, welches, wenn man es recht bedencket, und ſolchem Ur⸗
theile als einem untruͤglichen Worte GOttes glaubt, einem die Leichtſin⸗
nigkeit und Sicherheit vertreiben ſolte. Es gibt Dinge, die man, wie
f hier bey David die Zehlung des Volcks, per ſe indifferent, unſchuldig,
und weder gut noch böfe heiffen koͤnnen, wenn fie aber zur Handlung und
von jemanden vollbracht werden, ſo ſind ſie nicht indifferent, ſie werden
geachtet, und geurtheilet, wie die Perſon, die ſie thut, beſchaffen iſt. Ein
bekehrter Menſch iſt ein guter Baum, und bringet gute Fruͤchte, daß
alle ſeine Handlungen, auch die geringſten, als Korn, Bohnen, Reiß meſ⸗
fen, Kürbis zehlen ꝛc. nicht nur gut, ſondern auch ein veritabler Gottes⸗
dienſt ſind. Hingegen ein unbekehrter Menſch, oder der das Fleiſch wie⸗
derum zu feiner Herrſchaft kommen läßt, iſt, und wird ein boͤſer Baum,
der nichts als boͤſe Fruͤchte traͤgt, und find feine beften Wercke ohne Glau⸗
ben, als dem principio bonarum actionum fplendida vitia, wie es der ſel.
Lutherus ausdruckt. Den Reinen iſt alles rein, den Unreinen aber und
Unglaͤubigen iſt nichts rein Tit. , 15. vergl. Matth. 6, 22. 23. dabey die
Zuhörer nicht nur auf ıhr ietziges, ſondern auch voriges Leben in patria,
in Teutſchland, auf der Reiſe, und hier im Lande gefuͤhret, und ihnen die
Sprüche Matth. 12, 3557. und 1Cor. 4, 5: ans Gewiſſen gelegt wurden.
Dieſen über feine Suͤnden bekuͤmmerten Mann führte ich hiebey auf die
neulich betrachtete Hiſtorie von dem freyen und offnen Brunnen unter
dem Thor zu Bethlehem, welcher ein herlich Vorbild auf CHriſtum ge⸗
weſen, bey dem Rath und Troſt für bußfertige Sünder zu finden iſt. Er
wuſte wohl, wie groß und lieb ihm CHriſtus werde, wenn ihm SOTT
die Suͤnden aufdeckt, und ihm alles eigene Gute zunichte machet, und
Igleichſam in den Koth wirft; hingegen daß CHriſtus mit feinem theuren
Verdienſt wenig geachtet wird, wenn man die Sünden und den damit
verdienten Zorn im Gewiſſen nicht recht fuͤhlet. 8
20 Americ. XI. Sort. 90 Ocro.
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| | Freytag, den . Get.
In der heutigen Erbauungs⸗Stunde auf den Plantationen wurde
der Greuel der Trunckenheit vorgeſtellet, und den Zuhoͤrern gezeiget, was
ihr Verhalten in Abſicht auf ſolche aͤrgerliche Menſchen ſey, welc es hof⸗
fentlich bey den Suͤndern und andern guten Eindruck geben wird. Meine
Zuhörer wurden heute vor den Suͤnder
net, uͤber welche der Zorn des HErrn (wie es 2 Sam. 24, . fuͤrchterlich
ausgedruckt wird) abermal ergrimmet iſt: ſie werden zwar nicht ſpecifici⸗
ret, es ift aber aus andern Stellen in den Hiſtorien und ſelbſt aus den Pſal⸗
men Davids abzunehmen, daß es unter der gluͤcklichen Regierung Davids
beym Genuß des erwuͤnſchten Friedens und des öffentlichen wohleinge⸗
richteten Gottes dienſtes, und fo vieler leiblichen Wohlthaten in Jeruſalem
und gantzem Lande eben fo zugegangen iſt, wie Ezech. 16,49. 50. ſtehet:
Siehe, das war deiner Schweſter Sodom Miſſethat: Soffart und
alles vollauf (da man im Eſſen, Trincken, Kleidern ꝛc. wacker drauf ge⸗
hen ließ) und guter Sriede ꝛc. Was haben wir doch in dieſem Lande, darin
Sodoms und Jeruſalems Greuel in vollem Schwange gehen, zu gewar⸗
ten, wenn der Herr (wie Le. ſteht) darein ſehen wird? Es heißt auch
hier aus Jeſ. 1, 9. Wenn uns der SErr Zebaoth nicht ein weniges
ließ uͤberbleiben, fo wären wir wie Sodom ꝛc. Der Herr ver
mehre und ſtaͤrcke ſein Haͤuflein, daß ſichs durch Gebet wider den Riß ſtel⸗
le und zur Mauer mache. | 15 Non |
Sonnabend, den2.Dc.
Der gute Chriſtian Riedelsberger iſt einige Zeit her uͤber eine gewiſſe
Sache, welche feine Perſon und Eheſtand betrifft, etwas niedergeſchla⸗
gen und bekuͤmmert geweſen; heute aber fand ich, daß er ſein Hertz im
Glauben und Geduld faßt, und getroſter wird, wie ich ihm denn auch ei⸗
nige Gruͤnde vorlegte, welche vollends alle beſorgliche Gedancken, wie ei⸗
nen Nebel tilgen koͤnnen. Was der Apoſtel Jacobus von andern Kran⸗
cken, die an den HErrn JEſum glaͤubig find, ſagt, das trifft auch bey
dieſem rechtſchaffenen Riedelsberger ein: Das Gebet des Glaubens
wird dem Kraͤncken helfen. Denn da faſt kein Mittel anſchlagen wol⸗
te, fo hat er, und haben andere mit ihm, deſto mehr im Glauben gebetet;
welches GOtt einer deutlichen und gnaͤdigen Erhoͤrung, wieder ſein und an⸗
derer Vermuthen, gewuͤrdiget hat. Er wird alle Tage in den Gliedern
ſtaͤrcker, und bekommt auch ſeine ordentliche Sprache wieder, die vorher
ſehr
der Unterthanen Davids gewar⸗
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Anno herum ſchwebt/ oder ſcheinet verloren zu ſeyn. "Herr f tor Mühlenberg a:
1742. hat feinen Weg um destoillen hieher genommen, weil es der Herr
Oc Prediger Ziegenhagen vor gut Ru daß ich ihm nach Pen
Geſellſchaft leiſten, und nach der
Dienſtag, den 5. ett.
- GOTT hat mir dieſen Vormittag in der Verſammlung auf den
8 Plantationen eine ſehr vergnuͤgte Stunde geſchenckt, und ich glaube ge⸗
ö wiß, der Segen daraus hat ſich nicht nur auf mich, ſondern auch wol auf
meine Zuhoͤrer erſtreckt. 5 10 PR
Nach der Erbauung hatten wir des Rupr. Zittrauers juͤngſtes
Soͤhnlein zu begraben, welches in der vergangenen Nacht geſtorben war.
Ich redete bey dem Grabe davon, daß der Tod in der Welt unter den beſten
und liebſten Freunden, wie Ehe⸗Gatten, Eltern und Kinder ꝛc. find, groß
ſe und ſchmertzliche Trennung mache, es ſey aber ein Tag der voͤlligen und
ewigen Wiedererſtattung vorhanden, da das voͤllig und auf ewig geſchehen
wird, was im neulichen Evangelio zum Vorbilde ſtund: Der HErr gab
den aufgeweckten Juͤngling und eintzigen Sohn ſeiner Mutter wieder.
Welche Freude iſts hier, wenn gute von einander geſchiedene Freunde
wieder zuſammen kommen: was aber wird ſolche ewige gantz unſuͤndliche
Zuſammenkunft der Seligen in der Auferſtehung der Gerechten vor Freu⸗
de und Seligkeit bringen? Solten uns nun die Unſrigen wieder gegeben |
werden, und wir mit ihnen auf ewig wieder zuſammen kommen, ſo muͤß⸗
te dis ietzt in der Gnaden ⸗Zeit unſere liebſte Beſchaffngung fon, 05 |
Urnſri⸗
liebe
9
5
.
*
*
..
sun
x . Diarium. 2063
Unſrigen durch Buſſe und Glauben zu CHHriſto führen zu helfen, und ſol⸗ Anno
te uns nichts ſo ſehr, als ihr wahres Heil, am Hertzen liegen: denn wir 1742
koͤnnen doch auſſer uns ſelbſt in die Ewigkeit nichts als unſere Kinder, und Od.
welche wir die Unſrigen heiſſen, mitnehmen.
Kran 2; Mittwoch, den 6. Oct. |
Der junge Muͤller, des Uhrmachers Sohn, zeigte bey mir an, daß
erauf Gutbefinden feiner Eltern und aus eigener Neigung Willens ſey, die
Viehmagd im Waͤyſenhauſe Apollonia Krederin, ein ſtilles, arbeitſa⸗
mes und chriſtliches Menſch, zu heyrathen, und ſich heute mit ihr verlo⸗
ben wolle, und invitirte er mich in ſeiner Eltern Haus, ihr Vorhaben mit
dem Worte GOttes und Gebet zu heiligen, welches ich unverzüglich that,
und richtete das Wort GOttes und Gebet unter ihnen allen viel Bewe⸗
gung und Erbauung an. Es wird die Heyrath ſelbſt ſo bald noch nicht
vor ſich gehen: doch, da ſie vermuthen, ich reiſe weg, haben ſie vorher ihr
Vorhaben mir kund machen, und den Segen des HErrn durch mein Amt
dazu begehren wollen. | |
ER + Freytag, den 8. Det. .
Der HErr Paſtor Muͤhlenberg hat heute in der Erbauungs⸗Stun⸗
de auf den Plantationen und in der Stadt in der Betſtunde einen Vor⸗
trag aus GOttes Wort an die Gemeine gethan, welches der HErr an
allen ſegnen wolle. Die Saltzburgiſche Familie, welche mit Herrn Paſt.
Muͤhlenberg gekommen, nemlich Eltern und drey unerzogene Maͤgdlein
kamen gegen Abend hier an, und wurden zur Verſorgung ins Waͤyſen⸗
haus gethan, wofür ſie ſich ſehr danckbar bezeigten. Mein lieber College
war ſelbſt nach Savannah gereiſet, ſie mit unſern Leuten herauf bringen
zulaſſen, da aus der Ordre des Herrn Col. Stephens, die er deshalb ans
dern Leuten in Savannah gegeben, nichts worden war.
f Sonntag, den 10. Oct.
Dieſer Tag iſt uns ein recht merckwuͤrdiger und geſegneter Tag gewe⸗
ſen, und hat uns der liebe GOtt durch ſein heiliges Wort, und durch das
heilige Abendmahl, welches mit uns 66. Perſonen genoſſen haben, fo viel
Gutes erzeiget, daß wir ihm in der ſeligen Ewigkeit nicht gnug dafuͤr dan⸗
cken koͤnnen. Der liebe Herr Paſtor Muͤhlenberg war auch unter den
Communicanten, und recht hertzlich erweckt und erquickt. Es iſt heute jaͤh⸗
rig, daß unſere Kirche eingeweyhet worden, und haben wir unſere Zu⸗
hoͤrer der vielen geiſtlichen Wohlthaten, ſo ihnen GOtt in dieſer Kirche in
dem abgewichenen Jahre erzeiget hat, erinnert, und uns mit ihnen zu ſei⸗
nem Lobe erwecket. Nach der 5 Catechiſation nahm ich von
Her 9 3 der
Es waren manche von unfern Zuhörern dabey, welche nebſt vielen andern 1 N
ihn und den Herrn Paltor Muͤhlenberg bis ans Waſſer begleiteten, wo⸗
ſelbſt wir noch einmal von einander Abſchied nahmen, und ſie dem HErrn
emp
uns
wohlgemuth, getroſt und
des Evangelü wird koͤnnen eine Gemeine in Penſylvanien geſammlet wer⸗
den, mit der wir werden koͤnnen Ein Hertz und Eine Seele ſeyn. Es wurde
geſtern nachmittags nach Gelegenheit der Epiſtel davon gehandelt. Der
HERR laſſe es dazu kommen, um feiner Liebe willen, und zur Verher⸗ B
lichung feines Namens. Amen. e e
8 FN
Dienſtag,
n X . 4
| Diarium. 2065
3 Dienſtag, den 12. Oct. Anno
Heute gab mir der liebe Gott Gnade, meinen Zuhörern auf den 1742.
—
Plantationen und in der Stadt JEſum EHriftum zu predigen, als einen Oct.
Hohenprieſter, der da iſt heilig, unſchuldig, unbefleckt, von den Suͤn⸗
dern abgeſondert, und hoͤher, denn der Himmel iſt. Hierzu gaben mir Ge⸗
legenheit die Worte des HErrn JEſu Joh. g. Welcher unter euch kan
mich einer Sünde zeihen? So konte der HErr JEſus auftreten, und
mit groſſer Freudigkeit fragen; wir aber muͤſſen gantz was anders von
uns ſagen. Nemlich was da ſtehet Rom. 3, 23. Wer aber dieſes buß⸗
fertig erkennet, und ſich zum Glauben an dieſen unſchuldigen JEſum
bringen läßt, der wird durch fein Blut rein gemacht von allen Sünden,
alle ſeine Suͤnden werden ihm vergeben, die Suͤnde herſchet ſodann auch
nicht mehr uͤber ihn, und er kan nun auch auftreten und fragen: Wer
will verdammen? Denn ob die Suͤnde ſchon noch oͤfters tobet und wuͤ⸗
tet in ihm; ſo heißt es doch von denen, die in CHriſto JEſu ſind und blei⸗
ben, und nicht nach dem Fleiſche wandeln, ſondern nach dem Geiſt: es
ſey keine Verdammung an ihnen. | Ä 5 5
N PR Mittwoch, den 13. Oet. f
Des Nachmittags ging ich auf die Plantationen, einige Leute zu bes
ſuchen. Unterweges war es mir erfreulich, daß ich ſahe das Feld noch mit
allerley ſchoͤnen Blumen gezieret und geſchmuͤcket. Es würde faſt ausſe⸗
hen wie im Fruͤhling, wenn nicht die Blätter an den Buͤſchen und Bäumen
anfingen gelb zu werden. Ich ging ſonderlich hin zu der Perſon, der mein
lieber College des ſel. Speners lautere Milch des Evangelii zu ihrer Erbau⸗
ung geliehen hatte, indem ſie in einigen Wochen nicht hat koͤnnen bey dem
oͤffentlichen Gottes dienſte ſeyn. Sie ſagte mir, daß ihr iemand aus der
geſtrigen Erbauungs⸗Stunde etwas erzehlet haͤtte, worauf ich ihr noch
mit mehrerm zeigte, was ich von meinem Heilande Gutes geſaget hätte;
welches ihr gar lieb zu hoͤren war: nur bedaure ſie, daß ſie es nicht recht
ſich zueignen koͤnte, und ſo ging es ihr auch bey Betrachtung der herli⸗
chen Wohlthaten Gttes, wie fie in obgedachtem Buche vorgeſtellet
find. Sie laͤſe manche Wohlthat oͤſters durch, fie koͤnte es ſich aber
doch nicht recht anmaſſen, worauf ich ihr zeigete, daß fie durch die Gnade
Gottes gehöre unter die Armen am Geiſt, von denen der HErr JEſus
ſagete: Das Himmelreich ſey ihr. Sie müßte nicht fo auf das Fühlen ſe⸗
hen, ſondern ſich einfältig an fein Wort der Verheiſſung im Glauben hal⸗
ten. Ach der HErr erbarme ſich dieſer Perſon ferner, wie er ſchon gethan,
und ſtaͤrcke ſie maͤchtiglich im Glauben.
Don⸗
Oct.
U
2066 | Diarium.
— — —— —
Lager. Der eine iſt Peter Reiter, den der HErr ſeit einem Jahre durch ei⸗
Anno ede Donnerſtag, r 7 re
1742. Des Nachmittags beſuchte ein paar Nachbarn auf ihrem Krancken⸗
ne harte Pruͤfung hat zu ſich gezogen, indem er ihn hat laſſen lahm wer⸗
den, weil ein Baͤr vom Baum auf ihn gefallen. Er erzehlte mir, daß er
vor einigen Tagen mit Freuden hätte ſterben wollen, nun aber finde er ſich
nicht mehr ſo. Ich ſagte ihm aber, er muͤßte nicht aufs Gefuͤhl ſehen,
ſondern ſich im Glauben an EHriſtum halten, der ſey gantz feine, und
was ihm mangele, ſolte er bey JEſu ſuchen. Die andere war die Crau⸗
ſin, welche auch ſagen kan: Nun haſt du mich ja angenommen, als
ich bin flehend zu dir kommen es hats mein Hertz ja wohl geſpuͤhrt,
als es dein Gnaden⸗Blick geruͤhrt. Dieſe Perſon hatte eben das noͤ⸗
thig zu hoͤren, was ich dem vorigen gefagl. tt.
e Freytag, den F Dek
In der heutigen Erbauungs⸗Stunde auf den Plantationen laß die
Briefe meines lieben Collegen vor. Bey dem, was von Thomas Ste⸗
phens vorkam, fuͤhrte ich den Zuhörern zu Gemuͤthe, zu bedencken, mel»
che Sünde es ſey, ſich wider die Obrigkeit zu ſetzen, und ſolte ſich alfo ein
ieder huͤten, daß er nicht ſolcher Suͤnden mit theilhaftig werde. Zugleich
zeigete bey dieſer Gelegenheit oͤffentlich an, was ich dem Müller privarim -
geſagt Er haͤtte nemlich fragen laſſen: ob er des Sonntags auch mah⸗
len ſolte, weil die Leute Mehl brauchen? Darauf ich geantwortet: Das
waͤre wider die ausdruͤckliche Verordnung Gottes von der Heiligung
des Sabbats; wuͤrden wir uns darnach richten, ſo ſey es ihm ein leichtes,
uns die Mühle länger im Gange zu laſſen, wie Ers genug gezeiget. Dann
ob es gleich auf dem Lande wegen ausgebliebenen Regens gantz trucken
iſt, fo gehet doch die Muͤhle ietzt ſehr ſchoͤne, und hat nur wenig Tage duͤr⸗
fen ſtille ſtehen. Ja gefiel es dem lieben GOtt, das Waſſer wieder klei⸗
ner werden zu laſſen, fo hätten wir doch feinen Willen gethan, und esfey
ihm ein leichtes, nach ausgehaltener Pruͤfung 825 wieder zu helfen.
Sonnabend, den 16. Oct.
Als ich geſtern bey dem Muͤller war, ſo ſahe ihr Kindlein in groſſen N
Schmertzen in der Wiege liegen. Es war ein recht Jammer- Bild, daß
man hieraus einiger maſſen erkennen kan, was für Hertzeleid durch die
Suͤnde in die Welt kommen iſt. Schon damals, als ich in der Huͤtte
war, und hernach in der Erbauungs⸗Stunde, bat ich den Heiland, Er
möchte es von den groſſen Schmertzen auflöfen, und fo geſchahe es auch.
Als die Betſtunde aus war, fo kam jemand zu mir, und brachte mir die
Nach⸗
Diarium. 206
Nachricht, daß es geſchehen wäre, und ich möchte hinaus kommen, und Anno
es helfen begraben, welches auch geſchahe. Ich machte mir und andern 1742.
bey dem Begraͤbniſſe die Worte zu Nutze: Sein Jammer, Truͤbſal Ok.
und Elend iſt kommen zu einem feligen End: er hat getragen
CSriſti Joch, iſt geſtorben und lebet noch. Der HErr ſey gelo⸗
bet, daß er Gebet und Flehen erhoͤret hat, er mache uns alle willig CHri⸗
ſti Joch zu tragen; ſo werden wirs auch ſo gut haben, als dieſes Kind,
und alle treue Nachfolger JEſu CHriſt. 1150 Sr
„% Montag, den 18. Oet. *.
Weil mich der liebe GOtt noch geſtern Abend ſtaͤrckte, ſo hielt eine
Betſtunde, in welcher ich vor dem Gebet einen Anfang machte, etwas
vorzuleſen aus des B. Franckii Glauchiſchen Gedenck⸗Buͤchlein; und iſt
mein Vorſatz, alle Sonntage darin fortzufahren; wo mir der HERR
Kräfte und Leben darzu verleihet. Dieſen Morgen kam eine um ihr Heil
bekuͤmmerte Seele zu mir, und erzehlete, wie ihr bey dem geſtrigen Vor⸗
leſen aufs neue ſey in ihr Gewiſſen kommen, daß ſie in ihren jungen Jah⸗
ren die Sonntage ſo ſchlecht zugebracht. Ja, ſagte ſie hiebey, ich bin
gar zu ſuͤndig, es kommt mir vor, als ſey kein Menſch ſo ſuͤndig, wie ich.
Ich predigte ihr aufs neue CHriſtum, und daß fie ſich durch das Gefühl:
ihrer Sünden nicht davon ſolte abhalten laffen. -
BER Mittwoch, den 20.0. - u
Des Nachmittags kam eine von den alten Einwohnern zu mir. Sie
hat mir ſchon ofte erzehlen wollen, was G Ott an ihrer Seelen gethan, fie,
hat aber nie rechte Gelegenheit dazu gehabt, daher ſie es denn heute that.
Sie iſt gantz einfaͤltig, konte aber doch ſo viel ſagen, daß ihr der liebe
GoOtt ihr Verderben aufgedeckt, dabey fie in harte Anfechtung gekom⸗
men, ſie habe aber deſto eifriger und fleißiger gebetet, und der liebe GOtt
haͤtte ihr endlich ein leichtes Hertz gegeben. Wenn dieſe und dergleichen
Umſtaͤnde, die fie damals erfahren, anietzo in den Predigten vorkaͤmen,
fo würden ſie ihr aufs neue erinnerlich und lebendig. Ja, ſagte ſie, da ha⸗
be ich wohl erfahren, daß alles aͤuſſerliche beiden nichts iſt gegen den inner⸗
lichen Anfechtungen. Die erſte kraͤftige Aufweckung iſt noch in der alten
Kirchhuͤtte geſchehen, da ſie von meinem lieben Collegen in der Predigt ge⸗
hoͤret hat, man müßte JEſum CHriſtum durch den Heiligen Geiſt recht
ſehen und kennen lernen. |
ra Donna den z Det
Es war um den Mittag eine Perſon bey mir, welche noch immer die
alte iſt, kans aber nicht glauben. Sie weiß ſich in allem wohl zu rechte
Americ. XI. Sortſ. 9 P ferti⸗
Anno fertigen. Ich ſp
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2068 Daum 5 .
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Pa er Zar.
2. dare e he e e m ie ſey eine v ien, die
oa da fprechen : Ich bin reich, she eh r ſatt, und darf nichts
Der Here Jeſus aber ſpricht: und ei 3 daß du biſt elend
pn ‚Mensch, arm, blind und bloß Sie e Sede
e kuͤrtzlich:
Ds kan wol ſeyn 4. daß GOttes belaufen nabe ani r [93 gekle pfet,
d ſie ſolches gefuͤhlet, aber es iſt noch nicht k
bis zur Verände⸗
rung des Hertzens, und daß ſie ihren alten Adams Sinn gebrochen.
Es gibt folge Leute, wie dieſe eine iſt, die zufrieden find, wenn fie mer⸗
cken, wie Gott an ihnen kraͤftig zu arbeiten anfängt, aber fie gehen mit
der zuvorlaufenden Gnade nicht treu um, ſondern meynen, ſie haben nut
ſchon das Chriſtenthum, laſſen Welfen en ee aſſen d
Suͤnde uͤber ſich herſchen, und halten ſolches für. Schwachheiten. Das
iſt auch die Urſache, daß ich dieſe Perſon nicht oͤfters beſuche. Ich kan
nichts bey ihr ausrichten. Sie denckt und bleibt dabey, daß fie ſchon be⸗ |
kehret ſey, und bolches kanich ibr nicht zugestehen. Daher in alles Re.
den umfonft. Solche Leute hoͤren gerne was Gutes, wenn es aber auf
den rechten Punet kommt der auf die Toͤdung des alten Adams los ge⸗
Ss alsdenn ifts aus. Der Herr erbarme ſich ihrer und öffne ihnen die
ugen. |
| Peter Reiter hat das Tertian⸗ Fieber bekommen 5 der liebe GOTT
gibt ihm dabey das Elend dieſes Lebens deſto mehr zu erkennen, ee
net ſich mehr nach der ewigen Ruhe: unterdeſſen will er doch auch aͤuſſer⸗
liche Mittel gebrauchen, und den lieben Gott walten laſſen, wie er es
ſegnen will. Der redliche Klocker, als ſein Nachbar, hat auch die Fie⸗
ber⸗Cur gebraucht, das Fieber hat ihn verlaffen, nur iſt der Durchfallſo
ſtarck. Unterdeſſen iſt er im HErrn getroſt, und iſt zufrieden, wie es der
Err mit ihm machen will zum Leben oder Sterben. Er ſtehet in der
Gnade Gottes feſt, und danckt feinem Gott vielmals für das theure
Werck ſeiner Erloͤſung. Er iſt gar wohl damit zufrieden, daß ihn der lie
be Gott ſtaͤupet, (wie ers ſelbſt ausdruckte.) Solte er ſterben, fo wuͤr⸗
de der eine feine Kinder ſorgen; würde er noch Länger leben bleiben,
ſo wolte er gern allen Fleiß an fie wenden, damit fie mochten zur Erkaͤnt⸗
niß GOttes kommen, ſonderlich wolte er an der aͤlteſten keinen Fleiß ſpa⸗
ren, als welche gar nicht wohl was faſſen koͤnte. Zuletzt bat er mich, mit
ö ihm zu beten, und ermahnete feine beyde Maͤgdlein, daß ſie ja mit beten
ſbolten. Er brauchte unter andern dieſen . : es ſey nicht gut,
wenn
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Diarium. 2069
wenn der Menſch plotzlich hinftürbe ,es ſey beſſer, wenn er vorher leiden Anno
und kranck ſeyn müßte, weil er da Gelegenheit hätte, zur ſeligen Ewigkeit 1742.
beſſerzuberetet zuwerd . a:
N ENT een une un
Dien Brandner hat der liebe GOtt ſehr kranck werden laſſen, doch
laͤßt es ſich wiederum zur Beſſerung an. Sein Fieber⸗Kuchen incom⸗
modiret ihn (eh daher er ſich im Liegen darnach richten muß, damit er
eee Sr Er erzehlte mir heute etwas von ſeinen vori⸗
gen Umſtaͤnden on in Saltzburg hat der liebe GOtt kraͤftig an
ihm gearbeitet. Die vornehmſten unter den Evangeliſchen haben in den
ande Umſtaͤnden gerathen, daß ein ieder fleißig fuͤr ſich bete, damit
der HErr zeige, was zu thun und das befte ſy. Er habe dieſem Rath
auch gefolget, und fleißig gebetet; da habe aber der liebe GOtt fein Ver⸗
derben ihm ſehr aufgedecket, daß er nicht mehr habe beten koͤnnen, als das
Vater Unſer. Die Angſt ſeines Hertzens ſey ſehr groß geweſen. Als er
hernach nach Lindau gekommen, ſo ſeyen dieſe Umſtaͤnde in die zwey Jah⸗
re ſo fort gedauret, und er habe kein Hertz gehabt, fie feinen Lehrern zu
entdecken, doch ſey es hernach etwas leichter worden. Jetzo klagte er
ſehr uber Untreue. Ich ſagte ihm, wozu ihm der liebe GOtt dieſes zu
erkennen gebe. Von dem Peter Reiter erzehlte er mir, daß er ohngefaͤhr
vor drey Wochen waͤre mit ihm aus der Kirche nach Hauſe gegangen, da
hätte jener zu ihm geſagt: heute haben wir wohl wieder viel Gutes gehös
ret; es kommt mir vor, mein Leben in der Welt wird noch ſehr kurtz ſeyn,
ir ich will gerne ſterben. Als ich geſtern bey dieſem Peter war, ſo ſagte
er mir, es waͤren ihm in ſeinen Umſtaͤnden die Worte, die er oft gehoͤret,
eingefallen: Ich hang und bleib auch hangen an Coriſto, als ein
Glied, wo mein Haupt durch iſt gangen, da nimmt es mich auch
mit. O! ſagte der Brander, was iſt dieſer Peter ſonſt vor ein Menſch
gg 5 10 hat ihn nun die Gnade gantz umgekehret. Ich ſetzte
diu allelujah. N Bi,
. Sonnabend, den 23. Oozet.
Martin Hertzog ſagte mir heute, ietzt kaͤme er auf die rechte Spur
zum wahren Chriſtenthum: ſein bisheriges Leſen und Hoͤren haͤtte ihm
nichts geholfen, weil er nicht um den Heiligen Geiſt gebeten. Da er aber
ſolches jetzt thaͤte, fo wuͤrde es gantz anders mit ihm, nur wuͤnſchte er,
daß er treu ſeyn moͤchte. Ich ſagte: der HErr JEſus wolle gantz fein
ſeyn, bey dem koͤnte er alles bekommen, und ich glaubte, es wuͤrden auch
an ihme die Were Gottes noch offenbar Era Ich bin, ſprach er,
Fr 9 2 nun
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1742. kommen. 5
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Sante, den 29. =; m
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and menge Haleelu jah.
Sonnabend, dene. Ock.
i ee Et TERN,
SGott Lob! der mich (Bolt ium); gewuͤrdiget hat, meinen lieber
Collegen und unſere gantze Gemeine im egen wieder zuſehe in
de von ihnen aufs freundlichſte bewillkommet, und war die Freude
unſere unvermuthete Zuſammenkunft und Wiederfehen ſehr groß. Was
wird doch einmal i im Himmel vorgehen „wenn wir mit unſern vorausge
gangenen lieben Zuhoͤrern, und andern wahren Gliedern CHriſti, auf ewig
wieder werden zuſammen kommen. Ich brachte mein Reife Diarium
in einige Ordnung, weil ich die Contenta deſſelben, und wie mich der
BeErr auf dieſer Pilgrimſchaft gefuͤhret, unſerer Gemeine und unſern
Freunden i in Europa, mittheilen muß. Ich will es dieſem Diario ein⸗ 1
verleiben, und kehre alſo auf dieſelbe Zeit zurück, da RR 055
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Reiſe Diarium.
N Dienſtag, den 12. Det. 1742.
Jachdem mehrere chriſtliche Freunde für gut angeſehen, mit
Herrn Paſtor Muͤhlenberg nach Penſylvanien zu reifen, ſo
gieng noch geſtern Abend um g. Uhr die Reife vor ſich, nach⸗
dem wir uns mit Gebet und Worte Gottes darauf geſchickt hatten.
Wir wurden bis zum Boot faſt von allen Leuten aus der Stadt unter vie⸗
len Thraͤnen, und mit den hertzlichſten Segens⸗Wuͤnſchen begleitet, da
denn das Scheiden zwar wehe that, die Gnade aber uͤberwand die Zaͤrt⸗
lichkeit und Schwache der Natur. Bey der Ernſtin ihrer Plantation
trat Theobald Kieffer in unſer Boot, uns als ein frommer und erfahrner
Steuermann nach Charles⸗Town zu bringen. In Purrysburg kande⸗
ten wir an, weil das Waſſer wider uns war: wir ruheten bis um 3 Uhr,
und ſchickten uns denn mit Gebet wieder auf unſern Weg, da wir denn
um 10. Uhr vormittags in Savannah am Leibe und Gemuͤth geſtaͤrckt,
ankamen. Ich traf noch den Eap. Grand, der eben nach Friderica fah⸗
ren wolte, hier an, und empfing von ihm guten Rath und ein Recommen⸗
dations⸗Brieflein an einen frommen Kaufmann in Charles⸗Town,
welcher mir fuͤr die Gemeine wohlfeile und gute Waaren, und vornemlich
eine gute Gelegenheit nach Penſylvanien verſchaffen wird. Durch dieſen
8 beſtellete ich 2. Briefe nach Frideriea, einen an den Herrn
Gen. Oglethorpe, und den andern an Mr. Jones, darin ich ihnen von
meiner nach GOttes Willen übernommenen wichtigen Reife Nachricht
gab, und fie der Vorſorge GOttes, und mich und meine Gemeine ihrer
fernern Gewogenheit empfahl. Herr Paft. Muͤhlenberg ſchrieb durch
mich auch an den Cap. des Schiffs, mit welchem er uber die See gekom⸗
men war, in welchem er für feine Liebe danckete, ihm fuͤr ein paar Stücke
die Bezahlung anweiſen ließ, ihn auch der unter einander gefuͤhrten geiſt⸗
lichen Geſpraͤche und feiner guten Vorſaͤtze erinnerte. Herr Palt. Muͤh⸗
lenberg hat in Savannah auf einen von Herrn Verelſt empfangenen
Wechſel vom Col. Stepehns Geld pro Salario und zu Reifekoſten von
hier nach Penſylvanten aufzunehmen, es mangelt aber an baarem Gelde,
und alſo nehmen wir den Wechſel nach Charles Town, und kaufen da⸗
mit fie unſere Gemeine und Waͤyſenhaus wohlfeiſe Waare ein, daraus
hernach mein lieber College, Herr Gronau, unſer und des Schulmeiſters
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die Herr Paſt.
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Mittwoch, den. O cbt.
Wir fuhren zwar dieſen Morgen in GOttes Namen von hier ab,
well aber der ind ſtarc gegen une und es ſchr gefährlich war dn
Sund an der Muͤndung des Savannah ⸗Fluſſes zu as c gu m:
rn
Diarium. 2073
teutſchen Mann unter freyem Himmel auf ſeinen Knien liegen, dem ich bis ⸗ Anno
her wenig Gutes zugetrauet hatte. Bey eines Hollaͤnders Haufe ging 1742.
ich nach der geſtrigen Betſtunde vorbey, und hoͤrte, daß er das gehörte Oc.
Wort feiner Frauen gar ernſtlich wieder erzehlte, auch heute gegen Abend
durch feine zwey kleine Kinder begierig fragen läßt: ob eine Betſtunde
würde gehalten werden? Mein Vorhaben iſt, mir mit meinem Reiſe⸗
ren ieden Tag einen Pfalm einfältig unter Meditiren, Gebet und
Geſpraͤch zu Nutze zu machen, welches der Err an uns allen, wie er
ſchon dem Anfange nach gethan, reichlich ſegnen wolle. Vorm Schla⸗
fengehen kamen wir mit unſerm Steuermann Kieffer in ein ſehr erbaulich
Geſpraͤch, daraus Herr Muͤhlenberg die groſſe Gnade erkennen konte,
welche GOtt dieſem Kieffer, ſeinem Weise, Schwieger - Eltern und an⸗
dern, welche in voriger Zeit entweder tief in Suͤnden oder eigener Gerech⸗
tigkeit geſteckt hatten, ſeit Kurtzem erzeiget hat. Mein Hertz wurde un⸗
ter dieſen Zeugniſſen der Gnade GOttes, fo dieſer Kieffer ablegte, zur groſ⸗
ſen Freude und Lobe GOttes erwecket. b 1
SE Sl Dioonnerſtag, den 14. Oct. 8
Diefen Morgen erbaueten wir uns gemeinſchaftlich aus dem aten
Palm, da wir denn die erſten Worte von dem muͤndlichen und thaͤtli⸗
chen Widerſpruch gegen das Amt und die heilige Perſon CHriſti beſſer zu
verſtehen, und uns zu Nutze zu machen Hebr. 12,3. conferirten. Geden⸗
cket an den ꝛc. Daß er noch immer in ſeinen Knechten und Kindern Op⸗
poſition leiden muß, und wie man ſich dabey zu verhalten, lerneten wir
aus Ap. Geſch. 4. da die Gläubigen alles, was ihnen auch nach Inhalt
dieſes Pſalms von der Welt begegnete, ins Gebet einfuͤhrten, und auch
dadurch ihren groſſen Koͤnig und Heiland kuͤſſeten, und lebendig unter und
nach dem Gebet den Schluß des Pfalms erfuͤhren. Wohl allen, die auf
ihn trauen. Kt |
x a Freytag, den 15. Oct. | eg
Geeſteen Abend war eine Chalouppe von Neu⸗Morck hier eingelau⸗
ſen, welche ziemlich wohlfeil Mehl hieher gebracht hat. Ein junger
Menſch war darauf, welcher von den Spaniern bey Friderica war gefan⸗
gen, nach Havannah und endlich nach Spanien gefuͤhret worden,
und nun wieder nach Friderica zurück ging. Nach dem zwiſchen England
und Spanien aufgerichteten Cartel iſt er mit ſeinen Mitgefangenen, derer |
fehr viel aus allerley Nationen, auch ſo gar Griechen geweſen, über den
Fluß an der Graͤntze Portugals geſetzt worden, da denn die Englaͤndiſche
Kaufleute ſie hie und da auf die Engliſche Schiffe, darauf ſie nach ihren
Orten fahren konten, gebracht haben. Die Engliſche Gefangenen ſind
ie | a zwar
4
1742. de
200
Bu 2
Sonnabend, den 16. Oct.
Es hatten ſich geſtern Abend die teutſchen Leute
el n Abend die teutfchen Leute zur Betſtunde (bon,
guten theils verſammlet: weil aber das Wetter zur Abreiſe farorabel
worden; ſo ſchickten wir uns aufs Boot, und fuhren unter Beten, Sin;
gen und gutem Geſpraͤch, welches ſonderlich das Reich GOttes in
Teutſchland betroffen, auf den gefaͤhrlichen Savannah⸗ Sund zu.
GoOtt ließ es uns auch dismal gelingen, daß wir ohne groſſe Schwierig⸗
keit und Gefahr in der Mitternacht gluͤcklich daruͤber paßirten, und her⸗ i
nach im Fluſſe auf eine neue Tide warteten. Es erhub ſich darauf ein
ſtarcker widriger Wind, der uns nicht über den Sund gelaſſen haͤtte, |
wenn wir nicht ſchon Darüber hin geweſen wären. Es fallen hier zwey
groſſe Fluͤſſe, einer von Savannah, und der andere von Port Royal, in f
die See, und weil das Waſſer aus der See alle 12. Stunden auch zuruͤ .
cke fälle, fo entſtehen in dieſem Sunde verſchiedene gefährliche Sand
Bände, auſſer daß es auch hin und wieder Auſter⸗Baͤncke gibt. Ge⸗
raͤth ein Boot mit ablaufendem Waſſer oder der Ebbe darauf, ſo muß f
es bis zur Fluth ſitzen bleiben: und weil ſich oft hier ploͤtzliche Winde erre⸗ 6
Dierium 25 207
. ven erg
5, und haben ſchen viele ihr Leben hier eingebüffer. Anno
Bi rei Arbeiter da waͤren, koͤnte mit nicht gar vielen Koſten 1742.
| —— daß man den Sund vermeiden, und gar kurtz und leicht auf dem
Savannah: Fluß in den andern überfahren Eönte. In Carolina hat
man an zwe Orten durch die Negers es ſo gemacht, welches vielen Nu⸗
ben hatt So bald man den Sund paßiret iſt, kommt man an einen zus
1 auf einer zu Port⸗Royal gehörigen Inſul, welcher
Blob 9 Do Moin Bei, oder der blutige Spitze, weil vor einiger Zeit die
Spaniſchen Indianer ein groß Boot voll weiſſer Leute hier maſſaeriret ha⸗
den. E fiden ſich hier etliche Plantationen ‚ auch wilde Pferde und
r Hin und wie der gibt es auf dieſer Inſul, wie auch auf einigen
8 andern, tiefe Gruben, darin immer Regenwaſſer ift, davon die Pferde
und Vieh trincken: ſonſt muͤſten fie crepiren, weil in dem Fluſſe lauter
Seewaſſer iſt. Sie fangen die wilden Pferde mit debens Gefahr, und
machen ſie mit Muͤhe zahm. Weil ſie nichts als Graß freſſen, haben fie
im Laufen einen kurtzen Odem, und werden von dem Reiter und ſeinem
zahmen Pferde nach und nach aus dem Odem gebracht, und gantz taum⸗
lich macht, darauf man ihnen mit einem Strick noch den Hals zu⸗
ret, da fe denn fo kraftlos werden, daß man fie leicht 7 a |
sr gen kan.
| Sonntag, den 17. De. |
Weil uns geftern der Nord⸗Oſtwind heftig zuwider war, ſo konten
wirbichweler als in die Gegend des Port⸗Royal Sundes fahren. Die⸗
fer iſt zwey Stunden lang, hat zwar nicht fo viele Sand⸗ und Auſter⸗
Baͤncke, als der vorige, doch iſt er bey contrairem ſtarcken Winde auch ge⸗
faͤhrlich. Es war Abend, und alſo kehrten wir auf eines Englaͤnders,
der uns bekant, = Plantation ein, welcher uns auch ſehr freundlich auf;
nahm ‚und uns nicht nur gutes Quartier, ſondern auch Gelegenheit ver⸗
ſtattete, uns den gantzen Sonntag mit Singen, Beten und Betrachtung
des goͤttlichen Worts zu erbauen. Geſtern Abend praͤparirten wir uns
in dieſer warmen Stube auf den Sonntag, mit Betrachtung des sten
a und beteten; worin uns der Englaͤnder mit ſeiner Frau Geſell⸗
3 aft leiſtete. Am Sonntage ‚als heute, kamen ein paar Engländer zu
Pferde in dis Haus, juſt in der Stunde, in welcher Herr Muͤhlenberg
etwas aus dem Evangelio Matth. 22,34. zur Erbauung vortrug. Sie
ſtoͤrten uns aber nicht, und reiſeten in Stille bald wieder von uns. Wir
f wurdcn zu Mittag hier zu Gaſte gebeten, er der e Bruder, ein
Americ. XI. Sortſ. | Sol⸗
1 n
Ufer durchgegraben, und alſo eine ſolche Paſſage gemacht Ock.
?
Anno
1742.
E Oct.
2076 | Diarium. 5
A
Soldate aus dem Fort Venture am Alatamaha⸗Fluß, mitfpeifete. Er
that ſich Gewalt an, nicht nach der Landes ⸗uͤblichen Gewohnheit zu flu⸗
chen: weil er aber doch unter dem Geſpraͤch GOttes Namen mißbrauch .
te, und ſichs nicht thun ließ, oͤffentlich ihn zu beſtrafen; ſo legte ich hernacgg
ſeinen beyden Schweſtern in den Mund, was ſie ihm freundlich nach In⸗
halt des andern Gebots ſagen ſolten. Mit dem Haus wirth wurde unter
andern davon geredet, welche groſſe Verantwortung er ſich wegen ſeiner
Negers auf den Hals lade, weil er ſie nicht zur chriſtlichen Lehre anfuͤhre.
Er machte die gewoͤhnlichen Ausfluͤchte, als: ſie waͤren nur zur Sclave⸗
rey erſchaffen, wolten und koͤnten nichts faſſen, wuͤrden nur aͤrger da⸗
durch ꝛc. welches alles aber ihm durch beſſere Erfahrung widerleget
wurde. Er brachte auch den Spruch vor: Welchem viel gegeben
iſt ꝛc. Weil nun den Negers wenig gegeben waͤre, ſo wuͤrde wenig von
ihnen gefordert werden. Ich applicirte aber den Spruch auf ihn: Ihm,
als einem Haus vater, ſey auch durch die Negers viel gegeben, und alſo liege
dahero mehr Verantwortung auf ihm. Wir erbaueten uns mit Sin⸗
gen, Beten und Betrachtung der ſchoͤnen Sonntags⸗ ene ee 4.
bis gegen Abend, und weil der Wind ſtille wurde, fuhren wir in Gs
Feuer ⸗Seule einen Winck gegeben, den Sonntag ſtille zu liegen, und in
dieſem Hauſe unſere Erbauung zu haben. Bey der Epiſtel wurde meinen
Reiſe⸗Gefaͤhrten geſagt, welche Wohlthat es vor ſie ſey, daß ſie wie zu Hau⸗
fe, alſo auch hier auf der Reiſe, beſtaͤndig aus GOttes Wort erbauet wer⸗
den koͤnten, und iſt ihnen aus dem Hertzen Gottes der gantze Reichthum
ſeiner Gnade an ihr Hertz geleget und gezeiget worden, daß, wenn ſie auch
gleich, wie die Corinthier, in dem aͤrgſten Suͤnden⸗Unflath geſtecket haͤt⸗
ten, ſie doch in goͤttlicher Ordnung zur Gnade und Gewißheit des Gna⸗
den⸗Standes kommen koͤnten. Hier war noch kein Reif oder Nachtfroſt
geweſen, daher das Potatoes⸗Laub noch voͤllig grün, und dieſe Erdaͤpfel
im Wachſen waren; bey uns aber haben wir ſchon vor zwey Wochen har⸗
ten Froſt gehabt.
f Montag, den 18. Oct. 2
ergangene Nacht kamen wir zwar bey ſtillem und heiterm Wetter
über den groſſen Port Royal⸗Sund: weil uns aber im Fluſſe das Wap
ſer oder die Ebbe entgegen lief, ſo muſten wir in einer Gegend, wo man
a des vielen Schlammes und Seegraſes (fo fie hier Maſch heiffen)
au
I
ttes
Namen weiter. Wir lobeten GOtt, daß er uns durch den confraiven
Sturm ⸗aͤhnlichen Wind, gleichſam wie dorten durch die Wolcken und
unſerm Boote das Nachtlager halten. Es war heftig 85 wi |
| brauch⸗
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Eompagnien gehabt.
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uns,
dagegen ſuͤſſes Waſſer, weil das Ihrige aus war. Man muß hier fü
Waſſer allenthalben mit ſich führen, weil in den Flüͤſſen nur lauter En
OR 5 2 waſſer
2078 Diem
Anno waſſer iſt. Auf den Plantationen, die aber meiſtens ſehr abgelegen find,
1742. gibt es keine Brunnen, ſondern nur Gruben, darinnen ſuͤß Waſſer quil⸗
O4, let, es kommt aber dem ee EbenEzer in der Güte bey weitem
in C
nicht bey, doch iſt es beſſer, als |
kamen wir durch lauter krumme Crecks an ein hohes Ufer, wo wir etwas
Warmes zum Abendeſſen zubereiten konten. Gemeiniglich kochten wir et⸗
was Coffee, und aſſen Butter und Brodt, auch kalte Kuͤche und Potatoes.
Wir genoſſen alle unter dem Segen GOttes eine beftändige Geſundheit.
Gebet und gutes Geſpraͤch war die Nahrung unſerer Seelen; wie auch
die zte Continuation der Eben zeriſchen Nachrichten, welche Herr Paft.
Muͤhlenberg bey ſich hatte, und daraus las, war dazu eine Beyhuͤlfe, theils
waren auch die letzten Stunden einiger Saltzburger an uns geſegnet.
41 81 Dienſtag, den 19, Del,.
Vergangene Nacht haben wir bey fehr heiterem ſtillen Wetter einen
groſſen Weg zuruͤck gelegt. Wer den Weg recht weiß, wie unſer Steuer⸗
mann, der junge Kieffer, der richtet die Fahrt ſo ein, daß man in den ver⸗
ſchiedenen Crecks und Fluͤſſen mit der Ebbe und Fluth fahren kan. Dann
in einer Gegend macht die See die Ebbe, in der andern aber die Fluth,
welches die Reiſe ſehr foͤrdert, wenn man die Nacht zu Huͤlfe nimmt.
Die Engländer von Charles⸗Town und auf den Plantagen haben in
zwey Gegenden ein ſehr gut Werck gethan, daß fie ein Stück Fand zwi⸗
ſchen den Mash durchgraben laſſen, ſonſt wuͤrde man noch mehr Sunde
zu paßiren haben. Der eine Graben heißt Walch ⸗Cat, und iſt eine
Engliſche Viertel⸗Meile, der andere New⸗Cut, und iſt eine gantze Meile
lang, und meiſtens ſchnur gerade. Es hat wol viel Arbeit gekoſtet, bringt
aber auch groſſen Nutzen. . ö | N
Mittwoch, den 20. Oct.
Dieſen Morgen kamen wir, Gott Lob, ſo weit daß wir einen i
Thurn von Charles⸗Town fehen konten. Wir trafen in der Gegend,
wo wir eine halbe Stunde auf hohes Waſſer warten muſten, eine nach
Savannah gehende Chalouppe an, worauf ſich der General⸗Feldmeſſer
Cap. Arery fand, der aus Londen zuruͤck gekommen, und nun mit guten
Inſtructionen zu der Colonie Beſten nach Savannah und Friderica eilete.
Er confirmirte, daß Col. Stephens Sohn mit feinen Klagen über der
Herren Truftees und hieſige Landes⸗Verfaſſung ſehr übel angekom⸗
men waͤre. a | | sa
So bald das Waſſer ein wenig aufgelauffen war, und wir von der
Chalouppe abſtieſſen, bekamen wir den trefflichſten Suͤdwind der uns
wider
harles⸗Town. Abends um 7. Uhr
3 a
Diarium. 22079
—
8
wider
das Waſſer fehr ſtarck und geſchwind ohne Rudern vormittags Anne
Uhr nach Charles⸗Town brachte. Wir haben auf dieſer Reiſe 1742.
nur zwey mal favorablen Wind gehabt, die Segel aufzuſtecken, und Oct.
beyde mal habe an der Weisheit, Guͤte und Allmacht GOttes, die ſich
auch in dem Spinat, auf der Waſſer⸗Reiſe offenbaret, viele Erqui⸗
ckung zu feinem Lobe emfunden. Hier kehrten wir bey einem Frantzoſi⸗
ſchen Becker ein, welcher eine teutſche Frau geheyrathet / und ihre Schwer
ſter bey ſich hat. In einem oͤffentlichen Wirthshauſe wolten wir, der Ko⸗
ſten und Unruhe wegen, mit unſern Leuten nicht logiren. In dieſem Hau⸗
ſe hat mein lieber College vor zehn Monaten einen Vortrag uͤber den
Spruch Wendet euch zu mit, ſo werdet ihr ſelig ꝛc. gehalten, da⸗
zu auch, wie der Wirth erzählte, Engländer und Frantzoſen gekommen
ſind, weil ſie einen Wohlgefallen an unfern Geſaͤngen und Melodeyen ha⸗
ben. Unter der Mahlzeit erzehlete die Wirthin, daß die alte Spielbigle⸗
rin, welche mit ihrem Sohne vor dem Jahre von uns gezogen, und vor⸗
hero die gantze Zeit über viel Unruhe und Bekuͤmmerniß in Eben Ezer ans
gerichtet hatte, in gar elenden Umſtaͤnden geſtorben. Sie hat einen klei⸗
nen Schaden an dem Fuß bekommen, es iſt aber endlich der kalte Brand
daraus worden, womit fie ſich unter groſſen Schmertzen bey drey Mon⸗
den quälen muͤſſen. Ihr Sohn iſt wieder geſund worden, und gehet
noch immer ſicher dahin. Jetzt ſind Lebens⸗Mittel hier ſehr theuer ‚als
1 Pf. friſche Butter oder Engliſcher Kaͤſe über 1. Sh. Sterl. 100. Pf.
Mehl 14. Shl. 1. Gallon Wein s.Shl, ꝛc. und iſt das ſchlimſte dabey, daß
Be Sola Bills, oder das Geld der Herren Truftees wenig achten.
er dafür was kauffen will, muß viel verlieren. Wechſel⸗Briefe neh⸗
men die Kaufleute zwar an, bezahlen ſie aber nicht mit baarem Gelde, ſon⸗
dern mit ihren Waaren. Es iſt nur gut, daß wir einige Guinees mitge⸗
bracht haben, welche wir ohne ſonderlichen Schaden ausgeben koͤnnen.
f GER ietzt keine Gelegenheit nach Penſylvanien hier; eine Chalouppe von
zeuyorck will erſt in 3 oder 4. Wochen zurück gehen, und iſt hernach
doch ein groſſer Weg nach Philadelphia.
Donnerſtag, den 21. Oct.
Es ſind ietzt einige teutſche Leute von Purrysburg hier, welche vor
der hieſigen Obrigkeit gar verdrießliche Haͤndel haben. Sie gehen in un⸗
ſerm Quartir aus und ein, und weil wir morgens und abends mit unſern
5 En eine Betſtunde halten, kommen ſie gleichfalls herzu, und bezeu⸗
gen ſich gar aufmerckſam. Dieſen Vormittag bin beſchaͤftiget geweſen,
allerley Sachen für unſere Zuhoͤrer e ‚ welche mit Pe
Boote
1 5
4
Anno Boote zurück geſchickt werden ſolten. Kaufmanns - Güter 1 ſonderlich 5
742. wenn man ſie en gros kauft, find noch ziemlich wohlfeile. Wenn auch
)&. gleich etwas zur Erleichterung der Reiſekoſten drauf geſchlagen wird;
2080 Diarium.
fo kommen fie um ein ziemliches wohlfeiler als in Savannah, und ge:
ſchiehet dadurch den Unſrigen ein angenehmer Dienſt. %
Es gibt hier faſt taͤglich Auctionen, darin allerley Kaufmanns⸗
Guͤter gar wohlfeil verkauft werden. Es werden gar manche Kaufleute
banquerot, da denn die Creditores ihre zuruͤck gelaſſene Sachen, ſo gut
als ſie koͤnnen, zu Gelde machen. Ich kam ohngefehr zu einem Engli⸗
ſchen Schulmeiſter ins Haus, der mit ſeiner Frau uͤber 100. Knaben und
Maͤgdlein zu informiren hat; derſelbe erzehlte unter andern, welche groß
ſe Vorzuͤge Penſylvanien und Philadelphia, wo er in die acht Jahr
Schulmeiſter geweſen, vor dieſem Lande, und dieſer Stadt voraus ha⸗
be, und daß man es wunderſelten höre, daß iemand Bangquerot foiele,
und die Guͤter nach dem Tode, fo, wie hier oft geſchiehet, verauctionirt
werden. Denn (fagte er) die Leute arbeiten fleißiger, treiben nicht ſol⸗
chen Pracht, wie hier, in Kleidern und andern Dingen geſchicht; daher
machen ſie keine Schulden. Er wuͤrde nicht hieher gekommen ſeyn, wenn
nicht einige Schulmeiſter vor ein gar zu geringes pretium gearbeitet, und
ihm alſo die Kinder entzogen haͤtten. Es gibt hier mehrere Engliſche und
Frantzoͤſiſche Schulen, aber keine Teutſche. Denn es ſiehet unter den
wenigen teutſchen Leuten hier ſehr klaͤglich aus. Sie ſtellen ſich, wenn
ſie ein wenig zu Kraͤften kommen, der hieſigen Welt offenbar gleich.
Man kan ſich den Pracht und Wolluſt, der hier getrieben wird, nicht
ſo grob vorſtellen, wenn mans nicht ſelber ſieht. Der abgebrante
Theil der Stadt iſt faſt voͤllig wieder aufgebauet, und wird noch immer
ſtarck fortgefahren. Auch werden an der Fronte der Stadt gedoppelte 4
Pfaͤhle eingeſchlagen, und eine dicke Mauer von einem Eck zum andern
gezogen, daß theils das Waſſer nicht mehr Ufer wegſchwemme, theils 4
eine genugſame Anzahl Canonen darauf gepflantzt werden koͤnnen.
Freytag, den 22. Oct. 1 4
Unſer Boot muß dieſen Abend wieder zurück nach Eben Ezer geſchickt
werden, und bin ich heute und geſtern beſchaͤftiget geweſen, allerley Kauf⸗
manns⸗Guͤter an Kleidung, braunen Zucker ꝛc. fuͤr die Gemeine einla⸗
den zu laſſen, daß es nicht ledig zuruͤck gehe. Unſere Leute eilen um des⸗
willen nach Hauſe, weil Lebens⸗Mittel gar theuer ſind, und alles hoch ins
Geld hinein läuft. Denn ob wir wol in einem Privat⸗Hauſe logiren,
alles aufs genaueſte eingerichtet haben; ſo koſtets doch einem jeden taͤg⸗
| lich
ö Diarium. 1 f —
dc ah Mf hegen psc das iſt 2. Shl. 104 p. Sterl. welches Anno
in 14. Tagen oder 4. Wochen hoch ſteigen wuͤrde, zumal da wir den red⸗ 1742.
lichen Kalcher aus guter Meynung, um des Reiches GOttes willen, O&,
mitgenommen haben. Bleibe ich etliche Wochen in Charles⸗Town, fü
muß ich inzwiſchen das Boot nach Hauſe ſchicken; wenn wir nachher doch
1 fanden, wie kaͤme ich wieder nach Eben Ezer? Wo auch
bald eine Chalouppe nach Penſhlvanien oder Neu⸗Yorck gehet, fo
. ei | innen irn Und 95 vor dem 9 5 kein a
ehren von Penſy en; daruͤber ich doch in meiner eigenen Gemeine ſehr
viel verſäumte, und dabey Schulden machte. Wir haben uns beyde
aufs beſte beredet, und wartet Herr Muͤhlenberg auf einen alten Kauf;
mann, der in Penſylvanien zu Haufe iſt, und ſich ietzt in Carolina oder
Beaufort bey guten Freunden befindet. Er reiſet zu Pferde nach Phil⸗
adelphia. Rielleicht laͤßt es ſich thun, daß Herr . mit ihm rei⸗
ten kan, obwol die Unkoſten und Beſchwerden ſehr groß ſeyn moͤchten.
Ich glaube, daß GOtt Vorhabens fey , in Sammlung und Einrichtung
feiner Gemeine und feiner eigenen Umftände alles allein zu thun, und alfo
kan er meiner Beyhuͤlfe leicht entbehren. Wir haben bisher beyde viel
geiſtliche Erquickung gehabt, und unſere Hertzen ſind ſehr verbunden,
daß alſo unfere Zuſammenkunft und kurtzes Beyſammen⸗ ſeyn in Eben⸗
Eꝛzer und auf der Reiſe, doch nicht ohne Nutzen geweſen. Er war bey
meinem Abfchiede gegen Abend, welches unter Gebet und Flehen 8
biefaz⸗ Gott wird ſeinen Willen ferner offenbaren. Be
5 Sonnabend, den 23. Oct. 0 |
15 fern Abend erhub ſich ein ſehr favorabler Wind, mit 1
unſer Boot gegen 8. Uhr abfuhr. Es war ſo voll und tief geladen daß
es unmoͤglich war, mich und den Kalcher mit einzunehmen, wir haͤtten
alle unſer Leben wagen muͤſſen. Ich entſchloß mich daher, dis geladene
Boot voraus zu ſchicken, und mich mit Kalchern um eine Land⸗Gelegen⸗
‚hei nach Mr. Jonathan Bryans Plantation, und von da nach Purrys⸗
burg umzuſehen, und alſo nahmen wir von einander Abſchied. Jene
fuhren in JEſus Namen ab, und ich ging mit Herrn Paſt. Mühlens
berg und Kalchern in unſer Quartier, wo wir über den letzten Theil des
10. Pſalms eine erquickliche Betſtunde hatten. Der Wind ift in der ver⸗
gangenen Nacht ſo ſtarck worden, daß ich fuͤr mein Zuruͤckbleiben GOtt
Danckte, und für die abgefahrne lieben deute zu ihm ſeufzete. Ein teutſcher
junger Mann unſerer Confeßion, hat ſich erboten, mir den Weg zu Lande
n a ich letz bemuͤhet ein Pferd zu lehnen, oder fuͤr einen ie
eilen
x
2082 Diarium.
———ü—————
Anno feilen Preiß zu kauffen. Auf Mr. Bryans Plantation ſindet ſich eins vonn
174
2. unſern dort gekauften Pferden, welches Kalcher wird nach Haufe reiten
1
G &. koͤnnen. Von hier aber geht er bis auf gedachte Plantage zu Fuß. Der
Reiß, den die Chalouppen nach Neu⸗Vorck und Penſplvanien zurück neh⸗
men, iſt noch nicht fertig, und ſonſt haben ſie hier nichts zu laden; daß
alſo zu ſorgen iſt, es verziehe ſich mit Ankunft einiger Chalouppen noch
laͤnger. Der liebe Herr Muͤhlenberg zieht ſich mit ſeinen Ausgaben noch
naͤher in die Enge. Der Mahler, Herr Theis, welcher vordem meinen
lieben Collegen beherberget hat, iſt willig ihn in ſein Haus aufzunehmen,
welches er ietzt thun kan, weil Herr Muͤhlenberg allein iſt, und ſelber ein
Bette hat. Es wird ihn da gar wenig koſten, und alſo wird er mit dem
Gelde, das ich ihm an Gold und Kupfer zurück gelaſſen, gar leicht bis
Penſylvanien reichen. Gott erfuͤlle ſein und unſer Verlangen, und bes
ſchleunige ſeine Reiſe. ee Ra 1 i
Weil ich kein Pferd gelehnt bekommen konte, damit nach Purrys⸗
burg, oder gar uͤber Pallachocolas nach Haufe zu reiten, fo muß ich mich
nolens volens refolviren, ein wohlfeil Pferd zu kauffen. Es fügte ſich,
daß ein ſonſt reicher Planteur, der ietzt hier im Gefaͤngniß ſitzt, ein paar
Stuten zu verkauffen hatte. Ich hatte die Wahl, und zahlte fuͤr eine
junge ſehr leicht gehende Stute 3. Pf. 10. Sh. Sterl., welche mir Leute an
unſerm Orte fuͤr den Preis gern wieder abnehmen werden. Ich muſte
auch einen neuen Sattel und Zaum kaufen, den ich gleichfals ſehr wohl⸗
feil iu eines bekanten Kaufmanns Laden bekam, nemlich 17. Shl. 2. p.
Sterl. Ein bekanter teutſcher Mann, der auf den Plantationen aller⸗
fen Arbeit thut, und von Charles⸗Town nach Haufe reiſet, zeigeß mir
und Kalchern den Weg. Ich ſehne mich aus dieſer Suͤnden⸗Stadt her⸗
aus. Wer in Londen geweſen, mag wol etwas von Greueln geſehen
und gehoͤret haben; hier aber ſind ſie faſt auf den hoͤchſten Gipfel geſtie⸗
“
\
1
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gen. Die Europäer treiben mit den Neger⸗Maͤdgen abfeheulihen
Muthwillen, daher man auch ſehr viel halbweiſſe Kinder herumlaufen
ſiehet. Man ſagte mir, daß viele vornehme Herren nicht heyrathen, ſon⸗
dern treiben ihre Schande mit ſolchem Heyden⸗Volck, welches doch vor
wenig oder gar keine Schande geachtet iſt. Wenn es Daͤmmerung und
Abend iſt, ſo iſt auf den Straſſen nicht nur viel Spatziergehen beyderley
Geſchlechts unter einander, ſondern Weiſſe und Negers, beyderley Ge⸗
ſchlechts, treiben es aufs ſchaͤndlichſte, und machen bis in die Nacht viel
Lermen. Ob es gleich ietzt nahe beym Winter iſt, und die Sonne nicht
zu heiß ſcheinet, ſo gehen doch die Frauens⸗Perſonen, die ſich in en |
groſſen
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Mar Im zum Grunde unſerer Erbauung ges
en Kirche auch zu unſern Zeiten gar
morra. Er hat mit feinem Bruder einen sy vor Gericht gehabt,
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Anno wo alles wider fie geweſen, der HErr aber habe ihm herrlich
1742.
Ock.
2084 Diarium.
fen, ob es ihm wol Unkoſten und Muͤhe gemacht hat. Er iſt ein ſehr red⸗
licher Mann, und iſt ſehr erbaulich mit ihm umzugehen. Er haͤtte mir
ein Pferd gemiethet, welches mich bis Eben zer bringen folte, es war
aber aus verſchiedenen Urſachen fuͤr mich und meine Reife: Gef ten
beſſer, daß ich ein eigenes gekauft hatte, womit er auch gar wohl zufries
den war. Er gab mir einen Recommendations» ‘Brief an feine Frau
mit, und verſicherte, daß ſie mich gern aufnehmen wuͤrde. Meine
Wirths ⸗Leute ſchienen erbauet zu ſeyn, und dimittirten mich in groſſer
Liebe. Der Herr Muͤhlenberg begleitete uns ein Stuͤck Weges, darauf
wir unter hertzlichen Wuͤnſchen von einander ſchieden. GOTT ſey und
bleibe mit ihm zu Waſſer und zu Lande, und richte ſeinen Weg nach ſei⸗
nem gnaͤdigen Willen. Wir ſetzten unſere Reiſe bey Mondſchein fort.
Es iſt hier ein ſehr ſchoͤner hoch aufgeworfener Weg, ſo breit, daß zwey
Wagen einander ausweichen koͤnnen, allenthalben trocken und gerade,
wie eine Allee. Jede Meile iſt mit einem Pfoſten bezeichnet. Wir ka⸗
men abends mit groſſem Vergnuͤgen, nach zuruͤckgelegten 13. Meilen, auf
einer Plantage an, die eine ſehr verſtaͤndige und ehrbare Wittfrau Marg.
Bellenchar inne hat. Sie herberget gern, und alſo nahm ſie auch uns in
groſſer Liebe auf. Ehe wir hieher kamen, muſten wir auf einer Faͤhre
übergefeßt werden, welche eben parat lag, daß wir keiuen Augenblick
warten durften Der Fluß heißt Ashley, wovon auch die Faͤhre den
Namen hat. Dieſer Name iſt dieſem Fluß, und der hier zu bauenden
Stadt, die aber noch gar ſchlecht Anſehen hat, von einem der ehemaligen
Eigenthuͤmer dieſes Landes Lord Ashly, beygelegt. Wir haben Er⸗
laubniß in der Stube dieſer Frau unfere Betſtunde zu halten. Wir be:
trachteten den in der Ordnung folgenden Iten Pſalm, und beteten mit
einander. Sie haͤtte es gern gehabt (wie ich hernach erfuhr) daß wir ein
teutſch Lied geſungen haͤtten, ich hatte aber einen rauhen Hals, und kei⸗
ner als Kalcher haͤtte mitſingen koͤnnen. Sie iſt eine groſſe Liebhaberin
don unfern Melodeyen. Sie erkundigte ſich genau nach der Schule im
Waͤyſenhauſe bey Savannah, weil fie ihre beyde jüngften Soͤhne dahin zu
ſchicken geneigt war. 1 *
f Montag, den 25. Oct. a 1770
Weil wir heute einen gar weiten Weg bis in eine gute Herberge zu
reiſen hatten; ſo ſchickta meine Reiſe⸗Gefehrten voraus. Ich ritte ihnen
um 8. Uhr nach, nachdem ich beym Fruͤhſtuͤck abermal viel Liebe genoſſen.
Es hielt ſich hier ein verungluͤckter Edelmann, der um feine Güter gekom⸗
5 | men
Diarium. | 2085
und 1. Pf. Bisquit für 43 d. Nachdem der Regen vorüber, reiſeten
10 e 9 R 2 wir
2086 Diularium.
Anno wir fort, und kamen um 7. Uhr in des Oberſten Bees Haus, der mich
1742. und meine zwey Gefehrten (denn der Wegweiſer war von uns gegangen)
Od. mit groſſer Liebe aufnahm. Er ſang, laß und betete mit den Seinigen
auf den Knien, doch war er kein Freund von Mr. Whitefield und Wesley,
und wuſte zu ſagen, daß der beſte Prediger in Charles Town es durch
den Druck bekant gemacht, daß der Herr Whitefield die Parthey der
Herrenhuͤter ergriffen. Ich wunderte mich, daß ſeine Negers in folcher
guten aͤuſſerlichen Ordnung waren, und glaube ich ſicherlich, daß ſie durch
GOttes Gnade nicht nur zur Humanität und Ehrbarkeit, ſondern auch
zum Cheiftenehum iu bringen find, wenn die Herren nur felbſt Christen
waͤren. Dieſer Herr hatte noch ſehr viel alten und noch mehr neuen
Reiß, und wuͤnſchte ihn wohl anzubringen. Es ſoll Weitzen und Korn
in England ſehr wohl gerathen ſeyn, daher Reiß in dieſem Jahre nicht viel
gelten moͤchte. Es wurde auf die Nacht ſehr kalt, und war eine groſſe
Wohlthat, daß wir in einer guten Herberge bey gutem Feuer, und des
Nachts in guten Betten waren. Denn unſere Decken ſind mit dem Boot
4
1
N
voraus geſchickt, die wir zu Lande nicht mitſchleppen konten. Sie haben
auch viel eher Froſt gehabt, als auf den Plantationen bey der See.
1 Dienſtag, den zs e ne
Weil wir heute einen langen Weg von 32. Meilen vor uns hatten, |
fo machten ſich meine Reiſegefehrten noch vor anbrechendem Tage auf den
Weg, ich aber blieb, bis es ein wenig waͤrmer wurde, und etwas War⸗
mes zu mir genommen hatte, in dem Hauſe zuruͤck. Ehe ich bis zu mei⸗
nen Gefehrten kommen konte, traff ich den ſchon gedachten Mr. Jona⸗
than Bryans auf dem Wege an, welcher geſtern Abend aus Charles⸗
Town geritten war, und nun nach Hauſe eilete. Ich hatte an ihm einen
guten Reiſegefehrten und Wegweiſer zu ſeinem Hauſe, wo ich mit Kal⸗
chern kommende Nacht zu bleiben beſchloſſen hatte, und alſo ritte ich mit
ihm. Wir hatten ein vergnuͤgt Geſpraͤch, und erreichten unter demſel⸗
ben um 3. Uhr nachmittags ſeine Plantation. Ich fand hier die ſchoͤnſte
Ordnung in der Haushaltung und unter den Negers, unter denen ſich
verſchiedene rechtſchaffen zu GOtt bekehret; die ihren Herrn und Frau ſo
lieb haben, daß fie keine Freyheit begehren, und in ihrer Arbeit groſſe
Treue beweiſen. Ob wol die Leute im Lande ſagten, daß ſeine Negers
nichts thaͤten als Beten und Singen, und darüber ihre Arbeit verſaͤum⸗
ten, ſo wird doch dieſe Verleumdung durch den ſehr groſſen Segen im
Felde, den er dismal gehabt, deutlich widerlegt, und erfaͤhrt er auch mit
feinen Negern die Wahrheit des Ausſpruchs CHriſti: Trachtet am ki
en
— |. a mn en rn — —
ſten nach dem Reich GOttes ꝛc. Es find unter den Negern von beyder⸗ Anno
10 Geſchlechte gar manche auf feinen und den benachbarten Plantagen 742.
nicht nur aufgeweckt, ihr Heil unter Flehen und Gebet in ChHriſto zu ſuchen, 64,
ſondern ſind auch einige rechtſchaffen bekehret, und fuͤhren ein gottſeliges
Leben. Er erzehlte mir einige gar beſondere ſpecialia von dem Wercke
Gottes unter ihnen, er verſprach mir auch etwas davon zu Papier zu brin⸗
| gen, und mir zuzuſchicken. Es gibt in dieſer Gegend einige hertzlich⸗from⸗
me Planteurs, welche denn auch ihren Haͤuſern und Negern wohl vorſtehen.
% MNiiwoch, dene, DEE.
Nachdem wir unter Gebet und Worte GOttes an unſerer Seele, und
mit geſunder Speiſe und Tranck an unſerm Leibe waren erquicket worden;
ſo reiſeten wir nach 8. Uhr unſere Straſſe. Sieben Meilen von Mr. Bryans
Hauſe findet ſich ein Creeck, Cutchy hatchy, welcher nebſt denen herumlie⸗
genden Suͤmpfen ſehr uͤbel zu paßiren iſt, man muß auch die rechte Zeit tref⸗
fen, wenn Eobe oder abgelaufen Waſſer iſt, ſonſt muß man wol 12. Stun⸗
den hier muͤßig ſitzen, und kan nicht hinuͤber kommen. Das Waſſer in die⸗
ſem Creeck lauft fo ſchnell, als kaum in einem andern groſſen Fluſſe. Mr.
Bryans erzeigte mir die Liebe, und reiſete bis hieher mit mir, gab auch ei⸗
nen geſchickten Neger mit, der ein vorhin unberitten Pferd, welches unſer
iſt, und ſchon lange hier geweſen, bereiten und ein wenig zahm machen
muſte. Nachdem wir gluͤcklich uͤber Suͤmpfe und den Fluß gebracht wa⸗
ren, nahmen wir hertzlich Abſchied. Kurtz vorher hat er mir die letzten
Worte der ſterbenden Frau ſeines Bruders ſchriftlich communicirt, darin
ich viel erbauliches und wichtiges ſinde. Sie iſt in ihren und anderer Leu⸗
te Augen von Jugend auf eine gute Chriſtin geweſen, hat auch viel gele⸗
ſen, und die Mittel des Heils fleißig gebraucht. Sechs Monate vor ih⸗
rem Ende aber hat ſie erſt ihre eigene falſche Gerechtigkeit erkennen lernen,
ſich zu CHriſto rechtſchaffen bekehret, und iſt mit Freuden geſtorben. Ich
N Worte hieher ſetzen, vielleicht ſind ſie andern auch er⸗
„„ 715
AS m nn mm
9 R 3
—
N IEſum , ich ſehe ihn, ich ſehe lauter Licht. Faſt eine halbe Stunde darauf 55
Anno Bisher hatten wir von Tharles⸗Town her ſehr
1742.
Oct.
—
2088 Diarium.
gebahnten Weg gehabt, der aber auch im Winter, oder bey vielem Re⸗
genwetter ſehr böfe ſeyn ſoll; ietzt aber ging dieſer Weg zu Ende. Wie
kamen in einen gefaͤhrlichen Sumpf, da ich groß Unglück haͤtte nehmen
koͤnnen, wenn es der himmliſche Vater nicht abgewandt haͤtte. Kalcher
guten, ſchönen ud
hatte das zum Reiten noch ungewohnte Pferd, welches er anfangs mit
groſſer Muͤhe durch den Sumpf bringen muſte, es wurde hernach auf
dem Wege bald müde, und gar verzagt, daß er es vor ſich her treibenmu⸗
ſte, und doch nicht fortbringen konte. Daher, weil uns die Nacht uͤber⸗
fiel, muſten wir im Walde bleiben. Wir fanden eben eine alte India⸗
niſche Hütte, welche mit Baumrinden gedeckt war. Hier machten wir
uns Feuer, und ich legte mich in eine groſſe Rinde, welche einem Kahn
ähnlich ſahe, ſchlafen, hatte meinen Sattel zum Haupte, und ſchlief ſo
ſanfte,
——— —
fort zu GOtt zu beten, und ihn zu loben; doch ſtammelte ihre Zunge, und ihre Wor⸗
te waren nicht recht vernehmlich, auſſer, daß fie den Namen des HErrn JESu
*
oft nennete, und rief: O Jen! komm, JEſu, komm! Hierauf ſprach ſie deut ⸗
lich: O wer wolte obne GOtt ſterben. Jetzt ſehe ich Licht. Gott laßt mich mei⸗
nen Irrthum au Seh ſehen. Ich habe fuͤr meine Erbfünde noch nicht rechtſchaf⸗
fene Buſſe gethan.
der bey einer halben Stunde mit dem Tode, und ſagte hernach: Gott hat mich
groſſe und herrliche Dinge ſehen laſſen, welche, wenn ich ſie euch erzehlen koͤnte,
nicht wuͤrden geglaubt werden. Bald hierauf kam ihr Bruder Reeve ins Zimmer,
den ſie zu ſich rief (ob fie ihn wol, weil ich meine Hand über ihre Augen hielte, nichk
ſehen konte.) Da derſelbe naher zu ihr kam, ſagte fie: Mercketes wohl, was ich euch
der Falſchheit unſerer Hertzen! Unterſuchet eure Hertzen, 7
. ihr in ſolche meine Umſtaͤnde kommt, denn ſie ſind falſch. Hierauf rang fie wie⸗
ſage, denn ihr muͤſſet alle vor das, was ich euch ietzt ſage, einmal Rechenſchaft a l
denn ich rede aus Trieb des Geiſtes GOttes, derſelbe hat mich geſtaͤrckt vorher m
3
euch zu reden, ehe ich von hinnen gehe; denn ich bin eben im gehen. Sie ſagte hier⸗
auf: GO TT iſt ſo wol gerecht als barmhertzig, wendet Fleiß an, eure Hertzen zu
durchforſchen. Zuihrem Bruder inſonderheit ſagte fie? Bruder, ſage N. N. (ei
nem gewiſſen Engliſchen Prediger in derſelben Gegend) er iſt nicht auf dem rechten
Wege. Wenn er ſehen ſolte, was ich ſehe. Hier ſtammelte ſte mit der Zunge unver⸗
nehmlich, ſagte aber bald wieder; meine Schmertzen find groß, doch CHriſtus iſt mie
alles. Folget, folget, N. N. (einem gewiſſen rechtſchaffenen Prediger?) GOTT
wird ihm allenthalben Segen geben. Urtheilet nicht geringe von ihm, ſegnet ihn,
ſegnet ihn. GO TT hat mich geſtaͤrcket, dieſes noch zu euch zu reden, ietzt aber reife
ich fort, lebet wohl, lebet wohl, GOtt ſey mit euch. Nach dieſem wurde ſie gantz
ruhig, hatte ihren völligen Verſtand bis an ihr Ende, welches ohngeſehr eine halbe
Stunde darauf erfolget. Dieſe letzten Worte haben Frau Lewin, ihre Schweſter,
Stephens und ich, desgleichen Bull und ihr Bruder Reeve mit angehoͤret.
Diatium 2089
fanfte, wie Jacob auf feinem Stein zu Bethel. Es hat lange nicht ge⸗ Anno
regnet, daher war nirgend Waſſer zu finden, doch half uns GOtt durch. 1742.
nn es fing an zu regnen, und im Schlaf verging uns der Durſt gar. Oc.
Wir laſen den Sten Pfalm, und beteten für uns und andere. |
e eee Dpnnerflag, den 28. Oct. 0
Dieſen Morgen verſuchten wir mit dem neuen Pferde unſern Weg
fortzusetzen, es wolte fich aber nicht reiten laſſen, daher muſte es Kal⸗
cher an einem Stricke vor ſich her treiben. Wir kamen in einen Cypreſſen⸗
Wald, wo das Vieh viele Wege gemacht hat: hier verirreten wir uns.
Man konte vor den Regenwolcken die Sonne nicht ſehen, nach welcher
uns; endlich erblickten wir in der Ferne einen Zaun, auf den wir zugin⸗
x
2090 i Diarium. 4
ift zwey Engliſche Meilen breit, ehe man auf hohes dand kommt. Wir
d een — nicht genug vor, daher geriethen wir auf den Weg nach Mont⸗ ;
"ill Oak. plaifant, an ſtatt daß wir nach Alt⸗Eben zer hätten kommen ollen.
| | Dieſes Montplaifant iſt ein Fort an dem Savannah Fluß, und hat
den Namen mit der That. Denn die Berge am Fluß find überaus an⸗
nehmlich. Hier iſt Alt⸗Utchytown, wo vor dieſem die Utchy⸗Indianer 4
gewohnet haben, welche aber meiſt ausgerottet ſind, die wenige uͤbrigen
ſind weiter nach Savannah⸗Town und Auguſtin gezogen. Hierhiele
ten wir unfere Mittags: Mahlzeit, und nahmen einen Mann mit uns,
der uns auf den rechten Weg bringen muſte. Der Cap. im Fort Pall -
chocolas hatte mir fuͤr den Kalcher ein Pferd gelehnt, daß wir alſo noch
heute nach Alt⸗EbenEzer, und endlich um 7. Uhr nach Hauſe kommen
konten. Unſer Boot war mit den eingekauften Sachen geſtern Morgen
gluͤcklich hier angekommen, und hatte die Nachricht voraus gebracht, dag
ich zu Lande nach Eben zer zuruͤckkaͤme. Ich fand meinen lieben Colle⸗
gen, die Seinigen und Meinigen, an Leib und Seel geſtaͤrckt und geſeg⸗ 1
net, und ich konte ihnen zum Lobe GOttes erzehlen, daß ich in langer Zeit \
nicht fo beſtaͤndig geſund geweſen, als auf diefer Waſſer⸗ und Land Reiſe.
Das hat GOtt gethan, dafuͤr ſey ihm Lob und Preis geſagt, ietzt und in
Ewigkeit. Amen. % e e eee
Bis hieher gehet das Reiſe⸗Diarium des Herrn Paſt. Boltzi nach
und von Charles - Town. | a
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Folget nun weiter 5
Das 1
EbenEzeriſche Diariun.
* | Sonntag R den 31. Oct. Ri 1 25 3 |
: ein lieber College hatte heute vormittag den Vortrag uͤber das
v ordentliche Evangelium am XX. Sonnt. nach Trinit., als
darauf er ſich vor meiner Zuruͤckkunft praͤparirt hatte, und
alſo machte ich nachmittags mir und meinen Zuhörern die ordentliche Epi⸗
ſtoliſche Lection zu Nutze, und er zehlete gegen das Ende der Stunde einige
Puncte der guͤtigen Vorſorge GOttes, die über mich und meinen Reife
gefehrten gewaltet, damit von uns allen auch das in prazin gr |
| werde,
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5 | von mehreren gehöret habe.
Diarium. 2091
— — 71...
BORD inder heutigen Epiftel ſteht: . GoOtt Anne
er in dem Namen unſers H
Gemeine Gebet fuͤr uns Reiſende, und unſer Gebet für die zurück gelaffe-
ne Glieder der Gemeine, Geſunde und Krancke, um EHrifti willen erhö-
ret, auch mich meines Wunſches gewehret hat, den ich beym Abſchiede
unter andern den ‚Zuhörern kund gemacht habe „daß nemlich niemand
3 ben Collegen in meinem Abweſen ſein Amt ſchwer machen und
mich betrüben moͤchte. Ich habe alles in guter Ordnung gefunden, und
der HErr hat zur Amtsfuͤhrung meines lieben Collegen viel Kraft, Freu.
ae Segen verliehen. Wir hielten abends eine Betſtunde, darin
wir dem leonie, wie! fuͤr alle ſeine geiſtliche und leibliche Wohlthaten,
alſo inf ſonderheit fuͤr die vielen Vorzuͤge lobeten, welche er uns in ben
Ezer vor fo 5 andern Leuten in dieſem Lande und in Carolina erzei⸗
get; welches wir aufs neue mit unſern Augen geſehen, und mit unſern
Ohren gehoͤret t haben. Wir beteten fuͤr die elenden Leute: Gott wolle
bekehren die de e We, die ſich für ſo Ae |
| Big Dale da fe zur Zölle eil e eilet.
1 5
Dt N Ny 3
3 Montag, den 1. Nov.
Wir ſind heute befehäftiger geweſen, den Leuten unfers Ortes dieje⸗
igen Dinge „welche vor ſie in Charles⸗Town um einen ziemlich wohl⸗
122 eingekauft worden, vor Bezahlung zu überliefern, 1 15 |
ee das Ausleſen hatte.
9565 Mittwoch, den 3. Nor.
* Oerktanck Klocker macht ſich alles aus JEſu, und bäl ch auſ⸗
fer ihm vor einen verdammungswuͤrdigen Wurm. Er erwehnte gegen
mich einer gewiſſen Suͤnde, welche er ſchon meinem lieben Collegen beken⸗
net hatte, und bat, daß dem Herrn Sen. Rieſch Nachricht davon gege⸗
ben werde, weil es ſeinen Nutzen haben wuͤrde. Er klagt, daß die Un⸗
treue der Dienſtboten im Reiche ſehr groß ſey: welches Klabled 1c ſchon
a Donnerſtag, den 4. Nob. |
Ueber Purrysburg empfing ich dieſen Abend einen freundlichen
rief von Herrn Paft. Muͤhlenderg, darin er meldet, daß ihn unſer
Amerie XI. Sortſ⸗ 9 S Schei⸗
n JEſu CHriſti.
ae lich Darüber meine Freude, daß der himmlifche Vater der G4.
5 — 3 * e ; 8 = — nn Ä
Anno Scheiden am Sonntage abends zwar etwas niedergefhlagen hate,
1742. erkenne aber auch hierin den Willen des himmliſchen Vater 32,7%
Nov.
2092 Diarium.
4 —— ET ü —
; er
Freytag, den 5. Nov. N Hip? 1 a en 5
An dieſem Tage haben wir eine Ernte⸗Predigt, mein lieb er College 7
auf den Plantationen, und ich in der Stadt, gehalten, und uns und die
Gemeine zum Lobe GOttes vor die reichlich empfangene Ernte, vor an⸗
dere geiſtliche und leibliche Wohlthat ermuntert, worzu uns das Spruͤch⸗
lein aus der letzten Sonntags» Epiftel Eph. 5, 20., welches wir beyde
zum Text hatten, recht ſchöͤne Materien gab: Saget Danck allezeit
vor alles GOtt, und dem Vater unſers SErrn JEſu CHriſti.
Herr David Zuͤblin war geſtern von Purrysburg zu uns gekommen, und
ließ ſichs lieb ſeyn, mit uns den lieben GOtt vor die geſegnete Ernte zu
preiſen. Wir hatten es in dieſem Jahr beſonders hohe Ürſache, den
barmhertzigen GOtt hoch zu loben; denn er hat nicht nur ein fruchtbar
Jahr verliehen, und zur Einſammlung der Feld⸗Fruͤchte beftändig an⸗
haltende trockene Witterung beſcheret, ſondern auch die Spanier mitten
im Sommer, da eben das Korn zu reiffen anfing, auf wunderbare Weiſe
vertrieben, die unſere Ernte ſonſt zunichte gemacht, und uns gar vertrie⸗
ben hätten. In der Abend⸗Betſtunde wurde der vormittaͤgliche Vor⸗
trag catechetiee mit den Kindern kuͤrtzlich wiederholet. GOtt ſey gelo⸗
bet, der mich von Charles⸗Town gluͤcklich zuruͤck gebracht, und mich
gewuͤrdiget hat, auch dieſe Ernte» Predigt zu halten, um mich mit mei⸗
nen Zuhoͤrern zum Lobe GOttes zu ermuntern und zu verbinden. Eini⸗
ge des Aten Transports, welche wegen ihrer Kranckheit gehindert wor⸗
den, ihr Feld recht zu beſtellen, und daher wenig, oder gar keine Ernte
gehabt, ſind angewieſen worden, es hiebey, wie Hiob, zu machen: Der
Err hats gegeben, der SErr hats genommen, der Name des
SeErrn ſey gelobet. Wir ſollen vor alles, und in allen Dingen GOtt
danckbar ſeyn; alſo auch vor Creutz und Pruͤfungen: auch ſind wir ver⸗
bunden vor unſern Naͤchſten zu beten, und vor ſein Gutes GOtt zu loben,
und alſo koͤnnen ſolche auch ein Ernt⸗ und Danck⸗Feſt feyern. Die dis⸗
mal gehabte Ernte beſtehet aus folgenden: 5 |
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Dierium: 2093.
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9005
oder, a 72 zur neuen Ermunterung zum Fleiß von den Herren
Denker die erfreuliche Nachricht, daß die Herren Trufteesvefoloirt
haͤtten, daß unſern Einwohnern die Bownty oder der Korn⸗Schilling
von 1739. gewiß gezahlet werden ſoll: reichte das ietzige Geld ſo weit, ſo
ſolte es der Herr Col. Stephens ietzt zahlen; wo nicht, ſolten wir uns
18
* n We a
pfangen münden, In dem empfangenen Brief gab mir
nur bis aufs Frühjahr gedulden. Auch wird dem Aten Transport
Schwein: und Feder⸗Bieh verſprochen. Es hatten ſich dieſen
Vormittag die Leute des Iten Transports beredet, an die Herren
Truſtèes eine Bittſchrift um Vieh und halbjaͤhriges Proviſions⸗Geld
aufzuſetzen. J In dem gedachten Briefe vom Herrn Verelſt wurde gemeldet,
daß auch die Herren Truftees reſolvirt find, dem Aten Transport Rind⸗
vieh, Schweine und Feder⸗Vieh zu geben, ſo bald ſie nur von dem Par⸗
lament einen neuen Succurs an Gelde bekommen. Dis ſtaͤrckt uns im
Glauben, und machet uns Hoffnung, es werde auch die Bitte um halb⸗
ne Verlaͤngerung der Proviſion bey ihnen ſtatt finden.
| Montag, dns. Non
Herr David Zuͤbli von Purrysburg iſt ſeit Freytags bey uns gewe⸗
10 „und reiſete heute wieder nach Hauſe. Er hat einen Sohn in der
eitz, der Theologiam ſtudirt, und von dem Profeſſore Herrn We⸗
geli das Jeugniß bekommt, daß er zum Amte tuͤchtig ſey. Der Vater
75 ihn gern zum teutſchen Prediger nach Purrysburg gehabt: weil aber
der teutfchen Leute immer weniger werden, und er ſelbſt nicht mehr groſſe
hat da zu bleiben; ſo wuͤnſcht er, daß ihn die teutſchen Reformirten
Leute in Savannah zu ihrem Prediger berufen moͤchten. Wenn der jun⸗
ge Zuͤbli ein ſolcher frommer und geſchickter Srudieſus Theologiae iſt, als
er das Zeugniß von Menſchen hat, wolte man ihn den teutſchen deuten in
Sswarnah wuͤnſchen. Die Herren 8 gaben 1 im ER ges
a | 9 3 ge
Anno gen mich mercken laſſen, daß ſie mit
1742.
Nov.
| der Zeit den dieformirten im Lande
einen eigenen Prediger geben wolten. Pla 2 © (
Dieſen Abend haben wir wieder angefangen rk m unde
halten, worzu ſich ein Haͤufgen Leute, ſonderlich Weibs⸗Perſonen, fehr
=
willig einfanden. Wir wiederholten die beyden Lieder: Gott, den ich |
2c. =
als Liebe kenne ꝛc. it. Gott wills machen, daß die Sa
Am Ende der Stunde beugten wir (wie allemal geſchehen wird) ere
Knie vor Gott, lobten ihn, daß er uns ſo lange leben, und dieſe Stun⸗
de zum Singen und Beten wieder anfangen laſſen, fleheten ihn auch um
den Heiligen Geiſt an, daß er uns in den Stand ſetzte, unter einander
zu reden von Pſalmen und Lobgeſaͤngen, und geiſtlichen liebli⸗
chen Liedern ꝛc. Und alſo gingen wir im Vergnuͤgen und Segen nach
ENG % „ene
Diienſtag, den 9. Nov.
erſuchte mich nebſt ſeinem Weibe, daß ich zu ihnen kommen, und ihnen ei⸗
vum
Zettler hat ſich eine neue Wohnung gebauet und nun bezogen. r
nen Segen erbitten helfen moͤchte, daß das Alte vergehe, und bey ihnen
alles neu wuͤrde. Zwey Stunden vor der Betſtunde war ich bey ihnen,
und ſagte ihnen anfangs etwas zu ihrem Unterricht und Erbauung uͤber
die letzten Worte des neulichen Evangelii: Er glaubte mit ſeinem gan⸗
gen Hauſe 2c. it. über Eph. 4,32: Seyd unter einander freundlich,
hertzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie GOTT euch
vergeben hat in CHriſto. Um alles, was ihnen in Abſicht auf ihr Chri⸗
x
ſtenthum, Eheſtand und Haushaltung noͤthig iſt, wurde der liebe GSOtt
im Namen IJEſu CHriſti auf unſern Knien angerufen.
Die deute auf den Plantationen hätten gern den Kocher zum Schule
meiſter. Steiner iſt ſehr treu und fleißig, hat aber auch eine wichtige
Haushaltung, daß er ſich nicht gantz der Schule widmen kan. Kocher
aber iſt zum Baum⸗ umhauen und anderer harten Bauer ⸗ Arbeit zu
ſchwach, und will ſich alſo gern in der Schule gebrauchen laſſen, welche
er wohl abzuwarten, Zeit genug hat. Und alſo habe ich gern drein con⸗
ſentirt, daß er zum Schulmeiſter angenommen werde, zumal da ich weiß,
daß er ſich auch auf der Reiſe der Kinder des gten Transports fleißig an⸗
genommen, und um des willen ein gut Zeugniß vom Herrn Sen. Urlſperger
und Herrn von Muͤller bekommen hat. Wir geben ihm aus der Ar⸗
men⸗Buͤchſe 5. Pf. des Jahrs pro Salario, die Leute aber, welche ihre
Kinder in die Schule ſchicken ‚ geben ihm etwas von ihren Feld⸗Fruͤch⸗
ten zur Beyhuͤlfe, dafuͤr er an zwey Orten, nehmlich n
| un
ER
Be
Diarum 2097
ee TE nn sn — —
1 ind DR ME ehnung Sohle haen m muß, an ei 1 einem Orte dor ⸗am Anne
mittags, daß Kar Eleinften Kinder von den zuſserſten 1742.
onen in die Schule zu gehen nicht zu weit haben. Er kauft Nov.
bmidts ion und Wohnung um 8. Pf. Sterl. und bekommt
5 Sh. Sterl. zu Huͤlfe, Schmidt hingegen zieht auf des Ko:
ger 105 e bey der Stadt, und dancket GOtt für die:
Fügung. 7 De iu um guter Ueſach willen gern bey der Stadt
1 u Mies, den 10. Mor.
ee een, Land jenſeit BEE e nicht ſo eis wäre und
BE. al zu ungelegenen Zei t uͤberſchwe met wuͤrde, ſo haͤtte man auf
Inſul gar viele ſehr fr fruchtbare Plantationen. Das hohe Land
ben beſetzt, und faſt nichts als der Foͤrl · Wald übrig‘, den nie⸗
nen will, weil einer vi el Vieh hat, genugfamen, Dung zu
achen, welcher r ochwendig erfordert wird, wenn ſolch Land brauch⸗
verden ſoll. In ſolchem Fal wuͤrde ec gar reichlich tragen, wie wir
probe — 5 e ier im Lande eben fi im Ackerdau
ie in Teut
| 9 abe Dinge trägt, Stücen Cars
rd i 6 5515 ar 1 len. „ ese Ordre zu voll
en, wo die Leute beyſammen wohnen ſollen. Haben fie ihr Land nicht
ben e 0 hatesim Geiſtlichen und Leiblichen viel Schaden.
Donnerſtag, den ır. Nov. i
rren Truftees haben alle Kinder ihrer teutſchen Knechte |
1 128 wache welé er etliche Jahr nach erlangter Freyheit der El⸗
sen zu diene hä 80 auch frey gegeben, daß ſie alſo mit den Ihrigen um
Weyhnachten auf ihre Plantationen, die ihnen ietzt an einem groſſen Fluſſe
in der Gegend des Waͤyſenhauſe ausgemeſſen werden, ziehen koͤnnen.
Sie ſollen mit einander eine eigene Stadt anlegen Dieſe Knechte haben
7 1 e „es in ihrem gantzen Leben nicht zu vergeffen, was die Herren
Truſtees an ihnen gethan haben. Ihre Arbeit hat wenig zu bedeuten,
und haben doch dabey mit den Ihrien ſo gute Verſorgung gehabt, als
han W e ihrem eigenen Lande ſind. Sie vi
Anno ben ſich aber auch durch Untreue und ungerechte Griffe größten Theils
1742. den Herren Truftees ſehr verſuͤndiget, Darüber ſie durch das Vieh⸗Ster⸗
\
Nov. ben die ſchwere Hand GoOttes ſchon gefühlechaben, aber noch e 9
beſſer worden find. Es wird ihnen die göftliche Wahrheit frey bezeuget,
wenn wir Amts⸗ wegen bey ihnen ſind, ſie hoͤren es aber nur an, und zur
wahren Buſſe und Abtreten von der Ungerechtigkeit kommt es nicht.
Auf des lieben Herrn Paſt. Muͤhlenbergs freundlichen Bri ef habe |
heute geantwortet, und ihm von der glücklichen und gefunden Endigung
meiner Reife von Charles-Toron nach EbenCzer Nachricht gegeben, und
ihn unferer aufrichtigen Liebe und gemeinſchaftlichen Fürbitte für feine
Perſon und Amt verfichert. Ich hoffe, wir werden fleißig zu unſerer Er⸗
bauung und um des Reichs G Ortes wollen, wut einander zu cortefpondi
ren Gelegenheit finden. An den Herrn Jonathan Bryan, unſern
Freund und Goͤnner, habe auch geſchrieben, und ihm fuͤr ſeine mir letztlich
und ſonſt unfern Leuten erwieſene Liebe gedancket, ihm auch die commu⸗
nicirte letzte Reden feiner Frau Schwaͤgerin, die im Friede abgefahren,
wieder zugeſchickt, und die Rechnung, welche ich des Reiſſes und der Pfer⸗
de wegen mit ihm gehabt, völlig in Richtigkeit gebracht. Solche Tor⸗
reſpondentz iſt unſerer Gemeine nuͤtlich und dem Reiche Gottes für
derlich. f N b rn, gr; >
Der unlaͤngſt hergekommene Saltzburger Kurtz war mit ſeinem
Weibe bey mir. Beyde machten mir durch offenhertzige Entdeckung ih⸗
rer vorigen und gegenwaͤrtigen geiſtlich⸗ und leiblichen Umſtaͤnde Ver⸗
gnuͤgen und Hoffnung, ſie werden wahre Chriſten und nuͤtzliche Leute un⸗
ter uns ſeyn. Sie ſind mit ihren Kindern geſund und wohl auf, und dan⸗
cken GOtt und ihren Wohlthaͤtern für das viele Gute, fo ſie in England,
auf der Reife und hier genoſſen haben. Herr Muͤhlenberg iſt bey ihnen
in ſehr gutem Andencken, und fie wuͤnſchen ihm für feine Liebe viel Gu⸗
tes. Sie haben ein groſſes Verlangen an die Ihrigen in Caſand ei⸗
nen Brief zu ſchreiben, und wuͤnſchen es von Hertzen, daß ſie bey ihnen
hier waͤren.
| Montag, den . Nov. |
Es hat faft den gantzen Tag geregnet, ſonderlich wurde um die
Abend⸗Zeit der Regen ſtaͤrcker, daß wir auch die oͤffentliche Betſtunde
ausſetzen muſten. Einige Leute kamen dem ungeachtet zu mir auf die
Stube, die Singſtunde zu halten, da wir denn ein Lied wiederholten,
und andere zu lernen anfingen. Es iſt etwas ſehr ſchoͤnes und nuͤtzliches,
0 | daß
*
r 7 PR: ps F 8 i N Diarium. . 5 5 2099
daß die Melodeyen der alten und neuen Lieder in der neuen Auflage des vom Anno
ſel. Herrn kalt. Freylinghauſen edirten Geſang⸗Buchs zu finden ſind. Wie 1742.
viel alte Kern⸗Lieder kan man gar nicht fingen, weil die Melodeyen unbe: Nor.
kant ſind, und einige ſind fo corrumpirt, daß fie einige Leute an verſchie⸗
denen Orten verſchiedentlich gelernet haben. Jetzt aber kan man ihnen
zurechte helfen, und in einer kleinen Gemeine, wie die unſrige iſt, drüber
wachen, daß nicht Anomalien und Fehler in den gelerneten Melodeyen ein⸗
eh ee
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Er
VDTDDtienſtag, den 16 No. 8
Tc beſuchte vor der Erbauungs⸗Stunde die Leimbergerin, und er⸗
kundigte mich nach einer gewiſſen Sache, welche mir verdaͤchtig vorge⸗
kommen war. Sieerklaͤrte ſich gar wohl darüber, und befragte mich
über den rechten Verſtand der Worte CHriſti Joh. 9. Gott hoͤret die
Suͤnder nicht, ſondern ſo iemand gottsfuͤrchtig iſt ꝛc. welchen ich
ihr durch die Diſtinction zwiſchen bußfertigen und unbußfertigen Suͤn⸗
dern, und durch die beyſtehende Worte: ſo iemand gottesfuͤrchtig iſt,
und thut ſeinen Willen, wie auch durch das Exempel des bußfertigen
Zoͤllners deutlich zu machen ſuchte. Sie hat des Grimmigers Maͤgdlein
bey ſich, und erziehet es wohl, und kan man den Unterſchied der vorigen
Erziehung und der ietzigen aus Geberden, Worten und Wercken des Kin⸗
Jͥͥ0 ee el
Wir betrachteten aus dem neulichen Sonntags» Evangelio am
XXII. Sonnt. nach Trinit. GOttes Freundlichkeit, und unfere Pflicht
gegen ihn und den Naͤchſten; da unter andern gezeiget wurde, daß keines
von dem andern getrennet werden muͤſſe, und daß ſich diejenigen ſehr be⸗
truͤgen, welche ſich bey Verſaͤumung ihrer Pflicht der Freundlichkeit und
Barmhertzigkeit GOttes getroͤſten. Ein paar Eheleute waren in der
Kirche, die aber aus ihrer Schuld wenig aus der Predigt gebeſſert wor⸗
den. Sie erbittern ſich, daß man ſie nicht kan zum heiligen Abendmahl
gehen laſſen; man kan ihnen aber nicht helfen.
UMMitwoch, den ; Nov. 33
Jetzt iſt alles gute Sand in unſerer Gegend beſetzt. Die Inſul am
Muͤhlfluß hat eine groſſe Menge ſehr gutes Land: es kan ſich aber nie⸗
mand mit dem Pflantzen drauf verlaſſen; weil es in den letzten zwey Jah⸗
ren oft uͤberſchwemmet geweſen. Es gibt noch gut Land genug nach Ha⸗
berkorn zu, und in andern Gegenden, welches aber ziemlich weit von uns
entfernet liegt, und wird vorgegeben, daß es ſchon vor gewiſſe Herren
ausgemeſſen und deſtinirt ſey. Solten mehr Saltzburger hieher wollen,
Americ. XI. Sortf 9 T ſo
‘2100 | Diarium.
Anno ſo muͤßte erſt ausgemacht werden, daß ihnen eine ſolche Gegend zum An⸗
1742. bau angewieſen wuͤrde, darauf ſie ſich unter Gottes Segen erhalten
Nov. koͤn | 8 |
ten. | N 5 5
Krauſehat ſich auf feiner Plantage ein dauerhaftes und bequemes
Haus gebauet, welches dieſen Vormittag mit Wort GOttes und Ge
bet eingeweyhet wurde, wozu er auch chriſtliche Freunde eingeladen hatte.
Wir legten den 30. Palm zun Grunde der Erbauung, welchen David
(wie der erſte Vers beſaget) auf die Einweyhung ſeines Hauſes verferti⸗
get hat. Er gab mir ſchoͤne Gelegenheit zu zeigen, ſowol wie es dem lie⸗
ben David in ſeinem Leben ergangen, als auch was in ſeinem Hauſe bey
allerley vorkommenden Umſtaͤnden ſeine geiſtliche Geſchaͤfte geweſen.
Wir ſind in unſerm Leben in dieſer Pilgrimſchaft auch, wie er, allerley
Veränderungen der Geſundheit unterworfen, und ſollen wir uns in guten
Tagen vor Sicherheit und Vertrauen auf uns und unſer Glück hüten
v. g. in boͤſen Tagen aber nicht verzagen, ſondern unſere Zuflucht zu
Gott nehmen, v. 3. uns auch feiner vorigen Errettungen, Beſchuͤtzun⸗
gen und vielerley geiſtlich⸗ und leiblichen Wohlthaten danckbarlich erin⸗ 3
.
1 —
nern, ihn mit Hertz, Mund und Wandel dafuͤr preiſen, v. 2. auch die
Bekant⸗ und Gemeinſchaft anderer Glaͤubigen ſuchen, uns mit ihnen
zum Lobe GOttes zu ermuntern, v. 5. denn er wohnet unter dem Los
be Iſrael. Es haben dieſe beyde Eheleute in der vorigen Zeit mancherley
theils kuͤmmerliche Umftände, dabey aber auch die Huͤlfe des HErrn
erfahren, und erinnerte ich fie einiger mir bekanten Specialien bey Gele⸗
genheit dieſes Pſalms, und zeigte ihnen, wie fie nun ihre Zeit in dieſem
Hauſe zubringen ſolten. GO TTgab uns viel Erbauung und Hertzens⸗ .
Vergnuͤgen.
Donnerſtag, den 18. Nov.
An der N. N. arbeitet der liebe GOtt ſehr Eräftig, und kommt es
mir vor, daß ein guter Grund der wahren Buſſe in ihr gewircket ſey.
Sie kam unter dem qten Trans port mit gutem Vorſatze hieher, es hat
aber nichts rechts aus ihr werden wollen, da ſie denn durch eine heftige
Kranckheit, als durch Zaum und Gebiß hat muͤſſen in goͤttliche Ordnung
gezogen werden. Am Ende der Kranckheit iſt ihr auf dem Wege zwi⸗
ſchen den Plantationen und der Stadt ſo etwas begegnet, wodurch ſie
ſehr aufgeweckt worden, und welches ihr auf ihr gantzes Leben nuͤtzlich
und heilſam ſeyn wird, wie ſie mir ſelbſt erzehlte. Ihre eigene und ihres
Mannes Gefahr iſt ihr gleichſam ſichtbar und lebendig vorgeſtellet wor⸗
den, welches ſie unter freyem Himmel auf die Knie gebracht, da 8 |
tt
in der groͤßten 3 nur noch um Eine Stunde der Gna⸗ Anno
—
Gefahr und Todes⸗ Angſt ſo zu erzehlen, daß einer, der es recht an
etrug wohl geſehen. Ich ſchlug ihr unter andern die
Pfalms auf: SErr, du haſt meine Seele aus der
Des Chriſts Weib hat als Witwe drey unerzogene Kinder an un⸗ 5
en Ort gebracht, und iſt dals aͤlteſte, welches ſehr gebrechlich iſt, und auß
en Knien gehen muß, zur Erleichterung der armen Eltern ins Waͤyſen⸗ g
haus genommen worden. Es wil aber mit dieſem Mägplein bier fo nicht
90 en, als man wuͤnſcht und gehofft hat, daher die Eltern ſelbſt vor nö-
thig finden, es wieder zu ſich zu nehmen, und wollen wir es mit nothduͤrf⸗
tiger Kleidung verſorgen, auch ein paar Buͤſchel Korn ſtatt der Lebens⸗
Mittel zu Hülfe geben, und kan es von den Eltern nach und nach zum
Nehen angefuͤhret werden. Halten ſie ſich chriſtlich unter uns, ſo kan es
auf den Sommer etwa geſchehen, daß man das andere Maͤgdlein, wel⸗
ches jetzt noch gar jung und zart iſt, zur Verpflegung ins Waͤyſenhaus
nimmt. Ich war heute bey ihnen, und ermahnete ſie zum rechten Weſen
des Chriſtenthums, und zur Chriſt⸗ehelichen Begehung unter einander.
Freptag, den 19. Nov. RE RAR
VPeor der heutigen Erbauungs- Stunde hatten einige Männer eini-
ge Sorge für den Chriſtian Riedelsperger, und wuͤnſchten zu erfahren, wie
es mit ihm ftünde. Sie find geſtern in ziemlicher Anzahl zu Fuß und zu
Pferd in den Wald gereiſet, noch einmal einen Verſuch zu thun, dasjeni⸗
ge Vieh, welches ſie etliche Jahre her vermißt haben, auf des Waͤyſen⸗
hauſes Cowpan zu treiben, und zu zeichnen daß es nicht im Frühjahr der
Knecht der Truftees in Alt Eben Ezer wegnehme und der Truftces Rind⸗
vieh zuzehle, wie gar leicht geſchehen moͤchte; denn er hat Macht, alles
Vieh, das kein Zeichen hat, mit der Truftces Zeichen zu bezeichnen. Rie⸗
delsperger hat einer Heerde nachgeſetzt, und iſt alſo aus den Augen der
uͤbrigen gekommen, da denn beſorgt wurde, es habe ihn etwa das Pferd
abgeworfen, und er habe ſich ae Wir vernahmen aber na
3 - 5 9 2 N der
Anis der Berftunde, daß er wieder
2102
Ihrigen zu kommen. Sie werden Fleiß anwenden, daß ſie ſie fangen
und zeichnen koͤnnen. Es iſt uns ſchon vor mehr als 8. Jahren Rindvieh
weggelaufen, und ſeit dem hat ſichs vermehret, und iſt mehr alsprobable,
daß es niemanden als unferer Gemeine zugehoͤre, ob es gleich nicht unfer
Zeichen hat, und auch nicht haben kan, weil man es nie hat bekommen
koͤnnen. Die Herren Truftees Eönten es unſern Leuten wol zutrauen,
daß ſie nichts als das Ihrige begehren: man wuͤrde aber doch Ungelegen⸗
heit haben, wenn ſie eines mit der Gemeine Zeichen zeichneten, wenn ſie
es nicht durch genugſame Zeugniſſe darthun koͤnten, daß es das Ihrige
ſey. Das Waͤyſenhaus ſelbſt hat ein paar Jahr her zwar die Kuͤhe von
dem Knechte der Herren Truſtées aus Alt⸗EbenEzer wieder bekommen,
die jaͤhrigen Kaͤlber aber, die gewiß im Walde bey den Kuͤhen geweſen,
haben wir zurück laſſen muͤſſen, und iſt uns nicht verſtattet worden, ſol-⸗
che, die den Unſrigen Ähnlich geweſen, im Walde aufzufangen und zu
zeichnen, Darüber in der Gemeine groſſer Schade entſteht. Bey den Su.
perioribus in Savannah bekam ich zur Antwort, daß wir diejenigen Kaͤl⸗
ber zeichnen duͤrften, welche den alten Kuͤhen als Muͤttern nachlaufen,
weil ſich junge und alte zuſammen halten. Wenn aber der Engliſche
Mann in Alt⸗Ebenezer gleichſam feine Par fore Jagd hält, und die
Kaͤlber und anders ungezeichnete Rindvieh zuſammen treibt, ſo trennet
ſich das Vieh. Woher kan man nun wiſſen, wo die jaͤhrigen und alten Kaͤl⸗
ber geblieben, oder wie kan man es darthun, daß, wenn ſie bey einer an⸗
dern Heerde angetroffen werden, ſie uns zugehoͤren? Billig ſolten wir
die Freyheit auch haben, ſo viel ungezeichnet Rindvieh als unſer eigen an⸗
zuſehen, als uns weggelaufen, und unſere Leute gewiß vermiſſen. In
den erſten Jahren haben unfere Leute ihr aͤuſſerſtes dran gewandt, ihr
Vieh unter etlichen Hirten beyſammen zu behalten, und in gewiſſen Ge ⸗
genden huͤten zu laſſen, die Viehhirten aber ſind uns nach und nach abge⸗
gangen, die Weide iſt rar worden, und das Vieh hat ſich vermehret,
daß man genoͤthiget worden, den groͤßten Theil in den Wald laufen zu
laſſen, daß es feiner eigenen Weide nachgehen moͤchte. Die Leute haben
viele Muͤhe und Unruhe damit, und muͤſſen es auch haben, denn es * .
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er n glücklich auf den Plantationen angekom⸗ Fi
1742. men ſey. Sie haben eine Heerde von 40. Stuͤck Kuͤhen, Ochſen und
Nov. Kälbern beyſammen angetroffen, fie aber nicht bis aufs Cowpan brin⸗
gen konnen, weil fie wild, und in Gebuͤſche und ſumpfigte Gegend wieder
hinein geſprungen find. Sie haben viele Stücke ſchon laͤngſt vor verlo⸗
ren geachtet; ietzt aber haben ſie Hoffnung, nach und nach wieder zu dem
27
2103
B u
Gegend trieben, und ung alle Vieh⸗Weide zwiſchen
Säonnabend, den 20. Nov.
9 5
1
derrnZwiffler aus Philadelphia an mich empfangen, welcher ſchreibt, daß
er noch unverheyrathet ſey, und auch ſo zu bleiben gedencke. Er habe als
Medicus ſo viel Arbeit, daß er ans Heyrathen nicht dencken koͤnne. Er
hat bey dem Schulmeiſter Ortmann und der Rheinlaͤnderin noch eine klei⸗
ne Schuld an Geld zu fordern, und begehrt, daß ich ihm dazu helfe, wes⸗
halber ſchon vier Briefe an mich geſchrieben, die ich aber nicht empfan⸗
gen habe. Es ſcheint, feine Einkuͤnfte muͤſſen dort ſo groß nicht ſeyn, weil
er die alten Reſte zuſammen ſucht. Er ſchreibet auch, daß der Graf Zin⸗
zendorf mit feinen Leuten ein groß Aufſehen mache, darüber ſich viel Ge⸗
zaͤncke erhebt, und muß manches gar mit Schlägen ausgemacht werden.
70 Er laͤßt in Philadelphia eine Kirche auf ſeine eigene Koſten bauen, bey de⸗
ren Grundlegung groſſe Auffehen: machende Solennitäten find vorge⸗
nommen worden. Der Graf habe das Stück Land gekauft, welches
dem Herrn Whitefield vor dem gehoͤrte, davon ein Theil den Namen
Bethlehem, und das andere Nazareth bekommen hat. Es ſoll 40.
Meilen von Philadelphia liegen, und follen viele Teutſche und Englaͤnder
. . a dahin
Geſtern abend kurtz vor der Betſtunde wurde mir ein angenehmer
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ur ein Mittel koͤnte Anno
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1742. 0
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204 Diarium.
dahin gereiſet ſeyn, der Herrnhuͤter eifrigen Gottesdienſt daſelbſt anzuſe⸗
benz. » = Herr Paft. Muͤhlenderg ſchreibt unter andern an mich folgen⸗
de Umſtaͤnde, die mich und meinen lieben Collegen noch mehr convinciren,
ich habe nicht in Charles⸗Town warten, ſondern wieder zuruͤck in mein
Amt nach Eben Ezer gehen ſollen, daraus auch unſere Freunde in Europa
den Rath und die Hand des himmliſchen Vaters erkennen werden:
„Capt. Grant iſt den 1. Nov. hier angekommen ⸗ und ſtehet noch im
„Bedencken, ob er nach Philadelphia reifen ſoll. Ich bat den Capi⸗
„gain von der kleinen Philadelphier⸗ Ehalouppe, welche dieſer Tagen hier
„angekommen, er moͤchte mich mitnehmen. Er entſchuldigte ſich aber,
daß er nicht die geringſte Bequemlichkeit fuͤr einen Paſſagier auf ſeinem
„Schifflein haͤtte. Herr Fowler und Herr Grant mepneten, das Schiff⸗
lein wäre zu klein und zu gefährlich zur Winterszeit. Man haͤlt es auch
„gefährlich wegen der Spanier. Des Herrn Lamptons Brigantin mit
„Canonen ausgeruͤſtet gehet in 14. Tagen nach Newyorck, mit derſel⸗
„ben gedencket Herr Grant zu gehen, wenn er ſich noch zu reiſen reſolvirt.
„Ich dependire aber nicht von Canonen, noch von Accommodationen auf
„den Schiffen, ſondern von GOtt, der mich bis hieher gebracht. Will
„er mich nach Philadelphia haben, fo kan er mich beſchüͤtzen ohne Geſchuͤtz,
„und auf einer ohnmaͤchtigen Chalouppe ſo gut als auf einer Brigantin
„hinbringen. Will ſich der Capitain Childs von der kleinen Chalouppe
„bequemen, ſo will es in GOttes Namen annehmen, und gehen ſo weit
„mich der HErr haben will. Will er mich aber nicht mitnehmen, wie er
„ſich denn nicht gern mit Paſſagierern vermengen will; ſo muß es anſehen
„als GOttes Direction, und auf die Brigantin des Herrn Lamptons
„oder andere Gelegenheit warten. Die Chalouppe will den sten oder
„gten hier weggehen nach Philadelphia. Seyn Sie doch ſo guͤtig und
„helfen mir mit Ihrem lieben Herrn Collegen und Anvertrauten beten.
„Sie koͤnnen ſich die Umſtaͤnde leicht vorſtellen, worin ich bin nach Leib
"und Gemüthe, und wo ich hin ſoll. Entweder in den Tod oder in
„Feindes Haͤnde, oder ins Lazareth, ja mehr in ein geiſtlich Madhaus.
„Doch fürchte ich mich nicht, der S Err iſt mein Hirte, nach dem 23.
„Pſalm. Es wird nun bald ein Jahr, daß ich meine Reiſe von Henners⸗
„dorf angetreten. Meine ietzige Arbeit iſt Journal⸗ ſchreiben, ein paar
„Kinder zu informiren, und den Sonntag zu predigen. Der Capt. Ellis
„ift auch noch hier. Zu Lande zureifen will mir niemand rathen, und es
it mir auch nicht möglich, weil nicht fo viel Geld habe. „
Sonntag,
.
u
4
* *
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‚u | Dierium aros
N Sonntag, den ar. Nov. | Annes
Andieſem letzten Sonntage des ietzigen Kirchen⸗Jahrs find 63. Der: 1742.
Be zum Tiſch des HErrn geweſen. In der geſtrigen Präparation und Nov.
Beichthandlung folgte im 1zoſten Pfalm das Spruͤchlein zu betrachten:
Bey dir iſt die Vergebung, daß man dich fürchte, woraus auch
mir der liebe verſoͤhnte Vater im Himmel viel Aufmunterung und Segen
geſchencket hat. Mein lieber College hielt die Präparation und Beicht⸗
handlung auf den Plantationen vormittags, und hat den Zuhoͤrern et⸗
N r nuͤtzliches vom heiligen Abendmahl aus D. Muͤl⸗
lers himmliſchen Liebeskuß vorgeleſen und applicirt. In unſerer Kirche
genieſſen wir ietzt, da Thuͤren und Fenſter eingeſetzt find, einer ſehr groſ⸗
en Bequemlichkeit, indem uns weder Wind noch Regen, oder Kaͤlte im
eringſten verunruhigen kan. Wenn die Kirche von Erwachſenen und
Lindern faſt erfuͤllet iſt, (wie fie denn alle ſehr fleißig herbey kommen) ſo 5
99255 darin bald ertraͤglich warm. Es ſtehen in den Waͤnden der Kir⸗
ce 24. Fenſter⸗Fluͤgel, deren ieder 8. Glas⸗Scheiben, welche u. Zoll
| lang, und 9. Zoll breit ſind, in ſich faßt. Hievon iſt es uͤberaus lichte
und helle in der Kirche, daß man in jedem Winckel die kleinſte Schrift
deutlich leſen kan. Es koſten dieſe Glas⸗Fenſter, welche auch mit Baͤn⸗
dern und Hacken verſehen ſind, ſie auf und zuzumachen, viel Geld.
bert vorbeſchriebene Scheibe gilt mehr als 6. pens Sterl. Der Nu⸗
"sen aber und die Bequemlichkeit, die wir beym Gottes dienſt, Winter
und Sommer, am Tage und Abends genieſſen, iſt ſehr groß. Es ſind
auch Fenſterlaͤden daran, welche wegen des ſtarcken Windes, der unter⸗
| ich rg mit der größten Heftigkeit an die Fenſter wirft, hoͤchſt⸗
\ 1 g in 8 * 3 a ; 2 BL
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Montag, den 22. Nov. 5 .
Dieſen Vormittag empfing des Theobald Kieffers Frau und Schwie⸗
ger⸗Mutter in ihrem Haufe die Privat⸗Communſon, dabey ich mir und
ihnen den erſten Theil des ſchoͤnen 130. Pſalms zu Nutze machte. Ob ſichs
gleich viel mit ihrer Kranckheit gebeſſert hat, ſo find ſie doch noch gar
ſchwach, daß ſie nicht aus dem Hauſe, vielweniger in die Kirche gehen
koͤnnen. Ich beſuchte auch den krancken Klocker, mit dem ſichs ſeit 8.
Tagen zu einiger Beſſerung angelaſſen. Die Kälte iſt ſehr groß. Ob er
wol gute Betten und Decken hat, fo kan er ſich doch nicht recht erwäͤr⸗
men, welches ſein Zunehmen an Kraͤften hindert. Er iſt gantz getroſt
und zum Leben und Sterben bereit, ſo, daß es auch hier heißt: Wilt er
8 5 N mi
2106 Dierum. 3
Anno mich todt, ſo ſterb ich gern, mein GOtt: wilt du, daß ich ſoll le⸗
1742. ben, will ich mich drein ergeben.
Nov.
Dienſtag, den 23. Novy.
ein Mißverftändniß entſtanden: weil wir aber zeitig dabey zu Rathe gezo⸗
gen ſind, und die differirende Perſonen von ihrem Recht nachgegeben ha⸗
benz iſt alles bald wieder in gute Ordnung gekommen. Es find der Ar⸗
beiter zwar wenige, ſie beweiſen aber groſſen Fleiß, und ſind ſchon weit
avancirt. Wenn einmal der Zaun zu Stande gebracht, ſo iſt fo viel Land
eingezaͤunet, als ſie in zehn Jahren kaum bepflantzen koͤnnen. Der Zaun
wird auch ſo dauerhaft geführt, daß er in etlichen Jahren keine Repera⸗
tur wird noͤthig haben. Kocher hat geſtern die Schule auf den Planta⸗
tionen angetreten. Er hat ietzt noch wenige Kinder, aber auch dieſe we⸗
nige ſind eines Schulmeiſters werth. Nach und nach werden mehrere
hinzu kommen. Auch wollen einige erwachſene Perſonen ſich im Leſen von
ihm weiter helfen laſſen. Er iſt ein gutwilliger Mann, der ſich weiſen
läßt ; und alſo hoffen wir, er werde brauchbar werden. Er hat gute Na⸗
tur⸗Gaben, ein gutes Erkaͤntniß und einen Anfang im Chriſtenthum, bes
ſitzt auch gute Sitten und Art mit Kindern umzugehen, ob er wol in
Teutſchland nie einen Schulmeiſter abgegeben. b s
= Mittwoch, den 24. Nov.
Es haben unſere Zuhoͤrer in ihren ſchweren Haushaltungen da ſie
ohne Dienſtboten ſind, und wol zugleich kleine unerzogene Kinder haben,
ſo viel Arbeit, daß es ſchwer haͤlt, ſie auf einige Tage zur Arbeit bey un⸗
fern Häufern zu miethen. Wenn ſie einige Tage von ihren ordentlichen
Geſchaͤften abbrechen koͤnnen, ſo haben ſie publique Arbeiten, z. E. bey
der Mühle, Kirchen⸗ und Bruͤcken⸗Bau ꝛc. zu verrichten, fie dienen
auch gern Herrn Meyern, dem Waͤyſenhauſe ꝛe. Weil wir vor Geld
keine Holtzhauer bekommen koͤnnen, ſo haben ſich ſchon ein paar mal die
meiſten Maͤnner zuſammen gethan, und uns einige Haufen Holtz gehackt,
wofuͤr ſie keine Bezahlung nehmen. Heute ſind ſie abermal da, der⸗
gleichen Arbeit, dazu wir fuͤr Bezahlung niemand bekommen koͤnnen,
freywillig zu thun. Es iſt uns dieſes Zeugniß ihrer Liebe zwar lieb, doch
wuͤnſchen wir lieber einen treuen Knecht zu haben, der uns dergleichen Ar⸗
beit ohne Beſchwerniß der Gemeine, die ſonſt ihre Beſchwerden hat, thaͤte.
Seit dem Peter Heinrich todt iſt, der ſchon vor drey Jahren geſtorben,
haben wir niemanden finden koͤnnen, der ſich in unſer Haus ſchickte. Ich
gedencke bey dergleichen Umſtaͤnden an einige Worte des ſel. Prof. Fran⸗
cken:
Bey der gemeinſchaftlichen Arbeit des Zaunmachens iſt etliche mal
„
1
| 8 Diarium. |
cken: „Gleichwie ein Lehrer fich vorfehen muß, daß er kein boͤſes Weib Anno
„nehme; alſo muß er allerdings auch dahin ſehen, fo viel ihm moglich iſt, 1742,
„daß er keinen Dienſtboten in fein Haus nehme, der aͤrgerlich lebe, wenn Nor.
ver gleich noch ſo herrlich arbeiten koͤnte, und von andern wegen ſeiner
„Geſchicklichkeit oder Arbeitſamkeit noch ſo ſehr gelobt wuͤrde. Wenn
„aber dergleichen Dienſtboten einmal bey ihm find, fo muß er allerdings
„mit ihnen groſſe Geduld haben, und dencken, GOtt habe ihm ſolche
„böfe Menſchen, die er nicht für boͤſe erkant habe, zugefuͤhrt, daß fie viel⸗
„leicht bey ihm follen bekehret werden. Alſo iſts billig, daß er fie trage
„und ermahne, damit ihre Seele nicht verloren werde. Wo aber alle
„Gradus gebraucht ſind, und ihre Suͤnden in Aergerniſſe ausbrechen; da
v muß er die Gemeine lieber haben, als ſolcher Leute Arbeit, und felbige
„aus feinem Haufe forefhaffen. „ Eine von des ſel. Peter Heinrichs
Toͤchtern iſt noch in meinem Hauſe, und fuͤhret ein ernſtlich Chriſtenthum.
Sie iſt am Leibe ſehr gebrechlich, auch mit der Epilepſie von Kind auf be⸗
ale ſie kan ſich aber im Glauben darauf freuen, daß auch ihr die Ver⸗
eiſſung angeht, daß ihr nichtiger Leib (aux vg ranenweeus) ähnlich
werden ſoll dem verklaͤrten Leibe CHriſti. In dem Paroxyſmo des Fie⸗
bers redet ſie von geiſtlichen Dingen ſo nachdruͤcklich, deutlich und ernſt⸗
lich, daß ſie es ſo auſſer dem Paroxyſmo bey dem voͤlligen Gebrauch ih⸗
rees Verſtandes nicht koͤnte. Sie hat zwar ein gründlich Erkaͤntniß in
geiſtlichen Dingen, beſitzt aber nicht die Fähigkeit ſich ſelbſt recht auszu⸗
druͤcken. Wenn fie aber, wie gedacht, in der Fieber⸗ Hitze auſſer ſich
liegt; ſo weiß ſie die Untugenden, welche ſie an ſich und andern wahrge⸗
nommen, ſo ordentlich und beweglich zu beſtrafen, und die Gnade GoOt⸗
tes in CHriſto zu ruͤhmen und andern anzupreiſen, daß ſich diejenige, die
zugegen find, bis zum Thraͤnen bewegt und erbauet finden. Es ſind noch
zwey Maͤgdlein des Peter Heinrichs an unſerm Orte: eine ift verheyra⸗
thet, die andere iſt freyledig, und find beyde auf fehr gutem Wege, ihr
Heil in CHriſto zu ſuchen und zu ergreifen. Eine erwachſene Tochter
und ein Knabe ſind noch in Savannah im Dienft. Stünde es in unſerm
Vermoͤgen, würde man fie nach ihrem ſehnlichen Wunſche gerne hieher
nehmen. N N
7255 ehm vernehme von Hans Floͤrln, daß Klocker wieder ſchwaͤcher
wird, und ſeinem Ende naͤher kommt. Er hat bey ſeinem Leben noch die
Freude, ſeine Kinder im Waͤyſenhauſe verſorgt zu ſehen. Das aͤlteſte
Maͤgdlein iſt ſchon unter den Waͤyſen⸗Kindern, das mittelſte geht ietztt
dem Vater noch an die Hand, und das kleinſte Knaͤblein, welches nur
Americ. XI. Sort. 9 U zwey
2108 Diarium. er 1
Anno zwey Jahr alt iſt, wird ietzt ins Waͤyſenhaus genommen. Der Bater
1742. hat es nach dem Tode feines Weibes der Bruͤcknerin zur Verpflegung
Nor. anvertrauet, und iſt ohne unſer Wiſſen mit ihr einig worden, alle Tage
5. penee für deſſen Pflege zu zahlen, die Kleidung aber beſonders zu ge⸗
ben. Ob wir ihm gleich etwas aus der Armen⸗Buͤchſe dazu zu Huͤlfe ge⸗
ben; ſo waͤre doch ein ſolcher Lohn in die Laͤnge nicht auszuhalten. Die
Kalcherin iſt ſehr willig, dieſes Kindleins ſich eben ſo, als ihres eigenen an⸗
zunehmen, welches mir um ſo viel lieber iſt, da ich weiß, daß der Herr
Sen. Rieſch und Herr Paſt. Felß in Lindau beſondere Liebe zu der Klockerk⸗
ſchen Familie tragen, und alſo an der Verſorgung dieſer Kinder einen Ge⸗
fallen haben werden. Es iſt nur Schade, daß unſer Waͤyſenhaus ſo en⸗
ge iſt, und daß es zur Zeit an Vermoͤgen fehlet, es zu erweitern ‚und ein
oder zwey Ofen hinein zu ſetzen, daß auch die Kinder im Winter beyſam⸗
men in der Stube gehalten werden Eönten. Jetzt behelfen fie ſich in der
Ku wohlverwahrten Küche, wenn es morgens und abends fehr
Donnerſtag, den 25. Nov.
Mein lieber College hat ein Fieber bekommen, daher ich heute an
ſeiner ſtatt die Schule hielt. Ich machte den Kindern etwas aus dem
ſehr erbaulichen Lebenslauf der ſel. Frau Graͤfin zu Stollberg zu Nutze,
dabey ich ſie auch auf die ſchoͤnen Exempel recht frommer Kinder, nem⸗
lich auf den jungen Samuel und Timotheum, dem Paulus 2 Epift. c. 3,
15. ein ſehr ſchoͤn Zeugniß gibt, gewieſen habe. Solche ſchoͤne Exempel
4
geben einem Praͤceptori gar viel Materie an Hand, den Kindern gute
Lehren und Erinnerungen zu geben. Der kleinſte Waͤyſen⸗Knabe war
nachmittags bey mir, und holete einen Bogen Papier zum Schreib⸗
Buch. Ich fragte ihn, ob er heute in der Schule verſtanden, was das
auf ſich habe, ein boͤſes Kind zu heiſſen? denn der Satan heiſſe auch boͤſe,
und die ſeines Theils ſind, fuͤhren auch dieſen heßlichen Namen. Er
antwortete: Ich habe es wohl verſtanden. Frage: Wilt du ſo bleiben?
Antw. Ich habe den Vorſatz gefaßt, heute anders zu werden. Frage:
Wie muſt du es denn machen, wenn du beſſer werden wilt? Antw. Ich
muß zu GOtt beten. = » Hierauf redete ich ihm kuͤrtzlich beweglich zu und
ließ ihn gehen. Die Freude im Himmel und auf Erden wuͤrde groß ſeyn,
wenn dis boͤſe Kind ſich aͤndern lieſſe. An dieſem erſten Tage der Kranck⸗
heit meines lieben Collegen hat der liebe GOtt meiner Seelen viele Barm⸗
hertzigkeit erzeiget; er wolle mich treu machen. Was ich den Kindern
einfältig geſagt, habe ich mir ſelber durch GOttes Gnade anne
en Wel⸗
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— . . re, Ten 2 2 — Kor I =. 27 = ö .
N
Da | Dierium Mod
Welche Barmhertzigkeit des HErrn iſt es doch, wenn er einem fein Ver⸗Anno ;
derben immer mehr aufdeckt. Es ſoll dazu kommen, daß man mit Pau- 1742. |
lo Phil. 3. von allen ausgehe, was nur Schein und nicht Wahrheit ift, Nov.
und nur dahin ringe, CHriſtum zu gewinnen, und in ihm erfunden zu
werden. Ich hoffe und bitte GOtt, daß er meinen lieben Collegen bald
wieder ſtaͤrcke. Inzwiſchen ſehe ich auch daraus, wie gut es iſt, daß ich
05 in Charles⸗Town geblieben, oder weiter gereiſet bin. Mein lieber
College koͤnte und würde ſich in meiner Abweſenheit weniger ſchonen.
Wir hoͤren ietzt aus der Hiſtorie 2 Sam. 24. daß David aus ſeinem
Schlafe der Sicherheit, darin er abermal aus ſeiner eigenen Schuld faſt
zehn Monat geſteckt, durch GOttes vaͤterliche Barmhertzigkeit wieder
aufgewacht und zur wahren Buſſe kommen iſt: und iſt es nicht als ohnge⸗
ſehe, fondern als ein Stuͤck der Weisheit und Güte Gottes über uns an⸗
l 8 ehen, daß wir nun auch am Ende dieſes Kirchen⸗Jahrs an ſeinem
Exempel aufgeweckt worden, da wol auch noch unter uns, bey allem Ge⸗
brauch der Mittel des Heils und buͤrgerlichen Ehrbarkeit manche in Suͤn⸗
den ui Bene Schlaf dis Jahr hindurch und länger geſteckt haben.
Solte ſie Gott in ſolchem Zuſtande gleich andern in die Ewigkeit geruffen
haben, fo wuͤrde es hoͤchſt elend um fie ſtehen. Es iſt eine rechte groſſe
Wohlthat, daß wir gleich den Israeliten aus GOttes Vorſehung und
der Herren Truſtees gute Landes⸗Einrichtung fo nahe beyſammen woh⸗
nen, und aus GOttes Wort und durch gute Exempel täglich zur ernſten
Schaffung unſrer Seligkeit ermuntert werden. Wenn es den Iſraeli⸗
ten gut und heilſam geweſen; fo hätte ihnen GOtt auch ein gröffer Land
zur Wohnung und zum Anbau anweiſen koͤnnen, daß hernach, gleichwie
in Caroline und andern Orten in America, faſt eine iede Familie in einem
eigenen Diſtrict und Wuͤſten wohnen koͤnnen: ſo aber erwehlte er an⸗
fangs das enge Land Goſen zu ihrer Vermehrung, und hernach das enge
Canaan zu ihrem Aufenthalt, und ſie haben alle ihren Unterhalt unter dem
beſondern Segen GOttes (5 B. Moſ. 11, 12. u. f.) und bey iparfamer
Einrichtung der Oeconomie gefunden, ob ihrer gleich nach der, rChron.
22. befindlichen Zahl ſehr viel geweſen; und auf dieſe Weiſe konten Er⸗
wachſene und Kinder zur Hauptſache, warum ſie in der Welt waͤren, auf⸗
gemuntert, auch für heydniſchen Greueln beſſer praͤſerviret werden. Es
iſt Schade, daß die Leute im Lande die gute Abſicht GOttes auch der
Herren Truſtèes und ihre Landes Regierung nicht erkennen wollen, ſon⸗
dern ſich nach der Freyheit der Planteurs in Caroline ſehnen, woran wir
aber keinen Antheil nehmen wollen. Es 1 viel beſſer, unſere .
e | | 9 2 Eins
210 Diarium.
ttes unter feinem Boldt, als
Son⸗
Sonnabend, den 27. Nov. i
Dieſen Nachmittag ſchickte der Quartiermeifter im Fort Argyle, 1742.
Anno
Mr. Milledye durch zwey von feinen Soldaten einen Brief an mich ‚dar: Nov,
in er meldete: Er habe vom Herrn Gen. Oglethorpe Nachricht erhalten,
daß die Spaniſchen Indianer das Fort Venture am Alathamaha⸗Fluß
uͤͤberrumpelt, und die Soldaten zur Uebergabe deſſelben genoͤthiget haͤt⸗
ten. Sie haͤtten ſich auf den Accord des freyen Abzugs ergeben, welches
die Indianer anfangs eingegangen, doch aber, fo bald fie das Fort und
8 Gewehr in Beſitz genommen, des Capit. Francis Frau, ihr Kind und
drey Mann getoͤdtet, und drey lebendig fortgeſchleppet haͤtten. Ein
Mann iſt ihnen entlaufen, und hat dieſe Nachricht uͤberbracht. Unſere
Rangers werden ermahnet, auf ihrer Hut zu ſtehen, denn es ſey zu ſor⸗
gen, die Spaniſchen Indianer werden weiter ins Land bis Fort Argyle
und zu einigen Plantationen von Savannah dringen wollen. Es iſt ein
beſonder Gerichte GOttes über die vorgedachte Frau. Sie iſt eine
eutſche, deren Eltern feine Leute waren, und ſchon vor ein paar Jahren
ſtorben find. Mr. Jones nahm ſich der Kinder, und alſo auch dieſer
Weibes⸗Perſon an; ſie dienete und genoß viel Gutes in ſeinem Hauſe:
und weil ſie mit einem ledigen Englaͤnder, Namens Francis, Bekantſchaft
hatte, wurde ſie von Mr. Jones und mir vor Verfuͤhrung treulich gewar⸗
net. Sie kehrte ſich aber daran nicht, ſondern wurde zur Hure, und ließ
ſich nach einiger Zeit von dem Prediger in Purrysburg mit dieſem Francis
kopuliren. Ihr Kind war ſchon bey ſechs Wochen alt, da ſie es, weil
es kranck wurde, in Abweſenheit des Mannes, von mir tauffen ließ. Es
ſtanden ihr aber hernach die Gevattern nicht an; daher nahm der verſtor⸗
bene Prediger in Savannah neue Ceremonien mit dem Kinde vor, und es
wurden ſolche Gevattern erbeten, mit welchen man ſich nach Welt⸗Ma⸗
nier luſtig machen konte. Sie hat GOttes Wort gehoͤret, an ihrem
Hertzen gefuͤhlet, auch gute Buͤcher von uns bekommen, ſich aber wenig
gebeſſert. Es iſt dis ein neues Exempel, daß Gott die Sünden, die
hier im Lande gantz ungeſtraft hingehen, endlich in ſeine Hand nimmt, da
es denn fuͤr unbußfertige Suͤnder ſchrecklich heißt: Schrecklich iſts, in
die Hunde des lebendigen GOttes zu fallen. Wir haben auch un
ſere Lection bey dieſer traurigen Nachricht. Denn wir haben es nicht von
ohngefehr anzuſehen, daß er ſie uns juſt an dem letzten Tage in dieſem Kir⸗
1 zu Ohren kommen laͤßt. GoOtt will uns dadurch realiter
Buſſe predigen gleich wie fie uns geſtern und heute in den Betſtunden aus
der Hiſtorie 2 Sam. 24, 10. geprediget . Wir vernahmen, daß
5 g 9 U 3 a er
212 s Dierium.n
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Anno der barmhertzige GOtt den David endlich aus feiner langen Sicherheit
1742. kraͤftig aufgeweckt, daß er feine Sünde 1) bußfertig erkant; 2) bußfer⸗
Nov. tig bekant, und 3) ernſtlich um Vergebung geflehet hat; womit auch
der Ste Pfalm, der in dieſen Umſtaͤnden ſcheinet verfertiget zu ſeyn, con⸗
feriret wurde. Unſere Zuhoͤrer ſind darauf fleißig gewieſen worden,
Gott zu bitten, daß er ihnen auch die heimliche Suͤnden und ſubtile
Stricke des Satans zu erkennen gebe, wodurch noch mancher von ſeiner
wahren Bekehrung und rechtem Durchbruch zurück gehalten wird, und
daß fie ja die Sünden nicht nach der Vernunft und anderer Leute Ge
wohnheiten, ſondern nach GOttes Wort beurtheilen, und in der Schule
des Heiligen Geiſtes lernen, was ſie von Natur und nach der herrſchen⸗
den Eigenliebe nicht koͤnnen, nemlich, daß ſie lernen erſchrecken fuͤr ihren
Suͤnden, und dieſelben lernen groß achten, um des willen ſollen ſie fein
ernſtlich in den Spiegel der Leiden CHriſti hinein ſchauen ꝛc. Uebrigens
ſey GOtt hertzlich gelobet, der uns dis Kirchen⸗Jahr in Ruhe und Se⸗
gen beſchlieſſen laͤßt! Er erhoͤre um CHriſti willen unſer öffentlich zu ihm
abgeſchicktes Buß⸗Gebet, und werfe alle nnſere bekante und unbekante
Sünden hinter ſich zuruͤck, und verſencke ſie in die Tiefe des Meers. Er
handle auch bey der ietzigen anhaltenden Fieber ⸗Kranckheit meines wer⸗
then Collegen nicht nach unſern Sünden , ſondern laſſe ſich unſere arme
Fuͤrbitte für ihn in Gnaden gefallen. 7 en.
Sonntag, den 28. Nov. 15%
An dem heutigen erſten Sonntage des Advents habe das Wort des
HeErrn allein verkuͤndigen muͤſſen, weil mein lieber College vom Fieber,
dabey eine gar lang anhaltende Hitze iſt, ſehr abgemattet war, und im⸗
mer zu Bette liegen mußte. Wir haben vor⸗ und nachmittags aus dem
ordentlichen Evangelio und den Eingangs⸗ Worten Joh. 14, 21. betrach⸗
tet: CHriſti Liebe zu uns und unſere Liebe zu CHriſto. Statt der
Wiederholungs⸗Stunde kamen abends die Leute auf meine Stube zum
Singen und Beten. Wir ſungen vier auserleſene ſchoͤne Lieder in zwey
Choͤren: O wie ſelig feyd ihr doch, ihr Srommen ꝛc. Mein Hertze
wie wanckeſt und fladderſt ꝛc. Seligſtes Weſen, unendliche Won⸗
ne ꝛc. Auf Sion auf! auf Tochter, ſaͤume nicht ꝛc. Gott ſchenck⸗
te uns hiebey gar viele Erbauung, und wir glauben ſicherlich, er werde
auf das Singen ſowol, als auf das dabey verrichtete Gebet, feinen goͤtt⸗
lichen Segen legen. Wir wuͤnſchen uns mehrmal bey Abſingung der
ſchoͤnen Lieder und Melodeyen ein ſolch muſicaliſches Inſtrument, wel⸗
ches wir zum Accompagnement gebrauchen, und alſo unſere W
| reude
Diarium. " 42313
. ONERESEREEIERGE FOR
= vermehren und aufivecfen koͤnten; es wuͤrde aber nicht nur viel,
oſten, ſondern iſt auch zu ſorgen, es wuͤrde bey der hieſigen ſehr veraͤn⸗
derlichen Witterung, da auch die Feuchtigkeit allenthalben eindringt, ei⸗
ner oftmaligen „ gebrauchen welche , ai zu e
Bi er 10
Montag, den 29. Nov.
* 5 e haben heute zuſammen Viſitation in 1 Wil
dern gehalten, und ſind auch nach Alt⸗EbenEzer gekommen, wo ihnen
Br
Nor.
der dortige Engländer, der uͤber der Herren Truſtees Vieh geſetzt iſt, gar
wunderliche und fuͤrchterliche Hiſtorien erzehlet hat. Nicht nur der vor⸗
ge ern empfangene Brief, | fondern auch eine zuverlaͤßige Nachricht von
ö die mit dem Inhalt des Briefs völlig harmoniert, hat uns
von den! mſtaͤnden wie es mit der Einnehmung des Forts Venture ers
gangen iſt,! enugſamen Unterricht gegeben, daß wir uns durch das Land⸗
liche 1 Geſchwaͤtze keine unnoͤthige Furcht duͤrfen einjagen laſſen.
Wer G i tt nicht fuͤrchten will, der mag ſich vor den Feinden fuͤrchten.
5 Benn es alle unter uns machen wie David, der durch wahre Buſſe von
ſeinem Fall aufgeſtanden ‚ fo wird fie GOtt nicht in ſeinem Zorn hinreiſ⸗
„
ſen, ſondern Gnade fuͤr Recht ergehen laſſen, ob wol vaͤterliche Zuͤchti⸗
gung nicht ausbleibt. Erzuͤchtiget ſeine Kinder lieber ſelber, als daß er
nde des ten Pſalms konte David in Glaubens» Kraft ſagen: Wei⸗
et alle von mir, ihr Uebelthaͤter: denn der SErr hoͤret mein
en dem grauſamen Willen und Händen feiner Feinde uͤbergiebt. Am
Weinen, der SeErr hoͤret mein Slehen, mein Gebet nimmt der
Er: an. Es muͤſſen alle meine Seinde zuſchanden werden,
0 5 * e a 1 zurück [en und — 5 5 werden
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| 1742. ub | ) ndern |
| N wieder geſund, und giebt vor, er wolte lieber auf dem Lande arbeiten, als
Dec.
| 2114 at | Diarium.
Anno Hinderung findet, fo gereuet es ihn, daß er fein Land weggegeben, und
überläuft mich nun, ihm zu einem andern behuͤlflich zu ſeyn. Er iſt völlig
Strümpfe ſtricken. Man thut ihm zu einer neuen Plantage allerley
Sorſchlaͤge, dabey es aber mehr Schwierigkeiten ſetzt, als wenn er feine
erſte behalten hätte. So ſtuͤrtzen fich die deute ſelber in mancherley Noth
und Ungelegenheit, wenn ſie ſich nicht wollen rathen laſſen, und ihre Din⸗
ge ohne GOtt anfangen. 5 e
Eiſchberger vom ꝛten Transport ſprach bey mir ein, und klagte
mir den ſchlechten Fortgang in feinem Chriſtenthum. Der liebe GOTT
habe ſeit dem letzten Bußtage viele Barmhertzigkeit an ihm gethan, und
ihm manche verborgene Suͤnden aufgedeckt, er koͤnne aber doch nicht recht
zu einigem Haß gegen die Suͤnde, und zur rechten Gewißheit der gnaͤdigen
Vergebung der Suͤnden kommen Das Creutz, welches ihm GOtt
an ſeinem Leibe durch Kranckheit auflege, ſey ihm ſehr nuͤtzlich, und lege
ihm auch GOtt durch vielerley Wohlthaten Liebes⸗ Seile genug an, ihn
zu ſich zu ziehen, er fen aber oft fo leichtſinnig ꝛc. Ich gab ihm aus
Gottes Wort Unterricht, und trug dem lieben GOtt feine ausgeſchuͤtte⸗
te Klagen im Gebet vor. Er wuſte verſchiedenes aus den Predigten und
Betſtunden anzufuͤhren, welches ihm ſehr eindruͤcklich geweſen, und ſon⸗
derlich vernahm ich, daß ihm durch einfaͤltige Gleichniſſe die geiſtlichen
Materien ſehr deutlich worden, und ſich deſto tiefer ſeinem Gemuͤthe inſi⸗
nuiret hatten. 7 |
DECEMBER."
| Mittwoch, den 1. Dec. Wiel
Es haben fich bey meinem lieben Collegen einige verdaͤchtige Sympto-
mata und Zufälle geaͤuſſert, dabey wir Herrn Thilo zu Rathe ziehen muͤſ⸗
ſen, der ihm auch geſtern am Arm und heute am Fuß zur Ader gelaſſen. Wir
beten fleißig fuͤr ihn, und er thut es auf ſeinem harten Lager auch, welches
der verſoͤhnte GOtt und Vater nicht wird unerhoͤret laſſen. Herr
Zuͤbli von Purrysburg ift wieder bey uns, morgen der Copulation ſei⸗
nes Bruders, der unſere Dienſtmagd Chriſtiana Haͤußlerin aus Mem⸗
mingen heyrathet, beyzuwohnen. Er iſt ſehr froh, daß es mit der N. zu⸗
rück gegangen ift, hingegen hofft er mit uns bey der ietzt getroffenen Hey⸗
rath fuͤr beyde Perſonen viel Gutes. Sie iſt wol im Chriſtenthum und
Hausweſen noch nicht, wie fie ſeyn ſoll, und wegen der gehabten geiſtlich⸗
| | ; und
—
5 Diarium. 211
und leiblichen Anweiſung ſeyn koͤnte; doch hat fie ein lenckſames williges Anno
Gemuͤthe, und hat ſich unter uns ehrlich und treu bewieſen. 1742.
Dtonnerſtag, den 2. Dec. ar A Die
Dieer Herr Col. Stephens gab mir in einem eigenen Briefe von eben
der betruͤbten Sache Nachricht, welche mir am Sonnabend vom Fort
Argyle war geſchrieben worden, nemlich, daß die Spaniſchen Indianer
das Fort Venture unverſehens uͤberfallen und einige Leute getoͤdtet,
etliche aber weggeſchleppet hätten; ſonderlich waͤren ſie mit der Frau und
dem Kinde des Commendanten, der mit einigen Leuten aus dem Fort in
8 e geweſen, ſehr grauſam umgegangen, wovon er weiter keine
pecialia meldet. Es ift fein Begehren, daß unſere Rangers auf der
Hut ſtehen ſollen, weil man nicht wiſſe, wie weit dieſe Indianer ins Land
kreiffen möchten ‚ wiewol er vermuthet, daß fie fi) nach veruͤbter Grau⸗
ſamkeit wieder nach Auguſtin retirirt haben. Denn fo machen es die
ianer; ſie lauren ſo lange, bis ſie etwas erhaſchen, und denn ver⸗
bergen fie fich wieder eine Weile. e le
Freytag, den 3. Dee. 5 | |
Es iſt nun die Zahl des eingeernteten Getreydes zuſammen gebracht,
daß ſie dem Herrn Col. Stephens zu Anfange der folgenden Woche zuge⸗
ſtellet werden kan. Unſere Leute haben in allem unter den Segen GOt⸗
tes bekommen 3048 Büfchel Korn, 537 Buͤſchel Bohnen, 566 Buͤſchel
Potatoes, 733 Buͤſchel Reiß, 92 Buͤſchel Weitzen, und 1 Buͤſchel
RMoggen und Gerſte. In der Specification des Getreydes von dieſem
Jahr unterm sten Nov. ift die Zahl etwas geringer, weil hernach noch
Einiges darzu gekommen iſt. Wenn nicht das Waſſer am Muͤhl⸗Fluß
im Fruͤhlinge die Felder zu lange uͤberſchwemmet hätte, und die deute vom
vierten Transport nicht durch eine langwierige Fieber⸗Kranckheit aon
— Ben und Bewachung ihrer Felder wären gehindert worden, ſo
wuͤrde die Zahl viel groͤſſer ſeyn. Doch iſt ein ieder mit dieſem Segen
nicht nur hertzlich wohl zufrieden, ſondern hält ſich auch aus Demuth
deſſelben gantz unwerth. Wir alle preiſen Gott, daß er ihn uns in
Friede und Ruhe genieſſen laͤßt, und wie den Leib mit nothduͤrftigen
Lebens⸗Mitteln, alſo die Seele mit feinem Worte und den heiligen Sa⸗
cramenten färtiger und erquicket. 5 = ar
FRE Sonnabend, den 4. Dec. .
Wir haben geſtern und heute abermal ſehr warme Tage gehabt,
ald lebten wir im Fruͤhling. Ein Mann von Purrysburg ließ mir Wein⸗
Reben anbieten, die wir aber nicht brauchen, zumal da er damit ſehr
Americ. XI. Sortf ö | 9% theuer
2116 Diarium
Anno theuer iſt. Wenn ich auf dieſe Weiſe die meinigen, die ich doch noch
742.
Dec:
nicht völlig ſeit einem Jahre habe pflangen laſſen, verkauffen folte, fo
wuͤrde ich Dafür bey 20 Pfund Sterl. loͤſen koͤnnen. Der Herr General
ben gekauft haben. Ein anderer Mann in dieſer Colonie hatte 0
Maulbeer⸗Baͤume herauf geſchickt, und will noch 500 ſchicken, welche
Herr Oglethorpe ohne mein Begehren denen unter uns ſchenckt, welche
noch keine oder zu wenig haben. Wir haben ſolcher jungen Baͤume
ſchon unter uns genug, doch nehmen wir dieſe auch an, weil ſte uns nichts
koſten. Sie muͤſſen in ſolche Gegenden gepflantzt werden, wo das Vieh
nicht dazu kommen kan, ſonſt werden fie bald verdorben. Wir hätten
gern die Straſſen und andere publique Plaͤtze mit dergleichen Baͤumen
bepflantzt, und haben im vorigen Jahre ſchon den Anfang dazu gemacht:
weil aber das Vieh dazu gekommen, und das Gras um die Wurtzeln
herum, das ſehr hoch waͤchſet, nicht weggehauen worden; ſo ſind ſie
theils verdorben, theils im Wachſen gehindert worden. Hätte ich mit
meinem lieben Collegen einen Knecht, ſo wuͤrde man manches zum Beſten
der Gemeine anzurichten ſuchen, wenn auch gleich der Nutzen erſt nach
etlichen Jahren erfolgte. So aber haben unſere Zuhoͤrer mit ſich ſelbſt
ſo viel zu thun, daß man ſte ſelten im Tage⸗Lohn bekommen kan.
5 Sonntag, den 5. Dec. He a
An dieſem andern Sonntage des Advents habe noch die Amts:
Verrichtungen alleine gehabt, weil mein lieber College durch ſeine Leibes⸗
Schwachhelt noch gehindert worden, dem öffentlicher Gottes dienſt mit
bdeyzuwohnen. Inzwiſchen haben feine Kräfte an dem heutigen Tage
recht mercklich zugenommen, ſo daß wir gute Hoffnung haben, er werde
mn dieſer Woche feine Arbeit in der Schule und Kirche nach feinem innigen
Wunſch und Verlangen wieder antreten koͤnnen. Auch fuͤr dieſe Wohl:
that ſey der HErr gelobet! An ſtatt der Wiederholungs⸗Stunde hielten
wir abermal in meiner Stube eine Singe⸗Stunde, und lerneten das
vortrefliche Lied: Liebes Hertz bedencke doch, deines JEſu groſſe
Gute ꝛc., darin das herrliche und uns Sundern fo troͤſtliche Woͤrtchen
aus dem Advent⸗Spruch Zachar. 9, er kommt als ein Selfer, ſehr
troͤſtlich erklaͤret und appliciret wird. *
ö Montag, den 6. Dec. | a |
| Geſtern zeigte der Zimmermann Kogler abermal bey mir an, daß
heute der Kirchen⸗Bau auf den Plantationen friſch angehen ; und der
Grund darzu gelegt werden ſolte, weshalb er mich gern dabey rs;
2 Bee 2. wolte,
Oglethorpe foll vor dem Jahre von eben dieſem Manne ſolche theure Res
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1 Diarium ar
wo mich meine vorhabende Reife nach Savannah nicht daran
hinderte Ich ließ mich aber weder die Reife, noch ſonſt etwas hindern,
dieſen Morgen heraus zu reiſen, und mit Gebet und Wort Gottes den
Grund legen zu helfen. Ich zeigte den verſammleten Leuten an, daß wir
nferm Gottes hauſe auf den Plantationen zu dieſer erbaulichen Advents⸗
eit gefchähe, da wir nicht nur aus den Bibliſchen Texten und aus Evan⸗
geliſchen Geſaͤngen vernaͤhmen, wie bereitwillig unſer Heiland, Helfer
und Koͤnig ſey, durchs Wort und die heiligen Sacramente zu uns und
m unſere Herten zu kommen, und mit Vater und dem Heiligen Geiſt
5
= der jetzigen Hiſtorie des alten Teſtaments aus 2 Sam. 24. und
1 Chron. 22. in der Ordnung betrachtet werden. Denn wir vernehmen,
gegangen ſind, da ſich aber David mit den Aelteſten vor dem HErrn
gedemuͤthiget, ſo hat ihm der liebreiche GOtt durch den Propheten Gad
den Befehl und gnädigen Winck geben ſaſſen, er ſolle auf der Tenne
Arafna des Jebuſiters auf dem Berge Morija einen Altar aufrichten,
und gleichſam den Grund zum Tempel legen, vergl. 1 Chron. 23, 1. wel⸗
ches ein Gnaden⸗Zeichen war, daß der liebe GOtt nicht mit David und
‚feinen Unterthanen im Zorn handele, ſondern Diefelben durch den Altar,
der EHriftum in ſeiner damals zu ſtiftenden Verſoͤhnung vorſtellet, mit
Ihm feloft versöhnen, und wieder als ihr Bundes- G Ot fein Feuer und
Heerd unter ihnen haben wolte. Das Stück Land, den Altar und her⸗
nach den Tempel drauf zu bauen, kaufte er um voll Geld von dem Jebuſi⸗
ter, einem Heyden vom Gebluͤte ꝛc. Ich erinnerte hiebey die Zuhoͤrer,
Anne
1742
Dec.
ey uns Wohnung zu machen, ſondern auch gar wichtige Umſtaͤnde | |
aß um der Land⸗Suͤnden willen groſſe Gerichte über das Land Iſrael
daß es den Herrn Truſtees nicht wenig, ſondern viel gekoſtet habe, dieſe
Colonie und auch unſer Land von den hiefigen Heyden gutwillig zu bekom⸗
men, und alſo hatten wir es auch mit Recht, und durften auf keinen mit
Gewalt occupirten Platz unſere Kirche bauen. GOtt habe auch ſo viele
Wohlthaͤter in England end Teutſchland erweckt, die uns milde Gaben
an Gelde hergeſchickt, wovon ietzt auch dieſe Kirche erbauet werden Eönne,
und wolle er uns auch dadurch unſern Gottesdienſt gleichſam wohlfeil
urnd leicht machen, fuͤr welche Barmhertzigkeit wir billig den HErrn, wie
David Pfalm 103. gethan, hoch ruͤhmen, und den Segen GOttes auf
die Wohlthaͤtererbitten ſolten. Da er uns nun aber bey den groſſen Ge⸗
beichten, die allenthalben im Schwange gehen, einen Ort zum Kirchen
Bau anweiſet, und dazu das Vermoͤgen beſcheret; ſo ſollen wir daraus
enen 9 X 2 errken⸗
Anno erkennen, w
28 Diarium.
geprediget werden: Gott war in (Sriſto, und verſoͤhnete die Welt
mit ihm ſelber ꝛc. Die Lehrer werden im Namen GOttes rufen: So
bitten wir nun an CAriftus ſtatt, laßt euch verſoͤhnen mit GOtt.
Kommt es darzu, ſo werden uns keine Feinde ſchaden koͤnnen, ſondern 5
es wird heiſſen: Iſt GOtt für uns, wer mag wider uns ſeyn ꝛc.
iſt aber GOtt wider uns, ſo kan uns die gantze Welt nicht beſchuͤtzen; wie
wir an David ſehen, dem feine Macht und groſſe Mannſchaft nichts half,
als ihm GOtt Krieg, Theurung und Peſt vorlegen ließ. Die Dreſch⸗
Tenne des Arafna, welche der HErr ſelbſt zum Orte des Gottesdienſts
erwehlete, war ein an ſich geringer und zur Arbeit gewiedmeter Ort, und
ſehen wir daraus, daß der groſſe und herrliche GOtt an geringen Din
gen, und alſo auch an unſern geringen Plantationen, wobey ietzt die
Kirche gebauet werden ſoll, keinen Mißfallen habe, ſondern will ſeine
Gnade und Freundlichkeit in CHriſto auch hier offenbaren. Er hat es
gern, wenn harte Arbeit, dabey es Schweiß giebt, mit dem Gottes⸗
dienſt verbunden werde. Ich nehme auch dis als ein Gnaden⸗Zeichen
an, daß mein lieber College um dieſe Zeit unter GOttes Segen wieder zu
Kraͤften kommt, und alſo mit mir an Einer Gemeine arbeiten kan.
Wir traten nach dem Vortrag vor das Angeſicht des HErrn, und erhu⸗
ben Hertzen, Augen und Hände zu ihm im Gebet, Fuͤrbitte und Danck⸗
ſagung. Der liebe GOtt ſchenckte groſſe Erweckung und Glaubens⸗
Staͤrckung, und die Arbeiter hatten groſſe Freudigkeit gewonnen, ihre
unter dem Dache ſeyn wird.
Arbeit mit GOtt anzufangen, und nicht eher nachzulaſſen, bis die Kirche
Dienſtag, den 7. Dec. |
Mein lieber College, der Herr Boltzius, reiſete geftern zu Mittag
nach Savannah. Ich bin nun zwar durch die Wundervolle Kraft
Gottes fo weit wieder geneſen von meiner Kranckheit, daß ich aufſeyn
kan, doch aber ſind die Kraͤfte noch ziemlich ſchwach. Ich ſchrieb ge⸗
ſtern und heute etwas am Diario, welches mir aber ziemlich ſauer wurde,
daher ich auch nur aufhören muſte. Der liebe GOtt hat mich zu dieſer
Kranckheit recht zubereitet, denn er hat mich vorher beym heiligen Abend⸗
mahl gantz ſonderbar erquickt und geſtaͤrckt, daher ich in der Kranckheit
ſehr getroſt war und gern ſterben wolte, und da es zum Aderlaſſen kom⸗
men ſolte, ſo war ich auch getroſt; denn ich wuſte, ich war in der Hand
meines
vie willig er ſey, uns die durch CHriſtum geſtiftete Verſoh⸗
7742. nung angedeyen zu laſſen, und uns mit feinen Gerichten zu verſchonen
Bec. vergl. Buch der Richter 13, 23. Es ſoll uns auch in dieſem Gotteshauſe
TEE VEN 2.
1 .
ae
Diarium. 2119
„ AF m u Um nn men
meines FEfu, und der HErr ließ es auch fo wohl gelingen, daß mirs Anno
vorkam,) als wenn mir der liede GOtt an dem erſten Tage meines Ader⸗ 1742.
eine rechte Wunder: Eur, die der HErr dismal an mir bewieſen. Ich
war ſehr elend, und er hat mir doch ſo bald geholfen. Nun der Here
fen gelobet dafür, und laffe mich die Kräfte, die er mir geſchenckt hat
und noch ſchenckt, in feinem Dienſt gantz verzehren. Es hat ſeit dem
letzten Gebrauch des heiligen Abendmahls, auch in der Kranckheit ge⸗
heiſſen: Haſt du mich lieb, fo weide meine Laͤmmer, fo weide meine
Schaafe. Br
ae a Mittwoch, den 8. Dec. a
Heute um Uhr nachmittags fuhren wir von Savannah ab, und
kamen um ; Uhr bey Untergang der Sonnen in Abercorn an, wo ich ein
Pferd und Gefaͤhrten fand, mit welchen ich in zwey guten Stunden uͤber
unſere Plantationen nach Eben Ezer gantz bequem reiten konte, und alſo
abſolvirte meine gantze Ruͤckreiſe in ſechs und einer halben Stunde. Seit
dem vorigen Sommer haben unſere Leute einen kurtzen Weg von Aber⸗
corn bis zu den Plantationen ausgezeichnet, der auch ſchon ziemlich aus⸗
getreten iſt. Der liebe GOtt hat mich dis mal dieſe Savannah: Reife
zu einer folchen Zeit thun laſſen, in welcher ich alles, was ich mir laͤngſt
vorgenommen hatte, habe ausrichten koͤnnen. Mr. Jones war eben
ehegeſtern zu Mittage in Savannah angekommen, und war es ihm und
mir ſehr lieb, daß wir einander geſund wieder ſahen. Er brachte keine
Briefe vom Herrn Gen. Oglethorpen an mich mit, verſicherte mich aber,
daß Herr Oglethorpe meine an ihn geſchriebene Briefe wohl aufnehme,
und unſer Beſtes auf alle Weiſe zu befoͤrdern ſuche. Er befindet ſich
wohl auf, und laͤßt Friderica ſehr ſtarck fortificiren. Er hatte Mr. Jones
Ordre gegeben, uns die Bownty, oder den ſo genannten Korn⸗Schil⸗
ling vom Jahr 1739. ietzt zu zahlen, daß unſere Leute nicht erſt bis auf den
Fruͤhling, da Col. Stephens hofft hierzu mehr Geld zu bekommen,
warten duͤrften; es iſt aber durch Verleumdung feindſeliger Leute dahin
gekommen, daß die Wechſel⸗Brief und Sola - Bills des Herrn Ogle⸗
thorpes in Caroline nirgends angenommen worden: daher muͤſſen
wir bis auf die nächften Briefe von London warten. Ich habe nun
die Rechnung im Store: Haufe , die mich, meinen Haus⸗Bau und
das Waͤyſenhaus betreffen, völlig in Ordnung bringen, und meine
hat mir Nr. Jones 33 Pfund Sterling für unſere Rangers auf
Re. ur 9 * 3 ſichs
laſſens einen gantz neuen Leib beſcherete, fo wohl wurde mir. Es iſt wol P
alte Schulden, meines Haus⸗Baues wegen bezahlen konnen. Auch
ec.
2120 Diarium.
Anno ſechs Monat bezahlt, denen dis Geld in ihrer Haus haltung eben zu 3
1742. rechter Zeit kommt. 5 11
Dec.
Nach Charles⸗ Town habe Gelegenheit gefunden, dasjenige zu re⸗
mittiren, was ich an Waaren und eines Pferdes wegen noch ſchuldig
war. Ich vernahm, daß ſich Herr Paſt. Muͤhlenberg doch auf die ſehr
kleine Chalouppe gewagt, und in derſelben nach Philadelphia zu gefah⸗
ren ſey, und weil darin kein Cabbin, ſondern alles offen iſt, ſo wird er
im Winter, der nach Norden zu ſehr hart zu ſeyn pfleget, viel ausſtehen
muͤſſen. Gott wolle ihm beyſtehen! Mr. Jones las mir einige Punete
vor, welche ein Kaufmann aus Savannah, Nobert Williams, im
Parlament zu London ausgeſaget hat, darin er behaupten will: Unſere
Einwohner Ebenkzers koͤnten ſich fo wenig als andere ſelbſt erhalten,
und obwol mehr Saltzburger herein begehret worden, ſo komme dis nur
von mir her: die Gemeine ſelbſt wiſſe nichts drum, denn ich ſey ihr GOtt,
König und Prieſter⸗» Ich wundere mich über die Frechheit dieſes
Mannes, dergleichen Luͤgen im Parlament vorzubringen, welche aber
weder mir noch der Gemeine was ſchaden werden.
5 Donnerſtag, den 9. Der. Wees
Im Herunterfahren nach Savannah erfuhr ich, daß der junge
Menſch, der ſich vor einen Printzen von Wuͤrtemberg ausgiebt, von
Kieffern auf ſeine Plantage gebracht ſey, und warte er nur auf ein
Trading⸗Boot, mit demſelben nach Savannah⸗Town, und entwe⸗
der zu den Frantzoſen oder Spaniern uͤberzugehen. Er iſt durch gantz
Caroline geſtrichen, und ob man ihm wol nachgeſetzt, hat man ihn doch
nicht ausforſchen koͤnnen. Ich ſagte dem Mr. Jones davon, der es von
mir ernſtlich begehrte, daß ich ihn durch unſere Rangers herunter bringen
lieſſe, denn er iſt weggelaufen, hat ſchon Schaden gethan, und gehet
noch auf mehrern aus. Ich ſchrieb am Montag abends deshalb an mei⸗
nen lieben Collegen, der auch dem Pichler deshalb Commißion gegeben;
weil aber Kieffer ſich des Menſchen annimmt, und ſich wider der Obrig⸗
keit Ordre ſetzt, unſere Rangers aber in Caroline, wo ſeine Plantage iſt,
keine Macht haben, ſo hat dem Begehren des Mr. Jones kein Genuͤge
geſchehen koͤnnen. Inzwiſchen ſchrieb ich durch ein Trading⸗Boot, fo
dieſen Morgen hier vorbey fuhr, an den Capitain in Pallachoccolas, und
berichtete ihm die Umſtaͤnde dieſes Menſchen, und was man ſeinetwegen
beſorge, wo er unter die Spanier und Frantzoſen komme. Ich ließ den
alten Kieffer nach der Schule ſelbſt zu mir kommen, und ſagte ihm, daß
er wider den Spruch: Wer ſich wider die Obrigkeit ſetzt gen
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wider das zehnte Gebot handle, da er dieſem Menſchen durch- und weiter Anno
helfen wolle. Was er wol von uns dencken und ſagen würde, wenn man es 1742.
fo mit feinen Negers, die ein paar mal von ihm in unſere Gegend gelau⸗ Dec,
ſen ſind, gemacht haͤtte? Er thaͤte ſich und dem Menſchen durch ſolch
Verhalten mehr Schaden als Nutzen, denn er ſetze ſich in Ungelegenheit
und Verdacht bey unſern Superioribus. Laufe der Menſch weg, und
werde aufgefangen, fo komme er deſto uͤbler an; werde er aber gut willig
ſich uns anvertrauen, und ſo der Obrigkeit zugeſtellt, ſo hoffe man es
durch Fuͤrbitte dahin zu bringen, daß er ein gelinders Tractament bes
komme. ⸗⸗Er hatte ihm nach der gegebenen Anweiſung zugeredet,
und ſo weit gebracht, daß er mit ihm vor der Abend⸗Betſtunde zu mir
kam, da er ſich denn willig bezeigte, am Sonnabend morgens mit un⸗
ſerm Boote nach Savannah zu fahren, und weil ich der teutſchen Leute
wegen ſelbſt mit herunter reiſe, will ich derſuchen bey Mr. Jones ſein Be⸗
tes geſtiftet.
lange bewachen, bis er nach ſeinem Verſprechen in unſerm Boote herun⸗
ter führer.
oder?
Riegers Predigten, den er wohl kannte, und eine Begierde bezeigte, |
darin mit Andacht zu leſen. ea 5
VVVkFrepotag, den 10 Dee. 5
Der N. iſt wieder kranck und bettlaͤgerig, welches er ſich bey feiner
harten Arbeit auf ſeiner anzulegenden Plantage zugezogen hat. Erhaͤtte
[3 N)
auch gar von einem Baum koͤnnen erſchlagen werden, wenn es Gott
nicht abgewendet haͤtte. Er giebt vor, daß er ſich wegen ſeiner vielen
Suͤnden ſelbſt ein Greuel und Laſt ſey, ſuche aber Vergebung und Stils
lung des boͤſen Gewiſſens in der Paßton EHrifti, darin fein Gemuͤthe
immer hafte. Er begehrte, daß ich ihm ſeinen weitlaͤuftig aufgeſetzten
Lebenslauf bey feinem Bette vorlefen moͤchte, damit er ſich feiner ver⸗
zeichneten Suͤnden aufs neue ſtuͤckweiſe bußfertig erinnern moͤchte.
Heute hatte ich dazu keine Zeit, zumal da darzu, wie er ſelbſt ſagte,
etliche gantze Tage erfordert wurden, Ich hoffe, EN
Anno
2742.
Dec.
2122 f Diarium. 3
GoOtt werde dieſen alten Sünder auch noch durch CHriſtum, den all
x
gemeinen Heiland ſelig machen. | TR 1
Dieſen Vormittag iſt Johann Scheffler mit der Witwe, Anna
Maria Ernſtin, von meinem lieben Collegen copuliret worden, welches
die erſte Amts⸗ Verrichtung nach feiner Kranckheit iſt. Gott ſey gelo⸗
bet, der ihm ſo weit geholfen, er wolle ihn ferner ſtaͤrcken, und ihn feine
theure Verheiſſung immer beſſer erfahren laſſen: Die auf den HErrn
harren, kriegen neue Kraft, daß ſie auffahren ꝛc. Weil ich am
neulichen Dienſtage verreiſet geweſen, und alſo die Erbauungs⸗Stunde
auf den Plantationen nicht habe halten koͤnnen; ſo wolte ich die heutige
wegen dieſer Copulation nicht gern ausſetzen, zumal da die Arbeiter bey
der Kirche es auch noͤthig haben, daß ihnen zum weitern Nachdencken
unter der Arbeit etwas aus GOttes Wort vorgetragen werde. Sie ha⸗
ben den Grund der Kirche ſehr fein gelegt, und fangen ietzt ſchon an die
Wände aufzuführen, und zwar auf eine ſolche Weiſe, daß der gantze
Bau ſehr dauerhaft und proportionirlich heraus kommen wird. Kogler
erzehlte mir zum Lobe Gottes, daß fie alle unter einander in bruͤder⸗
licher Harmonie arbeiten, und thue ein ieder das Seinige mit der groͤſten
Willigkeit, Stille und Fleiß. Wenn ſie mit ihrem Handwerckszeug nicht
muͤſten Geraͤuſch machen, fo würden die vorbey gehenden und Nachbarn
kaum wiſſen, daß gearbeitet werde. Das Wort des HErrn bey der
Grundlegung iſt an ihnen ſehr geſegnet geweſen. N 775
| Sonnabend, den 11. Dee. 8525
Der liebe Gott läßt uns nun die Erhoͤrung unſerer Fuͤrbitte für
den armen Ruprecht Schrempf etwas deutlicher mercken. Sein tolles
wildes Weſen hat ſchon bey etlichen Wochen nachgelaſſen, er hat auch die |
Kleider nicht mehr vom Leibe geriſſen. Doch machte er in und auſſer feis
nem Gefaͤngniß noch viel Geſchrey, und durfte ihm nicht iederman zu
nahe kommen. Jetzt aber wird er ſtille, redet beſcheidener, und thut
einige Arbeit in Beyſeyn des Kalchers. Es ſoll ihm naͤchſtens wieder
zur Ader gelaſſen werden, welches Mittel bisher bey ihm gantz allein ge⸗
braucht werden koͤnnen. En
Die teutſchen Leute in Savannah gehen nach Weyhnachten auf
ihre eigene Plantationen, welche für fie in Form eines Townships am
Vernon⸗Fluſſe hinter dem Waͤyſenhauſe ausgemeſſen werden. Die
Herrn Truſtées thun ſehr viel an ihnen. Einige unſerer Confeßion
begehrten, daß einer von uns ihnen noch einmal GOttes Wort in
Savannah verkuͤndigen, und ihnen das heilige Abendmahl 25
moͤchte,
3 er Diarium. eln
möchte 10100 fie dort hinziehen. Weil eben unſer groſſes Boot etwas Anno
herauf holen muß, und die Sache des praͤtendirten Printzen auch dazu 1742.
gekommen iſt; ſo reiſe dieſen Morgen ſehr frühe mit herunter. Gott Dec.
gebe‘, daß ich was gutes zur Ehre des HErrn JESu ausrichten
n b i
Sonntag, den 12. Dees 7975
Weil mein lieber College, Herr Boltzius, in Savannah iſt, wie
er ſelbſt noch auf den geftrigen Tag annotirt hat; fü bin heute alleine ge⸗
weſen, und muß ich zum Lobe des HErrn melden, daß er uͤberſchwaͤng⸗
lich mehr thun kan, als wir bitten und verſtehen: denn es iſt mir ziem⸗
lich leicht worden. Zwar des morgens beym Anfange des Gottes dienſts
waren meine Kräfte fehr ſchwach, der liebe GOtt aber ftärefte mich fo
unter dem Vortrage morgens und nachmittags, daß mirs leichter
wurde, als ich erſt dachte. Zum Eingange hatte das Spruͤchlein Luc. -
10, 10. Des Menſchen Sohn iſt kommen zu ſuchen und ſelig zu
machen das verloren iſt; welches ich des Nachmittags alleine mit den
Kindern wiederholte, indem ich keine Zeit uͤbrig hatte, das vorgetra⸗
gene uͤber das Evangelium auch zu wiederholen. Wir haben ja nun
wol Urſache uns zu freuen, weil ſelbſt der Sohn GOttes unſer Selig⸗
macher iſt, der nicht nur ſo heißt, ſondern ſich auch ſo beweiſet, wie wir
ſowol aus den Eingangs⸗ Worten, als auch aus dem Evangelio felbft
erkennen. O wie ſelig iſt der Menſch, der ihn wuͤrcklich als einen folchen
an ſich erfährt. Es iſt den Zuhoͤrern mit mehrerm gezeiget, daß ein
ieder CHriſtum als einen Seligmacher an ſich erfahren koͤnne. Der
HeErr helfe, daß es dazu komme, damit einmal allen und ieden in
‚EHrifto recht wohl en! f ä &
Montag, den 13. Dee,
Dieſen Morgen ſprach die Schweighofferin bey mir ein, welches
mir recht lieb war; denn ich hatte ein gar angenehmes Geſpraͤch mit ihr,
welches ihr und mir durch den Segen GOttes viel Nutzen gebracht hat.
Sie klagte mir ihre Noth, und wie ihr geſtern recht elend zu Muthe ge:
weſen: es ſey ihr zwar lieb geweſen, daß ſie gehoͤrt, wie des Menſchen
Sohn kommen ſey, zu ſuchen und ſelig zu machen, was verloren iſt,
aber ihre viele Sünden, die ihr als groſſe Berge vorgekommen, haben
es gehindert, daß ſie ſich des Troſts nicht hat anmaſſen koͤnnen. Hier
Aumeric. XI. Sortſ. 0 e hatte
—
*
2124 Diarium.
Anno hatte ich denn Gelegenheit, dieſer Armen das Evangelium zu predigen,
1742. und ihr zu zeigen, wie ihr ſonderlich alles das angienge, was in dem
Dec. Evangelio Gutes ſtehe. Sie ſolte nur fein ſtille feyn, bey dem Toben
und Wuͤten der Sünden ſich an die ſchoͤnen Eingangs⸗Worte halten,
und nur hoffen, es werde ſchon gut werden, und der Herr JEſus 5
wuͤrde ſich als ein Seligmacher an ihr beweiſen. Das ſolte ihr gar lieb
ſeyn, daß ſie ihr Verderben immer mehr fuͤhle, das gienge andern auch
ſo; aber eben alsdenn hätte fie deſto mehr Recht zu dem HErrn JEſu,
ſolte alſo ſich recht zu ihm halten, feine Menſchen⸗ Liebe fleiſſig betrach⸗
ten, und wie er fuͤr uns geſtorben. Das ſey der rechte Grund des Tro⸗
ſtes, wo wir den aus dem Gemuͤthe laſſen, ſo kommen wir nicht fort,
ſondern wancken immer. Ich betete mit ihr, und las ihr das ſchoͤne
Lied vor: Liebes Hertz bedencke doch, deines JEſu groſſe Güte.
Dieſes alles war uns beyden ſehr geſegnet. Denn was ich ihr ſagte,
das ſagte ich mir auch, weil ich auch dergleichen noͤthig habe, und wenn
man mit andern davon redet, ſo giebt es deſto mehrern Eindruck ins Ge⸗
muͤthe, daher war mir dieſer Zuſpruch ſehr geſegnet, und wird auch hier
wahr, was der HErr JEſus ſagt: Wo zween oder drey verſamm⸗
let ſind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Dienſtag „den 14. Dec.
Meine Reife = Gefährten brachten mich geſtern Abend bis nach
Abercorn, von wannen ich dieſen Morgen, fo bald es wegen der ſehr groß
fen Kälte moͤglich war, nach unſern Plantationen zu, und nach Haufe |
reifete. Es iſt dismal eine ſehr kalte Reife geweſen, welches man in
Savannah bey Tag und Nacht mehr als zu Hauſe empfindet, wo wir
entweder warme Stuben oder wohl verwahrte Kuͤchen haben. Der
liebe GOtt hat mich am Gemuͤthe und Leibe ſehr geſtaͤrckt, daß ich Sonn⸗
abends eine Betſtunde halten, des Sonntags zwey mal predigen, und
noch in der Abend⸗Betſtunde aus der merckwuͤrdigen Hiſtorie 2 Sam.
24. etwas vortragen und mit den Leuten beten konte. Mr. Jones be⸗
wies ſich gegen den oft gedachten und praͤtendirten Printzen, welcher
gutwillig mit mir herunter gereiſet war, ſehr guͤtig, ließ ihm in ſeinem
Haufe Eſſen und Trincken reichen, ſchenckte ihm einen von feinen Roͤ⸗
cken, und verſprach ihn ſelbſt mit nach Friederica zu nehmen und daſelbſt
bey dem Herrn Gen. Oglethorpe ſein Beſtes zu befördern. Weil er ein
groß Verlangen bezeigte, um ſeiner Erbauung willen nach 1
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Be: Diarium. 2
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zurück zu reiſen, und hier bis auf die Abreiſe des Ar. Jones zu verblei⸗ Anno
benz ſo gab er hierzu feinen Conſens. Dieſer Menſch wurde Sonn: 1742.
letzte Nacht ſeyn; ſo demuͤthigte er ſich vor GOtt ſehr ernſtlich, und
nahete als ein armer bußfertiger Sünder ſehr wehmuͤthig zu CHriſto.
Wir thaten an ihm, was wir konten. Es beſſerte ſich gegen Morgen
mit ihm, daß er in die Kirche gehen konte. Er bezeugte, daß ihm dieſe
Todes ⸗ Angſt viel Nutzen an feiner Seele gebracht habe. Gott ſchencke
ihm Gnade zu einer gründlichen Bekehrung. | |
An Feeptage hatte ein junger Creek⸗ Indianer, der ſich einen
Printzen heißt, einem Cherriky⸗Indianer eine Kugel durch die Naſe ge⸗
ſchoſſen, da er feinen Kopf nicht treffen koͤnnen. Sie haben einen gar
geringen Streit gehabt. Es wurde mir erzehlt, daß ohnlaͤngſt ein Ereek
den andern uͤber den Haufen geſchoſſen, weil der eine dem andern ein
Pulver- Horn verſagt hatte. Es iſt fuͤrchterlich bey und um dieſe Leute
zu leben, und alſo mögen mir GOtt dancken, daß wir wenig Umgang
mit ihnen haben. Mr. Jones verſicherte, daß, wenn der Friede mit den
Spaniern würde wieder hergeſtellet ſeyn, man von den Indianern nicht
alles leiden werde. Jetzt laßt man ihnen allen Muthwilen.
5 Mittwoch „den 1p. Dee.
Es 5 or meiner Neife hatte es mit den Zuhoͤrern auf den Plantatis⸗
nen ſo abgeredet, daß ich ſtatt des Dienſtages den folgenden Tag die
Erbauung halten, und die Hiſtorie des 24. Cap. aus 2 Sam. endigen
wolte, welches auch heute geſchahe. An dem ſehr ſchoͤnen Exempel
Davids haben wir gelernet, wie wir unſere Zeit zu dieſer Zeit, da die
Gerichte GOttes far Über den gantzen Erdboden ergehen, auf eine
Gott wohlgefaͤllige Weiſe anwenden ſollen. Er hat ſich mit den Aelte⸗
ſten Iſraels rechtſchaffen vor GOtt gedemuͤthiget, iſt ihm in Buſſe und
x
Glauben in die Hände gefallen, feinem Worte gehorſam worden, und
hat ſich im Gottes dienſt genau nach ſeinem Befehl gerichtet. Wir con⸗
ferirten bey dem ihm gegebenen Gnaden Zeichen, er ſolte auf der Dreſch⸗
Tenne dem HErrn einen Altar bauen, den 60. Pſalm, da es v. 6. ſehr
troͤſtlich lautet: Du haft aber doch ein Zeichen gegeben denen, die
dich fuͤrchten, welches ſie aufwurfen, und ſie ſicher machte,
Sela: auf daß deine Lieben erlediget w 25 So hilf nun mit dei⸗
1 ee or E ner
9
abend abends heftig kranck, und weil er vermuthete, es würde feine Dec,
2126 . S
ner Rechten, und erhoͤre uns. v. 13.14. Schaffe uns Beyſtand in der
Noth, denn Menſchen⸗Huͤlfe iſt kein Nutze. Mit GOtt wollen
wir Thaten thun, er wird unſere Seinde untertreten. *
Der junge Schloͤſſer Schrempf war bey mir, und begehrte in einen
zu feinem Handwerck gehörigen Sache einen Rath. Er iſt GOtt Lob!
ietzt wieder gantz verſtaͤndig, und danckt GOtt, der ihn aus feinem
Elende errettet und wieder zu recht geholfen hat. Ich warnete ihn, da
er ietzt ſehr über den Kopf klaget, vor unordentlichen Gemuͤths⸗Be⸗
wegungen, recommendirte ihm auch den Umgang mit chriſtlichen Leu⸗
ten. Fiele ihm etwas ſchweres und widriges in ſein Gemuͤthe, ſo ſolte
er ins Gebet gehen und der Chriſten Regel practiciren lernen: Alle
eure Sorge werfet auf ihn, denn er ſorget fuͤr euch. e
Donnerſtag, den 16. Dec. .
Ich habe heute mit etlichen Maͤnnern des jungen Schloͤſſers we⸗
gen geredet, und ihnen einige Anweiſſung gegeben, wie ſie ſich gegen ihn
verhalten, ſich nach ſeiner Schwachheit richten, und ſein Beſtes durch
Nachgeben und Uebung der Liebe befoͤrdern moͤchten. Wegen ſeiner
verſpuͤrten groſſen Kopf-Schmertzen iſt ihm von Herrn Meyern heute
vormittags zur Ader gelaſſen worden. Ich glaube, es werde für ſeine u⸗
rechtbringung Gott viel gelobet werden, gleich wie er vorher darum oͤffent⸗
lich und beſonders ernſtlich angeflehet worden. Auch will ich hoffen,
er werde an die Zuͤchtigung GOttes, die doch in Gnaden geſchehen,
ſein lebetage gedencken, die Hand des allmaͤchtigen Schoͤpfers, die da
giebt und nimmt nach ſeinem Gefallen, in Demuth und Gehorſam
kuͤſſen, und ſeine gute ihm ietzt wieder geſchenckte Vernunft und Ge⸗
muͤths⸗Kraͤfte lediglich zu ſeinen Ehren und zum Dienſt des Naͤchſten
anwenden; deſſen man ihn auch nach Gelegenheit erinnern wird. Es
fällt mir ietzt manchmal ein, was Dan. 4, 31⸗34. aufgezeichnet iſt.
Freytag, den 17. Dee. KL
Ich fand die Schweighofferin zwar noch im Bette, und hörte fie
über ein Fieber klagen, doch bezeugte fie auch zum Lobe GOttes, daß
ſichs ſeit kurtzem ſehr mit ihr gebeſſert habe: auch an ihrer Seele und im
kindlichen Vertrauen gegen GOtt war ſie geſtaͤrckter, als vor ein paar
Tagen. Ich redete ihr und mir etwas zur Erbauung uͤber die ä
. 8 e
PF
23 0
. Diarium. 2127
des Catechismi „da wir angewieſen werden, uns des HErrn JEſu allein Anno
zu freuen und zu troͤſten. Um des willen belegt uns der liebe GOtt mit 1742.
allerley äufferlichen und innerlichen Leiden, daß wir von aller Freude Dec.
und Troſt an uns ſelbſt und der Welt ausgehen, und in die Freude und
Troſt über CHriſtum und fein erworbenes Heil recht eindringen ſollen.
Bey den mancherley Schwachheiten und dem verſpuͤrten Mangel im
Waͤyſenhauſe fielen mir die theuren Worte Davids ein, Pf. 62, 12.
Gott hat ein Wort geredet, das habe ich etlichemal gehoͤret/
daß Gott allein maͤchtig iſt. Gleich darauf wird auch ein Zeugniß
von goͤttlicher Liebe und Güte abgelegt, welches mir unter und nach dem
Gebet groſſen Eindruck gab und meinen Glauben ſtaͤrckte, GOtt werde
bald Hülfe schaffen. Im Weggehen hoͤrete ich die N. in einer andern
Kammer zu GOtt flehen, und ich glaube ſicherlich, es wird auch an
uns Armen wahr werden, was Tobiaͤ 4,22. ſteht.
Wir fangen ietzt die Hiſtorie aus 1 Chron. 23. an, als welche mit
dem letzten Cap. 2 Sam. genau connectirt. Zur Einleitung in daſſelbe
haben wir uns beym Beſchluß der Stunde das Spruͤchlein zu Nutze
gemacht: Sehet zu, thut rechtſchaffene Srüchte der Buſſe. David
hat wahre Buſſe gethan, und ietzt hören wir von den rechtſchaffenen
Fruͤchten ſeiner Buſſe. Und alſo iſts nicht genug, daß Leute Buſſe vor⸗
geben, fie muͤſſen die Wahrheit derſelben auch in einem gottſeligen Le⸗
ben beweiſen, ſonſt kan man ihnen nicht glauben, und ſie ſtuͤrtzen ſich
\
diurch Selbft- Betrug in die Hole.
Sonnabend, den 18. Dee. e
Wir wuͤnſchen von Hertzen, daß alle Proteſtanten in unſerm lieben
Vaterlande fo ruhig und zufrieden leben moͤgen, als wir unter dem
ghnaͤdigen Schutz des Allerhöchften in dieſer Colonie leben, ſo haͤtten ſie
nicht viel uͤber Elend und Mangel zu klagen. Nicht nur die Fortſetzung
unſerer Diarien, ſondern auch die am Tage liegende Briefe unſerer Leute
an ihre Goͤnner, Freunde, Verwandten und Landsleute in Teutſchland
und Preuſſen zeugen hinlaͤnglich von dem vielen Guten und mancherley ö
Vorzuͤgen, welche fie in Eben Ezer genieſſen, und aus der bisherigen
Erfahrung iſt ihre Hoffnung ſehr geſtaͤrckt, daß die uͤbrigen Schwierig⸗
keiten, welche ſich bey neuen Pflantz⸗Staͤdten zu finden pflegen, nach
und nach wegfallen, und fie die Fruͤchte ihrer Arbeit in Friede und Ver⸗
ä en: nüͤgen
2128 Diarium. |
Anno gnügen genieſſen werden: welches wir auch von andern Einwohnern
1742. dieſes Landes hoffen, welche nicht faul und unordentlich find, ſondern
Dec. ihrer Arbeit und Hausweſen wohl vorſtehen. In Betrachtung deſſen
wuͤrden wir uns der Cenſur eines undanckbaren und voͤſen Geſchlechts
nicht entſchuͤtten koͤnnen, wenn wir unter den vielen auf dis Land ges
wandten Wohlthaten murren, und mit den Practiquen ſolcher Leute,
die ſich ſo boshaftig gegen die heilſame Verordnungen der Herren
Truftees ſetzen, das geringſte zu thun haben ſolten. Demnach proteſti⸗
ren wir und alle uns anvertraute Zuhoͤrer hiemit gegen ſolche Leute,
welche ſich vor Agenten dieſer Colonien ausgeben, und bezeugen, daß
wir nichts mit ihnen und ihrem Weſen zu thun haben.
a Sonntag 5 den 19. Der. 125 % d 75
Da das Heil. Weynacht⸗ Feſt naͤchſtens einfällt, fo iſt etzt unfer
Vortrag und gantzes Gemuͤth drauf gerichtet, dieſes geſegnete Feſt
durch GOttes Gnade und Beyſtand ſo zu zubringen, als wenn es das
Erſte und Letzte in dieſem elenden Leben waͤre.
Montag, den 20. Dec.
Es haben unſere Leute auf den Plantationen dis Jahr viel Weitzen
geſaͤet, der allenthalben fo ſchoͤn hervor gruͤnet, daß auch das bloſſe
Anſehen ein Vergnuͤgen giebt. Wenn GOtt feinen Segen dazu verleihet,
fo wird mancher Haus wirth in kommendem Sommer ſoviel weiß Mehl be⸗
kommen, als er in ſeiner Haushaltung noͤthig hat. Die Muͤhle hat
bisher noch immer genug Waſſer gehabt, und alſo hat ieder fein Korn und
leden zum Fleiß im Ackerbau und Danckſagung gegen GOtt ermuntert.
Ich hoͤre, daß Kogler ein Mittel ausfinden wird, das uͤberfluͤſſige Waſſer
fo abzufuͤhren, daß es die am Fluß liegende Felder nicht leicht über
ſchwemmen kan, dabey auch der Vortheil ſeyn wird, daß mit gar klei⸗
nem Waſſer gemahlen werden kan. Es werden zwar einige neue Un.
koſten erfordert werden: da aber der Nutzen, wie ich aus der Beſchrei⸗
bung ſchon erkenne, gar groß ſeyn wird; ſo kan man die Unkoſten nicht
ſparen, ſondern wir haben zu GOtt das kindliche Vertrauen, er werde
uns aus dem Bruͤnnlein ſeiner Guͤte ſo viel zuflieſſen laſſen, als auch
Diens.
zu dieſer hoͤchſtnoͤthigen Verbeſſerung der Mühle noͤthig iſt.
Weitzen ohne Muͤhe und Unkoſten zu Mehl machen koͤnnen, welches einen
Aber
Ba". Diarium. 2129
SIR Dienſtag „den 21. Dec. | A
Wir werden in der naͤchſten Betſtunde uͤber 1 Chron. 23. verneh⸗ 1742.
— — —
A „daß ſich im Lande Iſcael gar viele Fremdlinge gefunden haben, Dec.
welche des Gottesdienſtes wegen ihr Vaterland verlaſſen, und in ein
Land gezogen ſind, wo ſie Gelegenheit hatten, den wahren GOTT
Iſraels kennen zu lernen. Daher iſts wohl recht ungereimt, wenn
a Leute „ die ſich zu der wahren Religion bekennen, ſich von der guten
Gelegenheit, auf die Ewigkeit erbauet zu werden „entweder auf be⸗
ſtändig oder auf eine Zeitlang unnöthiger Weiſe entfernen; welches fie
nicht thun wuͤrden, wenn eine wahrhafte Begierde nach dem Wort des
Lebens in ihnen waͤre. Sie ſind gemeiniglich bald mit Urſachen fertig,
die ſie zu ſolchen Anomalien verleiten; jener Tag aber wird es klar ma⸗
chen, ob ſolche Urſachen gültig geweſen. Auch fagen fie gern: GOtt
| Fey nicht an den Ort gebunden, er ſey allenthalben gegenwaͤrtig. Man
koͤnne allenthalben GOtt dienen. Wären doch viele tauſende in der
Wielt, welche ohne Prediger und öffentlichen Gottesdienſt leben muͤſſe ſen,
die koͤnne man ja um des willen nicht verdammen. Heute wurden wir
in der Erbauungs⸗ Stunde auf den Plantationen und in der Stadt in
der Betſtunde vor ſelbſt erwaͤhltem Gottes dienſt gewarnet, da wir hoͤre⸗
ten, daß David nicht in eigener Wahl die Tenne des Jebuſiters zum
kuͤnftigen Tempel⸗Bau, fondern nach Anweiſung des HErrn ſelbſt
we erwaͤhlet hatte. Ein Exempel eines ſelbſt erwaͤhlten und alſo vergeblich
ja ſuͤndlichen Gottesdienſts finden wir Jeſ. 1, 12. und in den Worten:
Dis Volck naher ſich zu mir mit feinem Munde und ehret mich
mit feinen Lippen, aber ihr Hertz iſt ferne von mir. So feyren
leider! gar viele Weyhnachten und andere Feſte, welches eine Verſu⸗
chung GOttes und Mißbrauch feines heiligen Namens iſt. Denn wer
Gott dienen will, muß ſichs laſſen einen Ernſt ſeyn, auf daß er GOtt
nicht verſuche. Wir kamen bey dieſem zum Tempel deſtinirten Ort und
bey den Worten Davids 1 B. der Chron. 23,1. auf die beyden Geheim⸗
niß⸗ vollen Hiſtorien, darin auch ſchoͤne Weyhnachts⸗Materien liegen
1B. Moſ. 22. und 28, 12. u. f., daß der Jebuſiter von Hertzen willig
war, alles zum Altar und Tempel herzugeben, was nur in ſeinem Ver⸗
moͤgen ſtand; und daß auch die Fremdlinge gewuͤrdiget wurden, etwas
hierzu beyzutragen iſt ohne Zweifel ein Geheimniß⸗ volles Vorbild, da
auch die Heyden nicht nur einen Aecels zum Tempel des alten Teſtaments, \
1 auch zu e N der in der menſchlichen Natur als in 1 55
em⸗
en
2730 | Diarium.
Anno Tempel wohnen, und eine gange Fuͤlle der Gnade und Wahrheit eroͤffnen
1742. würde, bekommen wuͤrden; worauf auch die Verheiſſung Ap. Geſch. 1,
Dec. 15:17. gehet, und an den Erſtlingen aus den Heyden, den Weiſen aus
Morgenlande, zu ſehen iſt. Dabey billig zu conferiren, daß auch heyd⸗
niſche Weiber in die Geſchlechts⸗Linie CHriſti gekommen, Matth. 1,35.
die alfo auch das Ihrige nach GOttes gnaͤdiger Fuͤgung zu dem Tempel,
den ſich der Sohn Gottes in Annehmung der menſchlichen Natur ge:
bauet hat, beygetragen haben. Wie troͤſtlich iſt dis uns, die wir von
Natur und Gebluͤte Heyden find. Das ſehr ſchoͤne Verhalten des Je⸗
buſiters Arafna oder Arnan ſoll uns reitzen, all unſer Vermoͤgen, auch
das liebſte und beſte, unſerm König der Ehren, der aus groſſer Liebe zu
uns gekommen, hinzugeben und aufzuopfern, wie wir es auch am J. Ads
vents Sonntage an den Exempeln im Evangelio Matth. 21, 1. u. f. geſe⸗
hen haben. | 2 A
Mittwoch, den 22. Dec. a
Leimberger iſt in der vergangenen Nacht gefaͤhrlich kranck, und von
einer ſehr ſtarcken Epilepſie befallen worden. Da ich zu ihm kam, fo
war der Paroxyſmus zwar vorüber, er konte aber nicht recht deutlich
reden, weil er ſich mit den Zaͤhnen die Zunge laͤdiret hatte. Er hat bis⸗
her Breter und Latten zur Kirche geſchnitten, und nur noch geſtern dieſe
nöthige und nuͤtzliche Arbeit gethan, ob er wol einige Tage her Schmer⸗
tzen im Unterleibe gehabt. Ich brachte ihm die theuren Worte aus dem
68. Pſalm, welche ich mir mit den Meinigen, der Ordnung nach, dieſen
Morgen zu Nutz gemacht hatte: Du biſt in die Hoͤhe gefahren, und
haſt das Gefaͤngniß gefangen gefuͤhret. Du haſt Gaben empfan⸗
gen ꝛc. GOTT legt uns eine Laſt auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen GOTT ꝛc. Er war in ſeiner Seelen ſehr ruhig und
wohl gefaßt, davon auch der Leib participirte. Er redete ſehr erbaulich,
und gab dadurch zu erkennen, daß ihn der liebe GOTT ſchon auf dieſe
Kranckheit, auch wol auf den Tod zubereitet hat. Er ſteht in wahrer
Verleugnung des Eigenwillens, und will nichts anders, als was GOtt
fein Vater will: und da er erfahren, daß unſer Leben, wenn es koͤſtlich ge⸗
weſen, nur Muͤhe und Arbeit geweſen; ſo ſehnet er ſich auch zur Ruhe.
Doch, wenn ihn GOTT ſolte aufkommen laſſen, fo wuͤnſcht er, noch erſt
GOTT und feinem Nächften recht nuͤtzlich zu werden, und glaubt gewiß,
daß dieſe Kranckheit durch den Segen Gottes ihm viel Nutzen ſchaffen
| werde.
Diarium. 2131
erde. Er macht ſich mit dem Jebuſiter Arafna ein
ſeiner Plantage herzugeben, und ich Be „Gott werde ihm die Freude
goͤnnen, die Kirche, die gegen ſeiner Wohnung uͤber gebauet wird, ein⸗
N Beh helfen. Sein Weib hat auch ſchon faſt dergleichen ploͤtzliche
Zufaͤlle als Vorboten eines geſchwinden Todes gehabt, und kan und ſoll
nun durch dieſe gefährliche Kranckheit ihres Mannes aufs neue zum
enft des Chriſtenthums aufgeweckt werden; weſſen fie auch von mir er⸗
innert wurde. Mit dem Kirchen ⸗Bau gehet es GOtt Lob! ſehr gut
von ſtatten, dabey die Arbeiter in der lieblichſten Harmonie ihr Werck
thun. Die Kirche bekommt noch ein ſchoͤner Anſehen von auſſen und
innen, als die Stadt⸗Kirche. Denn ie mehr die Zimmerleute ſich in
wichtigen Bauen uͤben, ie mehrere Vortheile erlangen ſie, und machen
Doch dabey keine unnöthige Koſten. Wir haben zwar nicht fo viel Geld
Krieg . i e groſſe Freude dar: Anno
aus, daß er gewürdiget worden, einen Platz zu der Kirche Gottes Acker, 1742,
und wenns noͤthig, zu einer Prediger⸗oder Schulmeiſter⸗Wohnung auf Dec.
in Caſſa, als zur Bezahlung aller Bau⸗Koſten erfordert werden: ich
glaube aber, hiebey koͤnnen wir ſchon was wagen, und es dem lieben
GOTT, der es verheiſſen hat, mit feinem Sohne alles zu ſchencken, zu.
trauen, er werde uns zu ſeiner Zeit ſo viel zufallen laſſen, daß wir keinem
Arbeiter werden etwas ſchuldig bleiben duͤrfen.
n Donnerſtag, den 23. Dec. *
Mit Klockern ſteht es noch immer gar ſchlecht. Ich habe geſtern
den Herrn Thilo gebeten, daß er ihn wieder einmal beſuchen und einige
Aͤrtzney für feine Umſtaͤnde einrichten möchte, zu welchem Ende ihm heu⸗
2 te ein Pferd zum Herausreiten gegeben worden. Wer den Mann ken⸗
net, der wuͤnſcht mit uns, daß wir ihn noch laͤnger in der Gemeine be⸗
halten moͤchten; denn er iſt ein nuͤtzlicher, dienſtfertiger und unintereſ⸗
ſirter Mann. Sein Hertz iſt mit dem HErrn JEſu wohl daran, und
|
—
it immer im Beten und Loben zu ihm gerichtet. Er iſt bey Hang Floͤrln
im Hauſe, und genießt im Geiſtlich⸗ und Leiblichen viel Gutes. Er er⸗
Ekennet es auch wohl, und fällete von dem Floͤrl dis Urtheil, daß er ein
geiſtreicher Mann ſey er. J
Da das obige ſchon geſchrieben, kommt Herr Thilo von Klo⸗
Cern wieder zuruͤck, und bringet mir dle Nachricht, daß er kurtz vor ſei⸗
ner Ankunft geſtorben ſey. Ich ſagte ihm geſtern unter andern den ſchö⸗
nen Weyhnachts Spruch: Ihr wiſſet die Gnade unſers HErrn JE.
Americ. XI. Sortſ. | ER 93 L
—
—
2132 | Diarium.
Anno fü CSriſti, daß, ob er wol reich iſt, ward er doch arm um euret
1742. willen, auf daß ihr durch feine Armuth reich wuͤrdet. Jetzt wird
Dec. er der Seelen nach zum völligen Genuß dieſes Reichthums CHriſti ges
kommen ſeyn; denn CHriſtus war ſein Leben, daher auch Sterben
fein Gewinn und kein Verluſt ift. Ich erzehlte ihm, wie ſein aͤlteſtes
Maͤgdlein und jüngftes Knaͤblein, Paul, im Waͤyſenhauſe verſorgt waͤ⸗
ren, und was vor gute Hoffnung ich von des Maͤgdleins wahren Beſſe⸗
rung hätte. Er freuete ſich Darüber, und ſagte, daß das mittelſte
Maͤgdlein, welches ihm aufwartet, nicht mebr ſo fleißig bete und gehor⸗
ſam ſey, als vor dieſem, weshalb ich ſie ermahnete: woruͤber ſie viel
a vergoſſen, und mit mir bey ihrem krancken Vater auf den Knien
gebetet hat. Bin | | | ee Er
Dieſen Abend nach unſerer Singſtunde empfing ich einen Brief
von dem lieben Herrn Paft. Muͤhlenberg, den er den ı2ten Nov. in der
Viertel⸗Stunde geſchrieben, da eben die kleine Chalouppe, auf wel⸗
EA er ſich im Glauben gewaget hat, abfahren wollen. Er ſchreibt
olgendes: „Ich erwaͤhlte die erſte Gelegenheit nach Penſylva⸗
„nien, und verdung mich auf die Chalouppe. Es iſt ohngefehr ein
„solches Ding, als worauf der Capitain Grant nach Friderica ſegelte,
„mit Einer Maſte. Mr. Lamptons Brigantin wird noch wol lange
„warten. Ich habe den Capit. Childs 3. Guineas für die Paſſage ge⸗
„geben. Der Herr Theus wolte nichts nehmen vor meine Verpfle⸗
„gung. Ich wolte ihm etwas aufdringen, weil er ein armer Mann
„ft, und nichts hat, als was er mit der Mahlerey verdienet, aber er
„wolte nicht. Der gnaͤdige GOTT mag es nach feiner Güte vergel⸗
„ten. Ich habe Die Zeit her ein paar groſſe Knaben informiret, die
„Sonntage zweymal geprediget, die uͤbrige Zeit angewandt, mein
„Journal abzuſchreiben, und einen Brief an den Herrn Hof⸗Pre⸗
„diger zu verfertigen. Auſſer dem bin von einem zum andern ge⸗
„tauffen, um mit den Leuten wegen der Reife zu ſprechen. Ich gab
„mein Paͤckgen an Herrn Theus, welcher es an den Herrn Hapton
„geben wolte. DT | 5 1
: Freytag, den 24. Dee. K
Heute nach der Erbauungs⸗Stunde wurde Bernhard Klocker be⸗
graben, und wohnete mein lieber College dem Begraͤbniß mit bey, weil
ich in der Erbauungs⸗ und Vorbereitungs⸗Stunde etwas ſchwach und
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Diarium. | 2133
muͤde worden. Dieſen Morgen habe die Verlaſſenſchaft dieſes ſeligen Anno
Mannes, fo viel noch in feiner eigenen Hütte war, aufgeſchrieben und 1742.
in Peter Reiters Wohnung bringen laſſen: die übrigen beſten Sachen Dec.
ſind bey Hanß Floͤrln, wo Klocker lange kranck gelegen. Was nicht
aufgehoben werden kan, wird man den Kindern zum Beſten zu Gelde
machen. Auch iſt es zu dieſer gefährlichen Zeit, da hin und wieder das
Vieh⸗ Sterben noch graſſiret, beſſer, daß fein hinterlaſſen Vieh ver⸗
kauft und das Geld aufgehoben werde. An dieſem Tage hat uns der
liebe GOTT viel erbauliches zur Vorbereitung auf das heilige Weyh⸗
nacht⸗ Feſt hören laffen, und find ſowol in der Erbaunngs als ‘Bet:
ſtunde unfere Hertzen durchs theure Evangelium aufgewecket worden,
ulnſergegenwärtiges Heil wohl wahrzunehmen.
We Sonnabend und Sonntag war das heilige 60
5 Wiaeyhnacht⸗Feſt. |
5 15 Rh, Ob gleich ietzt einige Glieder in der Gemeine mit Fiebern und an⸗
deen Schwachheiten heimgeſucht werden; ſo hat doch der liebe GOTT.
uns beyden Geſundheit und Kraͤfte verliehen, unſer Amt gantz ungehin⸗
1
dert auszurichten. Auch haben fich unſere Zuhoͤrer fleißig zum Gottes⸗
dienſt eingefunden, mit denen wir uns im Gebet, Geſang und durch
die Predigt des Evangelii von CHriſto erbauen koͤnnen. Die Witte⸗
rung war zwar kalt, doch trocken, und weil unſere Kirche mit Fenſtern
.
und Thüren wohl verwahret iſt, haben wir die Kälte nicht ſehr verſpuͤ :
ret. Ein teutſcher Mann von Savannah und zwey teutſche Rangers
vom Fort Argyle waren hieher gekommen, mit uns Weyhnachten zu
feyern. GOTT hat den Leimberger wieder fo weit geſtaͤrckt, daß er
begde Feyertage hat konnen dem Gottesdienſte beywohnen, welches auch
uns Freude machte. 85 e ;
a Montag, den 27. Dec. | |
Dter teutſche Schneider von Savannah hat ſich nun völlig re⸗
ſolvirt, zu uns zu ziehen, nachdem er dazu von uns auf die Be⸗
dingung eines chriſtlichen Verhaltens, Erlaubniß erlanget hat. Er
kauft dem Scheffler ſeine neue Huͤtte bey der Stadt ab, als welcher
ſie nicht mehr braucht, nachdem er die Ernſtin geheyrathet hat.
Der Schneider verſpricht alles Gute, und wird es auch gut uns
ter uns haben, wo er ſein ane e Er iſt ein Meiſter,
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arhei⸗
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2134 5 Diarium.
Anno arbeitet ſehr geſchwinde und wohlfeil Er iſt vor dieſem unter den Fran⸗
742. ßoſen Soldat geweſen. Wie aber Johannes der Taͤuffer auch die
Dec. Kriegs - Leute angenommen, und ihnen heilſame Erinnerungen gegeben;
fo iſts auch unſere Pflicht, es mit allerley Leuten zu verſuchen. Viel⸗
leicht gelingt es einmal dem Worte des HErrn an ihren Seelen, da es
ihnen, gleich andern, reichlich verkuͤndiget wird. Folgen fie nicht, fo
haben fie deſto weniger Entſchuldigung. e 155 ö
Dienſtag, den 28. Dec.
Unfere Sinſtunde gehet noch immer GOt bob! im Segen fort,
and wir haben darin viel Erbauung und himmlſches Vergnügen. Ger
ſtern und heute haben wir uns geübt, das ſchoͤne died: Sey willkom⸗
men, liebftes Kind ꝛc. it. HERR, fo du wirft mit mir ſeyn ac.
recht zu faſſen. Weil die Melodey etwas ſchwer, und die Verſe lang,
und alſo mancherley Abwechſelungen in der Melodey ſind, iſt es den deu⸗
ten etwas ſchwer gefallen, ſie ſo bald wie andere zu faſſen: doch die
Uebung und Wiederholung giebt hernach alles. Das letzte iſt ein ſehr
erbaulich Pilgrim⸗ und Emigranten⸗ Lied, welches ſich auch gar wohl zu
der Materie ſchickt, die wir ietzt von den Fremdlingen in dem Juͤdiſchen
Lande, nach 1B. der Chron. 23, 2. vergl. 2 B. der Chron. 2, 17. in den
Abend⸗Betſtunden vernehmen. Sie zogen nicht ins Land Canaan, um ihr
Fortun mit Anſchaffung groſſer Laͤndereyen zu machen; denn darzu war
ihnen der Weg durch ausdrückliche Verordn ungen Gottes verſperret:
ſondern es war ihnen um das Erkaͤntniß und Dienſt GoOttes und ums
Selig⸗ werden zu thun; und weil ſie, wie wir aus vielen ſchoͤnen Erems
peln ſolcher Fremdlinge wiſſen, zuerſt trachteten nach dem Reiche GOt⸗
tes, und nach feiner Gerechtigkeit, fo fiel ihnen auch das Leibliche zu,
ob fie wol gar kein eigen Land und Buͤrger⸗Recht oder Ehren⸗Stellen
in Iſrael hatten und haben konten. Daß der liebe GOTT ein beſon⸗
derer Liebhaber der Fremdlinge ſey, ſehen wir aus 2 B. Moſ. 22, ar.
t. 23, 9. 5 B. Moſ. 10, 18. da es gar troͤſtlich heißt: GOTT. hat die
Sremdlingen lieb, daß er ihnen Speiſe und Kleider gebe ꝛc. Dis
kan unſern Glauben, die wir auch Fremdlinge find, ſehr ſtaͤrcken, daß,
wenn wir unſern Wandel, nach 1 Petr. 2, rı. u. f. anſtellen, wir keinen
Mangel an irgend einem Guten haben werden, wenn wir gleich nicht ſo
viel Fand und zeitlich Vermoͤgen beſitzen, als etwa andere in der Nach⸗
barſchaft, welches letztere mehrmal den linſrigen von eee
N en⸗
4
Diarium. > 3
zn wird. Wir ſind auch unferer Pflicht der r Danck⸗ Anno |
—
Menſchen
barkeit und des Gehorſams gegen unſere wohlthaͤtige u erinnert 1742.
worden, da fie fich gegen uns bisher ſo bewieſen, wie 3 Epift. Joh. Dec,
v. 5 8. Hingegen muß uns wol an den Sünden der Menſchen im Lan⸗
de recht eckeln, als welche die Fremdlinge, fie mögen ſeyn weiſſe oder
wartze Dienſtboten, ſchinden und unterdrücken, und an das Wort
des HErrn JZESU nicht gedencken: Was ihr wollet, das euch die
Leute thun follen, das thut ihnen auch. Weil die Fremdlinge kein
e Land und Buͤrger⸗Recht hatten, ſondern ſich als Tagloͤhner,
Handwercker und Künfkler unter den Israeliten ernehren muſten; fo
gal ihnen auch David bey der Zubereitung zum Tempel⸗Bau Gelegen⸗
heit, etwas zu verdienen. Eben das iſt mit eine Urſache, warum die
Herren Truftees keine Negers ins Land einführen wollen, damit die
Armen und Fremdlinge bey allerley Arbeiten emploiret werden koͤnten,
da ſonſt vor weiſſe arme Leute kein 0 if ‚wo a genug da
9 andern Orten. =
Mittwoch „den 29. Dec.
N. ſſt a am andern Feyertage ſehr kranck worden, und hat faſt 24.
a en ohne Verſtand gelegen. Dieſen Morgen ließ er mich gantz
frühe zu ſich kommen, und bekante unter Weinen und Seufzen, daß er
eine ſehr traurige Nacht gehabt. Denn GOTT habe ihm alle feine
Suͤnden ſchwer aufs Gewiſſen fallen laſſen, deren mehr ſind „als Sand
am Ufer des Meers. Sonderlich druͤckten ihn beſondere Jugend⸗Suͤn⸗
den: it. daß er das heilige Abendmahl oft gemißbrauchet habe, weil kei⸗
ne ee erfolget ſey. Er haͤtte ſich bisher immer vor einen
Pr guten Chriſten gehalten, er ſehe aber ietzt wohl den Irrthum und Selbſt⸗
betrug. Er war in Sorgen, als wenn ihn GOTT wegen feiner Suͤn⸗
den verſtoſſen wuͤrde; wenn das nur nicht geſchehe, ſo wolte er ſich gern
alles ergeben, wie es GOtt mit ihm machen wolte. Hans Schmidt
aͤtte ihm in der vergangenen Nacht Troſt zugeſprochen, es wolle aber
kein Troſt bey ihm haften. Ich ſagte ihm, daß ſein ietziges Suͤnden⸗Ge⸗
fuͤhl und das redliche Verlangen durch CHriſtum daraus errettet zu wer⸗
den, ein Zeichen ſey, daß ihn GOtt nicht in die Hölle verſtoſſen, ſondern
in den Himmel haben will. Ich wieſe ihn hierbey auf die Art der Buſſe
Davids, des Zoͤllners, des verlornen Sohns, ermahnete ihn zur Ver⸗
Wen feinem Pen ſonderlich 3 N., mit dem er 9
16 - Dierim.
wiſſens. Be | 0
Ich beſuchte dieſen Vormittag den N. N., habe aber wenig bey
ihm ausrichten koͤnnen. Er hat ein ſehr gut buchſtaͤblich Erkaͤntniß in
geiſtlichen Dingen, und dabey gut Mundwerck, und iſt wie ein Aal in der
Hand, den man nirgends faſſen kan, ſondern der ſich bey allen Dingen,
die an ihm ſtrafbar ſind, auszuwickeln weiß. Ueber andere Leute faͤhrt
er geſchwinde mit einem ſehr groben Urtheil her, daß, wenn man ſolche
Leute nicht beſſer kennete, man fie vor grobe Sünder und Miſſethaͤter
halten muͤßte. Ueber mich war er auch erzuͤrnet, weil ich ſein Weſen und
Verhalten nicht billigen kan, und war ſein Urtheil, ich haͤtte keinen guten
Sinn und Willen gegen ihn. Was will man machen? Man muß ſol⸗
che Leute der Erbarmung Gottes uͤberlaſſen, wo der ſie nicht aͤndert,
uͤberzeuget und demuͤthiget, ſo richten wir armen Werckzeuge wenig oder
nichts aus. i
5 Donnerſtag „den 30. Dec. . 5 N
Um 1. Uhr verſammleten ſich erwachſene und Kinder im Waͤyſen⸗
hauſe in der Eß⸗Stube, da ich ihnen denn zum Beſchluß des alten Jah⸗
res etwas aus GOttes Wort vortrug, mit ihnen dem lieben GOTT
für die empfangene Wohlthaten danckte, und fuͤr uns und die Wohlthaͤ⸗
ter betete. Ich erinnerte ſie bey dem Vortrag des geſtern gehabten
Spruͤchleins 5 B. Moſ. 10, 12. GOTT hat Wänfen, Wittwen und
Fremdlinge lieb, daß er ihnen Speiſe und Kleider gebe; und zeigte ih⸗
nen, daß es dem lieben GOTT gefallen, uns zu Fremdlingen in dieſem
Lande und feinem alten Bol Iſrael, ja dem 1 Abraham,
Iſaac und Jacob hierin aͤhnlich zu machen. ie er nun gegen uns
Fremdlingen geſinnet ſey, das ſtehe hier. Er habe uns lieb; welche Lie⸗
be er nicht nur dadurch bewieſen, daß er uns in dem gantzen faſt nun
geendigten Jahre Speiſe und Kleider gegeben, ſondern er hat uns viele
andere geiſtliche Wohlthaten erzeiget, fein Wort und die heiligen Sa⸗
cramenta, gute Gelegenheit zur Erbauung, guten Frieden, viel Abiwen
dung allerley Schadens und Ungluͤcks verliehen. = = Aus Europa hat
Ms | er
Anne her nicht wohl dran geweſen, erinnerte ihn auch des ſchoͤnen Gleichniſſes
1742. von dem Könige, der mit feinen Knechten um deswillen zur Rechnung
Dec. ging, daß er ſie von ihrer Untreue und Schuld überzeugen, und auf ih⸗
re Demuͤthigung ihnen alles vergeben wolte. Das ſey auch die Abs
ſicht Gottes in dieſer ietzigen Kranckheit und Aufruͤhrung des Ge⸗
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Dierium. | 2139
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Tuns manchen ſchönen Segen zu Erhaltung und Fortfesung der Wa- Anno-
1 und Wittwen⸗Anſtalten beſcheret, und dadurch deutlich zu erken⸗ 1742.
nen gegeben, daß er auch andere chriſtliche Hertzen zur thaͤtigen Liebe ge⸗ Dec.
gen uns erweckt habe, wie wir vor einiger Zeit aus der erbaulichen Vor⸗
geb zur gten Continuation zu unſerer groſſen Vergnuͤgung erfehen has
den. Hiebey begehrte ich von unſern Fremdlingen im Waͤyſenhauſe
zweyerley: 1) Daß fie zu Ende dieſes Jahrs zurück dencken und ſtuͤck⸗
weiſe erwegen ſollen, wie viel Liebe ihnen der HERR erwieſen. 2) Daß
b genau nachfragten, wie ihre Gegenliebe gegen den liebesvollen und
barmhertzigen GOTT und Jater beſchaffen geweſen. Wer nicht zus _
erſt trachtet nach dem Reiche GOttes, nicht mit den Wohlthaten GOttes
danckbar und treu, ſondern mißvergnuͤgt umgehet; wer ungehorſam,
zanckſuͤchtig, neidiſch, verleumderiſch geweſen, habe keine wahre Ge⸗
genliebe gegen GOTT gehabt, fondern ſey ein glaub⸗ und liebloſer
Menſch geweſen. Speiſe und Kleider habe GOTT einem ieden ger
ſchencket, denn ſie haben ſich alle zur Nothdurft ſaͤttigen und bey Tag
und Nacht bedecken koͤnnen. Es ſey aber gar gemein, daß die mißver⸗
gnuͤgten Menſchen nicht damit zufrieden ſeyn. Bald haben ſie an der
Qualitat der Speiſe und Kleider etwas auszuſetzen, bald begehren fie
Geld und andere Dinge dazu, und wenn ſie es nicht ſo haben koͤnnen, ſo
murren fie heimlich, und halten ſolche Specimina der goͤttlichen Vorſorge
nicht vor Zeichen der Liebe GOttes, ob er fie gleich dazu 1. c. macht.
Es wurde zuletzt der Greuel dieſer Suͤnde vorgeſtellt, und ein ieder treulich
ermahnet, denſelben durch wahre Buſſe in dem Blute CHriſti tilgen zu
laſſen, und GOtt um den Heiligen Geiſt anzurufen daß er ſie alle zu gantz
neuen Menſchen machen moͤchte.
| I Ba Dee >... >.
lauben wo | |
er nicht fortkommen, will auch 3 ſeine alte Tage fuͤr ſeine Kinder
forgen, daß fie aus GOttes Wort unterrichtet wuͤrden. Wenn es
wahr iſt, daß er ſich mit den Seinigen hier in chriſtliche Ordnung ſchicken
will, als welche ihm gar wohl bekant ift; fo wollen wir ihn nicht hin⸗
dern unter uns zu wohnen, und die Gelegenheit zur Erbauung der See⸗
len mit zu genteffen. Er machte mir von dem unordentlichen Weſen in
N. eine folche jaͤmmerſſche Beſchreihung, daß man es wol niemanden
eder Metzger von N. fragte bey mir an, ob wir ihm er⸗
ver⸗
lten, ſich mit ſeinen Kindern unter uns zu ſetzen. In N. kan
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Anno verdencken kan, wenn er den Ort verlaͤßt, und ſeine
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1742. ſuchet. Es iſt uns ſchon vorhin bekant, wie verworren alles im Gei His
Dec. chen und Leiblichen ausſiehet, und da wir in allen Stücken groffe Vorzuͤ⸗
ge genieſſen; ſo haben wir Urſach, uns unter einander fleißig der geiſtlich⸗
und leiblichen Wohlthaten, fo uns von GO reichlich wiederfahren, f
zu erinnern, und uns zur aufrichtigen Danckbarkeit gegen ihn und unfere
Wohlthaͤter zu ermuntern. e 5
5 De himmliſche Vater fer für alle Güte, fo un
x, fern Seelen und Leibern in dieſem zurück geleg⸗
ten Jahre zugefloſſen, in dem Namen JEſu CHriſti
demuͤthig gelobet. Er laſſe uns dis alte Jahr im Se
en endigen, und das Neue im Segen anfangen, daß
a wir die Geſegneten des HER RR ſeyn und 235
bleiben in Zeit und Ewigkeit.
a Amen!
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